Vom Lieblingsplatz zum Lebensprojekt – Café Grün in Preetz

Als Kundin saß Tatjana Zentner oft auf dem gemütlichen Sofa in der Ecke des Café Grün in Preetz – mit einer Tasse Kaffee, einem guten Blick auf die belebte Straße und der heimlichen Sehnsucht: "Wenn dieses Café irgendwann einmal verkauft wird, sagt mir Bescheid." Dass dieser Wunsch tatsächlich Realität werden würde, hätte sie damals selbst nicht geglaubt.
Heute, einige Jahre später, steht sie selbst hinter der Theke – als Inhaberin des Café Grün, das sich längst zu einem festen Treffpunkt in Preetz entwickelt hat. Der Weg dorthin war kein leichter, aber ein lehrreicher: "Ich hatte eine sehr romantische Vorstellung davon, wie es ist, ein Café zu führen. Heute weiß ich, was es bedeutet, Unternehmerin zu sein – mit all der Verantwortung, den Herausforderungen, aber auch der Erfüllung, die darin steckt."
"Ich hatte eine sehr romantische Vorstellung davon, wie es ist, ein Café zu führen. Heute weiß ich, was es bedeutet, Unternehmerin zu sein – mit all der Verantwortung, den Herausforderungen, aber auch der Erfüllung, die darin steckt."

Mit Social Media und Familienzusammenhalt zum Recruiting-Erfolg

Bevor sie Gründerin wurde, war Tatjana Zentner als Küsterin tätig. Die Entscheidung, ein eigenes Café zu übernehmen, traf sie aus Überzeugung und mit viel Unterstützung von Familie und Freunden. "Mein Mann hat die Renovierung gemacht, meine Tochter Marie war von Anfang an dabei – im Service, in der Organisation und auf Social Media. Ohne die beiden hätte ich das nicht geschafft."
Marie Zentner postet auf Instagram regelmäßig Szenen aus dem Café Grün - vom angerichteten Teller, Gesprächen mit Gästen bis zu Einblicken in der Küche. Fotos und Video unterstreichen immer die familiäre, authentische und sympathische Atmosphäre des Cafés. "Was als digitales Schaufenster für die Produkte und Aktionen unseres Cafés gedacht war, ist ein echtes Recruiting-Instrument geworden. Denn immer mehr Menschen fühlen sich durch die Posts nicht nur als Gäste, sondern auch Mitarbeitende angesprochen” berichtet sie. Stellenanzeigen brauchen die Zentners nicht zu schalten. Und die Realität hält, was die digitalen Inhalte versprechen. "Häufig werden meine Mitarbeiterinnen von Gästen für meine Töchter gehalten. Und so fühlt es sich für mich auch an” bestätigt Mutter Tanja lachend.
Gar nicht zum Lachen war Tatjana Zentner dagegen nach dem Beratungsgespräch mit der IHK zu Kiel vor der Gründung des Cafés: Beim Erstellen ihres Businessplans suchte Zentner Rat – und bekam ehrliches Feedback von Fabian Haushahn. "Ich weiß noch genau, wie Fabian mir von der Übernahme der alten Küchenausstattung abgeraten hat, die seiner Einschätzung nach zu teuer angesetzt war. Damals war ich enttäuscht, heute bin ich dankbar. Er hatte recht." Der gute Kontakt zur IHK ist trotz, oder gerade wegen diesem ehrlichen Austausch, geblieben.

Blinis, Herzblut und Geduld

Dass das Café heute so erfolgreich ist, liegt auch an einem besonderen Gericht: hausgemachte Blinis – hauchdünne Pfannkuchen nach kasachischer Art. "Ich bin in Kasachstan geboren. Mein Mann hatte die Idee, etwas Typisches aus meiner Heimat auf die Karte zu bringen. Die Blinis backen wir jeden Tag frisch – mit Eiern aus der Region und Mehlmischungen aus Reis und Hirse, die ich selbst entwickelt habe."
Was als Experiment begann, ist heute das Markenzeichen des Hauses. "Anfangs wollten die Gäste sie gar nicht so recht probieren. Heute sind sie unser Bestseller. Es hat gedauert – aber das war eine meiner wichtigsten Unternehmerinnen-Lektionen: Gib den Dingen Zeit."

Mehr als ein Café – ein Ort für Begegnung

Das Café Grün ist längst mehr als ein Ort zum Kaffeetrinken. Es ist ein Treffpunkt – für Nachbarn, Freundinnen, Familien. Manche Geschichten berühren besonders: "Es gab eine Familie, die jeden Sonntag mit einer elegant gekleideten älteren Dame zu uns kam. Eines Tages fehlte sie. Die Familie erzählte, dass sie verstorben sei – und trotzdem kamen sie weiter, Woche für Woche. Das Café wurde ihr Erinnerungsort."
Solche Momente zeigen, was das Café ausmacht: Es ist ein Ort mit Seele.

Kreativität trifft Gemeinschaft

Neben Frühstück und Mittagstisch bietet das Café Grün heute auch Workshops an – von Aquarellmalerei bis zu Schmuckgestaltung. "Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Menschen sich begegnen, kreativ werden und wohlfühlen", erzählt Marie. Sie studiert Pädagogik in Kiel, organisiert Veranstaltungen im Café und gibt Workshops zum Thema Social Media.
Auch die regelmäßig wechselnden Kunstausstellungen machen das Café zu einem kulturellen Ort. "Wir stellen aus, was uns gefällt – ohne Konzept, aber mit Herz", sagt Marie.
"Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Menschen sich begegnen, kreativ werden und wohlfühlen."

Vom Start in der Pandemie zur etablierten Adresse

Eröffnet wurde das Café mitten in der Corona-Pandemie – eine schwierige Zeit. "In den ersten Tagen hatten wir 100 Euro Umsatz und haben uns trotzdem gefreut. Aber die Leute standen draußen, haben durch die Scheiben geschaut und gefragt, wann es losgeht. Das hat uns Mut gemacht", erinnert sich Tatjana.
Heute ist das "Schlemmerfrühstück" regelmäßig ausverkauft, und viele Gäste kommen nicht nur wegen des Essens, sondern wegen der Atmosphäre: familiär, herzlich, authentisch. "Manche halten uns für eine große Familie – und irgendwie sind wir das auch", sagt Tatjana.