IHK-MAGAZIN
Nr. 7100062
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Knotenpunkt Logistik: Port of Kiel

Wo alle Fäden zusammenlaufen: Der Kieler Hafen ein Frühwarnsystem

Baustellen, Sperrungen, Ersatzverkehr: Im Norden wird gebaut wie selten zuvor. In Kiel bleibt die Kanalstraße monatelang dicht, auf der A 215 wird bei laufendem Verkehr saniert, die B 502 ist im Berufsverkehr eine Geduldsprobe. Und Störungen im Bahnverkehr sind sowieso an der Tagesordnung. Für Unternehmen ist das eine Bewährungsprobe – gerade im Hafen, wo im besten Fall ein Rad in das andere greift. Geschäftsführer Dr. Dirk Claus zur Situation an den Kaikanten.
Eine reibungslose Logistik ist das A und O im Hafengeschäft. Wie machen sich die vielen Straßenbaustellen im Norden bemerkbar? „Natürlich treffen uns die Baustellen auf der A 215, aber insgesamt sind wir mit der Situation zufrieden“, erklärt der Geschäftsführer der SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG., Dr. Dirk Claus. Knapp acht Millionen Tonnen Fracht werden im Seehafen pro Jahr umgeschlagen, das meiste davon wird per Lkw angeliefert bzw. weitertransportiert: „Für uns ist die Anbindung nach Hamburg besonders wichtig – und die funktioniert im Moment gut.“ Die Kommunikation bewertet er ebenfalls positiv: Über anstehende Bauarbeiten im gesamten Norden informiert das Kieler Tiefbauamt den Hafen, der die Infos an seine Kundschaft weitergibt. Im Idealfall planen Speditionen dann mehr Zeit für An- und Abfahrten ein. Tiefbauamt und Hafen seien zu den Baumaßnahmen in einem „guten Dialog“, erklärt Hafenmanager Claus.
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© PORT OF KIEL _ Tom Körber

„Die Probleme der Bahn spüren wir natürlich.“

Hamburg ist die zentrale Drehscheibe für den Kieler Hafen. Das gilt für Güter, aber auch für die rund 2,8 Millionen Passagiere, die jedes Jahr in Kiel gezählt werden. Etwa 1,2 Millionen der Passagiere sind Kreuzfahrttouristen – und die nutzen vielfach die Bahn für die Anreise. Etwa 35 bis 40 Prozent reisen per Zug an. „Die Probleme der Bahn spüren wir natürlich“, erklärt Dirk Claus. Nach Angaben der Deutschen Bahn kamen im Mai nur gut 60 Prozent der Fernzüge pünktlich ans Ziel. Auf Verspätungen und Zugausfälle ist der Kieler Hafen deshalb eingestellt: „Wenn auf den Kreuzfahrtschiffen noch viele Gäste fehlen, haben wir ein bisschen Spielraum. Dazu kommt, dass die Passagiere ihre Anreise meist nicht auf den letzten Drücker planen.“

Gütertransport läuft vor allem über das Straßennetz

Herausfordernd ist jedoch die Lage beim Güterverkehr auf der Schiene: „Zuletzt sind nur etwa 20 Prozent der Güterzüge pünktlich bei uns angekommen“, berichtet Hafenchef Claus. Im schlimmsten Fall ist das Schiff also abgefahren, bevor der Zug eintrifft. Die Kundschaft im Cargobereich hat deshalb weitgehend auf Lkw-Trailer umgeswitcht: „Noch vor drei Jahren wurden etwa 30 Prozent der Trailer am Schwedenkai per Zug weitertransportiert, jetzt liegen wir bei unter zehn Prozent.“ Am liebsten hätten es die Kieler Hafenmanager, wenn ein Viertel der Fracht per Zug transportiert würde. Bei der Qualität im deutschen Bahnnetz sei dieses Ziel im Moment jedoch nicht zu erreichen.
Zuletzt sind nur etwa 20 Prozent der Güterzüge pünktlich bei uns angekommen.

Hafen rechnet mit einem stabilen Ergebnis für 2026

Und wie laufen die Geschäfte an der Kieler Förde insgesamt? 2025 legte der Güterumschlag um fast fünf Prozent zu – ein echter Rekord. Für das laufende Jahr rechnet der Hafen mit einem stabilen Ergebnis: „Angesichts der wirtschaftlichen Situation ist das für uns in Ordnung“, sagt Claus. Die Nachfrage aus den baltischen Staaten und Schweden ist solide. Wie überall sind auch dort die hohen Energiepreise und die politische Unsicherheit spürbar. Ungebrochen ist hingegen der Kreuzfahrtboom. Für dieses Jahr rechnet der Hafen mit 200 bis 220 Anläufen. Vor allem bei Winterkreuzfahrten gab es zuletzt deutliche Zuwächse.

Sanierung der Infrastruktur geht weiter

Mit Bauarbeiten werden die Unternehmen in Kiel auch in Zukunft rechnen müssen. Allein aus dem Sondervermögen Infrastruktur des Bundes werden 550Millionen Euro in die Verkehrsinfrastruktur in Schleswig-Holstein investiert. Für den Hafen sind das gute Nachrichten – auch wenn der Weg dorthin zunächst über weitere Baustellen führt.