IHK-Konjunkturumfrage Berlin-Brandenburg Jahresbeginn 2026

Das Jahr 2026 startet mit leichter Lageaufhellung ohne Trendwende. Skeptische Erwartungen, defensive Personalplanung und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Kosten sowie Nachfrageunsicherheit wirken als konjunktureller Bremsklotz.

Strukturkrise bremst Wachstum in Berlin‑Brandenburg

Die Metropolregion Berlin‑Brandenburg startet ohne spürbaren Schwung ins neue Jahr: Die Wirtschaft der Hauptstadtregion findet nicht auf einen stabilen Wachstumspfad zurück. Der Konjunkturklimaindex legt gegenüber dem Herbst minimal zu und erreicht 102 Punkte, was deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 115 Punkten bleibt. Damit hält die Schwächephase bereits das vierte Jahr an und übertrifft in ihrer Länge und Tiefe frühere Wachstumsdellen der vergangenen zwei Jahrzehnte. Statt einer kurzfristigen Konjunkturpause sieht die Wirtschaft sich einer verstetigenden Strukturkrise ausgesetzt, die konjunkturelle Impulse und nachhaltige Erholung verhindert.
Auffällig ist der Abstand von 30 bis 40 Punkten zu den Indexwerten der 2010er Jahre – ein Hinweis auf den Unterschied zwischen früherer Wachstumsdynamik und einem verfestigten Stillstand. Eine schnelle Trendwende ist laut Umfrageergebnissen nicht zu erwarten: Erwartungen, Personal‑ und Investitionsplanungen sowie Risikobewertungen bleiben von Skepsis geprägt. Einzelne Branchen melden zwar etwas lebhaftere Geschäfte, doch stehen dem Sektoren gegenüber, in denen sich die Lage weiter eintrübt; unterm Strich fehlt ein übergreifender positiver Trend.
Als zentrale Bremsfaktoren gelten die schwache Binnennachfrage, anhaltende Unsicherheit durch internationale Handelshemmnisse sowie bislang ausbleibende umfassende Entlastungen. Es fehlen kraftvolle politische Initiativen, die den Standort spürbar attraktiver machen könnten – mit der Folge wachsender Unsicherheit in vielen Unternehmen. Für eine Rückkehr auf einen stabilen Wachstumspfad sind erhebliche strukturelle Verbesserungen erforderlich.

Geschäftslage bleibt verhalten: leichte Erholung, aber keine Trendwende

Zu Jahresbeginn 2026 verbessert sich die Geschäftslage der Berlin‑Brandenburger Wirtschaft leicht, bleibt aber insgesamt verhalten. Der Lagesaldo steigt erstmalig seit Herbst 2024 wieder leicht an. Die Konsolidierungsbewegung zeigt sich in beiden Ländern: Berlin legt im Saldo um drei Punkte auf acht zu, Brandenburg um einen Punkt auf 11. Trotz dieser Verbesserung gibt es laut Bericht in keinem Wirtschaftszweig einen längerfristigen positiven Trend hin zu überwiegend guten Geschäften.
In Brandenburg stützen vor allem die Dienstleistungen die Entwicklung: Der Lagesaldo steigt hier von 21 auf 23 Punkte und erreicht damit die beste Bewertung im Branchenvergleich des Landes. Auch der Handel verbessert sich, bleibt mit −10 Punkten aber weiterhin auf sehr niedrigem Niveau (zuvor −22). Dagegen berichten Industrie, Baugewerbe und Gastgewerbe von nachlassender Dynamik – mit schwacher Nachfrage in der Industrie, Belastungen im Bau durch Witterung und knappe öffentliche Kassen sowie anhaltender Kundenzurückhaltung im Handel. In der Industrie berichten erstmalig seit 2012 mehr Unternehmen von einer schlechten als von einer guten Geschäftslage; auch schrumpft der Anteil der exportierenden Industrieunternehmen auf ein Drittel.
In Berlin liefert vor allem die Industrie die positiven Impulse: Der Lagesaldo springt von 6 Punkten im Herbst auf 24 Punkte. Besonders größere Berliner Unternehmen profitieren von steigenden Exporten – 32% melden zunehmende Ausfuhren (Herbst: 18%). Auch Handel und Gastgewerbe laufen etwas besser, bleiben jedoch weiterhin im negativen Bereich, weil Endverbraucher bei Anschaffungen weiterhin zurückhaltend sind. Bei den Dienstleistern verbessert sich die Lage geringfügig – getragen vor allem von etwas mehr Aktivität bei Finanz‑ und Versicherungsdienstleistern.

Geschäftserwartungen: Ausbleibende Hoffnung zum Jahresbeginn


Die Unternehmen in Berlin‑Brandenburg blicken weiterhin skeptisch auf die kommenden Monate. Der Erwartungssaldo aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen) bleibt wie im Herbst bei minus vier Saldopunkten. In Berlin trüben sich die Aussichten leicht ein: Der Wert sinkt von sechs auf drei Punkte. Brandenburg verbessert sich zwar von −18 auf −15 Punkte, bleibt damit aber klar im negativen Bereich. Insgesamt ist nicht mit einer höheren geschäftlichen Dynamik in den nächsten Monaten zu rechnen.
In Brandenburg beruht die etwas bessere Stimmung vor allem auf dem Gastgewerbe: Dessen Erwartungsindikator steigt von −29 auf −10 Punkte (vor einem Jahr: −36). Von einer echten Trendwende kann aber auch dort keine Rede sein: Der Erwartungssaldo in den Branchen Bau, und Handel verschlechtert sich, während er sich im Bereich Industrie und und Dienstleistungen auf sehr geringem Niveau stabilisiert; pessimistische Erwartungen dominieren weiterhin.
In Berlin sind drei von fünf Branchen moderat zuversichtlicher, allerdings uneinheitlich: Im Baugewerbe überwiegen erstmals seit vier Jahren wieder die Optimisten. Auch die Industrie dreht erstmals seit einem Jahr ins Positive. Das Gastgewerbe ist weniger pessimistisch, bleibt aber überwiegend skeptisch. Dagegen trüben sich die Erwartungen im Dienstleistungsgewerbe (größte Berliner Branche) nach einem Zwischenhoch im Herbst wieder ein. Besonders deutlich fällt der Rückgang im Handel aus: Der Erwartungsindikator sinkt um 7 Punkte auf −13. Einzelne Branchen hoffen auf mehr Nachfrage, andere rechnen mit weiter nachlassender Dynamik – ein belastbarer positiver Erwartungstrend stellt sich zu Jahresbeginn nicht ein.

Stillstand auf dem Arbeitsmarkt, schwache Investitionsdynamik

Der Arbeitsmarkt in Berlin‑Brandenburg bleibt zum Jahresbeginn 2026 nahezu ohne Impulse. Insgesamt überwiegt leicht der Anteil der Unternehmen, die mit sinkenden Beschäftigtenzahlen rechnen – der Beschäftigungssaldo liegt für die Region bei minus fünf Punkten und signalisiert damit weiterhin eine sehr verhaltene Entwicklung. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind dabei deutlich:
Berlin erreicht wieder 0 Punkte (Stillstand), während Brandenburg auf −13 Punkte fällt und damit einen krisenhaften Tiefstand markiert. In Brandenburg gehen alle befragten Branchen überwiegend von Beschäftigungsrückgängen aus; gegenüber Herbst verschlechtern sich die Salden erneut – besonders im Handel (minus sieben Punkte), während sich das Gastgewerbe zwar leicht erholt (von −29 auf −23), aber auf niedrigem Niveau bleibt.
In Berlin steigt der Beschäftigungssaldo von minus vier auf null, bleibt jedoch insgesamt ebenfalls auf einem ungewöhnlich niedrigen Niveau; in Industrie und Bau verbessern sich die Werte deutlich, der Handel verharrt bei −17 Punkten, und bei Dienstleistungen steigt der Saldo auf +5. Gleichzeitig rückt der Fachkräftemangel als Risiko in den Hintergrund – als drängendstes Problem nennen ihn vor allem noch die Berliner Bauunternehmen. Wachstum und Arbeitsmarktdynamik werden stattdessen vor allem durch wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen gebremst.
Die Investitionspläne in Berlin‑Brandenburg bleiben ein Sorgenpunkt: Obwohl Investitionen für Zukunftsfähigkeit, Produktivitätssteigerungen und die Bewältigung von demografischem Wandel und Fachkräftemangel zentral sind, stagniert der Investitionsindikator bereits zum dritten Mal in Folge bei 16 Punkten – nur noch etwa halb so hoch wie Ende der 2010er Jahre. Gleichzeitig sinkt der Anteil investierender Unternehmen auf 54% (minus sieben Punkte gegenüber dem Vorjahr).
Besonders auffällig ist die geringe Bereitschaft zur Kapazitätsausweitung: In Berlin fällt der Anteil auf 37 Prozent (früher häufig über 50%), in Brandenburg sogar auf 25% – den niedrigsten Stand seit der Eurokrise 2011. Positiv bleibt, dass Investitionen in Innovationen in beiden Ländern weiterhin leicht überdurchschnittlich vertreten sind. Branchenbezogen zeigen sich vor allem die Berliner Dienstleistungen besonders zurückhaltend (Anteil investierender Unternehmen unter 50%), während in Brandenburg die Investitionsdynamik vor allem in der Industrie nachlässt (Saldo von 18 auf sieben Punkte) und auch der Handel zögerlicher wird: Nur noch 39% investieren, der Indikator sinkt von 15 auf 3 Punkte. Insgesamt droht ohne gezielte Investitionen – insbesondere in Digitalisierung und Automatisierung – ein weiterer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlicher Dynamik.
Monique Zweig, Hauptgeschäftsführerin IHK Ostbrandenburg: „Wir verzeichnen in der gesamten Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg eine schwache Investitionsaktivität, was besorgniserregend ist. Denn die Kombination von ausbleibenden Investitionen, schwacher Nachfrage und steigenden Kosten bremst das Wachstum von heute und morgen. Das zeigt auch der Blick auf den Arbeitsmarkt, wo der Personalbedarf zurückgeht. Trotzdem bleibt der Fachkräftemangel kritisch, gerade mit Blick auf die verlässliche Verfügbarkeit von Personal vor dem Hintergrund zunehmender Renteneintritte. Es gibt aber auch einen Lichtblick für künftige Produktivitätsfortschritte - die steigende Bereitschaft von Unternehmen, in Digitalisierung und Automatisierung zu investieren.“

Rahmenbedingungen stimmen nicht

Für die Unternehmen in Berlin‑Brandenburg sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen inzwischen das größte Risiko für die eigene Entwicklung und werden bereits seit Herbst 2024 am häufigsten genannt, mit weiter steigender Tendenz. Besonders Industrie und Dienstleister sehen sich durch Bürokratie, lange Antrags‑ und Genehmigungsverfahren, eine im internationalen Vergleich hohe Steuerlast sowie fehlende Investitions‑ und Innovationsanreize ausgebremst.
🛒Industrie 🤝 Dienstleistung 🏗 Baugewerbe 🛒Handel 🚚 Verkehr 🍴 Gastgewerbe
Wirtschaftspol. Rahmenbed. (73) Wirtschaftspol. Rahmenbed. (66) Arbeitskosten (71) Inlandsabsatz (67) Arbeitskosten (76) Energie- und Rohstoffpreise (91)
Energie- und Rohstoffpreise (58) Arbeitskosten (52) Fachkräftemangel (68) Arbeitskosten (66) Energie- und Rohstoffpreise (74) Arbeitskosten (85)
Arbeitskosten (66) Inlandsabsatz (52) Wirtschaftspol. Rahmenbed. (64) Wirtschaftspol. Rahmenbed (59) Wirtschaftspol. Rahmenbed. (67) Inlandsabsatz (54)
Gleichzeitig verliert der Fachkräftemangel an Bedeutung: Er wird deutlich seltener genannt und fällt auf ein Niveau wie in der Corona‑ bzw. Energiekrise – trotz steigender Renteneintritte. Das passt zu den überwiegend defensiven Beschäftigungsplänen und verweist auf eine dauerhaft schwache Nachfrage.
In Brandenburg bleibt die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter stabil, in Berlin sinkt sie nach Jahren des Aufwuchses. Zusätzlich belasten hohe Arbeitskosten vor allem Gastgewerbe, Handel und Bau und drücken die Erträge. Weiterhin groß sind die Sorgen um den Inlandsabsatz, besonders bei Berliner Händlern und Dienstleistern. Energie‑ und Rohstoffpreise bleiben zwar ein Risiko, werden aber zuletzt von etwas weniger Unternehmen als solcher Faktor genannt, ohne dass der Indikator wieder auf Vorkrisenniveau zurückkehrt.