IHK-MAGAZIN
Nr. 7181276
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Addix: Mobilität der Zukunft

Stille Post: Wenn Bus und Fähre miteinander reden

Am Anleger wandern die Blicke zur Anzeigetafel. Schafft der Bus noch den Anschluss? Einige Fahrgäste schauen auf die Uhr, dann die Erleichterung: Die Fähre wartet. Was wie eine spontane Entscheidung wirkt, könnte künftig automatisch geschehen. Die Kieler ADDIX GmbH arbeitet an der Technik, die Busse, Fähren und Leitstellen miteinander verbindet. Als Testfeld dient dabei die Kieler Förde.
260928_Portrait Björn Schwarze
Björn Schwarze ist Managing Director bei der ADDIX Gmbh.

„Eigentlich geht es immer um dieselbe Frage: Wie bekomme ich eine sichere und stabile Verbindung zwischen Fahrzeug, Sensoren und Leitstelle?“, sagt Björn Schwarze, geschäftsführender Gesellschafter der ADDIX GmbH in Kiel.
Die Fähre ist dabei fast Nebensache. Entscheidend ist der Datenfluss im Hintergrund. Fahrzeuge, Sensoren und Leitstellen müssen Informationen in Echtzeit austauschen. Nur wenn alle dieselbe Sprache sprechen, wird aus vielen einzelnen Verkehrsträgern ein vernetztes System.

Die Wasserstraße als Chance

Während Straßen und Schienen vielerorts an ihre Grenzen stoßen, arbeiten Unternehmen und Forschende auf der Kieler Förde an neuen Lösungen für den Verkehr auf dem Wasser. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Frage, wie sich Menschen ersetzen lassen, sondern wie sich Transporte wirtschaftlicher organisieren lassen, so Björn Schwarze:
Eigentlich wollen die Betreiber gar nicht den Kapitän einsparen.
Der größere Nutzen liegt aus seiner Sicht in der Optimierung von Abläufen. Die Software weiß, wo sich Fähre und Bus gerade befinden. Kommt der Bus verspätet um die Kurve, kann die Fähre trotzdem noch kurz am Anleger bleiben. „Es ist schön, dass wir sieben Knoten fahren können. Das reicht aber auch mit fünf.“ Zwei Knoten weniger Geschwindigkeit. Mehr braucht es oft nicht, um Energie und Kosten zu sparen. Der Fahrplan hält trotzdem, der Treibstoffverbrauch sinkt.
260928_Zusammenbau KOM-BOX
Feinarbeit für stabile Verbindungen: Beim Zusammenbau eines Antennensystems arbeiten die Entwickler von Addix an Lösungen, die zwischen verschiedenen Netzen den besten Übertragungsweg wählen können.

Die Förde wird zum Testlabor

Gemeinsam mit der Muthesius Kunsthochschule, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW), dem Navigationsspezialisten Anschütz GmbH und weiteren Forschungspartnern arbeitet ADDIX an Projekten rund um autonome Mobilität auf dem Wasser.
Ausgangspunkt war die Idee, die beiden Kieler Hochschulstandorte an der Olshausenstraße (CAU) und am Ostufer (HAW) besser miteinander zu verbinden. Bus und Fähre sollten dabei nahtlos zusammenspielen. Auf der Förde wird ausprobiert, wie Fahrgäste künftig ohne lange Wartezeiten vom Bus auf die Fähre wechseln können.
Sie bietet dafür ideale Bedingungen. Auf wenigen Kilometern teilen sich Fördefähren, Segelboote, Ausflugsschiffe und die Berufsschifffahrt das Wasser. Kaum hat ein Forschungsschiff den Hafen verlassen, kreuzt bereits ein Segler seinen Kurs. In diesem dichten und dynamischen Umfeld testet ADDIX, wie Fahrzeuge, Sensoren und Leitstellen in Echtzeit miteinander kommunizieren können.
Im Idealfall merkt niemand, dass hier Technologie am Werk ist. Der Bus kommt an, die Fähre wartet, die Fahrgäste steigen um. Mehr soll gar nicht passieren. Für Unternehmen noch wichtiger ist jedoch eine andere Erkenntnis aus diesen Projekten: Autonomie funktioniert nur, wenn Informationen jederzeit verfügbar sind.

Vom Schiff zur gesamten Logistikkette

Im November soll ADDIX gemeinsam mit Partnern den Förderbescheid für das neue Anwendungszentrum „Connected Waterborne Mobility“ erhalten. Aus den Forschungsprojekten auf dem Wasser sollen dann Anwendungen für Häfen, Lagerhallen und Industrieunternehmen entstehen.
Ob auf dem Wasser, im Hafen oder zwischen den Regalen eines Logistikzentrums: Überall müssen Fahrzeuge, Sensoren und Leitstellen zuverlässig miteinander kommunizieren. Ein autonomer Gabelstapler macht die Herausforderung besonders anschaulich. Fährt er durch eine Lagerhalle, verändern Paletten, Stahlkonstruktionen oder Feuchtigkeit ständig die Bedingungen für die Datenübertragung. Reißt die Verbindung ab, fehlen Positionsdaten und wichtige Informationen für automatisierte Abläufe.
Künftige Mobilfunkstandards wie 6G könnten solche Anwendungen robuster machen, weil Verbindungen zuverlässiger verfügbar bleiben sollen, selbst in komplexen Umgebungen.
Noch sind autonome Fähren auf der Kieler Förde ein Forschungsprojekt. Schwarze geht jedoch davon aus, dass die technischen Voraussetzungen in wenigen Jahren vorhanden sein werden. „Wenn wir es nicht demonstrieren, werden es andere demonstrieren“, sagt er. „Und dann kaufen wir die Technologie später im Ausland ein.“