Ausbildung im Verbund

Chance Azubisharing

Viele Ausbildungsbetriebe können ihre Auszubildenden derzeit aufgrund fehlender Arbeit oder gar vorübergehender Betriebsschließung nicht mehr praxisgerecht ausbilden. Andererseits gibt es Betriebe, die gern zusätzliche Auszubildende einsetzen würden, wie der Lebensmitteleinzelhandel oder Apotheken.

Diesen Betrieben bietet die IHK mit dem neuen Projekt AzubiSharing Unterstützung an. Die einfache Idee: Ausbildungsbetriebe geben ihren Auszubildenden vorübergehend an einen anderen Ausbildungsbetrieb ab. Auszubildende können ihre Ausbildung so ohne Unterbrechung fortsetzen und der abgebende Betrieb wird entlastet, - in der Ausbildung bei brachliegendem Geschäft und bei der Ausbildungsvergütung des Azubis.

Die Gesamtverantwortung liegt weiterhin beim ursprünglichen Ausbildungsbetrieb. Der Auszubildende kehrt nach seiner „Ausleihe“ in seinen eigenen Ausbildungsbetrieb zurück. Eine „Win-Win“-Situation für alle und gerade eine Chance für kleine und mittelständische Betriebe.

Das Projekt

Rechtsgrundlage für das IHK-Projekt AzubiSharing ist § 10 Abs. 5 BBiG:
“Zur Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen der Ausbildenden können mehrere natürliche oder juristische Personen in einem Ausbildungsverbund zusammenwirken, soweit die Verantwortlichkeit für die einzelnen Ausbildungsabschnitte sowie für die Ausbildungszeit insgesamt sichergestellt ist.”
Hintergrund des Projekts ist der Anstieg der Kurzarbeit infolge der Corona-Pandemie und dass für Auszubildende in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden kann bzw.  mindestens sechs Wochen die volle Ausbildungsvergütung weiter bezahlt werden muss. Eine Lösung kann sein, Teile der Ausbildung auszugliedern und während der Dauer der Kurzarbeit oder der Betriebsschließung in einem anderen Betrieb durchführen zu lassen. Ziel ist die Fortführung der Ausbildungsverhältnisse.

Was sind die Voraussetzungen?

  • Der Auszubildende muss dem Sharing zustimmen.
  • Der zwischen den zwei Ausbildungsbetrieben geschlossene Kooperationsvertrag (PDF-Datei · 660 KB) muss bei der IHK eingereicht und vorab genehmigt werden.
  • Berufsgenossenschaft/Versicherungsträger müssen informiert werden.
  • Die Rechte und Pflichten (Gesamtverantwortung) verbleiben beim bisherigen Ausbildungsbetrieb.
Wichtig: Die IHK muss vor Abschluss des Kooperationsvertrages informiert werden. Insbesondere muss die Ausbildungsberechtigung bestätigt werden, wenn die Betriebe sich in ihren Ausbildungsinhalten ergänzen.

Kooperationsvertrag

Wichtiger Hinweis: Ein Entwurf (Muster (PDF-Datei · 660 KB)) dient der Orientierung ohne Anspruch, der aktuellen Rechtslage zu entsprechen.
Hinweis zur Ausbildungsvergütung: Die Ausbildungsvergütung wird weiterhin durch den Ausbildungsbetrieb gezahlt. Ob und wie hoch beispielsweise die Erstattung vom Partnerbetrieb für den Ausbildungsbetrieb ist, kann im Vertrag vereinbart werden. Die Erstattung ist nicht zwingend.

Vorteile für Ausbildungsbetriebe

Die Ausbildung in der Kooperation ermöglicht die Fortführung der Berufsausbildung und gewährleistet die Vermittlung der Ausbildungsinhalte. Der Ausbildungsbetrieb, der den Azubi verleiht, wird dafür finanziell entlastet. Der Auszubildende erhält zwar weiterhin sein Gehalt vom bisherigen Ausbildungsbetrieb, dieser erhält dafür aber je nach Vereinbarung eine Erstattung vom Kooperationsbetrieb.
Durch die Erfahrungen in einem anderen Ausbildungsbetrieb kann der Auszubildende seine fachliche und soziale Kompetenz erweitern. Dies ist somit auch für den Betrieb von Nutzen. Außerdem erhält er möglicherweise neue Impulse, wenn der Auszubildende nach der Krise wieder zurückgekehrt ist:
„Ein Kaufmann im Einzelhandel, der bisher in einem weitgehend analogen Handel ausgebildet wird, und jetzt an einen Einzelhändler mit E-Commerce-Erfahrung verliehen wird, kann wertvolle Erfahrungen sammeln, die er später in seinen Betrieb mitbringt und dort einsetzen kann.“
Zusammenfassung
  • Ausbildung kann fortgeführt werden
  • Finanzielle Entlastung durch (teilweise) Erstattung der Ausbildungsvergütung
  • Neue Impulse für die Zeit nach der Krise
  • Auszubildende sammeln zusätzliche Erfahrungen und Qualifikationen in Partnerbetrieben, die sie dann wiederum im Ausbildungsbetrieb einsetzen können
  • Synergieeffekte bis hin zu festen Kooperationen danke der Zusammenarbeit mit dem Kooperationsbetrieb

Vorteile für Auszubildende

Der Auszubildende wird weiter ausgebildet und erhält zusätzliche Einblicke in einen anderen Betrieb. Durch die kooperative Ausbildung stärken Auszubildende ihre Persönlichkeit und die Eigenverantwortung. Sie lernen, sich auf unterschiedliche Arbeitssituationen einzustellen, mit unterschiedlichen Menschen umzugehen und an verschiedenen Orten zu arbeiten. Kommunikation, Mobilität und Flexibilität werden dabei gefordert und gefördert. Zudem verbessert sie durch die zusätzlichen Erfahrungen ihre Übernahmechancen nach der Corona-Krise.
Zusammenfassung
  • Ausbildung kann fortgeführt werden
  • Erweiterung  der fachlichen und sozialen Kompetenz
  • Keine finanziellen Einbußen durch Kurzarbeit

Unterstützung durch die IHK

Die IHK unterstützt
  • bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern
  • bei der Vertragsgestaltung zwischen den Kooperationspartnern
  • bei der Klärung von Fragen während des Ausbildungsverlaufes.

Registrierung/Teilnahme am Projekt

Schritt 1: Registrieren Sie sich in unserer Datenbank:
Ich suche einen Kooperationsbetrieb
Sie suchen einen Kooperationsbetrieb, um die Ausbildung ihrer Auszubildenden fortführen zu können?

Ich biete einen Kooperationsplatz an
Sie können für einen begrenzten Zeitraum Auszubildende aufnehmen und wollen sich somit solidarisch zeigen?
Schritt 2: Die IHK stellt den Kontakt zwischen möglichen Kooperationspartnern her.
Schritt 3: Die Kooperationspartner besprechen untereinander welche Rahmenbedingungen im Verbund gelten sollen. In jedem Fall sind folgende Fragen zu klären:
  • Hat der Auszubildende einem Azubisharing zugestimmt?
  • Welche Ausbildungsinhalte aus dem Ausbildungsrahmenplan sollen im Verbundbetrieb vermittelt werden?
  • Wie lange soll die Verbundausbildung andauern?
  • Wird die Ausbildungsvergütung teilweise/voll vom Verbundpartner erstattet?
Schritt 4: Sind sich alle Parteien über den Austausch und die Rahmenbedingungen einig, nehmen Sie Kontakt mit dem zuständigen Ausbildungsberater auf. Dieser überprüft, ob die Ausbildungsvoraussetzungen im Verbundbetrieb vorliegen und die vereinbarten Ausbildungsinhalte umgesetzt werden können.
Schritt 5: Die Kooperationspartner vereinbaren einen Kooperationsvertrag (PDF-Datei · 660 KB). Alle Vertragsparteien (Auszubildender, Ausbildender, Kooperationsbetrieb, ggf. Erziehungsberechtigter) unterzeichnen den Vertrag. Der Vertrag ist in 4-facher Ausfertigung zu erstellen. Eine Ausfertigung ist bei der IHK einzureichen. Die anderen drei Ausfertigungen sind für den Ausbildungsbetrieb, den Auszubildenden und den Kooperationsbetrieb bestimmt.
Schritt 6: Start des Azubisharings.

Beispiele für mögliche Einsatzbereiche

Viele Ausbildungsinhalte können auch in anderen Berufen und in Betrieben anderer Branchen vermittelt werden:
Bisheriger Ausbildungsberuf
Alternativer Ausbildungsberuf
Gemeinsamkeiten
Anlagenmechaniker (IHK)
Fachkraft für Metalltechnik
Bohren, Sägen, Feilen, Umformen, Schweißen
Biologielaborant/-in
Pharmazeutisch-technische/-r Assistent/-in
Biologisch-technischer Assistent
Medizinisch-technische/-r Laboratoriumsassistent/-in
Herstellung von Arzneimitteln, Unterstützung bei der Vorbereitung und Ermittlung von Ergebnissen und Versuchen in Biochemischen, Mikrobiologischen und Pharmaziebereich, Unterstützung bei der Untersuchung und Analysierung von Proben
Chemielaborant/-in
Pharmazeutisch-technischer Assistent
Biologisch-technischer Assistent
Medizinisch-technische/-r Laboratoriumsassistent/-in
Herstellung von Arzneimitteln, Unterstützung bei der Vorbereitung und Ermittlung von Ergebnissen und Versuchen in Biochemischen, Mikrobiologischen und Pharmaziebereich, Unterstützung bei der Untersuchung und Analysierung von Proben
Elektroniker/-in Automatisierungstechnik
Elektroniker/-in für Betriebstechnik 
Elektroanlagenmonteur/-in
Elektroniker/-in für Gebäude- und Infrastruktursysteme 
Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik
Mechatroniker/-in
IT-Systemelektroniker
Fachinformatiker/-in Systemintegration
Aufrechterhaltung der Netzwerkinfrastruktur, Einbindung von Systemen und deren Integration, Fehlersuche und Störungsbeseitigung, Erstellung von Anschlussmöglichkeiten, Unterstützung von einfachen Arbeiten in Rechenzentren, Unterstützung im First Level Support
Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice
Kaufmann/-frau für Spedition- und Logistikdienstleistungen
Unterstützung in der Logistik, Erbringungen von Leistungen in der Planung
Fachkraft für Veranstaltungstechnik 
Elektroniker/-in Automatisierungstechnik
Elektroniker/-in für Betriebstechnik 
Elektroanlagenmonteur/-in
Elektroniker/-in für Gebäude- und Infrastruktursysteme 
Elektroniker/-in für Maschinen und  Antriebstechnik
Mechatroniker
IT-Systemelektroniker
Elektrotechnische bzw. beleuchtungstechnische Anlagen entwerfen, installieren und warten, Schaltschränke verdrahten und warten, Fehlersuche und Wiederherstellung der elektrischen Sicherheit unter Anleitung
Fachkraft für Metalltechnik (alle Fachrichtungen)
Zerspanungsmechaniker
Drehen, Fräsen (konventionell)
Fachkraft für Metalltechnik (Fachrichtung Konstruktionstechnik)
Konstruktionsmechaniker
Bohren, Sägen, Feilen, Umformen, Schweißen
Fachkraft für Metalltechnik (Fachrichtung Zerspanungstechnik)
Zerspanungsmechaniker
Drehen, Fräsen (CNC+Konventionell)
Fachmann/-frau für Systemgastronomie
Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk
Kaufmann/-frau im Einzelhandel
Kunden bedienen und beraten, Waren präsentieren und verkaufen
Hotelkaufmann/-frau
Kaufmann/-frau für Büromanagement
Kaufmännische Aufgaben wie Korrespondenz, Zahlungsverkehr und Kostenrechnung erledigen
Industriemechaniker
Fachkraft für Metalltechnik
Drehen, Fräsen, Bohren, Sägen, Feilen, Umformen, Schweißen
Kaufmann/-frau im Einzelhandel
Fachkraft für Lagerlogistik
Waren und Güter annehmen und fachgerecht lagern, Waren annehmen, zum Lagerort befördern, produktspezifisch lagern, versandfertig verpacken und ggf. verladen
Kaufmann/-frau im Einzelhandel
Kaufmann im Groß- und Außenhandel
Industriekaufmann/-frau
Kaufmann/-frau im E-Commerce
Aufgaben in den Bereichen Vertrieb bzw. Verkauf, Rechnungswesen, Lager- und Materialwirtschaft übernehmen
Kaufmann/-frau im Einzelhandel
Drogist
Aufgaben in Verkauf und Verkaufsförderung, in den Bereichen Rechnungswesen, Lager und Organisation erledigen
Kaufmann/-frau im Einzelhandel
Kaufmann im Groß- und Außenhandel
Kaufmann/-frau im E-Commerce,
Pharmazeutisch-kaufmännische/-r Angestellte/-r
Kunden beraten und bedienen, Waren präsentieren, verkaufen und lagern
Kaufmann/-frau im Einzelhandel
Drogist
Pharmazeutisch-kaufmännische/-r Angestellte/-r
Aufgaben in den Bereichen Warensortiment, Einkauf, Verkauf, Rechnungswesen und Büroorganisation übernehmen
Teilweise vergleichbare Produkte wie frei verkäufliche Arzneimittel, Tees oder Kosmetika verkaufen
Koch/Köchin
Bäcker, Fleischer
Rohstoffe für die Nahrungsmittelherstellung verarbeiten
Konstruktionsmechaniker
Fachkraft für Metalltechnik (Fachrichtung Konstruktion)
Bohren, Sägen, Feilen, Umformen, Schweißen
Maschinen- und Anlagenführer/-in
Logistikberufe und Lagerberufe
Planung und Vorbereitung von Arbeitsabläufen, Materialbereitstellung und deren Lagerung, Unterstützung in der Logistik
Metall- und Elektroberufe
Eingeschränkt Logistik- und Lagerberufe
Planung und Vorbereitung von Arbeitsabläufen, Materialbereitstellung und deren Lagerung, Unterstützung in der Logistik
Tourismuskaufmann/-frau
Kaufmann/-frau im E-Commerce
Dienstleistungen anbieten und verkaufen, Kunden beraten, kaufmännisch-organisatorische Tätigkeiten durchführen
Veranstaltungskaufmann/-frau
Kaufmann/-frau für Marketingkommunikation
Das Marktgeschehen beobachten, Marketingkonzepte erarbeiten, Kosten kalkulieren, Kunden beraten
Werkzeugmechaniker
Zerspanungsmechaniker
Fachkraft Metalltechnik (Fachrichtung Zerspanung)
Drehen, Fräsen (CNC+Konventionell)
Zerspanungsmechaniker
Werkzeugmechaniker    
Metalltechniker (Fachrichtung Zerspanung)
Drehen, Fräsen (CNC + Konventionell)
* Für eine bessere Lesbarkeit verwenden wir meist die männliche Form. Entsprechende Textstellen gelten selbstverständlich gleichwertig für alle Geschlechter (m/w/d).