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IT-Sicherheit für Maschinen
Das Headquarter in Itzehoe verbreitet reichlich Startup-Atmosphäre: Bei REINHOLZ Technologies GmbH gibt es neben einem Tischkicker auch eine Dartscheibe und Spielautomaten. Eine der Büroküchen sieht aus wie ein American Diner. „Wir haben ein wenig investiert, damit sich alle wohlfühlen“, sagt Unternehmensgründer Karsten Reinholz beim Bürorundgang fast etwas entschuldigend. Vor 22 Jahren hat er sich selbständig gemacht und beschäftigt inzwischen 60 Mitarbeitende in seinem „Systemhaus für industrielle Automation & Digitalisierung“.
Dabei korrigiert er sich gleich, denn er nennt die Menschen, die bei ihm arbeiten, lieber „Aktivisten“. Schließlich will er Mitarbeitende, die Eigeninitiative mitbringen, gleichzeitig ist es dem Elektromeister wichtig, dass seine Aktivisten weiterkommen: „Ich fördere gern junge Menschen und gebe ihnen die Chance, sich zu entwickeln. Ich finde, das gehört heutzutage zu einer guten Unternehmenskultur.“
Karsten Reinholz hat sich selbst sein Leben lang weitergebildet und sich auf nichts ausgeruht. Durch Weiterbildung und Studium in den Bereichen Elektrotechnik, Informatik und Management entwickelte er sich zum CEO eines kleinen mittelständischen Unternehmens. REINHOLZ Technologies hat Niederlassungen in Bremerhaven, Hamburg und seit Neuestem auch in Kiel. Was sein Unternehmen leistet, gibt es im norddeutschen Raum zumindest in der Breite nicht so häufig: REINHOLZ hat sich darauf spezialisiert, Baumaschinen, Logistikfahrzeuge, Windparks und ganze Industrieanlagen zu automatisieren, sie also mit moderner Steuerungs-Software auszustatten und in Unternehmensnetzwerke zu integrieren. Wenn also von „Industrie 4.0“ oder „Smart Factories“ die Rede ist, dann basiert das auf dem Know-how von Unternehmen wie REINHOLZ Technologies.
Aus Alt mach Modern
Das seit 2004 existierende Unternehmen programmiert nicht nur Software für neue Anlagen oder Sonderfahrzeuge, sondern auch für Maschinen, die schon ein paar Jahre oder Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Bevor Firmen mechanisch funktionstüchtige Produktionsstraßen oder Industrie-Roboter in den Ruhestand schicken zugunsten von neuen Systemen mit aktueller Steuerungs-Software, sollten sie über ein Retrofit nachdenken. Das rät zumindest Karsten Reinholz, der schon viel Erfahrung sammeln konnte, wenn es darum ging, ältere Industrieanlagen digital zu modernisieren.
Industrielle Automatisierungslösungen für jede Anlagengröße – von Neuprojekten bis zum Retrofit, inklusive Service und Support.
„Es gibt Systeme aus den 1990er-Jahren, die in Fabriken stehen und jetzt immer noch gut laufen. Oft gibt es aber für die alte Steuerungstechnologie keinen Ersatz mehr, obwohl die Anlage als solche noch voll intakt ist“, sagt der CEO. „In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Software neu zu programmieren, um die Anlage auf den neuesten Stand zu bringen, anstatt eine komplett neue Anlage anzuschaffen. Es ist oft auch möglich, die Anlage mit neuer Software zu optimieren und mehr Performance herauszuholen.“
Cybersecurity ist Chefsache
Aber auch ein anderes Thema spielt inzwischen eine große Rolle, wenn es um Modernisierung geht: „Die aktuellen Cyberbedrohungen erhöhen den Druck, Retrofit-Maßnahmen zu betreiben“, mahnt Karsten Reinholz. „Auch eine Produktionsanlage muss abgesichert sein, eben weil heutzutage alles miteinander vernetzt ist. Um in Zukunft die IT-Sicherheit immer wieder aktualisieren zu können, braucht es eine solide Softwarebasis.“
„Mit jeder zusätzlichen Vernetzung steigt nicht nur unsere Effizienz, sondern auch unsere Angriffsfläche“Karsten Reinholz
Das kann Nico Freitag nur bestätigen. Der IT-Sicherheitsexperte ist noch recht frisch im REINHOLZ-Team und betont den Unterschied zwischen IT-Security, die auf Datenflüsse, IT-Geräte und Firmennetzwerke bezogen ist, und OT-Security, also „Operational Technology Security“, die physische Anlagen, Maschinen und industrielle Prozesse schützt. „Mit jeder zusätzlichen Vernetzung steigt nicht nur unsere Effizienz, sondern auch unsere Angriffsfläche“, weiß der erfahrene IT-Experte, der außerhalb von REINHOLZ den Podcast „Cybersecurity ist Chefsache“ moderiert. „Durch künstliche Intelligenz kann praktisch jeder an das Wissen herankommen, um einen anspruchsvollen Hackerangriff zu starten. Wir hatten schon Fälle, wo ganze Kraftwerke lahmgelegt worden sind.“
Alles ist möglich
Tatsächlich sind die Teams von REINHOLZ manchmal als IT-Feuerwehr unterwegs, um bei solchen Notfällen zu helfen. Besser ist es natürlich, das eigene Unternehmen besser abzusichern. Auch dafür wurde 2006 eine eigene Akademie gegründet, denn Karsten Reinholz geht es darum, Wissen zu vermitteln, damit seine Kunden sich so gut wie möglich selbst helfen können, wenn es zu Ausfällen kommt. Außerdem vermittelt die REINHOLZ ACADEMY wichtiges Wissen, was sonst eher zu kurz kommt: „Wir schulen nicht nur die Bedienung einer automatisierten Industrieanlage, sondern auch die Methodik, wie man stabile, sichere, wartbare und auch wiederverwendbare Software entwickelt“, sagt der REINHOLZ-CEO. „Das ist ein Steckenpferd von mir, denn ich habe mich ja selbst mein Leben lang weitergebildet.“
Wir schulen nicht nur die Bedienung einer automatisierten Industrieanlage, sondern auch die Methodik, wie man stabile, sichere, wartbare und auch wiederverwendbare Software entwickelt.Karsten Reinholz
Dass er hoch hinaus will und viele Ideen hat, beweist ein Gang durch das Headquarter in Itzehoe. Auf einem Schild im Flur ist ein Space Shuttle abgebildet mit der Überschrift „Alles ist möglich“, gefolgt von einem Kunstwerk, das einen Astronauten im Raumanzug zeigt. „Das ist als Motivation gemeint, sich erstmal keine Grenzen zu setzen“, betont Karsten Reinholz, der viele Einrichtungsideen selbst eingebracht hat. Die knallroten Sitzbänke in der American-Diner-Küche gingen auf seine Initiative zurück und dass das moderne Bürogebäude viel warmes Holz enthält, war ihm auch wichtig, denn wie gesagt, seine Aktivisten sollen sich wohlfühlen.
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Thomas Balk