Rheinhessens Wirtschaft gerät weiter unter Druck

IHK für Rheinhessen legt Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 vor: Stimmung hellt sich leicht auf, Aufschwung bleibt aus
9. Februar 2026 – Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben weiterhin das größte Sorgenkind der rheinhessischen Wirtschaft. Auch die Entwicklungen auf den Weltmärkten und anhaltende wirtschaftliche Herausforderungen im Inland hinterlassen ihre Spuren. Das spiegelt sich in der Konjunkturumfrage der IHK für Rheinhessen zum Jahresbeginn wider. Die Unternehmen in der Region bewerten die Geschäftslage weiterhin verhalten, blicken jedoch etwas positiver in die Zukunft als noch im Herbst. Der Konjunkturklimaindex steigt gegenüber dem Herbst um zwei Punkte auf 94 Zähler und erreicht damit wieder das Vorjahresniveau. Die Wachstumsschwelle von 100 Punkten wird jedoch weiterhin deutlich verfehlt.
„Die Wirtschaft ist damit seit einem Jahr nicht vorangekommen. Immerhin ist die Stimmung nicht weiter gesunken – wir sehen erste Anzeichen einer Stabilisierung“, ordnet IHK-Präsident Dr. Marcus Walden die Ergebnisse ein. „Bis zu einem nachhaltigen Aufschwung ist es aber noch ein weiter Weg.“ Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl verbindet die Wirtschaft die Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. „Damit wir wieder Wachstum sehen, braucht es auch in Rheinhessen entschlossenes politisches Handeln. Vor allem bei Infrastrukturvorhaben müssen Planungs- und Genehmigungsprozesse deutlich schneller werden. Zudem müssen Kommunalfinanzen neu aufgestellt werden, damit Standortkosten und Infrastrukturangebot wieder in eine Balance kommen“, sagt Walden.
Erwartungen etwas freundlicher als die aktuelle Lage
Die aktuelle Geschäftslage bewerten 23 Prozent der Unternehmen als gut, 48 Prozent als befriedigend und 29 Prozent als schlecht. Mit Blick auf das Jahr 2026 rechnen 26 Prozent mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung, während 20 Prozent von einer positiven Entwicklung ausgehen – sechs Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn 2025. Die Mehrheit von 54 Prozent erwartet eine gleichbleibende Geschäftslage.
„Dass sich die Erwartungen leicht aufhellen, zeigt die Bereitschaft vieler Unternehmen, trotz anhaltender Unsicherheiten nach vorne zu schauen“, betont Karina Szwede, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Rheinhessen. „Diese Entwicklung bleibt jedoch fragil. Ohne verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen droht die Phase schwachen Wachstums länger anzuhalten.“
Investitionen und Beschäftigung weiter unter Druck
Die Investitionsabsichten erreichen wieder das Niveau vom Jahresbeginn 2025, bleiben insgesamt jedoch schwach. Ein Viertel der Betriebe plant höhere Investitionen, 46 Prozent wollen ihr Niveau beibehalten, während 29 Prozent Kürzungen vorsehen. Der Saldo der Investitionsabsichten liegt mit minus 4 Punkten weiterhin klar im negativen Bereich. „Da Investitionen ein wichtiger Indikator für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sind, gibt dieser Wert weiterhin Anlass zur Sorge“, erklärt Szwede. Positiv ist, dass 39 Prozent der Unternehmen insbesondere in Produktinnovationen investieren wollen.
Am Arbeitsmarkt setzt sich der Abwärtstrend fort: 30 Prozent der Unternehmen planen einen Stellenabbau, 57 Prozent rechnen mit einem gleichbleibenden Personalbestand und lediglich 13 Prozent wollen zusätzliche Beschäftigte einstellen.
Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen größtes Risiko
Die größten Geschäftsrisiken sehen die Unternehmen weiterhin in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und im Inlandsabsatz. Beide werden von jeweils 62 Prozent der Betriebe genannt. Es folgen die Arbeitskosten (58 Prozent) sowie die Energie- und Rohstoffpreise und der Fachkräftemangel (je 42 Prozent).
Im Rahmen der repräsentativen IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 wurden 732 Unternehmen aller Größen und Branchen in Rheinhessen befragt.
Der vollständige Konjunkturbericht ist abrufbar unter www.ihk.de/rheinhessen/konjunktur