IHK-MAGAZIN
Nr. 7127634
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Gründungsmut in Eckernförde

"Wenn nicht hier, wo dann?"

Graue Bucht, gute Laune: In Eckernförde haben zwei Freunde einen Adventuregolfplatz eröffnet – trotz Regen und wirtschaftlich schwieriger Zeiten scheint das Konzept aufzugehen.
Ein Dienstagvormittag im Juli: Der Himmel ist wolkenverhangen, es regnet, die Bucht liegt grau und aufgepeitscht da. Doch auf dem Adventuregolfplatz direkt an der Promenade ist die Stimmung gut: Eine Abteilung der Sparkasse verbringt hier ihren Betriebsausflug. Sie sind begeistert. Als sie ihre Schläger zurückgeben, fällt ihr Feedback positiv aus – trotz Regen, Geschäftsrisiko Nummer eins. Nino Lauscher freut sich.
Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Geschäftspartner Gunnar Bonse hat er das Konzept für die Anlage erdacht. Golf ist ihre gemeinsame Passion – „Wir haben uns sogar beim Golfen kennengelernt", erzählt der 41-Jährige.

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, einen Adventuregolfplatz zu eröffnen?

„Das fragen uns alle“, grinst Nino Lauscher. „Es war Gunnars Idee.“ Bonse, ehemaliger Gastronom, ging regelmäßig an einer Anlage in seiner Nachbarschaft vorbei und war überrascht, wie viel dort immer los war. Als er entschied, aus der Gastronomie auszusteigen, fragte er Nino, ob er Lust auf das Projekt hätte – und Nino hatte Lust.

Lage, Lage, Lage

Im letzten Jahr begannen sie, die Gegend nach passenden Plätzen abzusuchen. Schließlich fanden sie die alte Minigolfanlage in Eckernförde. „Da war uns klar: Wenn nicht hier, wo dann?“, erinnert sich Lauscher. „Die Lage am Strand ist einfach der Knaller.“
Eckernförde gilt als Touristen-Hotspot. Doch auch hier ist die Zahl der Übernachtungen seit Corona laut der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH zurückgegangen. Steigende Preise, aktuelles Weltgeschehen – für Lauscher sind das keine Warnsignale, sondern Anzeichen für einen Umbruch. „Ich glaube, dass die Idee, im eigenen Land Urlaub zu verbringen, zunehmend attraktiver wird.“ Und im Urlaub gönnt man sich etwas – zum Beispiel eine Runde Adventuregolf. Damit das weiterhin drin ist, haben die Gründer die Preise bewusst so gestaltet, dass eine vierköpfige Familie unter 50 Euro spielen kann.
Rund um den Platz befinden sich Gastronomie und öffentliche Toiletten. „Wir müssen uns um nichts anderes kümmern. Das war von Anfang an unser Plan, um unser Risiko zu minimieren: Personalschlüssel und Kosten möglichst klein halten.“

Figuren mit lokalem Bezug

Mit der Entscheidung für den Standort entstand auch das Konzept für die Anlage. Die Gründer beauftragten den Platzbauer Stefan Hofmann, um gemeinsam die 2.300 Quadratmeter mit 18 Bahnen zu gestalten. Etwa eine halbe Million Euro haben sie in den Umbau investiert. „Adventuregolf ist Minigolf in modern, der Platz ist bunter, hat hügeligere Bahnen", erläutert Lauscher. Für ihre Anlage überlegen sie sich Themenwelten, die die Sehenswürdigkeiten der Stadt und der Umgebung aufgreifen. „Wir haben die Figuren vom Holzkünstler Steffen Merla anfertigen lassen.“
Damit das Geschäft sich rechnet, benötigen sie 68 Spieler pro Tag. Leuchtturm, Brücke, Schiff und besonders das Eichhörnchen kommen gut an – bei Touristen genauso wie bei Einheimischen. Auf beide Zielgruppen setzen Gunnar Bonse und Nino Lauscher bewusst: „Ohne die Einheimischen hast du keine Chance.“ Sie kommen mit ihren Familien zum Spielen und zu Firmenfeiern oder Geburtstagen wieder. Das eigentliche Geschäft macht dennoch der Tourismus: Der Großteil der Gäste kommt von auswärts„– und das macht aus dem Adventuregolfplatz ein Saisongeschäft.
„Du musst im Sommer das ganze Geld für ein Jahr einnehmen“, erklärt der Unternehmer. Wie eng das werden kann, zeigte sich schon dieses Jahr: Ursprünglich sollte der Platz bereits im Frühjahr öffnen, doch weil der Bau länger dauerte, konnten sie erst zu Pfingsten starten. „Da ist schon Druck auf dem Kessel.“

Der Faktor Wetter

Einen Risikofaktor jedoch lässt sich nicht managen: das Wetter. Die Gründer werteten Daten der vergangenen Jahre aus“– in Eckernförde gibt es pro Saison etwa 15 bis 20 Tage Starkregen. „Wenn es in Strömen regnet, kommt natürlich niemand“, erzählt Lauscher. Dann öffnen sie nicht. Doch wenn es nieselt, so wie an diesem grauen Dienstag, ist durchaus etwas los. „Wenn du Urlaub hast, willst du ja nicht den ganzen Tag mit den Kindern drinnen bleiben. Da willst du etwas unternehmen und gehst auch raus, wenn es regnet.“ Schlechtwettertage versuchen die Gründer zudem auszugleichen, indem sie innerhalb der Hauptsaison die Öffnungszeiten nach hinten verlängern.

Volle Kraft voraus!

„Ich glaube, man muss schon einen Grundoptimismus zum Gründen haben.
Ein Restrisiko bleibt trotzdem immer. „Ich glaube, man muss schon einen Grundoptimismus zum Gründen haben“, erzählt Lauscher, während er mit seinen Gästen plaudert und Fotos schießt. „Besonders, wenn man in Zeiten wie diesen etwas aufbauen möchte – die sind ja nicht gerade golden.“
In 5,5 Jahren wollen die beiden ihre Investition wieder eingespielt haben. Beide waren bereits selbstständig, Gunnar Bonse betreibt den Platz mittlerweile hauptberuflich, Nino Lauscher zusätzlich einen Pferdehof mit Ferienwohnungen. „Es hilft ungemein, wenn man seine eigenen Betriebsergebnisse kennt und belegen kann.“
Der Pachtvertrag mit der Stadt hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Schon jetzt steht fest: Eckernförde soll nicht die letzte Station bleiben. Der nächste Platz ist bereits anvisiert, an einem anderen Ort, mit neuem Konzept.
Klingt nach viel Arbeit – doch nicht für Nino Lauscher. „Ich verkaufe den Leuten Spaß und habe dabei einen tollen Blick über die Ostsee. Für mich könnte es nichts Schöneres geben.“