Leitlinien

Tourismuspolitik

Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Brandenburg: Im Jahr 2025 wurden 14,3 Millionen Übernachtungen und 5,4 Millionen Gäste verzeichnet. Auch der Campingtourismus wächst weiter. Insgesamt trägt die Branche rund 5,7 % zur Wirtschaftsleistung bei und sichert etwa 95.000 Arbeitsplätze.
Trotz dieser positiven Entwicklung steht der Tourismus vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, steigende Kosten, höhere Qualitäts- und Nachhaltigkeitsanforderungen sowie Defizite bei Mobilität und Digitalisierung. Zudem verschärft der Klimawandel – insbesondere durch sinkende Wasserstände – den Handlungsdruck. Wasser muss deshalb auch nach dem Braunkohleausstieg als wirtschaftliche Ressource für die gesamte Tourismuswirtschaft gesichert werden.
Die tourismuspolitischen Leitlinien der IHK Potsdam stellen die wichtigsten Forderungen der regionalen Wirtschaft an die Politik dar. Insgesamt muss die Branche, um die Potenziale des Tourismus langfristig zu sichern, stärker in die regionale Entwicklung eingebunden und durch geeignete politische Rahmenbedingungen unterstützt werden.

Wie kann man dem Fachkräftemangel entgegenwirken?

Die Folgen des Fachkräftemangels sind überall spürbar: eingeschränkte Öffnungszeiten, reduzierte Angebote und wachsende Schwierigkeiten, Qualitätsstandards zu halten. Gleichzeitig erschweren strukturelle Rahmenbedingungen wie unflexible Arbeitszeitregelungen und fehlender bezahlbarer Wohnraum die Gewinnung neuer Arbeits- und Fachkräfte.
Um den Personalbedarf langfristig zu sichern, sind grundlegende Verbesserungen der Rahmenbedingungen sowie eine stärkere Unterstützung bei der Fachkräftegewinnung erforderlich.

Welche Forderungen stellt die IHK Potsdam?

  • Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und -gewinnung sind für ein langfristiges Tourismusangebot auszubauen.
  • Mobilitätsangebote sichern (wie z.B. Azubi- bzw. Deutschlandticket) und Rahmenbedingungen für die angespannte Wohnungsmarktsituation verbessern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Auszubildende sowie Saison-Arbeitskräfte benötigen Wohnraum mit einkommensgerechten Mieten.
  • Flexiblere Arbeitszeitgestaltung gesetzlich ermöglichen, damit die Betriebe ihre Angebote erhalten können.
  • Transparenz und kurze Rückmeldungszeit im gesamten Antragsprozess bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV).
  • Für die Fachkräfteeinwanderung aus dem Ausland müssen die bürokratischen Verfahren unkompliziert und schnell durchführbar sein.
  • Die Betriebe bei der Aus- und Weiterbildung von Arbeits- zu Fachkräften gezielt unterstützen (Aktivierungsmaßnahmen, Sprach- und Integrationskurse, individuelle Angebote sowie die duale Ausbildung)

Warum braucht Brandenburg mehr Internationalität und eine starke Willkommenskultur?

Brandenburg wird für internationale Gäste immer attraktiver. Dieses Potenzial sollte gezielt genutzt werden, um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Tourismus im Einklang mit den Interessen der Bevölkerung entwickelt wird. Eine gelebte Willkommenskultur, barrierefreie Angebote, digitale Services und eine moderne Infrastruktur sorgen dafür, dass sich Gäste willkommen fühlen und Brandenburg als weltoffene und innovative Destination wahrgenommen wird.

Welche Forderungen stellt die IHK Potsdam?

  • Mehr Mittel- und Langstreckenverbindungen für die Metropolregion Berlin-Brandenburg, um das internationale touristische Potenzial ins Land Brandenburg zu lenken.
  • Tourismusbewusstsein und Tourismusakzeptanz sind gemeinsam mit allen Stakeholdern zu stärken, um das Zusammenleben von Einheimischen und Gästen zu fördern.
  • Erweiterung des Sommerferienkorridors auf 90 Tage für eine nachhaltige Entlastung der Verkehrsmittel und eine Stärkung des Tourismus.
  • Niedrigschwellige Förderprogramme entwickeln, um schneller mit kleinen Baumaßnahmen Barrierefreiheit zu schaffen.
  • Breitband-Ausbau flächendeckend zügig umsetzen.
  • Touristische Infrastruktur und nachhaltige Mobilität ausbauen

Wie gelingt nachhaltige Mobilität für Gäste und Einheimische?

Ein attraktiver Tourismus braucht moderne Mobilitätsangebote. Bus und Bahn müssen insbesondere im ländlichen Raum besser ausgebaut, enger getaktet und stärker miteinander vernetzt werden. Auch die Anbindung Brandenburgs an den Fernverkehr ist unerläßlich. Gleichzeitig bietet der Ausbau des Radverkehrs große Chancen für Tourismus, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Nachhaltige Mobilität erhöht die Lebensqualität vor Ort und macht Brandenburg als Reiseziel noch attraktiver.

Welche Forderungen stellt die IHK Potsdam?

  • Touristische Infrastruktur ist zu erhalten, weiter zu modernisieren und Lückenschlüsse voranzutreiben.
  • Die Chancen der Digitalisierung sind bei der Verkehrswende zu nutzen.
  • Für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Entwicklung muss die Landeshauptstadt Potsdam an das ICE-Netz angebunden werden.
  • Bahnhöfe sind in tourismusrelevanten Regionen als Mobilitäts-Hubs mit Ladestationen, Verleihstationen von Fahrrädern, E-Bikes, Carsharing und sicheren Fahrradstellplätzen barrierefrei auszubauen.
  • Die verlässliche Fahrradmitnahme im Schienenpersonennahverkehr an Wochenenden und in den Ferien ist eine zwingende Voraussetzung für die Verkehrswende.
  • Das geplante „Radnetz Brandenburg“ in Abstimmung mit dem Land Berlin zügig umsetzen.

Wie bleibt Brandenburgs Wassertourismus ein Erfolgsmotor?

Brandenburgs Seen, Flüsse und Wasserstraßen sind ein Alleinstellungsmerkmal und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Viele Betriebe und Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Wassertourismus ab. Um dieses Potenzial langfristig zu sichern, sind Investitionen in Schleusen, Wasserstraßen und touristische Infrastruktur notwendig. Gleichzeitig müssen Naturschutz, wirtschaftliche Entwicklung und touristische Nutzung ausgewogen miteinander verbunden werden.

Welche Forderungen stellt die IHK Potsdam?

  • Anwendung des Masterplans Freizeitschifffahrt in Brandenburg mit den nötigen finanziellen und personellen Mitteln ausstatten, um eine zügige Umsetzung zu gewährleisten.
  • Entwicklung und zügige Umsetzung einer mit dem Bund abgestimmten Gesamtstrategie für die Sanierung der Schleusen.
  • Anpassung der Schleusenbetriebszeiten an die Bedarfe der Regionen durch Automatisierung der Schleusen und den Einsatz von zusätzlichem Personal.
  • Beschleunigte Genehmigungsverfahren für die Erweiterung der Kapazitäten für Gast- und Dauerliegeplätze.
  • Ausdehnung der Charterscheinregelung auf alle schiffbaren Landesgewässer.
  • Förderung und Unterstützung der Freizeitschifffahrt gleichermaßen für muskelbetriebenen und motorbetriebenen Wassersport.
  • Alternative Antriebe sind technologieoffen zu fördern und eine Ladeinfrastruktur muss geschaffen werden.
  • Die Rahmenbedingungen müssen zielgerichtet verbessert werden, um Synergieeffekte mit dem ansässigen Gewerbe zu schaffen und die lokale Wertschöpfung zu erhöhen.

Welche Bedeutung hat Kultur für Tourismus und regionale Entwicklung?

Kultur prägt das Gesicht Brandenburgs. Schlösser, Gärten, Festivals, Museen, historische Städte und Orte der Industriekultur ziehen Besucher aus dem In- und Ausland an. Kulturtourismus stärkt die regionale Wirtschaft, fördert den Austausch zwischen Menschen und trägt zur Attraktivität der Städte und Gemeinden bei. Eine starke kulturelle Infrastruktur ist deshalb nicht nur ein Standortfaktor, sondern auch ein wichtiger Beitrag für Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Welche Forderungen stellt die IHK Potsdam?

  • Formate für Austausch zwischen Akteurinnen und Akteuren aus Kultur und Tourismus fördern.
  • Kultur sorgt für Multifunktionalität und Frequenzerhöhung der Innenstädte: Stärkung der Kultur als wichtiger Teil des touristischen Angebots.
  • Kultur als Imageträger für Tourismus im Land Brandenburg stärker nutzen.
  • Bereitstellung von Fördermitteln zur Ansprache touristischer Zielgruppen.
  • Förderung der Industriekultur in Brandenburg als langfristige Aufgabe verstehen und als touristische Marke ausbauen.

Wann endet die Bürokratieflut für Unternehmen?

Zu viele Vorschriften, Dokumentationspflichten und langwierige Genehmigungsverfahren binden Zeit und finanzielle Ressourcen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen werden dadurch belastet und in ihrer Entwicklung eingeschränkt. Weniger Bürokratie bedeutet mehr Spielraum für Investitionen, Innovationen und Arbeitsplätze. Ziel muss es sein, Verfahren zu vereinfachen, Genehmigungen zu beschleunigen und neue Belastungen für Unternehmen zu vermeiden.

Welche Forderungen stellt die IHK Potsdam?

  • Transparente und unbürokratische Innovationsförderung im Tourismus: einfache Verfahren, verständliche Formulare, Digitalisierung des Antragwegs und zügige Bearbeitungszeiten mit einheitlicher Ansprechperson.
  • Um den Aufwand bei der Datenübermittlung für jegliche Anträge zu reduzieren, müssen mehr digitale Schnittstellen eingerichtet werden.
  • Prüfung der Elektroanlagen „E-Check“: Kosten für externe Experten verringern und Vereinfachungen realisieren durch Stichpunktkontrollen, digitale Verfahren oder längere Prüfintervalle.
  • Brandschutzmaßnahmen durch kommunale Behörden praxisnah, einheitlich und verständlich ausgestalten.
  • Allergenkennzeichnung von saisonalen Gerichten und Produkten auf eine bedingungslose Auskunftspflicht reduzieren.