Ortungssysteme

Schluss mit Suchen

Die aktive Ortung von betrieblichen Gegenständen, Waren oder Transportvehikeln wird zunehmend wichtig. Die Vernetzung von Produktions- oder Lagerelementen spart Zeit und kommt schon heute vielfach zum Einsatz.
Professor Hellbrücks Hütehund ist kaum größer als eine Postkarte und arbeitet von der Zimmerdecke aus. Hinter seiner Plexiglas-Scheibe leuchtet es grün: Alles in Ordnung, er hat seine Schafe im Blick. Diese "Schafe" sind Draise-Produktionswagen, auf denen in der manuellen Fertigung Materialien und Werkzeuge aufbewahrt werden, und der "Hund" ist einer von 44 Ankern, die ihre Position überwachen.
Professor Dr. Horst Hellbrück hat das System an der Technischen Hochschule Lübeck gemeinsam mit Experten der TU Hamburg und den Firmen Virtenio und Krallmann im gleichnamigen Verbundprojekt entwickelt. Draise steht für drahtlose, robuste, adaptive industrielle Systeme. Sie hatten festgestellt, dass Mitarbeiter zu viel Zeit mit Suchen verbringen, etwa nach Material oder Werkzeug. Mit dem neuen Ortungssystem sehen sie mit einem Blick auf den Bildschirm, wo sich welcher Wagen befindet und ob er einsatzbereit ist.
"Der Mehrwert ist die Flexibilität", sagt Projekt-Doktorand Swen Leugner. Die Wagen haben einen Chip mit Batterie, um Signale aussenden zu können. Damit ist immer nachvollziehbar, wo sie sich befinden. Das ist sinnvoll, wenn sie bewegt werden und damit eine passive Ortung mit RFID oder Barcodes, wie sie in der Lagerlogistik üblich ist, nicht mehr ausreicht.
Die aktive Ortung kann auch für das Tracken von Mitarbeitern eingesetzt werden, "um Maschinen abzuschalten, wenn sie ihnen zu nah kommen", sagt Hellbrück. Diese Echtzeit-Lokalisation ist eines der Projekte seines Kompetenzzentrums CoSA. Außerdem erforscht er, wie die Lokalisation mit weniger Ankern günstiger werden kann. Noch kostet das System knapp 100.000 Euro.

Qualität managen

Für die praktische Umsetzung arbeitet CoSA mit der Solcon Systemtechnik GmbH zusammen. Geschäftsführer Georg Frischmuth ist überzeugt: "Ortung wird immer wichtiger." Solcons klassisches Feld ist die Lagerlogistik, "wenn der Kunde seinen Prozess nicht im Griff hat, weil er so komplex ist. Prozesse umzustellen ist oft viel schwieriger, als sie durch ein Ortungssystem zu optimieren."
Und die Firma verbessert auch das Qualitätsmanagement: „Aktive Transponder können Helligkeit oder Temperatur messen und senden. Wir wissen dann bei verderblichen Lebensmitteln, ob die Kühlkette unterbrochen wurde, oder bei Leuchtkörpern, ob sie Vibrationen ausgesetzt waren.“ Outdoor-Ortung nutzt meist GPS. Im Innenbereich basiert sie auf WLAN, so wie das Ortungssystem "Visilion Care" für Krankenhäuser, das die Drägerwerk AG & Co. KGaA entwickelt hat.
Dabei werden Geräte, Betten und Arbeitswagen mit vernetzten BLE-Tags (Bluetooth Low Energy) ausgestattet, um die Krankenhauslogistik zu verbessern. Welchen Preis hat das Internet der Dinge in puncto Datenschutz und Selbstbestimmtheit? "Die Gefahr haben wir immer, dass Daten gehackt werden", sagt Frischmuth. "Dabei hat die einzelne Information oft nichts Relevantes, aber die Summe der Informationen." In vielen Bereichen sei es wichtig, dass es neben den automatisierten Systemen parallel noch manuelle Systeme gebe. Damit übertrage man dem Algorithmus zwar Aufgaben - nicht aber die Verantwortung.
Friederike Grabitz
Veröffentlicht am 2. Oktober 2019