Mädchen-Zukunftstag – auch 2024 braucht es (noch) einen Girls‘Day

Am 25. April ist es wieder so weit – der Girls‘Day (Mädchen-Zukunftstag) findet auch in diesem Jahr am vierten Donnerstag im April statt. Seit Jahren bieten der Girls‘Day und Boys‘Day jungen Menschen die Chance, ihre Perspektiven in der Berufswahl zu erweitern. Während der Boys‘Day (Jungen-Zukunftstag) Jungen an typische Frauenberufe heranführen soll, bietet der Girls‘Day Mädchen eine erste Möglichkeit, in technische Berufe hineinzuschnuppern. Denn Geschlechter- und Rollenklischees haben immer noch einen deutlichen Einfluss auf das Berufswahlverhalten junger Menschen: Jungen sind bei der dualen Ausbildung überdurchschnittlich stark vertreten, Mädchen hingegen bei der vollzeitschulischen Ausbildung. Besonders beliebt bei Mädchen ist seit vielen Jahren die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement, zur medizinischen Fachangestellten oder zur Kauffrau im Einzelhandel. Jungen dagegen werden am häufigsten Kraftfahrzeugmechatroniker, Industriemechaniker und Elektroniker. Um eine berufliche Orientierung frei von Geschlechterklischees zu fördern, gibt der Girls‘Day Mädchen Einblicke in die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik).

Mehr Fachkräfte gewinnen durch gendersensible Berufsorientierung 

Vor allem in Berufen wie Elektronikerin und Elektroniker für Betriebstechnik beziehungsweise Fachinformatikerin oder Fachinformatiker haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu besetzen. Dabei profitieren Betriebe besonders von einer gendersensiblen Berufsorientierung. Ein wichtiger Schlüssel ist es, den Frauenanteil zu erhöhen. Laut MINT-Herbstreport des Instituts der Deutschen Wirtschaft ist der Frauenanteil in MINT-Berufen mit 16 Prozent jedoch immer noch unterdurchschnittlich. Um mehr Fachkräfte zu gewinnen, gilt es deshalb, bereits möglichst früh mit praxisorientierten Bildungsangeboten anzusetzen.

Win-win für Mädchen und Betriebe 

Betriebliche Erfahrungen helfen Jugendlichen, sich ein Bild von den vielfältigen Möglichkeiten in der Welt der Berufe zu machen. Passen Unternehmen und junger Mensch zusammen, kommen über Praktika, Kennenlerntage und ähnliche Initiativen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt zusammen, und es gelingt, den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Die "Kompetenzstelle Technik-Diversity-Chancengleichheit", die den Girls‘Day initiiert, hat Evaluationen vorgelegt, die zeigen: Die Betriebe machen gerne mit. 2023 stellten sie am Mädchen-Zukunftstag 126.230 Plätze bereit. In zwei von fünf Unternehmen erkundigen sich die Mädchen im Anschluss an den Aktionstag nach Ausbildungsmöglichkeiten und etwas häufiger sogar nach Praktikumsplätzen. Und auch bei den Schülerinnen kommt der Tag gut an: 2022 waren 94 Prozent der Mädchen mit ihrer Teilnahme am Aktionstag zufrieden oder sehr zufrieden.

Chefin werden – Unternehmerinnen begeistern Schülerinnen für die Selbstständigkeit 

Auch mit Blick auf ein unternehmerisches Engagement gibt es in Deutschland eine Kluft zwischen Männern und Frauen. Lediglich 30 Prozent der Gründenden sind weiblich. Nur knapp 8 Prozent der Patente werden von Erfinderinnen gehalten. Und bei der Unternehmensnachfolge liegt der Frauenanteil lediglich bei etwa 20 Prozent der Übernahmen. Damit sich Mädchen und junge Frauen schon frühzeitig mit den Chancen und Herausforderungen von unternehmerischem Engagement vertraut machen können, erhalten Schülerinnen am Girls‘Day Gelegenheit, Unternehmerinnen kennenzulernen.
In diesem Jahr beteiligen sich, koordiniert von der DIHK und dem Netzwerk Business Women IHK, rund 35 IHKs an der bundesweiten Aktion "Ich werde Chefin". Dabei begleiten die Teilnehmerinnen einen Vormittag lang eine Unternehmerin oder eine Gründerin in deren Alltag. Auf diese Weise lernen sie eine inspirierende Persönlichkeit kennen und entwickeln im besten Fall selbst den Wunsch, als Chefin später "ihr eigenes Ding" zu machen.
Ob er die Berufsorientierung in naturwissenschaftlichen Bereichen ermöglicht oder das Hineinschnuppern ins Chefinnen-Sein: Der Girls‘Day ist auch im Jahr 2024 ein wichtiger Baustein, um Geschlechter- und Rollenklischees weiter aufzuweichen.