Zukunft gestalten
Editorial
Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer,
hinter uns liegt ein ereignisreiches Jahr. Nach der Wahl zum Deutschen Bundestag Ende Februar hat Anfang Mai 2025 eine neue Bundesregierung die Arbeit aufgenommen. Unmittelbar nach der Wahl haben wir den gewählten Abgeordneten im IHK-Bezirk unsere Erwartungen an eine neue Bundesregierung übermittelt.
Im April 2025 hat unser langjähriger Präsident Dr. Benedikt Hüffer im Beisein des Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und des DIHK-Präsidenten Peter Adrian den Staffelstab weitergegeben. Im September konnten wir in Gescher gemeinsam auf erfolgreiche „75 Jahre IHK im Westmünsterland“ zurückblicken und im Dezember in Gelsenkirchen „75 Jahre Vestische Gruppe“ feiern.
Klar ist aber leider auch: Die dringend erforderliche neue wirtschaftliche Dynamik lässt nach wie vor auf sich warten. Nach den offiziellen Statistiken liegt mittlerweile ein drittes Jahr des konjunkturellen Stillstands in Deutschland hinter uns. Die Zahl der Insolvenzen war so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch der Klimaindikator der IHK Nord Westfalen verblieb im Herbst 2025 das dritte Jahr in Folge auf einem niedrigen Niveau von unter 100 Punkten – und das zum ersten Mal seit Bestehen dieser eigenen Konjunkturumfrage unter den Unternehmen in unserem IHK-Bezirk.
Ein viertes Jahr des Stillstands und der Rezession können wir uns nicht mehr erlauben. Auf den angekündigten Herbst der Reformen muss nun ein tatsächliches Frühjahr des Aufbruchs folgen. Die Politik hat sich mit den milliardenschweren und fiskalisch ganz sicher nicht unumstrittenen Sondervermögen selbst erhebliche finanzielle Handlungsspielräume erschlossen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es vor allem struktureller Veränderungen bedarf, um der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen.
Aufgrund der besonderen Bedeutung der energieintensiven Industrie spüren wir die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in unserem IHK-Bezirk in besonderer Weise. Wir werben daher dafür, dass Steuern und Abgaben auf Energiepreise sinken, der Strommarkt umfassend reformiert wird und sich die Rahmenbedingungen bei der Eigenversorgung und bei Direktlieferverträgen für Strom verbessern. Mit dem „Plan B für die Energiewende“ hat die DIHK nicht nur gezeigt, dass die Energiewende Kosten verursacht, die sowohl die öffentlichen Haushalte als auch die Unternehmen an die Belastungsgrenze bringen, sondern auch konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um diese Kosten zu senken, ohne das Ziel der Klimaneutralität aufzugeben.
Auch im Handel und bei Dienstleistungen zeigt sich, dass unsere Unternehmen die Themen Nachhaltigkeit und effizienter Ressourceneinsatz längst sehr erfolgreich umsetzen. Unsere Unternehmen haben also die Motivation, die Ideen und die Konzepte, um auch in Zukunft erfolgreich zu wirtschaften. Was Sie brauchen, sind das Vertrauen auch der Politik in das marktwirtschaftliche Prinzip und in die unternehmerische Freiheit sowie verlässliche wie wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Neben den zu hohen Strom- und Energiepreisen betrifft dies gerade auch die Arbeitskosten, die hierzulande deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegen. Die Entwicklung der Lohnnebenkosten und der Lohnstückkosten geben Anlass zu großer Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit am heimischen Standort. Der Arbeitsmarkt insgesamt bedarf dazu umfassender Reformen, die die Politik unverzüglich angehen muss.
Keine Frage: Die Herausforderungen sind groß und wir müssen die Dinge beim Namen nennen, die den Unternehmen unter den Nägeln brennen. Genauso aber sollten wir auch eine optimistische Grundhaltung und Zuversicht vermitteln. Denn nur wer bereit ist, tiefgreifende Veränderungen auch tatsächlich anzugehen, wird sie erfolgreich umsetzen können.
Wir wünschen Ihnen auch für das Jahr 2026 sowohl persönlich als auch für Ihr unternehmerisches Handeln alles Gute.
Ihr
Lars Baumgürtel
Präsident der IHK Nord Westfalen
Lars Baumgürtel
Präsident der IHK Nord Westfalen
und
Dr. Fritz Jaeckel
Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen
Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen
Vorsichtig zuversichtlich sind IHK-Präsident Lars Baumgürtel und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. Sie erwarten von der Bundesregierung allerdings strukturelle Reformen.
