Interview mit Karin Alles von der Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber in Ludwigshafen
Inklusion im Unternehmen etablieren – so klappt es
Viele Unternehmen zögern noch, Menschen mit Behinderung einzustellen. Dabei sind diese oft sehr gut qualifiziert und geeignet für offene Stellen, sagt Karin Alles von der Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber in Ludwigshafen. Im Interview mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) erklärt sie, wie Betriebe mit Inklusion beginnen können.
Warum sollten Unternehmen sich mit dem Thema Inklusion befassen?
Alles: Wenn man es rein geschäftlich sieht: um den Fachkräftemangel zu mildern. Im Durchschnitt sind Menschen mit Behinderung besser qualifiziert als Arbeitslose ohne Behinderung. Viele Unternehmen haben dieses Potenzial gar nicht auf dem Schirm. Zudem können sie Geld sparen. Schließlich müssen Unternehmen ab 20 Beschäftigten eine Ausgleichsabgabe zahlen, wenn sie nicht mindestens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Schwerbehinderung besetzen.
Um welche Behinderungen geht es?
Alles: Behinderungen sind vielfältig, nicht alle sind sichtbar. Die allermeisten entstehen erst im Laufe des Arbeitslebens – nur 4 Prozent sind angeboren. Als Schwerbehinderung gilt, wenn Menschen für längere Zeit körperliche, seelische, geistige Beeinträchtigungen oder Sinnesbehinderungen haben, die sie in Wechselwirkung mit Barrieren in der Umwelt bei der Teilhabe am Leben einschränken. Dazu zählen zum Beispiel auch bestimmte Formen von Diabetes oder schwere Migräne. 3 Tipps für mehr Inklusion im Unternehmen
Karin Alles ist EAA-Fachberaterin bei den Fachdiensten für Arbeit und Integration, einer Einrichtung der Evangelischen Heimstiftung Pfalz. EAA steht für Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber, und diese Einrichtungen sind bundesweit im Auftrag der Integrations- und Inklusionsämter tätig. Ihre Aufgabe ist es, Unternehmen für Inklusion zu sensibilisieren und sie bei der Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu unterstützen.
3 Tipps für mehr Inklusion im Betrieb
- Für neue Zielgruppe öffnen: Geht es um ungenutztes Fachkräftepotenzial, denken die meisten an Frauen in Teilzeit, Quersteingerinnen und Quereinsteiger oder ausländische Fachkräfte. Menschen mit Behinderung werden dabei zu Unrecht oft vergessen. Planen Sie sie bei der Personalsuche bewusst ein!
- Kostenlose Beratung nutzen: Die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) sind bundesweit vertreten und Ihr erster Ansprechpartner für Fragen rund um dasThema Inklusion. Geben Sie Ihre Postleitzahl ein und erfahren Sie, wen Sie in Ihrer Region kontaktieren können: Hier geht es zur Internetseite des BIH (Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsämter und Hilfen der Sozialen Entschädigung (BIH) e. V.
- Homepage anpassen: Ein guter Anfang bei der Suche nach Fachkräften mit Behinderung ist, den digitalen Unternehmensauftritt für diese Zielgruppe ansprechender zu gestalten. Achten Sie zum Beispiel darauf, dass Ihre Internetseite barrierefrei ist und auf Fotos auch Menschen mit Behinderung zu sehen sind.
