Andere Länder, andere Chancen
Ob London, Paris oder Kyjiw – wer in Europa wachsen will, braucht starke Partner vor Ort. Die Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) unterstützen Unternehmen weltweit beim Markteinstieg und vernetzen mit relevanten Kontakten. Unsere Kurzinterviews zeigen, wo sich für rheinhessische Betriebe Chancen bieten.
- Dr. Ulrich Hoppe, Director General, German-British Chamber of Industry & Commerce, London
- Dr. Frauke Schmitz-Bauerdick, Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer, Paris
- Janine Damm, Pressesprecherin Duits-Nederlandse Handelskamer, Den Haag
- Reiner Perau, Geschäftsführer Deutsch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer, Kyjiw
- Dr. Lars Björn Gutheil, Geschäftsführer der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer, Warschau
Dr. Ulrich Hoppe, Director General, German-British Chamber of Industry & Commerce, London
Herr Hoppe, welche Chancen bietet Großbritannien trotz des Brexit?
Nach den Jahren der Unsicherheit infolge des Brexit-Referendums und dem anschließend eher volatilen Europakurs früherer britischer Regierungen kehrt – trotz deutlich gewachsener Handelshemmnisse – wieder Normalität in die Wirtschaftsbeziehungen ein. Auf beiden Seiten ist klar erkennbar, dass Interesse an einer Vertiefung der Partnerschaft besteht. Doch auch wenn sich der bilaterale Handel langsam erholt, erschweren vor allem aufenthaltsrechtliche Hürden bei der Arbeitnehmer-Mobilität weiterhin die Zusammenarbeit – für viele Unternehmen ist das ein erhebliches Problem. Dabei bietet der britische Markt vielfältige Chancen für Innovation, Export, Technologietransfer und strategische Partnerschaften – besonders für Unternehmen mit Lösungen für Energie, Digitalisierung und Gesundheit. So gehört Großbritannien bei Cyber Security und Künstlicher Intelligenz zu den europäischen Spitzenreitern, aber auch klassische Industriezweige wie Maschinenbau, Automobilzulieferung und Fertigung bleiben wirtschaftlich bedeutsam.
Dr. Frauke Schmitz-Bauerdick, Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer, Paris
Frau Schmitz-Bauerdick, was bewirkt die deutsch-französische Freundschaft wirtschaftlich?
Rheinland-Pfalz und Frankreich sind freundschaftlich lang eng und verbunden. 150 Städtepartnerschaften und Kooperationen auf Ebene der Schulen, Sportvereine und Verbände füllen diese Freundschaft seit mehr als 60 Jahren mit Leben. Aber auch wirtschaftlich sind sie eng verflochten – Frankreich ist der wichtigste Außenhandelspartner von Rheinland-Pfalz. Allein 2024 haben rheinlandpfälzische Unternehmen Güter und Waren im Wert 5,7 Milliarden Euro ins Nachbarland geschickt, zehn Prozent der Gesamtausfuhren. Wichtigste Güter sind Autos und Komponenten der Automobilindustrie, gefolgt von chemischen Produkten. Rheinland-pfälzische Unternehmen sind wichtige und gerne gesehene Investoren – Firmen wie KSB, BASF und Boehringer Ingelheim produzieren in Frankreich für den lokalen Markt aber auch für den Export. Frankreichs Stärken in den Bereichen Start-ups und Luft- und Weltraum machen den Standort trotz der aktuellen politisch und finanziell schwierigen Phase weiterhin attraktiv. Und der angekündigte Bau neuer Datenzentren birgt Potenzial auch für große rheinland-pfälzische Zulieferer aus den Bereichen Umwelt- und Wassertechnik.
Janine Damm, Pressesprecherin Duits-Nederlandse Handelskamer, Den Haag
Frau Damm, warum funktionieren die deutsch-niederländischen Wirtschaftsbeziehungen so gut?
Der Handel von Rheinland-Pfalz mit den Niederlanden hat kräftig zugelegt. Für das Bundesland sind die Niederlande der drittwichtigste Exportmarkt. Nach einem Export-Einbruch im Jahr 2024 zeichnet sich für 2025 wieder ein deutliches Wachstum ab. Allein von Januar bis September im vergangenen Jahr lagen die Exporte bei 3,1 Milliarden Euro, nach den USA (3,8) und Frankreich (4,3). Bei den Importen liegen die Niederlande für Rheinland-Pfalz auf Rang drei. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden Waren im Wert von 2,5 Milliarden Euro importiert. China mit 3,2 und Frankreich mit 2,6 Milliarden führen hier. In jüngster Zeit spielen nicht nur Wein und Tourismus eine wichtige Rolle innerhalb der Zusammenarbeit, sondern auch immer mehr die Hightech-Industrie. Und ganz entschei-end ist die Chemieindustrie. Potenziale für ausländische Unternehmen bieten insbesondere Smart Industry, Wasserstofflogistik, -import und -speicherung, Logistik, E-Health, Infrastruktur, Energiewirtschaft, multimodale Transportlösungen, KI und innovative Landwirtschaft. Für Innovationen blicken deutsche Unternehmen und Politik verstärkt in die Niederlande, die in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle einnehmen, wie etwa der Digitalisierung, Mobilität, Infrastruktur, Energie und Gesundheit. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern ist gerade deshalb so stark, weil sie sich perfekt ergänzen: Während deutsche Ansätze mitunter sehr theoretisch sind, punkten die Niederländer mit Pragmatismus.
Reiner Perau, Geschäftsführer Deutsch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer, Kyjiw
Herr Perau, wie lässt sich eine AHK im russischen Angriffskrieg führen?
Man wundert sich, wie sehr Alltag in der Ukraine herrscht, im Straßenbild, bei den Unternehmen, bei der deutsch-ukrainischen Handelskammer. Die Veranstaltungen laufen gut, wir bringen in Kiew vier Mal im Jahr 250 Leute zusammen. Die Wirtschaft wächst. Mit Blick auf viele Unternehmen kann man die Ukraine als ganz normalen Markt betrachten. Das meiste läuft weiter, wenn auch mit weniger Leuten, durch Wegzüge und Einberufungen. Wir erleben weiterhin Nachfrage nach Zusammenarbeit und von Zulieferern, nachdem sich ab Herbst 2022 die anfängliche Schockstarre gelegt hat. Neben den angestammten Branchen Landwirtschaft und IT ist der Bereich Verteidigung hinzu gekommen. Hier versuchen sich deutsche Betriebe immer wieder einzubringen, beispielsweise mit besonderen, präzisen Bauteilen. Wir bringen die Unternehmen zusammen, auch mit staatlichen Rüstungskonzernen. Dass kaum große Unternehmen sich in der Ukraine engagieren, mag auch mit Bedenken zur die Zukunft des Staates zu tun haben. Man redet aber nicht darüber. Die meisten Investitionen kommen von Branchen-Insidern und Unternehmen, die bereits im Land präsent sind. Unsicherheit besteht auch bezüglich der Nachkriegs-Rahmenbedingungen. Aber es gibt viele Chancen, etwa im Bereich Baumaterialien.
Dr. Lars Björn Gutheil, Geschäftsführer der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer, Warschau
Herr Gutheil, wer sollte unbedingt in Polen investieren?
Polen war 2024 der siebtgrößte Außenhandelspartner für Rheinland-Pfalz. Es wurden Waren im Wert von 3,1 Milliarden Euro nach Polen exportiert und Produkte im Wert von 2,2 Milliarden Euro importiert. Zu den größten Investoren aus Rheinhessen gehört Boehringer Ingelheim. Auch Schott Glas oder der Pumpenhersteller KSB sind in Polen mit Niederlassungen vertreten. Polen verfügt über eine solide, diversifizierte Wirtschaft mit starker Rolle des verarbeitenden Gewerbes. Der Exportanteil am BIP liegt über 60 Prozent. Für ausländische Direktinvestitionen ist Polen durch Lage, Produktionskosten und kompetente Fachkräfte ein attraktiver Nearshoring-Standort. Privatkonsum und Kaufkraft steigen, 2023 wurden 80 Prozent des EU-Durchschnittes nach Kaufkraftparität erreicht. Die Wirtschaft Polens wächst deutlich schneller als der EU-Durchschnitt und zeigt sich krisenresistent. Wer investiert in Polen? Unternehmen, die von niedrigeren Lohnkosten profitieren wollen und hohe Anforderungen an Qualität und Zulieferer stellen, ebenso wie Betriebe, die hohe Lieferkosten haben und weite Entfernungen vermeiden wollen, und alle, die Wert auf kulturelle Nähe legen.
NETZWERK DER AHKS
Die Deutschen Auslandshandelskammern, kurz AHK, sind mit 150 Standorten in mehr als 90 Ländern weltweit Ansprechpartner vor Ort für deutsche Unternehmen, die ihr Auslandsgeschäft auf- oder ausbauen wollen. Dabei agieren die AHKs als offizielles Instrument der Deutschen Außenwirtschaftsförderung und werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie anteilig gefördert. Zusammen mit den Industrie- und Handelskammern in Deutschland bilden sie ein großes Netzwerk, das über die Deutsche Industrie und Handelskammer (DIHK) in Berlin koordiniert und weiterentwickelt wird.
www.ahk.de
Die Deutschen Auslandshandelskammern, kurz AHK, sind mit 150 Standorten in mehr als 90 Ländern weltweit Ansprechpartner vor Ort für deutsche Unternehmen, die ihr Auslandsgeschäft auf- oder ausbauen wollen. Dabei agieren die AHKs als offizielles Instrument der Deutschen Außenwirtschaftsförderung und werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie anteilig gefördert. Zusammen mit den Industrie- und Handelskammern in Deutschland bilden sie ein großes Netzwerk, das über die Deutsche Industrie und Handelskammer (DIHK) in Berlin koordiniert und weiterentwickelt wird.
www.ahk.de
NETZWERK VOR ORT
Neben Beratungen, Netzwerkveranstaltungen und Webinaren bietet die IHK für Rheinhessen ein breites Netzwerk International - für Europa und darüber hinaus.
www.ihk.de/international
Neben Beratungen, Netzwerkveranstaltungen und Webinaren bietet die IHK für Rheinhessen ein breites Netzwerk International - für Europa und darüber hinaus.
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Kontakt
Bingen, Mainzer Straße 136
Telefon: 06721 9141-0
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Mainz, Schillerplatz 7
Telefon: 06131 262-0
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Worms, Adenauerring 1
Telefon: 06241 9117-3
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