Tourismus Konjunkturbericht Frühjahr 2026

Die DIHK hat eine Sonderauswertung der Konjunkturumfrage zur Dienstleistungswirtschaft veröffentlicht. An der Erhebung haben sich mehr als 11.000 Dienstleistungsunternehmen beteiligt, u.a. aus den Branchen Tourismus, Verkehr, Kreativ- und Kulturwirtschaft.
Drei Jahre ohne Wachstum, steigende Energiepreise, geopolitische Schocks: Die multiplen Krisen erfassen nun auch den bislang robusten Dienstleistungssektor in voller Breite. Das belegt eine entsprechende Analyse der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026.

Geschäftslage: Rückgang um 7 Punkte

Die Dienstleistungswirtschaft galt lange als Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft und zeigte sich weniger anfällig für Konjunkturschwankungen als etwa die Industrie – bisher. In der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 bewerten jedoch nur noch 27 Prozent der befragten Dienstleistungsunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut; 23 Prozent stufen sie als schlecht ein. Damit fällt der Lagesaldo von 10 Punkten in der Befragung vom Jahresbeginn auf nunmehr 3 Punkte.

Geschäftserwartungen sinken um 10 Punkte

Noch gravierender ist der Absturz beim Blick nach vorn: 31 Prozent der Unternehmen erwarten für die kommenden zwölf Monate eine Verschlechterung, lediglich 13 Prozent rechnen mit einer Belebung. Der Erwartungssaldo bricht von minus 8 auf minus 18 Punkte ein.
Ursachen für die Entwicklung sind die anhaltende Schwäche der Industrie, der geopolitische Schock des Nahost-Konflikts mit seinen Folgen für Energiepreise und Reiseströme sowie eine spürbare Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte.
Die DIHK fordert auf dieser Basis gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen, insbesondere zur Entlastung bei Energiekosten, zur Vereinfachung bürokratischer Auflagen und zur Stärkung der Inlandsnachfrage.

Kleine Betriebe ohne Puffer

Der Dienstleistungssektor ist stark durch Kleinstunternehmen geprägt. Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten berichten von besonders schwierigen Verhältnissen (Lagesaldo minus 5 Punkte), viele haben ihre finanziellen Reserven in den Krisenjahren seit 2020 weitgehend aufgezehrt. Fast jeder zweite Kleinstbetrieb im Dienstleistungssektor befindet sich in einer problematischen Finanzlage: 22 Prozent melden Liquiditätsengpässe, 26 Prozent berichten von einem Rückgang des Eigenkapitals.

Blick in die Branchen

Im Gastgewerbe zeigt sich eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen touristischer Attraktivität und wirtschaftlicher Realität: Rund 500 Millionen Übernachtungen wurden in Deutschland im Jahr 2025 gezählt; für 2026 wird erneut ein Rekord erwartet. Dennoch lag der reale Umsatz im Gastgewerbe im März 2026 um 2,2 Prozent unter dem des Vormonats. Der Lagesaldo fällt auf minus 17 Punkte, der Erwartungssaldo auf minus 23 Punkte.
Als größte Risiken nennen die Betriebe Energiekosten (85 Prozent) und Arbeitskosten (75 Prozent) – diese Zahlen liegen weit über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 70 beziehungsweise 57 Prozent. 65 Prozent der gastgewerblichen Unternehmen befinden sich in einer problematischen Finanzlage; jedes zehnte berichtet von drohender Insolvenz.
Die Reisevermittlung verzeichnet den schärfsten Einbruch im gesamten Dienstleistungssektor. Der Lagesaldo fällt von plus 20 auf minus 22 Punkte; der Erwartungssaldo liegt bei minus 49 Punkten. Der Nahost-Konflikt und die damit verbundenen Energiepreisschübe haben eine Stornierungswelle ausgelöst. Wichtige Flugdrehkreuze in der Golfregion sind nicht oder nur eingeschränkt erreichbar, was Reiserouten nach Asien verlängert und ganze Destinationen wegfallen lässt. Für 2026 sind die Auftragsbücher noch nicht gefüllt.
Im Verkehrsgewerbe verschlechtert sich der Lagesaldo von minus 9 auf minus 15 Punkte. Zur maroden Infrastruktur und dem Fachkräftemangel, die den Sektor seit Jahren belasten, kommen nun auch noch die stark gestiegene Kraftstoffpreise. Am härtesten trifft es den Taxiverkehr mit einem Lagesaldo von minus 31 Punkten und den Omnibus-Gelegenheitsverkehrhier stürzte der Saldo von plus 23 auf minus 21 Punkte ab. Die Lage im Luftverkehr hält sich mit plus 2 Punkten noch im positiven Bereich, hat aber gegenüber der Vorumfrage 21 Punkte verloren. Gesperrte Lufträume über mehreren Golfstaaten zwingen zu Umwegen auf den wichtigen Asien-Strecken.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft leidet gleichzeitig unter zyklischen und strukturellen Belastungen. Der Lagesaldo sinkt von plus 3 auf minus 8 Punkte; der Erwartungssaldo erreicht minus 18 Punkte. Digitale Plattformen bündeln inzwischen rund drei Viertel der digitalen Werbeinvestitionen und knapp die Hälfte der gesamten Werbeumsätze in Deutschland. Für die Medien- und Filmwirtschaft ergibt sich ein Beschäftigungssaldo von minus 26 Punkten. Zugleich nimmt die regionale Medienvielfalt ab: In fast jedem zweiten Landkreis gibt es nur noch eine einzige wirtschaftlich eigenständige Lokalzeitung.
Auch der Sektor der unternehmensbezogenen Dienstleistungen kühlt ab (Lagesaldo: 10 nach 15 Punkten). Zeitarbeitsunternehmen (minus 25 Punkte), Werbe- und Marktforschungsunternehmen (minus 10) sowie die Leasingbranche (minus 7) sind als Frühindikatoren für die industrielle Nachfrage besonders betroffen. Heller ist die Stimmung in einzelnen Teilbranchen wie Rechts- und Steuerberatungen (Lagesaldo 46 nach zuvor 50 Punkten), Architektur- und Ingenieurbüros (18 nach 26) Forschungs- und Entwicklungsbetriebe (18 nach 21 Punkten) und der Sicherheitswirtschaft (5 nach zuvor minus 3 Punkten).
In vielen Branchen, darunter Telekommunikation, IT-Dienstleistungen oder Unternehmensberatungen, identifizieren die Unternehmen die schwache Inlandsnachfrage als zentrales Risiko, in anderen dominieren die hohen Energie- und Rohstoffpreise – das gilt beispielsweise für Pkw-Vermietung, Reinigungsdiensten oder im Garten- und Landschaftsbau.
Die Sonderauswertung steht auch hier als PDF-Dokument zum Download bereit.
Quelle: DIHK