Ausbildungsumfrage
Ostdeutsche Azubis stehen auf „Loslegen“
Potsdam, 8. Juni 2026 – Die Auswertung der diesjährigen Befragung von 5314 Auszubildenden im 1. Ausbildungsjahr (2025/2026) der Industrie- und Handelskammern aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt spannende Einblicke in die Sichtweisen und Lebenswelten junger Menschen in der Ausbildung.
Insgesamt 85 Prozent der Auszubildenden in IHK-Berufen würden die Ausbildung in ihrem Unternehmen weiterempfehlen. Besonders wichtig bleibt für junge Menschen der direkte Bezug zur Praxis: Rund 94 Prozent der Befragten gaben an, dass praktische Tätigkeiten und der unmittelbare Einstieg in den Berufsalltag wichtige Gründe für die Entscheidung für eine Ausbildung sind.
„GenZ und Alpha begeistert man mit monetären Benefits und Freiheit ohne Grenzen? Die Umfrage zeigt mal wieder deutlich, was junge Leute wirklich für Erwartungen an ihren Ausbildungsbetrieb stellen: Vertrauen und Willkommenskultur, möglichst schnell ins Machen kommen, Teil des Teams werden dürfen und eine mittel- bis langfristige Zukunftsperspektive geboten bekommen.“
Ina Hänsel, Präsidentin der IHK Potsdam im Namen der Landesarbeitsgemeinschaft der drei Brandenburger IHKs.
Ergebnisse und Zahlen im Überblick
- Rund 78 Prozent der Auszubildenden gaben an, ihren Wunschberuf zu erlernen. Damit bleibt der Wert gegenüber dem Vorjahr stabil. Für 84 Prozent der Befragten handelt es sich um die erste Ausbildung. Etwa 9 Prozent der Jugendlichen haben bereits zuvor eine Ausbildung abgebrochen.
- Das persönliche Umfeld (Eltern, Freunde, Verwandte und Bekannte) mit 51 Prozent und praktische Erfahrungen 70 Prozent bleiben die wichtigsten Einflüsse für die Berufsorientierung. Während praktische Erfahrungen (Praktika, Ferienjobs und Betriebsbesichtigungen) im Vergleich zum Vorjahr um rund 6 Prozentpunkte zurückgingen, gewann das persönliche Umfeld deutlich an Bedeutung und wurde neu als wichtiger Einflussfaktor hervorgehoben.
- Die meisten Jugendlichen schätzen an einer Ausbildung den hohen Praxisbezug sowie sichere Zukunftsperspektiven: Rund 94 Prozent bewerteten den Bezug zur Praxis als wichtig oder eher wichtig. Ebenso erhoffen sich rund 92 Prozent gute Übernahme- und Karrierechancen nach der Ausbildung. Für etwa 78 Prozent der Befragten war außerdem entscheidend, dass die beruflichen Aufgaben den eigenen Interessen entsprechen.
- Auf ihren Ausbildungsbetrieb wurden die meisten Jugendlichen weiterhin über ihr persönliches Umfeld aufmerksam (49 Prozent). Gleichzeitig gingen die Internetseiten der Betriebe als Informationsquelle im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozentpunkte zurück, während Onlinebörsen und schulische Angebote an Bedeutung gewannen. Praktika, Ferienarbeit und Betriebsbesuche spielten für 28 Prozent der Befragten eine wichtige Rolle.
- Die Umfrage liefert erstmals Daten zu Beschäftigungsverhältnissen vor der Ausbildungsaufnahme und zeigt dabei, dass 30 Prozent der Befragten vor der Ausbildung ungelernt gearbeitet haben. Davon übten gut 60 Prozent die Tätigkeiten mehr als 6 Monate lang aus. 29 Prozent gaben sogar an, vor ihrer Ausbildung in Vollzeit gearbeitet zu haben. Die Gründe dafür sind vielfältig, sowohl Zeitüberbrückung als auch persönliche Gründe und Unsicherheiten bei der Berufswahl bewegen zu diesen ungelernten Tätigkeiten.
- Viele Jugendliche bewerben sich weiterhin frühzeitig auf Ausbildungsplätze. Der Anteil früher Bewerbungen blieb gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Rund 61 Prozent der Befragten verschickten ihre Bewerbung bereits bis März 2025 für eine im Sommer beginnende Ausbildung. Gleichzeitig erhielten etwa 65 Prozent innerhalb eines Monats eine Rückmeldung durch das Unternehmen.
- Der aktuelle Ausbildungsmarkt kommt vielen Jugendlichen zugute. Mit nur einer Bewerbung erhielten rund 33 Prozent der Befragten bereits eine Zusage. Weitere 37 Prozent benötigten zwei bis fünf Bewerbungen. Um einen Ausbildungsplatz zu erhalten, mussten 11 Prozent der Teilnehmenden mehr als 15 Bewerbungen versenden.
- Mobilität bleibt ein wichtiges Thema in der Ausbildung. Der Anteil der Auszubildenden, die aufgrund zu großer Entfernungen ein Ausbildungsplatzangebot ablehnten, beträgt 24 Prozent. Rund 15 Prozent der Auszubildenden sind für ihre Ausbildung umgezogen. Etwa 21 Prozent nutzen einen Wohnheimplatz oder eine Wohnung am Berufsschulstandort.
- Die Wegezeiten unterscheiden sich deutlich zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. Während rund 87 Prozent der Auszubildenden ihren Ausbildungsbetrieb innerhalb von maximal 60 Minuten erreichen, benötigen nur rund 66 Prozent maximal eine Stunde bis zur Berufsschule. Öffentliche Verkehrsmittel spielen für den Weg zur Berufsschule und zum Ausbildungsbetrieb weiterhin eine zentrale Rolle.
- Unterrichtsausfall bleibt für viele Jugendliche ein Thema. Allerdings ging der Anteil der häufig von Unterrichtsausfall betroffenen Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück. Rund 14 Prozent der Befragten gaben an, oft oder sehr oft von Unterrichtsausfall betroffen zu sein.
- 85 Prozent der Auszubildenden würden ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen. Besonders positiv bewerten die Jugendlichen das Betriebsklima, die Betreuung durch die Ausbilderinnen und Ausbilder sowie das Image ihres Ausbildungsunternehmens.
- Social Media bleibt ein wichtiger Bestandteil des Alltags junger Menschen. Während Instagram weiterhin den wichtigsten Kanal darstellt, nahm die Nutzung von TikTok im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht zu. Besonders häufig genutzt werden Instagram (78 Prozent), TikTok (64 Prozent) und YouTube (55 Prozent). Rund 74 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Ausbildungsunternehmen auf Social Media vertreten ist.
- Künstliche Intelligenz gewinnt auch in der Ausbildung an Bedeutung. Rund 62 Prozent der Auszubildenden nutzen KI-Anwendungen in ihrer Freizeit. Knapp die Hälfte setzt KI bereits in der Berufsschule ein, während etwa 22 Prozent KI im Ausbildungsbetrieb verwenden.
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Die Angebote der Kammern sind vielen Auszubildenden bekannt. Besonders die Ausbildungsberatung konnte ihren Bekanntheitsgrad im Vergleich zum Vorjahr leicht steigern. Rund 44 Prozent der befragten Auszubildenden kennen die Ausbildungsberatung ihrer IHK, etwa 32 Prozent regionale Berufsfindungsmessen. Auch Workshops, Prüfungsvorbereitungen und Unterstützungsangebote werden von vielen Jugendlichen wahrgenommen.(Befragungszeitraum März / April 2026)