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Raketenstart in der Energiekrise
Aus sicheren Jobs aussteigen und zwei Millionen Euro Kredit aufnehmen. Einen energieintensiven Betrieb gründen – mitten in der Energiekrise? Robert Gojani und Florian Chlupka haben genau das gemacht - und nicht bereut.
Manche träumen von Weltreisen oder Applaus auf der Bühne. „Unser Traum ist es, in Lüdinghausen einmal hundert Menschen zu beschäftigen“, sagt Chlupka. Derzeit arbeiten bei ihrem Unternehmen NanoCoat 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Florian Chlupka, Gründer von NanoCoat
Gojani und Chlupka kennen sich seit Jahren. Beide kommen aus kaufmännischen Berufen und arbeiteten zuletzt beim selben Arbeitgeber. Schon vor zehn Jahren sprachen beide von der Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Als sie es schließlich angingen, planten sie zunächst mit 200.000 bis 300.000 Euro. Doch dann wurden es zwei Millionen. Statt einer Standard-Pulverbeschichtungsanlage kauften sie, wie Gojani es nennt, ein „Schmuckstück“. Ihr belgischer Anlagenbauer fragte: „Wollen Sie wirklich das machen, was alle machen? Oder etwas, das keiner sonst anbietet?“
Schmuckstück: Die Vorbehandlung
Das Ergebnis: eine Vorbehandlungsanlage, die Werkstücke vor der Pulverbeschichtung individuell vorbereitet – für Stahl, Aluminium und andere Materialien. „Damit sind unsere Beschichtungen besonders haltbar“, erklärt Gojani. Diese Technik unterscheidet NanoCoat von der Konkurrenz.
Die Kunden überzeugten sie schnell: Statt der geplanten 500.000 Euro Umsatz im ersten Jahr standen 1,3 Millionen in den Büchern. 2025 lagen sie 30 Prozent über Plan, im laufenden Jahr 2026 erwarten sie 15 Prozent Plus. „Das war ein Raketenstart“, sagt Gojani. Dabei schien der Zeitpunkt der Gründung denkbar schlecht: Ukraine-Krieg, Energiekrise, explodierende Preise.
Für die Starkstromversorgung, so hieß es zunächst, bräuchten die Lüdinghausener einen zusätzlichen Trafo; Kostenpunkt: 250.000 Euro. Der Netzbetreiber konnte schlussendlich doch noch genug Anschlüsse im vorhandenen Trafo bereitstellen.
Planen und kicken
Energiesparen wurde zur Pflicht. „Wir haben die Anlage optimiert“, sagt Gojani. Die Öfen, die auf 160 und 180 bis 200 Grad laufen, erhielten Schleusen: Erst wenn Tür 2 geschlossen ist, öffnet sich Tür 1 – und umgekehrt. So bleibt die Hitze im Ofen konstant. Das sorgt nicht nur für Energieersparnis, sondern auch für Qualität. Denn beim Pulverlackverfahren wird das vorbehandelte Werkstück mit Pulverlack besprüht, und diese Pulverpartikel müssen bei mindestens 160 Grad eingebrannt werden. „Wenn die Hitze entweicht, dauert es, bis der Ofen wieder auf Temperatur ist. Das Ergebnis: ein schlecht eingebrannter Lack“, erklärt Gojani.
- Gründungsberatung
„Selbstständigkeit ist ein lohnendes und attraktives Ziel”, so Sven Wolf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. Wer sich für die Selbstständigkeit begeistert, kann sich bei der IHK Nord Westfalen umfangreich beraten lassen: Über die Erstinformation, die Erstellung des Businessplans bis hin zum E-Learning bietet die IHK mit ihren STARTERCENTERN NRW in Münster und Gelsenkirchen ein umfangreiches Unterstützungsangebot.
Die Energiekrise zeigte: Nicht alles ist planbar. Doch das Planbare hatten Chlupka und Gojani im Griff. Ihren Businessplan erarbeiteten sie selbst – Marktanalyse, Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung inklusive. So überzeugten sie die Banken. Ein Mitarbeiter wollte sich sogar persönlich vergewissern, ob sie den Plan wirklich selbst geschrieben hatten.
Drei Banken boten eine Finanzierung an. Sie entschieden sich für die Volksbank Südmünsterland-Mitte. Die erste Anfrage hatten sie an eine allgemeine Mailadresse geschickt. Seinen zukünftigen Bankberater traf Gojani noch am selben Abend im Fußballverein. „Ich kannte ihn vorher nicht, aber er war ebenso wie ich Trainer einer Jugendmannschaft und bedankte sich für die Mail.“ Trotz der turbulenten Anfangszeit planen die beiden schon den nächsten Schritt – größer als der erste. Woher nehmen sie den Mut? Gojani blickt auf den albanischen Adler aus Edelstahl hinter sich. „Vielleicht liegt es an der Geschichte meiner Familie.“
Robert Gojani
Seine Eltern flohen mit den Kindern vor dem Krieg im Kosovo, wurden 2001 abgeschoben und kehrten ein halbes Jahr später illegal zurück. „Meine Eltern wollten uns ein besseres Leben ermöglichen. Das prägt“, sagt Gojani. „Ja, ich weiß, dass ich das eingesetzte Kapital verlieren kann. Aber dann baue ich eben etwas Neues auf.“
Neben dem Adler hängt ein Porträt des albanischen Volkshelden Skanderbeg. Sein Vorname war Georg – wie der von Gojanis Vater. Vorbilder für Unternehmertum hat Gojani nicht. Aber welche für Mut.
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