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Das Unternehmen in die Zukunft führen
Wo sind sie bloß zu finden, die passenden Kandidatinnen und Kandidaten für eine Unternehmensnachfolge? Unternehmer in spe Lennart Funke hat drei Tipps: im IHK Nachfolge Club, im IHK-Nachfolgepool NRW und auf dem IHK Forum Unternehmensnachfolge am 5. Mai in Münster.
„Wo sind die Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Nachfolge suchen?“ Diese Frage treibt Lennart Funke um. „Das ist ja niemandem auf die Stirn geschrieben“, erklärt der Betriebswirt, der einen seiner Abschlüsse an der Stanford University absolviert hat. Funke hat das Führungskräfteprogramm bei Mercedes-Benz durchlaufen und an der Spitze eines knapp 20-köpfigen Teams Digitalisierungsprojekte im Vertrieb geleitet. So hat er beispielsweise Telematiklösungen für die Truck-Sparte und einen Bezahlservice für die PKW-Sparte entwickelt. Doch eine Fortsetzung der Karriere in einem Konzern kommt für ihn nicht in Frage. Er will lieber eine Firma übernehmen und in die Zukunft führen. „Ich möchte selbst gestalten und Verantwortung übernehmen“, begründet Funke. Schnell entscheiden, bestehende Lösungen ausbauen und strategisch ausrichten, neue Arbeitsplätze und langfristige Werte schaffen: Wo sollte er anklopfen mit solchen Zukunftsplänen im Gepäck, wenn nicht in einem mittelständischen Unternehmen? Die Start-up-Szene jedenfalls sei zwar wichtig, aber nichts für ihn. „Der Mittelstand ist großartig, da werden echte Lösungen für echte Probleme gemacht“, schwärmt der gebürtige Münsteraner, der sein erstes Geld als Aushilfsdachdecker auf dem Dom in Münster verdient und bei Mercedes-Benz in Sindelfingen auch im Schichtdienst am Band gestanden hat.
Lage zugespitzt
Ein echtes Problem hat auch der Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen, inklusive Emscher-Lippe-Region und Münsterland: Laut IHK-Nachfolgereport NRW finden es 80 Prozent der abgebenden Unternehmerinnen und Unternehmer schwer, externe Nachfolgende zu finden. Die Umfrage hat zudem ergeben, dass die familieninterne Nachfolge keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Diese Trends haben eine große volkswirtschaftliche Tragweite – auch in den beiden Regionen des IHK-Bezirks Nord Westfalen – Emscher-Lippe-Raum und Münsterland. Hier sind in rund jedem zweiten eigentümergeführten Familienunternehmen – also in 41.000 Betrieben mit 221.000 Beschäftigten – die Inhaber 55 Jahre oder älter. „Das ist das Alter, ab dem sich die Unternehmen mit der Frage auseinandersetzen sollten, wer das Unternehmen übernimmt und in die Zukunft führt“, erklärt Michael Meese, bei der IHK Teamleiter Gründung und Unternehmensförderung, warum diese Gruppe im Blickpunkt steht. Bei 26.000 Betrieben, so ergänzt er, sei das Thema Übergabe inzwischen akut, da die Inhaber 60 Jahre oder älter sind. „Die Lage spitzt sich zu“, alarmieren auch die Autoren der Publikation. Externe Nachfolgende also werden dringend gesucht. Warum aber ist dann eine Persönlichkeit wie Lennart Funke noch nicht Unternehmer, obwohl er eine Top-Ausbildung, Führungserfahrung, Verantwortungsbewusstsein, erfahrene Mittelstandsunternehmer als Mentoren und finanzielle Mittel mitbringt? „Es hat einfach noch nicht gepasst“, erklärt Funke, der aus seinen Suchkriterien kein Geheimnis macht. Das Unternehmen sollte finanziell solide aufgestellt und im B2B-Bereich tätig sein, zudem ein eingespieltes Team beschäftigen. Das Verhältnis der Verhandlungspartner sollte von Empathie geprägt sein, weil man in der gemeinschaftlichen Übergangsphase von ca. sechs bis 24 Monaten gut zusammenarbeiten müsse. „Der Nachfolgeprozess ist für beide Seiten eine hochemotionale Sache“, betont Funke. Einige Male schon hat er erlebt, dass ein gefühlter Kaufpreis aufgerufen wurde, statt ein realistisch kalkulierter. So habe beispielsweise in einem Gespräch sein Gegenüber den historischen Aufwand in Arbeitstagen, den er in sein Lebenswerk gesteckt hat, als Basis für die Wertermittlung herangezogen – anstelle der künftigen Werthaltigkeit.
- IHK hilft bei Nachfolge
In 41.000 eigentümergeführten Familienunternehme aus der Region Nord-Westfalen ist der Inhaber oder die Inhaberin 55 Jahre und älter. Wer wird diese Unternehmen weiterführen und die Wirtschaftskraft erhalten?
Die IHK Nord Westfalen unterstützt diese Unternehmen mit zahlreichen Angeboten.
Ganz neu ist ein zwölfmonatiger Coachingprozess NachfolgeKompass, in dem potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger strukturiert auf die Betriebsübernahme vorbereitet werden.
Austausch mit vielen anderen Unternehmen im Nachfolgeprozess und Expertentipps bietet das 10. IHK-Nachfolgeforum am 5. Mai.
Alle Angebote und die Ansprechpartner finden Sie auf der Fachseite der IHK Nord Westfalen.
Der Faktor aber, der Funke zufolge das Nachfolgeschehen am meisten ausbremst, ist ein chronischer Mangel an Informationen. In welchen Firmen fehlt es an der Nachfolge? „Das steht auf keiner Website“, sagt Funke, der selbst einen Auftritt erstellt hat, um sich und seine Ziele vorzustellen. Die Inhaber wiederum wüssten beispielsweise nicht, mit welchen Intentionen er die Nachfolge anstrebt. Funke hat sich an die IHK gewendet, um die Informationslage und somit die Chancen zu verbessern, das ideale Unternehmen zu finden: „Ich nehme am IHK Nachfolge Club und am IHK Nachfolgepool NRW teil“, berichtet er.
IHK-Nachfolgereport 2024
„Wer eine Firma erwerben und die Nachfolge dort antreten will, wird in der Regel nicht öffentlich suchen“, erklärt Michael Meese. Die meisten seien ja noch in einem Unternehmen angestellt. Genau deshalb hat die IHK Nord Westfalen den IHK Nachfolge Club ins Leben gerufen. In diesem Kreis ist jede Persönlichkeit wie geschaffen fürs Unternehmerdasein. Es fehlt „nur“ ein eigenes Unternehmen. „Wir stehen mit rund 150
Personen in Kontakt, die in Nord-Westfalen eine Nachfolge antreten würden“, sagt Meese. Beweggründe und
Personen in Kontakt, die in Nord-Westfalen eine Nachfolge antreten würden“, sagt Meese. Beweggründe und
Lennart Funke
Qualifikationen sowie den finanziellen Background der künftigen Firmeninhaberinnen und Firmeninhaber kennt die IHK gut: Christian Seega und Juliane Melchers-Hürkamp haben alles in persönlichen Gesprächen ausgelotet, damit das Matching auf fundierter Grundlage läuft. Beide gehören dem IHK-Team Unternehmensförderung an und begleiten die künftigen Nachfolgenden auf dem gesamten Weg der Unternehmenssuche. Die IHK gibt den Startimpuls: „Wir senden Unternehmens-Kurzprofile in Form von anonymisierten Fact-Sheets an den gesamten Kreis der potenziellen Nachfolger“, beschreibt Meese das Verfahren. Signalisiert eine Person aus dem IHK Nachfolge Club Interesse für das Unternehmen, schätzt das IHK-Team ein, wie gut die Kombination zusammenpasst. „Uns liegen ja von beiden Seiten vertiefende Informationen vor“, erklärt Meese. Er weist darauf hin, dass sich der Kreis der Kaufinteressenten und Unternehmen noch erweitern lässt: mit dem IHK-Nachfolgepool NRW. „Das ist eine landesweite digitale Plattform, die Fach- und Führungskräfte aus ganz NRW zusammenbringt, und zwar genauso vertraulich, wie im IHK Nachfolge Club“, sagt Meese.
Der erste Schritt zur Aufnahme ist bei beiden Angeboten gleich: ein Beratungsgespräch mit der IHK. „Die IHK ist seit jeher Vertrauenspartner der Unternehmen, deshalb ist dieser Weg so gut“, sagt Lennart Funke. Mit dem IHK-Nachfolgepool werde das Angebot noch interessanter: „Ich liebe zwar das Münsterland, würde aber auch an einem anderen Standort in NRW oder Deutschland ein Unternehmen übernehmen und weiterführen“, erklärt er. Natürlich sucht er Gespräche auch in Eigeninitiative. „Deshalb nehme ich am IHK Forum Unternehmensnachfolge am 5. Mai in Münster teil“, sagt Funke, der dann neue Kontakte knüpfen und eine große Portion an Nachfolge-Know-how mit nach Hause nehmen will.
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Redaktion Wirtschaftsspiegel
