„Nicht nur zuhören, machen“
Eine Kauffrau für Büromanagement und ein Automatenfachmann aus Rheinhessen gehören zu den Spitzen-Azubis Deutschlands. Emely Schmidt und Eric Schmitt sind bei der nationalen Bestenehrung der Industrie- und Handelskammern als beste Absolventen ihrer Berufe prämiert worden.
„Schule fiel mir immer leicht“, muss Emely Schmidt schmunzeln. Die Uelversheimerinhat ihre Ausbildung bei Boehringer Ingelheim absolviert. Nach ihrem preisgekrönten Abschluss ist sie als Teamassistentin im internationalen Bereich übernommen worden. In Hahnheim groß geworden, besuchte sie das Gymnasium Nieder-Olm, beendete ihren Weg zum Abitur trotz guter Noten aber nach der zwölften Klassenstufe. Die Ausbildung rief. Nach einem Anlauf als Mediengestalterin Digital und Print bei der VRM bewarb sich die zwischenzeitliche Wahl-Mainzerin beim Pharmaunternehmen. „Ich habe schon immer gern fotografiert und ein Auge für Design“, sagt Schmidt, „und ich fand es total interessant, zur Allgemeinen Zeitung zu gehen. Es ist ein sehr technischer Beruf. Man lernt viel, auch im digitalen Bereich, Webseiten bauen zum Beispiel. Das Kreative hat für mich gepasst, und ich habe gern dort gearbeitet. Aber als Mediengestalter ist man das letzte Glied, ich wollte mehr ins Organisatorische rein.“
Schon ihre Tätigkeit in der Jugend- und Auszubildenden- Vertretung beim Verlag hat ihr gefallen, vor allem die organisatorischen Aspekte, Termine zu koordinieren, zu kommunizieren. So wurde das Interesse an einer anderen Ausbildung geweckt. „Ich wollte auf keinen Fall direkt studieren“, erzählt sie. „Ich konnte immer gut wiedergeben, was die Lehrer wollten, aber es hat mich gar nicht erfüllt, zuzuhören und herumzusitzen, ohne wirklich etwas zu machen. Das hat mich ausgelaugt und mir keinen Sinn gegeben.“ Was für die erste Ausbildung sprach, sprach nun auch für eine weitere.
Trotz guter Noten von der Schule zu gehen, war erklärungsbedürftig
Eine einzige Bewerbung, bei Boehringer, genügte. Die Zusatzqualifikation „Europakauffrau“war besonders interessant. „Es erfüllt mich einfach, zu wissen, ein Teil des Ganzen zu sein und meinen Teil beizutragen, dass die Medikamente für die Patienten auf den Markt kommen“, sagt Schmidt, die inzwischen wieder aufs rheinhessische Land gezogen ist, ganz familiennah. Und nun doch in ein Fernstudium an der IU International University eingeschrieben ist, Bachelor BWL, nebenberuflich. „Da habe ich gemerkt, wie viel Basiswissen wir schon vermittelt bekommen haben im Unternehmen und in der Berufsschule.“
So fällt es leichter, nach Feierabend und am Wochenende die Scripts und Lehrvideos durchzuarbeiten. „Es ist nicht das klassische Prinzip ‚Ich sitze da und höre zu‘“, sagt Schmidt. Das kommt ihr zupass. Trotz guter Noten vorzeitig von der Schule abzugehen, war im Freundeskreis erklärungsbedürftig. „Aber ich war total davon überzeugt und bereue es kein bisschen.“ Die Prämierung als Bundesbeste bestätigt ihren Werdegang. Die Abläufe, inklusive persönlichem Anruf, Einladung zu Zugfahrt und Hotelübernachtung durch die IHK, empfand sie als „sehr wertschätzend“.
Als „schmeichelnd“ bezeichnet Eric Schmitt die Einladung, ebenfalls für einen Artikel im „IHK-Report“ interviewt zu werden. Rampenlicht sei jedoch gar nichts für ihn. Er lässt seine hervorragenden Leistungen sprechen.
TORBEN SCHRÖDER, FREIER JOURNALIST
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