Wormser Wirtschaftsresolution 2.0
Rückblick
Im Jahr 2017 haben Stadtrat und Verwaltung der Stadt Worms, der Arbeitskreis Wormser Unternehmen und die IHK für Rheinhessen in einer Resolution das Ziel formuliert, durch gemeinsame Anstrengungen die Leistungsfähigkeit der Wormser Wirtschaft und damit auch die finanzielle Basis für die Erhaltung und Weiterentwicklung einer attraktiven Stadt langfristig sicherzustellen.
Im Interesse einer hohen Verbindlichkeit haben die Partner der Resolution Handlungsfelder sowohl für Politik und Verwaltung als auch für die Wirtschaft definiert und dabei auch die Hochschule einbezogen. Einigkeit bestand darin, dass die Gestaltung einer zukunftsgerichteten und nachhaltigen Wirtschaftsförderung vor dem Hintergrund geänderter Rahmenbedingungen eine prioritäre Rolle spielen soll, ohne die weiteren Handlungsfelder in den Bereichen Bildung, Fachkräftegewinnung, Infrastruktur, Standortattraktivität, Digitalisierung, Integration und Kultur aus dem Blick zu verlieren.
Die gemeinsamen Anstrengungen zur Förderung der Wirtschaft dienten dabei gerade auch der Sicherung und der Entwicklung eines auf die künftigen Herausforderungen und Chancen ausgerichteten Arbeitsmarktes.
Die gemeinsamen Anstrengungen zur Förderung der Wirtschaft dienten dabei gerade auch der Sicherung und der Entwicklung eines auf die künftigen Herausforderungen und Chancen ausgerichteten Arbeitsmarktes.
Zu diesem Zweck hatte die Hochschule Worms wissenschaftliche Untersuchungen zu den folgenden relevanten Aspekten durchgeführt: Standort-, Branchen-, Wirtschaftsförderungs- und Gründungsattraktivität einer Stadt. Dabei wurden auch Beispiele und Studienergebnisse aus dem regionalen und überregionalen Umfeld der Stadt Worms beleuchtet.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen präsentierte die Hochschule den Mitgliedern des Arbeitskreises der Wormser Wirtschaft, der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Leitung des IHK-Dienstleistungszentrums Worms und diskutierte sie eingehend mit ihnen.
Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen wurden Handlungsempfehlungen seitens des Arbeitskreises der Wormser Unternehmen an Politik und Verwaltung formuliert, die mit den Stadtratsfraktionen erörtert wurden. Den Formulierungen lag das Ziel zugrunde, möglichst konkrete Vorschläge zu unterbreiten, die nach Diskussion und Abstimmung mit den Stadtratsfraktionen auch in Stadtratsbeschlüsse münden sollten.
Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen wurden Handlungsempfehlungen seitens des Arbeitskreises der Wormser Unternehmen an Politik und Verwaltung formuliert, die mit den Stadtratsfraktionen erörtert wurden. Den Formulierungen lag das Ziel zugrunde, möglichst konkrete Vorschläge zu unterbreiten, die nach Diskussion und Abstimmung mit den Stadtratsfraktionen auch in Stadtratsbeschlüsse münden sollten.
Zusätzlich enthielt das Dokument auch Handlungsempfehlungen an die Wirtschaft/die IHK für Rheinhessen sowie an die Hochschule Worms, die die Handlungsempfehlungen an Politik und Verwaltung ergänzten. Die Politik war eingeladen, auch diese Handlungsempfehlungen gemeinsam mit der Wirtschaft und der Hochschule zu diskutieren, doch sollte dies aus Gründen der Sitzungsökonomie in einem zweiten Schritt stattfinden.
Status Quo
Die Stadt Worms sieht sich 2025 fortfolgend mit einer erwartbaren, sich dramatisch verschlechterten Haushaltslage konfrontiert. Dadurch wird einerseits eine auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichtete Ansiedlungspolitik zur Verbesserung der Steuereinnahmen finanziell herausfordernder. Andererseits darf die Haushaltslage nicht als politisches Argument verwendet werden, um notwendige Zukunftsinvestitionen für die Stadt Worms dauerhaft zu blockieren. Sowohl für Neuansiedlungen als auch für Bestandsunternehmen wird die wirtschaftliche Lage durch die aktuell schwierigen Rahmenbedingungen nach dem Angriff der Ukraine durch Russland, hohe Energiekosten, Bürokratiehemmnisse, herausfordernde klimapolitische Ziele und die Ablehnung des potenziellen Gewerbegebiets Mittelhahntal aufgrund eines vorliegenden Klimagutachtens zusätzlich erschwert.
Aus dem Sondervermögen des Bundes für die Länder stehen den Kommunen in Rheinland-Pfalz 60 Prozent, also insgesamt 2,9 Mrd. € zu. Darüber hinaus stockt das Land Rheinland-Pfalz aus eigenen Mitteln ab 2026 noch einmal um weitere 50 Mio. € auf. Von diesen Mitteln sollen jährlich jeweils 290 Mio. €, vorrangig in Bildung, Klima und Infrastruktur fließen. Gleichzeitig soll damit auch die Infrastruktur der Wirtschaft in den Bereichen KI, Innovationen und Technologietransfer gefördert werden. Für die Stadt Worms heißt dies konkret, dass im Zeitraum 2025 bis 2036 Mittel in Höhe von insgesamt 82,4 Mio € aus dem Sondervermögen zur Verfügung stehen. Des Weiteren werden über das Programm „Handlungsstarke Kommunen“ der Stadt im Zeitraum 2025 und 2026 insgesamt 18,5 Mio € zugeführt.
In Gänze stehen der Stadt damit knapp 101 Mio. € für oben genannte Maßnahmen über die Gesamtlaufzeit der Programme aus Bundes- und Landesmitteln zusätzlich zur Verfügung.
In Gänze stehen der Stadt damit knapp 101 Mio. € für oben genannte Maßnahmen über die Gesamtlaufzeit der Programme aus Bundes- und Landesmitteln zusätzlich zur Verfügung.
Aus diesem Grund haben der Arbeitskreis Wormser Unternehmen, die Hochschule Worms und die Wirtschaftsförderung ergänzend zu den Empfehlungen aus 2019 erneut intensive Überlegungen angestellt, welche Maßnahmen seitens der Stadt nun vorrangig priorisiert werden müssten, um einerseits für die hiesigen Bestandsunternehmen bei den Rahmenbedingungen günstigere Voraussetzungen für wirtschaftliche Prosperität zu gewährleisten und andererseits wertschöpfende Unternehmensansiedlungen zu ermöglichen. Beides mit dem Ziel, die Attraktivität der Stadt für gewerbliche Investitionen zu erhöhen und die gewerblichen Steuereinnahmen der Stadt dauerhaft zu optimieren, ohne dabei notwendigerweise auf Realsteuererhöhungen zurückgreifen zu müssen.
Ausdrücklich ist den Autorinnen und Autoren daran gelegen, die großen Anstrengungen der Stadt insbesondere im kulturellen Bereich, in der Kinderbetreuung und im Klimaschutz nach Kräften zu unterstützen, die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger auf einem vergleichbar hohen Niveau zu halten und ein gutes Miteinander zu gewährleisten.
Diese Handlungsempfehlungen sollen dem Stadtrat und weiteren politischen Institutionen Grundlage und Leitfaden für eine ausgewogene Wirtschaftspolitik der kommenden Jahre sein.
Es haben sich in der aktuellen Debatte vier Schwerpunktthemen für die Arbeitsgruppe herausgebildet, in denen die Stadt Worms als vorrangiger Industriestandort gemeinsam mit den örtlichen Unternehmen ihre Attraktivität deutlich steigern kann:
- Wirtschaftsförderung und Flächenentwicklung
- Standortattraktivität
- Klimaschutz und Energieversorgung
- Aus- und Weiterbildung
Handlungsempfehlungen an Politik und Verwaltung
Wirtschaftsförderung und Flächenentwicklung
Die Wirtschaft der Stadt Worms zeigt zwar über die vergangenen Jahre trotz multipler Krisen, demografischer Veränderung, Fachkräftemangel und hoher Veränderungsgeschwindigkeit im globalen Handel ein hohes Maß an Resilienz. So werden die gewerblichen Steuereinnahmen und die Gemeindeanteile an der Einkommensteuer für 2025 nach dem korrigierten Ansatz der Ergebnisrechnung immer noch bei fast 88 Mio. € liegen und damit nur knapp unter dem Wert des Vorjahres. Im Hinblick auf das Gesamtsteueraufkommen der Stadt liegt der Anteil der Wirtschaft damit weiterhin bei knapp 70 Prozent! (2) Dennoch wird in diesen Zahlen deutlich, dass das Wachstum dieser wesentlichen Einnahmequelle zukünftig ohne weitere Zugewinne von Unternehmen begrenzt bleiben dürfte. Von einer Erhöhung der Realsteuersätze ist dringend abzuraten, da diese die ohnehin geschwächte Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen weiter einschränkt.
Zwischen 2018 und 2022 entwickelte sich die Bruttowertschöpfung in Worms unterschiedlich je nach Sektor. Der Bereich Dienstleistungen stieg kontinuierlich und erreichte 2022 mit 116,6 den höchsten Wert. Das produzierende Gewerbe zeigte zunächst einen pandemiebedingten Rückgang in 2020, erholte sich aber stark und lag 2022 bei 118,4 und damit noch über dem Bereich Dienstleistung (s. Abb. 1).
Bruttowertschöpfung 2018-2022 der Stadt Worms nach Sektoren, Messzahl 2018=100
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Im Vergleich zu Rheinland-Pfalz hat Worms einen höheren Anteil an der Bruttowertschöpfung im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe und ist in Bezug auf Bau- und Dienstleistungsbereich etwas schwächer aufgestellt als der Landesdurchschnitt (s. Abb. 2).
Angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Herausforderungen im produzierenden Gewerbe bedeutet dies ein deutlich erhöhtes Risiko für den Standort Worms.
Angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Herausforderungen im produzierenden Gewerbe bedeutet dies ein deutlich erhöhtes Risiko für den Standort Worms.
Bruttowertschöpfung der Stadt Worms im Vergleich zu RLP, 2022
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Auch die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts je Erwerbstätige/-n in Abbildung 3 verdeutlicht die heutige wirtschaftliche Situation der Stadt Worms, wenngleich der größte Teil der Zuwächse auf inflationäre Tendenzen zwischen 2020 und 2022 zurückzuführen ist. Zwischen 2016 und 2022 stieg dieser Wert von 65.870 € auf 81.633 €, was einem Zuwachs von rund 24 Prozent entspricht.
Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätige/-n in der Stadt Worms in Euro, im Zeitraum 2016 – 2022
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Seit dem Jahr 2020 zeigen sich durch die vielfältigen Gründungsaktivitäten der verschiedenen Akteure in Worms wie der Hochschule Worms, des Digital Hub Worms sowie Ausgründungen aus regionalen Unternehmen deutliche positive Effekte auf die Gründungsdynamik in der Stadt Worms (s. Abb. 4). Der Saldo der Betriebsgründungen in der IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnik) war in der Periode 2012–2016 noch negativ (-1,1), stieg jedoch auf +2,4 in den Jahren 2020 bis 2024. Besonders stark ist der Zuwachs in der wissensintensiven Dienstleistungsbranche: von -0,9 auf +12,2. Auch insgesamt bleibt der Gründungssaldo mit knapp 50 auf einem hohen Niveau.
Saldo der Betriebsgründungen und -aufgaben nach Branchen in der Stadt Worms je 10.000 Einwohner/innen im Alter von 15 bis 65 Jahren, im Zeitraum 2012 bis 2024
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Worms zeigt im Jahr 2024 eine überdurchschnittliche Gründungsdynamik im Verhältnis zur Einwohnerzahl und beim Anteil der Betriebsgründungen, obwohl die absolute Zahl der Anmeldungen naturgemäß geringer ist als bei größeren Städten. Dies deutet auf eine aktive Gründungskultur und ein günstiges Umfeld für neue Unternehmen hin (s. Abb. 5).
| Merkmal | Jahr | Einheit | Worms | Rheinland-Pfalz |
|---|---|---|---|---|
| Anmeldungen | 2024 | Anzahl | 684 | 34.508 |
| darunter Gründungen | 2024 | Anteil in % | 23,7 | 15,9 |
| je 10.000 Einwohnern | 2024 | Anzahl | 18,7 | 13,3 |
Abbildung 5:
Gewerbeanmeldungen in der Stadt Worms im Vergleich zu RLP
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Gewerbeanmeldungen in der Stadt Worms im Vergleich zu RLP
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Der Unternehmensbestand in diversen Branchen, von der Chemie über Kunststoffverarbeitung, Spezialmaschinenbau, Logistik und zunehmend IT- und Kommunikationstechnik bis hin zu Startup- Unternehmen (bspw. Bio-Gram) ist dabei eine solide divers angelegte Grundlage. Die hiesigen Branchen und Unternehmen sollten bei den Dienstleistungen der Wirtschaftsförderung weiterhin Priorität genießen, um Unternehmen am Standort zu halten, Arbeitsplätze zu sichern und dort wo möglich auszubauen.
Der größte Hebel für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung des Standortes Worms und die damit einhergehende Vermehrung gewerblicher Steuereinnahmen kann seit einigen Jahren nicht mehr erfolgreich durch die städtische Wirtschaftsförderung wahrgenommen werden, da eine wesentliche Voraussetzung für ansiedlungswillige Unternehmen – nämlich die Verfügbarkeit von ausreichenden Flächen für gewerbliche Ansiedlung – nicht mehr gegeben ist.
Nach aktueller Auswertung der Wirtschaftsförderung vom September 2025 verfügt die Stadt über 7,6 ha (bereinigt um das Salamandergelände) Fläche verteilt auf 4 Grundstücke, die sofort für eine gewerbliche Nutzung verfügbar wären. Darüber hinaus stehen der Stadt in ihrem Eigentum perspektivisch 5,8 ha an potenzieller Entwicklungsfläche zur Verfügung. Für eine konzeptionelle Ansiedlungsstrategie fehlt es also im Stadtgebiet an zusammenhängenden, restriktionsfreien Flächen für adäquate Angebote. Ohne Neuausweisung sind Ansiedlungen nur noch punktuell und in kleinem Umfang möglich.
Demgegenüber wurden im Zeitraum Juli 2024 bis Juli 2025 bei der Wirtschaftsförderung insgesamt 228 ha Gewerbeflächen durch Investoren angefragt. Im Vergleich zu den Anfragen vor der Coronapandemie (2018: 173 ha; 2019: 225 ha) hat sich die Nachfrage sogar nochmals gesteigert. Damit entgehen der Stadt Worms wesentliche gewerbliche Steuereinnahmen für die Zukunftsgestaltung.
Andererseits muss sich die Wirtschaftsförderung heute mit teils gelegentlichen, teils dauerhaften Aufgaben (z.B. Vertretung bei Trägerversammlung des Jobcenter, Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung, Gründung eines MVZ, Anwohnerparken, Weihnachtsbeleuchtung) sowie dauerhaft ressourcenbindenden Spezialaufgaben (z.B. administratives Management der eigenen GmbH, betriebswirtschaftliche Abwicklung des Betriebes der Tourist Information, Betrieb eines Gründerzentrums) beschäftigen. Diese Tätigkeiten haben mit den Kernaufgaben klassisch organisierter Wirtschaftsförderungen (Bestandspflege, Existenzgründung, Vermittlung von Gewerbeimmobilien und -flächen, Beratung/Betreuung ansiedlungswilliger Unternehmen, Netzwerkaktivitäten und Fachkräftegewinnung) inhaltlich und organisatorisch wenig zu tun.
Konkrete Empfehlungen
- Unter Berücksichtigung der großen Bedeutung von gewerblichen Steuereinnahmen ist es für eine nachhaltige Verbesserung der Einnahmeseite der Stadt erforderlich, neue großflächige Gewerbegebiete von in Summe mindestens 100 ha in den Blick zu nehmen, der Regionalplanungsgemeinschaft vorzuschlagen und zügig zu entwickeln. Hier geht es darum Gewerbeflächenpotentiale für Bestandsunternehmen aber auch Flächenbevorratung für Neuansiedlung zu schaffen und damit die Zukunft für die Stadt Worms aktiv zu gestalten. Für beide Zielgruppen gibt es im regionalen Umfeld aktuelle Beispiele (RENOLIT Zusammenführung der Standorte FT und Worms und Ansiedlung von Eli Lilly in Alzey), dass dies bei ausreichender Flächenverfügbarkeit gelingen kann. Bei der Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets ist eine flankierende Kommunikations- und Partizipationskampagne zwingend notwendig, um die Gesellschaft im Prozess mitzunehmen und potenziellen Widerständen damit vorzubeugen.
- Die Notwendigkeit von großen zusammenhängenden Gewerbeflächen zeigt, dass eine Neubewertung aller Gebiete inkl. des Gebiets „Hoher Stein“ beauftragt werden sollte.
- Bei der Ausweisung neuer Gewerbeflächen muss eine umfassende Ansiedlungsstrategie für komplementäre und/oder neue innovative Branchen (z.B. KI, Biotech in Ergänzung zum Cluster Mainz) erarbeitet werden, um gezielt solche Unternehmen für den Standort zu gewinnen, die zur bestehenden Wirtschaftsstruktur passen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region sichern sowie Innovations- und Kooperationspotenziale auch mit angrenzenden Kommunen eröffnen.
Parallel ist ein Kriterienkatalog für die Flächenvergabe zu entwickeln, der eine wertschöpfende, gewerbliche Aktivität sicherstellt. Das schafft auch eine höhere Akzeptanz in der gesellschaftlichen Debatte um Gewerbegebiete, wenn klar ist, welche Ansiedlungen bevorzugt werden. - Die städtische Wirtschaftsförderung muss sich zukünftig voll und ganz auf die originären Aufgaben einer Wirtschaftsförderung fokussieren und sichtbar direkt beim zukünftigen Oberbürgermeister/der Oberbürgermeisterin verankert sein. Dafür ist das derzeitige Aufgabenspektrum zu hinterfragen und die personelle Ausstattung der Abteilung zu überprüfen und kompetent zu verstärken. Der Austausch zwischen Entscheidern in der Verwaltung (z.B. Stadtvorstand und Bereichsleitungen) und in der Wirtschaft und in der überregionalen Netzwerkarbeit ist zu verbessern und zu institutionalisieren.
Perspektivisch wäre auch eine Weiterentwicklung und Profilschärfung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft denkbar. Die Einbindung in das im Aufbau befindliche rheinhessische bzw. landesweite Netzwerk der Wirtschaftsförderungen soll zukünftig mit bedacht werden. Hier können wichtige Synergie-Effekte für Worms Konkrete Empfehlungen gerade bei konkreten Ansiedlungsanfragen bzw. der interkommunalen Zusammenarbeit entstehen. Gleiches gilt für die Mitarbeit im Netzwerk der Rhein-Neckar- und Rhein-Main-Region. - Es sollten potenzielle Gewerbeflächen untersucht und diese für die Ansiedlung der oben genannten Branchen verfügbar gemacht werden. Denkbar wären hier Flächen für das Wachstum der Startup-Unternehmen aus dem Digital Hub, und ähnlicher Ansiedlungen aus dem Umfeld von KI, Technologie etc. in einem Technologie/Reallab Hub für wachstumsstarke Unternehmen
- Die Umsetzung urbaner Gebiete dient dem Ziel der Nachverdichtung in Städten und fördert Nutzungsmischungen aus Wohnen, Gewerbe sowie sozialen und kulturellen Einrichtungen. Nicht störendes Gewerbe ist ausdrücklich zulässig und eröffnet damit zusätzliche Optionen für gewerbliche Ansiedlungen bei bestehender Gewerbeflächenknappheit. Im Rahmen des „Bau-Turbo“- esetzes sollen zudem weitere Wohnbauflächen in Kombination mit entsprechenden gewerblichen Nutzungen entwickelt werden. Dazu zählen beispielsweise die heutigen und künftig freiwerdenden Flächen des EBWO (Hohenstaufenring) sowie des Bereichs 8 (Monsheimer Straße). Darüber hinaus soll in geplanten und künftigen Baugebieten die gewerbliche Entwicklung in Wohnbauflächen integriert werden.
- Der Aufbau einer zentralen Akquisestelle insbesondere für das beschlossene Sondervermögen des Bundes und Landes aber auch für europäische Fördermittel aus dem Horizont EU-Programm (95 Mrd.€ 2021 bis 2027) sollte endlich konsequent umgesetzt werden. Zum einen muss eine zentrale Stelle die Priorisierung der förderfähigen Projekte eruieren und koordinieren sowie zum anderen Kapazitäten für die aufwändigen Förderanträge auf EU-Ebene vorhalten. Sie wäre auch für ansiedlungswillige Unternehmen insbesondere aus dem KMU-Umfeld eine frühe Anlaufstelle und gewissermaßen ein USP für die Stadt, um ggfs. Fördermittelmöglichkeiten bereits im Vorfeld einer Ansiedlung zu prüfen. Eine konsequente Vernetzung und Abstimmung mit den Bereichen 6-Stadtentwicklung, Planen und Bauen und 7–Gesellschaft und Wirtschaft muss hier sichergestellt werden.
- Die Gründung eines ehrenamtlichen Wirtschaftsbeirats, der Politik und Verwaltung bei allen wichtigen Themen der zukünftigen Wirtschaftsförderung und zur Standortentwicklung berät und begleitet, hätte den Vorteil, dass wichtige Weichenstellungen im Vorfeld aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden können und zusätzliche Fachexpertise dauerhaft für wichtige Entscheidungsprozesse zur Verfügung stünde. Bei der Besetzung eines kompetenten Wirtschaftsbeirats sollten ausdrücklich keine wirtschaftlichen Eigeninteressen der Beiräte bestehen und deren Expertise und Netzwerke für die Stadt vorteilhaft bei der Gestaltung einer zukunftsorientierten Ansiedlungs- und Wirtschaftspolitik sein.
- Der Erhalt wirtschaftsstandortrelevanter Dienstleistungen, wie der Digital Hub und das Stadtmarketing, sind wesentlich für die Weiterentwicklung der Stadt und müssen neben dem erheblichen privatwirtschaftlich finanzierten Anteil auch für den kommunalen Anteil langfristig abgesichert werden.
Standortattraktivität
Die Wirtschaft leidet seit Langem unter schwierigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und beklagt dabei übermäßige Bürokratie sowie langwierige Genehmigungsverfahren. Für die Unternehmen ist dies zunehmend ein Wettbewerbsnachteil. Auf regionaler Ebene wurde dies letztmals in der IHK-Konjunkturumfrage zum Herbst 2025 (Rheinhessens Wirtschaft gerät weiter unter Druck) bestätigt. Darüber hinaus ist die Wormser Wirtschaft mit 68 Prozent Exportquote (zum Vergleich D: 48 Prozent im Jahr 2023; Quelle: IHK MRN und Statistisches Bundesamt) in besonderem Maß von wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen abhängig.
Des Weiteren spielen Rahmenbedingungen wie eine gute Verkehrs-, flächendeckende Breitbandanbindung, die Höhe der kommunalen Steuern und Abgaben, verfügbarer Wohnraum, Kinderbetreuungsangebote, gute Bildungseinrichtungen und die Verfügbarkeit von Fachkräften eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung für ansiedlungswillige Unternehmen. Hier wurden seitens der Stadt insbesondere bei der Kinderbetreuung als auch der Schaffung von Wohnraum Anstrengungen unternommen und ein verbessertes Angebot geschaffen. Die Entwicklung zeigt, dass die Stadt Worms bei der Ganztagsbetreuung für Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren deutlich aufgeholt hat. Der Abstand zum bundesweiten Wert (3) hat sich von rund 10 Prozentpunkten (2016) auf knapp 3 Prozentpunkte (2024) reduziert (s. Abb. 6). Eine Vollversorgung ist nach aktuellem Planungsstand Ende 2027 erreicht, was eine sehr positive Entwicklung darstellt.
Bei der Gewerbesteuer wurde die Zusage umgesetzt, die Hebesätze konstant zu halten. Bei der Versorgung mit Breitband ist noch keine flächendeckende Versorgung gewährleistet, dennoch zählt Worms zu den drei bestversorgten Kommunen in RLP.
Ganztagsbetreuungsquote der 3- bis unter 6-Jährigen in der Stadt Worms im gesamtdeutschen Vergleich in Prozent, im Zeitraum 2016 bis 2024
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Das kulturelle und touristische Angebot wird nach unserer Beobachtung zunehmend als soft factor für die Unternehmen wichtig, die damit auch Ihren Mitarbeitenden eine gute Lebensqualität bieten möchten. Hier hält die Stadt bereits attraktive Angebote bereit, die allerdings bei den Hotelkapazitäten noch Handlungsbedarf – gerade für größere Veranstaltungen und Konferenzen – aufzeigen.
Von wachsender Bedeutung für die Standortattraktivität ist zudem eine lebendige und anziehende Innenstadt. Eine attraktive Innenstadt trägt wesentlich dazu bei, Fachkräfte und deren Familien für Worms zu gewinnen und zu halten, die Aufenthaltsqualität zu steigern und den Wirtschaftsstandort auch im Wettbewerb mit umliegenden Städten zu stärken. Deshalb sollten die bereits angestoßenen Maßnahmen und Prozesse zur Aufwertung der Innenstadt konsequent weiterverfolgt und durch zusätzliche Anstrengungen ergänzt werden.
Konkrete Empfehlungen
- Der Realsteuerhebesatz der Stadt Worms (aktuell bei 420 Prozent) liegt im regionalen Vergleich weiterhin im oberen Bereich, ist aber noch wettbewerbsfähig. Eine Erhöhung zur Finanzierung der Deckungslücke im Haushalt der Stadt würde die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen allerdings deutlich verschlechtern und ist deshalb zurückzuweisen. Standortbedingungen und Standortkosten sollten sich auch zukünftig in einer ausgewogenen Balance halten. Wir empfehlen einen verbindlichen Ratsbeschluss bis zum Ende der Legislaturperiode zur Beibehaltung der aktuellen Hebesätze für eine nachhaltige verbindliche Ansiedlungspolitik.
- Von weiteren, die Verbraucher oder die Wirtschaft finanziell und bürokratisch belastenden neuen Steuern – wie eine kommunale Verpackungssteuer – ist abzusehen, da auch deren Lenkungswirkung umstritten und das Aufwand-Nutzenverhältnis fragwürdig ist.
- Darüber hinaus könnte als nächster Schritt eine Stadtentwicklungsgesellschaft geschaffen werden, die städtische Flächen konzeptionell entwickelt und die Umsetzung dieser Entwicklungskonzepte koordiniert und überwacht.
- Bezüglich des Kinderbetreuungsangebotes plädieren wir insbesondere in den Randzeiten (z.B. für Schichtbedienstete, bzw. in frühen Morgen- und späten Nachmittags- und Abendstunden) für eine stärkere Flexibilisierung und Individualisierung des Angebotes in enger Abstimmung mit den Bedarfen der Wirtschaft. Eine Abdeckung dieser Bedarfe ist auch durch alternative Modelle, wie z.B. ein Tagesmütternetzwerk denkbar, um berufstätigen Eltern stärker entgegenzukommen.
- Gemäß dem Masterplan Wohnen sollten 2.500 Wohnungen bis zum Jahr 2025 geschaffen werden. Lt. Statistischem Landesamt RLP wurden davon lediglich 1.000 Wohnungen bis Ende 2023 gebaut. Der Bedarf steigt und schlägt sich in steigenden Grundstücks-, Wohnungs- und Mietpreisen nieder, die der Standortattraktivität beeinträchtigt, auch wenn die Mietpreise im Vergleich zu anderen Städten noch verhältnismäßig niedrig sind. Die Stadt soll die Möglichkeiten im Rahmen des Gesetzes zum „Bau-Turbo“ zur schnelleren Ausweisung, Genehmigung und Umsetzung von Baugebieten mit den Mitteln aus dem Sondervermögen nutzen.
- Seit Jahren ist die Modernisierung bzw. der Neubau von Bildungseinrichtungen eine Herkulesaufgabe der Stadt. Vieles wurde zwischenzeitlich angepackt, etliche Vorhaben stehen allerdings noch unter Finanzierungsvorbehalt. Hier sollten sämtliche Finanzierungsmöglichkeiten konsequent geprüft und genutzt werden, um das wichtigste Kapital – die Bildung – zu fördern und Schülerinnen und Schüler in modernen und angemessenen – mit dem Stand der aktuellen Technik ausgestatteten – Räumlichkeiten zu unterrichten.
- Lange Genehmigungszeiten und umfangreiche Dokumentationspflichten sind für die Wirtschaft oft ein Ärgernis, für die Verwaltung und Behörden meist notwendige Voraussetzung, um alle rechtlichen Vorgaben ausreichend prüfen zu können. Wir empfehlen eine – ebenfalls aus dem Sondervermögen finanzierte – Digitalisierungsoffensive unter Nutzung von KI, die die Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse effizienter, schneller und damit verbindlicher macht. Dabei sollte Worms als Pilotkommune in Rheinland-Pfalz angedacht werden, um eine schnelle Umsetzung zu gewährleisten, ohne dabei eine Insellösung im Land zu schaffen. Auch ist zu prüfen, inwieweit eine zielgruppenorientierte Beratungsleistung aus einer Hand bei Bau- und Gewerbegenehmigungen nicht zu einer weiteren Beschleunigung auf kommunaler Ebene führen würde. Das wären klare Vorteile sowohl für Bestands- als auch für ansiedlungswillige Unternehmen bei allen Investitionsvorhaben, die sich für die Stadt zudem gut vermarkten ließen.
- Worms hat mit dem WORMSER ein Kultur- und Tagungszentrum, das in Verbindung mit dem kulturellen Erbe der Stadt Strahlkraft besitzt. Was seit Jahren fehlt, ist ein in unmittelbarer Nähe angesiedeltes Hotel, das auch den ansässigen Unternehmen für Konferenzen und Tagungen zur Verfügung steht. Für mehrtätige Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmenden stehen in Worms keine Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das Tagungszentrum hat unter anderem dadurch in den Jahren 2024 und 2025 im Jahresdurchschnitt je ca. 30 große Veranstaltungen verloren, wodurch der Stadt Worms auch potenzielle Einnahmen und Kaufkraft verloren gehen. Daher fordern wir die Schaffung von weiteren Hotelkapazitäten mit einer konkreten Investorenansprache verbindlich ein, auch deshalb, da die Bettendichte je 100 Einwohner in Worms mit 1,1 im gesamten gewerblichen Beherbergungsmarkt (Hotels, Gasthöfe, Pensionen) im Vergleich mit Rheinland-Pfalz und Rheinhessen extrem gering ist. In einer aktuellen Hotelbedarfsanalyse für die Region Rheinhessen liegt die Bettendichte in Worms an letzter Stelle der untersuchten Städte. Das lässt, zusammen mit der ebenfalls geringen Übernachtungsintensität (Übernachtungen je Einwohnende), auf eine hohe Verträglichkeit zusätzlicher Hotelkapazitäten schließen. Es bedarf eines modernen, leistungsfähigen Betriebs mit klarer Positionierung und Zielgruppenansprache. Die Entwicklungsmöglichkeit des Grundstücks für den Neubau eines Hotels unmittelbar neben dem WORMSER sollte beibehalten werden.
Klimaschutz und Energieversorgung
Klimaveränderung und Wetterextreme sind in unserer Region allgegenwärtig und haben in den zurückliegenden Jahren insbesondere aufgrund von Starkregenereignissen deutlich zugenommen und immense Schäden verursacht. Eine Klimafolgenplanung wird den Kommunen verbindlich auferlegt, die zu weiteren kommunalen Ausgaben in noch nicht absehbarer Höhe führen wird.
Die Stadt Worms hat sich im Zuge der Fortschreibung des Klimaschutz- und Energieeffizienzkonzepts (KLIK) gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz bereits ambitionierte Ziele gesetzt, die deutlich über das hinausgehen, was die EU bzw. der Bund vereinbart haben. Beispielsweise die Reduktion des CO2-Ausstoßes alle fünf Jahre um 10 Prozent und der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung um 900 Prozent bis 2040. Aufgrund des hohen Anteils der Industrie in Worms an der lokalen Wertschöpfung und gut bezahlter Arbeitsplätze einerseits und deren hoher Anteil am Energieverbrauch und CO2 Ausstoß andererseits, ist es unabdingbar, den Dialog zwischen Verwaltung und Industrie unmittelbar aufzunehmen und realistische, abgestimmte Zielvorgaben für die Stadt gemeinsam zu erarbeiten und zu kommunizieren. Isolierte und unabgestimmte Vorgaben schaffen weder Verbindlichkeit noch dienen sie dem Klimaschutz.
Auch sollte der bereits angestoßene Prozess der Kommunalen Wärmeplanung (kWP) gemeinsam mit den stadtansässigen Unternehmen beraten und aufgesetzt werden. Die frühzeitige Vernetzung von KLIK und kWP kann gewährleisten, dass die klimaneutrale Wärmeversorgung durch Kooperation mit lokalen Unternehmen mitgedacht und mitgeplant wird. Dies stärkt auch die Verbindlichkeit der verabredeten Maßnahmen deutlich. Auch denkbar wäre in diesem Zusammenhang die Identifikation und Förderung von Modellvorhaben (z. B. Nutzung industrieller Abwärme oder anderer externer Wärmequellen für Wohnquartiere).
Konkrete Empfehlungen
- Wir empfehlen zunächst die Bildung einer Task Force aus Verwaltung (insb. Klimaschutzmanagement und Stadtplanung/kommunale Wärmeplanung), Energieversorger und Wirtschaft (Industrie) zur Analyse des Status Quo und der Erarbeitung realistischer Energieverbräuche sowie Treibhausgas-Einsparungen (GHG) mit einer abgestimmten verbindlichen Zeitachse. Daraus sollten dann auch über die Regionalplanungsgemeinschaften realistische Flächenbedarfe an erneuerbaren Energien in der Region eingesteuert werden.
- Darauf aufbauend ließe sich dann aus kommunaler Sicht ein holistischer Ansatz mit konkreten Maßnahmenpaketen zum Ausbau der erneuerbaren Energien, Einsparungen bei GHG und ein daraus abgeleiteter Klimafolgenplan für die Stadt entwickeln, der neben vielen kleinen Maßnahmen auch die Industrie als größten Energieverbraucher mit in den Blick nimmt.
- Wir empfehlen aufgrund der überragenden Bedeutung dieses Themas für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft eine begleitende Kommunikationskampagne mit aktuellen Informationen auf den Webseiten der Stadt und in den einschlägigen Sozialen Medien. Für die Erarbeitung eines Alleinstellungsmerkmals im Sinne eines kommunalen Leuchtturmprojekts ist eine professionelle Kommunikation unabdingbar. Das würde auch die Verbindlichkeit aller Beteiligten erhöhen und Klarheit über Inhalt und Ziele auch für potenziell ansiedlungswillige Unternehmen schaffen.
- Die Anbindung der überragend wichtigen Themen Klimaschutz und Ausbau der erneuerbaren Energien einerseits sowie der Wirtschaftsförderung andererseits sollte bei dem/r zukünftigen Oberbürgermeister/Oberbürgermeisterin erfolgen und damit deren hohe Bedeutung für die Kommune hervorgehoben werden. Gerade auch bei dem Wettbewerb um die Mittelverteilung des Sondervermögens sollte hier kein Zweifel an der Prioritätensetzung bestehen.
- Angebote (Produkte und Dienstleistungen), die sowohl den Endkunden als auch Gewerbe- und Industrieunternehmen bei der individuellen Energiewende unterstützen und sich auf ganzheitliche Energielösungen (Photovoltaik, Wärmepumpe, Batteriespeicher, Elektrische Ladeinfrastruktur, Energiemanagementsysteme) konzentrieren, sollten weiter ausgebaut und unterstützt werden.
Ein Hauptaugenmerk sollte hier auf den Ausbau von Wärmepumpen und Photovoltaik liegen. Eine effiziente und klimafreundliche Wärmeversorgung insbesondere in Verbindung mit selbst erzeugtem Solarstrom ist für die Wärmewende unerlässlich. Hier sollten zusätzliche Anreize wie Investitionszuschüsse, steuerliche Abschreibungen oder zinsgünstige Kredite im Rahmen des Sondervermögens konsequent genutzt werden. - Die stärkere Einbindung der Stadt Worms und der Wirtschaft in die Metropolregionen sollte vorangebracht werden, um die Interessen der Stadt Worms als Scharnier zwischen den Wirtschaftsregionen Rhein-Neckar und Rhein-Main und im Verbund von Rheinhessen wahrzunehmen. Wichtige Fragen nach der interkommunalen Zusammenarbeit, wie z.B. beim Ausbau der Wärmenetze, der Energieversorgung, dem Aufbau eines Wasserstoffnetzes als notwendige Voraussetzung zur Reduktion von Erdgas für die Wormser Industrie müssen politisch mit allen Trägern der Metropolregion und mit aller Kraft bespielt werden. Dies erfolgt heute nur punktuell. Dazu wäre die Schaffung einer kompetent koordinierenden Stelle im Büro des/r zukünftigen Oberbürgermeisters/Oberbürgermeisterin geboten, die Ansprechpartnerin für die Wirtschaft und Sprachrohr zur Metropolregion Rhein-Neckar gleichermaßen ist.
- Für den Klimaschutz in Worms sollten auch die verschiedenen Aspekte von Elektromobilität mitgedacht werden. Sie bietet sowohl Unternehmen als auch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zahlreiche Vorteile, ökologisch wie ökonomisch. Durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen können Betriebe ihre CO2-Emissionen deutlich senken, die Installation sowohl von Wallboxen als auch weiterer Ladeinfrastruktur (z.B. PV-Carports) auf dem Firmengelände ermöglicht ein effizientes und kostengünstiges Laden der Fahrzeuge direkt vor Ort. Gleichzeitig stärkt eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur auch die Attraktivität des Unternehmens für Mitarbeitende und Kunden und fördert so die Umstellung auf nachhaltige Mobilitätslösungen. Darüber hinaus können sich die Unternehmen zukunftsorientiert und innovationsfreundlich positionieren – ein wichtiger Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte und Geschäftspartner. Hierfür sollten zusätzliche Anreize und Förderungen für Unternehmen angeboten werden, sowohl für die Errichtung von Ladeinfrastruktur als auch für die Umrüstung der Fahrzeugflotte.
Handlungsempfehlungen an Wirtschaft und Hochschule
Aus- und Weiterbildung
Die Arbeitswelt befindet sich im tiefgreifenden Wandel: Digitale Transformation, klimatische Veränderungen und der demografische Wandel verändern alle Branchen. Lebenslanges Lernen ist daher keine Kür mehr, sondern Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und erfolgreiche Transformation.
Die berufliche Ausbildung ist die Grundlage für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafsstandorts Worms. Eine gute Berufsausbildung liefert die Basiskompetenzen, auf denen spätere fachspezifische Weiterbildungen und lebenslanges Lernen aufbauen. Die Ausbildungsquote der Stadt Worms liegt im Jahr 2024 mit 4,4 Prozent leicht unter dem deutschen Durchschnitt (4,6 Prozent). Seit dem Jahr 2020 ist ein leichter Rückgang der Ausbildungsquote von 0,5 Prozentpunkten zu erkennen (s. Abb. 7). Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im gleichen Zeitraum hingegen weitgehend stabil geblieben. Gleichzeitig bieten Unternehmen oft in Eigenverantwortung Unterstützungsformate für ihre Auszubildenen an, um den Ausbildungserfolg sicherzustellen. Nichtsdestotrotz ist die Abbrecherquote im IHK-Ausbildungsbereich Rheinhessen von 2020 auf 2024 von 9,6 Prozent auf 12,5 Prozent gestiegen (Quelle: IHK für Rheinhessen).
Ein weiterer entscheidender Faktor ist ein Rückgang bei der Qualität der Bewerber und Auszubildenden. So gaben in der DIHK-Ausbildungsumfrage 2025 73 Prozent der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten an, im Jahr 2024 keine geeigneten Bewerber gefunden zu haben und 14 Prozent, Ausbildungsverhältnisse in der Probezeit wieder aufgelöst zu haben (4). Dies steht auch in Zusammenhang mit dem zunehmenden Scheitern der Schulbildung in Rheinland-Pfalz. Laut IQB-Bildungstrends verfehlten 2024 etwa 37 Prozent aller Neuntklässlerinnen und Neuntklässler den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss in Mathematik (5).
Ausbildungsquote der Stadt Worms in Prozent, im Zeitraum 2016 bis 2024
(Quelle: Stat. Landesamt RLP)
Durch die gezielte Stärkung der Ausbildungslandschaft wird die Basis für die Fachkräfte von morgen gelegt – und gleichzeitig die Voraussetzung geschaffen, dass Weiterbildungsmaßnahmen in Unternehmen erfolgreich greifen können.
Dass Unternehmen die Bedeutung von Weiterbildung erkannt haben, zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen: Im Jahr 2022 boten 93 Prozent der deutschen Betriebe ihren Mitarbeitenden Weiterbildungen an. Die Investitionen stiegen dabei auf durchschnittlich 1.347 Euro pro Beschäftigten – rund 9 Prozent mehr als noch in 2019 (6).
Auch für den Wirtschaftsstandort Worms ist Weiterbildung zentral. Nur wenn Unternehmen ihre Mitarbeitenden kontinuierlich qualifizieren, können sie die wachsenden und sich wandelnden Anforderungen erfolgreich bewältigen. Die Voraussetzungen dafür sind in Worms günstig: Verschiedene Akteure – wie das Zentrum für Weiterbildung der Hochschule Worms, die Volkshochschule, der Digital Hub Worms oder auch größere Unternehmen – verfügen bereits über eigene Angebote oder planen diese.
Zudem hat die Hochschule Worms z.B. neben kompletten Weiterbildungsstudiengängen auch ein breites akademisches Angebot an Seminaren und Workshops – beispielsweise in der Außenwirtschaft. Ab 2026 werden zusätzlich zu den Seminaren entsprechende Hochschulzertifikate angeboten. Im Mittelpunkt all dieser Aktivitäten steht eine passgenaue und praxisnahe Kompetenzvermittlung, die sich in Tagen, Wochen oder Monaten umsetzen lässt – flexibel, modular und kombinierbar. Auf diese Weise entstehen individuelle Kompetenzprofile, die Unternehmen zunehmend als Maßstab für Fähigkeiten heranziehen.
Damit aus diesen Einzelaktivitäten ein echter Standortvorteil entsteht, braucht es jedoch eine zentrale Koordination. Ein regelmäßiger Abgleich von branchenübergreifenden Bedarfen und Angeboten sichert eine passgenaue Unterstützung der Wormser Unternehmen. Die Mitwirkung der Stadt Worms (Dezernat IV, Bereich 4 – Bildung) kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch der kürzlich gegründete Verein MINTeinander e. V. und der Makerspace bieten Potenzial, insbesondere im Bereich Ausbildungsstärkung.
Durch die Bündelung und Sichtbarmachung von Bildungsangeboten – etwa über Fachveranstaltungen, Tagungen oder Kongresse – lässt sich die Attraktivität des Standorts Worms zusätzlich steigern. So kann sich die Stadt Worms mittelfristig als Bildungs- und Kongressstandort profilieren, sei es durch Nutzung bestehender Infrastruktur oder durch neue Kapazitäten wie ein Kongresshotel.
Konkrete Empfehlungen
- Vernetzung der Unternehmen und überbetriebliche Ausbildungsangebote: Bestehende Kooperationen zwischen Betrieben (und mit weiteren Institutionen wie z.B. dem Jobcenter) sollen ausgebaut und gepflegt werden, um sowohl bei Grundlagenthemen als auch fachlichen Schwerpunkten Synergien zu nutzen. Überbetriebliche Angebote, z.B. gemeinsame Prüfungsvorbereitungen, Best-Practice-Transfer (z.B. zu digitalen Lernplattformen) oder gemeinsame Ausbildungsvorbereitungsformate, sollen auf- und ausgebaut werden, um parallele Einzelaktivitäten zu vermeiden.
- Politische Rahmenbedingungen: Möglichkeiten der gemeinsamen Einflussnahme auf Qualität und Quantität der schulischen Ausbildung und die Unterrichtssituation an den Schulen sollen genutzt werden.
- Gemeinsame Weiterbildungsplattform: Es soll eine gemeinsame Koordination der Weiterbildungsmaßnahmen erfolgen. Dazu kann eine gemeinsame digitale Weiterbildungsplattform als zentrale Anlaufstelle fungieren, Transparenz über bestehende Angebote schaffen, neue Formate bündeln und Unternehmen wie Beschäftigten sowie den Führungskräften der Stadtverwaltung einen niedrigschwelligen Zugang zu passgenauen Qualifizierungsmöglichkeiten eröffnen. Langfristig kann daraus eine regionale Plattform entstehen, die durch modular aufgebaute Lernbausteine den flexiblen Erwerb und die Kombination einzelner Qualifikationen ermöglicht – auch in Verbindung mit bestehenden Studien- und Weiterbildungsangeboten.
Zur Umsetzung der Empfehlungen des Themenkomplexes „Aus- und Weiterbildung“ soll die weitere Ausarbeitung an den IHK-Arbeitskreis der Personalverantwortlichen der Wormser Unternehmen sowie die Hochschule Worms adressiert werden.
Fazit
Diese Handlungsempfehlungen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit noch liegen ihnen wissenschaftliche Studien zugrunde, aufgrund derer sich konkrete Kosten/Nutzen Relationen für einzelne vorgeschlagene Elemente ableiten lassen. Vielmehr sind sie Ausdruck der langjährigen Erfahrung und einer pragmatischen Herangehensweise mit den im IHK-Arbeitskreis der Wormser Unternehmen vorhandenen Kompetenzen zur Formulierung konkreter Impulse für eine zukunftsorientiert gestaltete Wirtschaftspolitik der Stadt Worms. Sie soll allen damit befassten politischen Akteuren sowie der Stadtverwaltung ein Leitfaden für die Gestaltung von Wirtschaftsförderung und Flächenentwicklung, Standortattraktivität, Klimaschutz und regionaler Energieversorgung sowie für Aus- und Weiterbildung sein. Letzterer richtet sich inhaltlich neben Politik und Stadt auch an die Hochschule und die Unternehmen selbst, die bestehenden Angebote auszubauen und vorhandene Synergien stärker zu nutzen.
Die in der jüngeren Vergangenheit eingetretenen massiven Veränderungen der wirtschaftspolitischen, klimatischen und geopolitischen Rahmenbedingungen haben die Notwendigkeit verstärkt, althergebrachte Vorgehensweisen in Frage zu stellen und eine gesellschaftliche Debatte offen und konsequent darüber zu führen. Nicht zuletzt bezeugen dies aktuelle Beschlüsse des Stadtrats zu Klimaschutz und dem Ausbau erneuerbarer Energie, die in Teilen der Bevölkerung, der Wirtschaft und Politik für großes Unverständnis gesorgt haben. Auch hierzu sollen diese Handlungsempfehlungen Grundlage sein.
Die Verfasser dieser Handlungsempfehlungen weisen abschließend nochmals ausdrücklich darauf hin, dass es schlussendlich die Aufgabe der politischen Institutionen und der Stadtverwaltung ist, die aus ihrer Sicht geeigneten Maßnahmen daraus abzuleiten und in praktisches Handeln zu übersetzen.
Quellen:
- https://www.rlp.de/service/pressemitteilungen/detail/historische-investitionsoffensive-von-land-und-kommunen-in-die-zukunftsfaehigkeit-von-rheinland-pfalz
- https://www.worms.de/neu-de/zukunft-gestalten/stadtverwaltung/haushalt/
- https://www.wsi.de/de/sorgearbeit-14618-ganztagsbetreuung-von-kindern-nach-alter-und-region-14887.htm
- https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/fachkraefte/aus-und-weiterbildung/ausbildung/ausbildungsumfrage-25
- https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/iqb-bildungstrend-die-wichtigsten-ergebnisse/
- https://www.iwd.de/artikel/immer-mehr-weiterbildungen-in-unternehmen-621359/