Wirtschaftsspiegel
Nr. 6952942
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Vier junge Leute vor und auf einer Ladentheke
Gründungsidee

Achterbahnfahrt mit Bananenbrot

Vom Straßentest zur Listung bei Lufthansa, DB und Edeka: Das junge Unternehmen Glowkitchen wächst mit veganem Bananenbrot.
Der Anfang lag auf der Straße. Hanna, Marc, Charly und verteilten 200 Scheiben Bananenbrot und fragten die Passanten, ob sie das Brot kaufen würden. Die Resonanz war überwältigend: 90 Prozent wollten das Produkt kaufen, und die Preisvorstellungen passten auch.
Fünf Jahre später beliefert ihr Unternehmen, die Glowkitchen Food GmbH, Kunden wie Lufthansa, die Deutsche Bahn, über 500 Filialen von Edeka und Rewe sowie die denn‘s & Alnatura Biomärkte. Gründerin Laura Knüfermann beschreibt den Weg dorthin als „eine Achterbahnfahrt“. Denn starkes Wachstum ohne Investoren sei nicht immer einfach, „und das in Jahren mit stark steigenden Rohstoffpreisen.“ Es gab, erklärt Knüfermann, „sogar vier Situationen, in denen ich dachte, am nächsten Tag wäre es für uns vorbei.“ War es aber nicht. Mit Hartnäckigkeit, Ideenreichtum, Fleiß und dem richtigen Produkt zur rechten Zeit brachten sie ihr Unternehmen weiter.

Großauftrag zu Weihnachten

Im Dezember 2025 überzeugte das Glowkitchen-Team auch die Jury beim MUT Gründungspreis NRW und belegte den ersten Platz. Das Preisgeld von 20.000 Euro geht komplett in die Markteinführung des nächsten Produktes, die für das zweite Quartal 2026 geplant ist. Keiner der vier ist Marketingprofi: Laura Knüfermann und Johanna Schlitt haben Ökotrophologie studiert, Charlotte Mosler ist Heilpraktikerin, Marc Wetzel hatte Vertriebserfahrung, allerdings in einem anderen Bereich.

Das heutige Bananenbrot entstand in dem veganen Café von Marc Wetzel und Charlotte Mosler an der Wolbecker Straße, in dem auch Johanna Schlitt und Laura Knüfermann als Studentinnen arbeiteten. Alle vier teilen die Leidenschaft für vegane Ernährung und Bio-Produkte. Das Café ist inzwischen abgegeben, aber das Team und das Produkt blieben. „Bananenbrot wurde in Deutschland während der Corona-Krise bekannt, weil viele es zuhause gebacken haben“, freut sich Knüfermann, dass sie das Produkt inzwischen nicht mehr auf Fachmessen erklären muss. Die Qualität in vegan und bio ist allerdings noch nicht so sehr verbreitet, vor allem nicht im Einzelhandel. „In Ländern wie Australien, Großbritannien und Neuseeland ist Bananenbrot längst ein fester Bestandteil im Kuchenregal des Einzelhandels“, weiß Johanna Schlitt.
Um in die Regale der Einzelhandelsriesen zu kommen, wählten die vier einen bemerkenswert direkten Ansatz: „Ich bin einfach in die Märkte gegangen und habe dem Marktleiter gesagt, ich hätte ihm etwas für seine Frühstückspause mitgebracht“, erinnert sich Knüfermann. Ohne Termin, ohne Kontakte. Auch den ersten Großkunden gewannen sie auf unkonventionelle Weise: Sie schrieben an die E-Mail-Adresse im Impressum von denn´s Biomarkt. „Diese Mail wurde offensichtlich von Mitarbeitern bei denn´s gelesen, die direkt erkannt haben, dass dieses Produkt sehr gut zum Sortiment und dem Anspruch dieses Biomarktes passt“, vermutet die Gründerin. Einen Tag vor Weihnachten 2021 rief die Einkäuferin des Marktes an und erteilte den ersten Großauftrag.
Der Auftrag war da, aber die Produktion und die Logistik standen noch am Anfang. Also mieteten sie sich einen Transporter und lieferten die Ware höchstpersönlich zur Zentrale von denn´s. „Und da standen wir dann mit unserem kleinen Transporter zwischen all den großen Lkw auf dem Hof und lieferten unter den verwunderten Blicken der Lkw-Fahrer unser Bananenbrot aus“, erinnert sich Knüfermann. Ein etwas skurriler, aber eben auch sehr wichtiger Moment der Unternehmensgeschichte.

Die Kleinen unter all den Großen sind sie mittlerweile nicht mehr. Bei zwei Millionen verkauften Bananenbroten im vergangenen Jahr stößt die Vertragsbäckerei an die Kapazitätsgrenze. Der Umsatz stieg von 20.000 Euro im Gründungsjahr 2021 auf rund 900.000 Euro im Jahr 2024. Kein Wunder, dass die junge Unternehmerin noch mal die Nullen kontrolliert, wenn sie die Vorkontrakte für die Zutaten für das neue Produkt abschließt. „Manchmal bin ich selbst verwundert, welche Mengen wir hier jetzt bewegen“.

Vier Foodies für den Erfolg

Den nötigen Mut für eine solche Gründung haben die vier, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Zwei aus dem Team bewahren die anderen hin und wieder vor allzu hochfliegenden Plänen, während die zwei Optimisten die anderen durch ein paar Zweifel tragen. „Gründung im Team ist super“, findet Knüfermann, die sich nicht vorstellen mag, wie sie als Alleingründerin in den kniffligen Situationen zurecht gekommen wäre. Außerdem rät sie jeder Gründerin, viele Fragen zu stellen.
Dass nicht jeder gut gemeinte Rat auch angenommen werden muss, haben die vier Foodies selbst bewiesen. Viele Start-ups aus dem Lebensmittelbereich hätten dem Viererteam geraten, sich Venture Capital-Unterstützung zu holen. Das hätte sich, so der Eindruck der vier, „nicht so gut mit unserem eigenen Anspruch und unseren Wertvorstellungen für unsere Produkte vertragen“, wie Knüfermann erklärt.

Die Palette der Geschmacksrichtungen wird derzeit wieder erweitert: Ökotrophologin Knüfermann backt wieder für die Produktentwicklung. „Bei den ersten Produkten brauchte es durchaus mal vierzig Versuche, bis wir rundum zufrieden waren mit der Rezeptur, jetzt geht es schneller.“ .“ Schnell arbeiteten sich die Gründer auch in für sie neue Themengebiete ein. „Zur Frage, wie man eigentlich bei Einzelhandelsketten gelistet wird, haben wir sehr lange recherchiert“, erklärt Knüfermann. Die vier wissen sehr wohl, wie wichtig hohe Drehzahlen im Einzelhandel sind. Der Erstkunde denn´s jedenfalls bestellt alle zwei Wochen nach.

Die Professionalisierung und Hochskalierung schreitet also weiter voran, auch Internationalisierung steht auf dem Programm: Die vier Food-Enthusiasten nehmen Großbritannien, Frankreich, Schweden und die Niederlande ins Visier. Nach fünf Jahren „Achterbahnfahrt“ ist Jungunternehmerin Laura Knüfermann „für das Angestelltendasein verdorben“, wie sie selber vermutet. „Wenn ich hier eine Idee habe, kann ich die direkt umsetzen – das will ich nie wieder missen.“