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Die aktuelle Lage in der Golfregion
Die angespannte Sicherheitslage in der Golfregion hat spürbare Auswirkungen auf international tätige Unternehmen – auch in Ostwestfalen. Angriffe und militärische Eskalationen in mehreren Staaten des Golfkooperationsrates erhöhen Risiken für Lieferketten, Energiepreise und Investitionsentscheidungen. Für exportorientierte Betriebe ist eine sorgfältige Risikoanalyse derzeit wichtiger denn je.
Aktuelle Lage in der Golfregion – Risikoanalyse für deutsche Unternehmen
1. Kurzüberblick
Nach gemeinsamen Luftschlägen der USA und Israels auf iranische Ziele am Samstagmorgen (28.02.) reagierte der Iran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Militärstützpunkte und Infrastruktur in der gesamten Golfregion. Ein längerer Krieg im Nahen Osten würde internationale Logistikketten und damit auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Und das bereits nach wenigen Wochen. Die Folgen sind aktuell noch nicht absehbar.
2. Regionale Sicherheitsimplikationen
- Die Golfstaaten betonen ihre gemeinsame Verteidigungsbereitschaft und behalten sich das Recht auf Selbstverteidigung vor, während sie zugleich eine sofortige Beendigung der Eskalation fordern.
3. Wirtschaftliche/Logistische Auswirkungen
- Bei allem, was hier nachfolgend aufgeführt wird, steht für die Unternehmen das Leben ihrer Mitarbeitenden selbstverständlich an erster Stelle.
- Trotz der angespannten Lage sind in Deutschland akut keine Versorgungsrisiken zu erwarten. Unternehmen und Logistikdienstleister arbeiten mit Hochdruck daran, Lösungen zu finden.
- 18 Prozent der weltweiten Luftfrachtkapazitäten fallen aktuell weg. Es kommt daher zu Rückstaus und Verzögerungen in der Lieferkette.
- Die Hafenanlagen in der Golfregion sind überwiegend geschlossen. Die geöffneten Häfen kommen an ihre Grenzen.
- Die Straße von Hormus, ein strategischer Engpass für rund 20 % des weltweiten Öltransits, wurde geschlossen und es finden militärische Aktionen statt. Folge der Schließung sind erhebliche Preissteigerungen im Energiebereich. Auch Lieferungen aus Fernost und Südamerika sind davon betroffen. Der Schiffsverkehr wird umgeleitet. Inzwischen gehört die Ausweichroute rund um Afrika wieder zu den am meisten befahrenen Seestrecken der Welt, was einen Umweg von rund 6000 Kilometern und eine etwa zwei Wochen längere Fahrzeit bedeutet. Das verteuert die Transporte um 15 bis 20 Prozent und es kommt zu erheblichen Verzögerungen.
- Das hohe Aufkommen bringt die Häfen Südafrikas an ihre Grenzen. Viele Transportschiffe fahren daher weiter nach Namibia.
- Große Speditionen haben zusätzliche Flugzeuge gechartert, um den fehlenden Schiffsverkehr teilweise aufzufangen.
- Reedereien erheben Notfall-Konfliktzuschläge von bis zu 4000 Dollar für den Containertransport.
- Gas- und Öllieferungen sind aktuell am stärksten betroffen.
- Gas: Neuverträge könnten deutlich teurer werden. So drohen dann auch im kommenden Winter dauerhaft hohe Graspreise. Auch auf die Strompreise wirken sich steigende Gaspreise eventuell aus. Diese Entwicklung schwächt u. a. energieintensive Betriebe.
- Deutschland bezieht keine signifikanten Mengen LNG aus der Golfregion.
- Beim Öl zeigt sich die Entwicklung deutlich schneller: Steigende Weltmarktpreise (aktuell 5% Steigerung) kommen unmittelbar beim Endverbraucher an. Trotz des von der Bundeswirtschaftsministerin eingeleiteten Kartellverfahrens geraten betroffene Branchen bereits unter Druck – allen voran die Speditionswirtschaft, aber auch Unternehmen mit eigener Lieferlogistik. Ebenso Unternehmen, die Öl als Rohstoff oder Vorprodukt benötigen - Chemie-, die Pharma- und die Textilindustrie.
- Die 32 IEA-Mitgliedstaaten beschlossen am 11. März einstimmig, dem Vorschlag der Internationalen Energieagentur zu folgen und 400 Millionen Barrel Rohöl freizugeben.
- Germany Trade & Invest und die DIHK informieren.
Reise & Personal
- Reise- und Sicherheitshinweise werden ausgeweitet; teilweise werden Reisende, einschließlich europäischer Staatsangehöriger, aufgefordert, die Region zu verlassen oder sich in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND registrieren zu lassen.
- Deutsche Urlauber und Geschäftsreisende sind in der Region teilweise gestrandet. Verschiedene Fluggesellschaften und Reiseveranstalten organisieren Flüge für die Rückreise. Informieren Sie sich über deren Homepages und Social Media-Kanäle.
- Befolgen Sie jederzeit die Anweisungen der örtlichen Sicherheitskräfte und Zivilschutzbehörden. Fahren Sie nur zum Flughafen, wenn Ihr Flug bestätigt wurde.
- Achtung Betrug: Kriminelle nutzen das aktuelle Reisechaos im Nahen Osten gezielt für Betrugsversuche. Reisende, die sich über Social Media an die Airlines wenden, erhalten teilweise Antworten von gefälschten Profilen. Diese inoffiziellen Accounts fordern Betroffene dazu auf, persönliche Daten wie Name, Telefonnummer oder E‑Mail-Adresse zu übermitteln. Reisende sollten daher genau prüfen, mit wem sie kommunizieren, und sensible Daten niemals über öffentliche Nachrichten weitergeben.
4. Risiken für deutsche Unternehmen
Versorgungsketten
- Verzögerungen bei Rohstoff- und Zwischenproduktlieferungen (z. B. Öl, Chemikalien, Gütertransit über GCC-Häfen).
- Mögliche Umleitungen über längere Seewege – Mehrkosten und höhere Transitzeiten.
Sicherheit & Mitarbeiter
- Erhöhte Gefährdung für Personal vor Ort: Konzepte zur Evakuierung, Notfallplanung und Risikobewertung sind dringend anzupassen.
- Zeitweise Betriebseinschränkungen oder Schließungen in betroffenen Staaten.
Hinweis:
Die VAE-Regierung will teilweise Kosten für verlängerte Aufenthalte durch aktuelle Umstände übernehmen. Auch verlängerte Hotelbuchungen sollen später kompensiert werden (Details noch ausstehend).
