Medien-Information

Konjunkturumfrage - Klarer wirtschaftspolitischer Kurs statt Stückwerk

Wirtschaftliche Erholung gerät unter Druck

41/2026 vom 27. April 2026
Die Stimmung im Oldenburger Land hat im ersten Quartal 2026 deutlich nachgelassen. Der Nahost-Konflikt bremst die konjunkturelle Erholung aus. Das hat eine Umfrage der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) unter ihren Mitgliedsunternehmen ergeben. Der IHK-Konjunkturklimaindex fällt um 8,7 Zähler auf 84,8 Punkte (Vorjahr: 94,5 Punkte).
„Bis zum Februar sah es nach einem leichten Aufschwung aus – dieser ist durch den Ausbruch des Krieges im Nahen Osten in Frage gestellt“, sagt Björn Schaeper, IHK-Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik. Vor allem die rasant gestiegenen Energiepreise würden den hiesigen Unternehmen zu schaffen machen. Schon vor der Eskalation seien die Rahmenbedingungen für die Betriebe schwierig gewesen. Jetzt komme ein zusätzlicher Kostendruck, unter dem vor allem die Industrie, der Handel sowie das Transport- und Logistikgewerbe leiden, so Schaeper.
Lediglich das Baugewerbe, das noch von einer guten Auftragsreichweite berichtet, sowie der Dienstleistungssektor, hier insbesondere die Unternehmensberatungen und das Grundstücks- und Wohnungswesen, sind per Saldo mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden.
„Sorge bereitet, dass der Kostendruck die Preise allgemein steigen lässt und damit die Inflation an Fahrt gewinnen wird“, so Schaeper. Sollte die Europäische Zentralbank die Zinsen zur Inflationsbekämpfung erhöhen, drohe auch die Stimmung im Baugewerbe zu kippen. Kaufkraft würde den privaten Haushalten entzogen, was im Jahresverlauf Einzelhandel und Dienstleistungen spüren dürften. Die schon jetzt niedrige Investitionsbereitschaft der Betriebe würde weiter sinken.
„Daher bleibt der Ausblick skeptisch“, sagt Schaeper. Alle Branchen rechnen mit einer ungünstigen Entwicklung in den nächsten Monaten. Dennoch sprächen zwei Punkte dafür, dass die konjunkturelle Erholung nicht ganz zum Erliegen komme. So sei der Konflikt weitestgehend regional begrenzt. Die internationalen Lieferketten funktionieren noch. Zudem sorge der erheblich expansive Kurs der Finanzpolitik für Aufträge, der vor allem Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus stütze.
„Dennoch muss die Bundesregierung tätig werden. Die bisher angekündigten Maßnahmen sind ein Schritt in die richtige Richtung – aber sie bleiben letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein”, so der IHK-Geschäftsführer. Die Vielzahl kleinteiliger Einzelmaßnahmen werde der Dimension der Herausforderung nicht gerecht. Viele Betriebe stünden unter enormem Druck. Jetzt werde kein Stückwerk gebraucht, sondern ein klarer wirtschaftspolitischer Kurs mit strukturellen Verbesserungen. Dazu zählen ein konsequenter Bürokratieabbau und schnellere Verfahren, die dauerhafte Senkung der Energie- und Arbeitskosten und eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung, so Schaeper.
Die Branchenergebnisse im Einzelnen
Der Auftragseingang ist in der Industrie dank der Auslandsorder leicht gestiegen. Sorge bereitet die rückläufige Inlandsnachfrage. Während das Ernährungsgewerbe mit der aktuellen Lage zufrieden ist, meldet die Kunststoffindustrie Umsatzrückgänge. Der Ausblick bleibt getrübt, da wesentliche Wettbewerbsnachteile, etwa hohe Energiekosten, bestehen bleiben.
Die Bauindustrie ist mit dem Verlauf des ersten Quartals sehr zufrieden. Über 70 Prozent der Befragten geben eine Auftragsreichweite von vier oder mehr Monaten an, 26 Prozent eine Reichweite von zwei bis drei Monaten. Die Auftragseingänge sind gestiegen. Angesichts steigender Preise mit der Gefahr einer möglichen Zinserhöhung, die die Baunachfrage eindämmen würde, schauen die Betriebe leicht skeptisch in die Zukunft.
Die Eintrübung im Einzelhandel setzt sich auch zu Beginn des Jahres 2026 fort. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich erneut verschlechtert. Viele Verbraucher zeigen sich angesichts der vielen Krisen verunsichert und üben spürbare Kaufzurückhaltung. Insbesondere spontane und nicht notwendige Ausgaben bleiben vielfach aus – der Fokus liegt klar auf dem Grundbedarf.
Die Unternehmen des regionalen Großhandels beurteilen ihre Geschäftslage weiterhin überwiegend negativ. Dies gilt vor allem für das Inlandsgeschäft, während das Ex- und Importgeschäft nur leicht ins Minus rutscht. Auch die Konjunkturerwartungen der Betriebe bleiben skeptisch, da mit sinkenden Umsätzen gerechnet wird. Mit zunehmenden Kostendruck bedeutet dies eine schlechte Ertragslage.
Die aktuelle Geschäftslage im Verkehrs- und Logistikgewerbe hat sich verschlechtert. Das Beförderungsvolumen ist rückläufig. Gleichzeitig sind die Preise für Beförderungs- und Logistikleistungen stark gestiegen und werden nach Einschätzung der Befragten auch künftig ansteigen. Daher verschlechtern sich die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich. Hauptrisiken bleiben die Energie- und Rohstoffpreise. Nach wie vor herrscht ein Mangel an Berufskraftfahrern.
Die Stimmung in der Dienstleistungswirtschaft hat zum ersten Quartal dieses Jahres merklich nachgelassen, bleibt aber auf einem befriedigenden Niveau. Während in der Medien- und IT-Wirtschaft der Saldo der aktuellen Geschäftslage ins Minus rutsch, bleibt er in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft noch positiv. Insgesamt wird mit einer stabilen Entwicklung in den nächsten Monaten gerechnet.
Weitere Details und Grafiken unter ihk.de/oldenburg/konjunktur