11. Mai 2026

Integration mit Hilfe von Sprache und Sport

IHK-Impulse zu Erfahrungen mit Azubis aus dem Ausland

Greven/Kreis Steinfurt. – Drei Auszubildende aus Indien beschäftigt das noltewerk in Greven, alle drei ausgestattet mit Sprachzertifikaten. Die Deutschkenntnisse, vor allem in der Fachsprache, seien dennoch „ausbaufähig“ gewesen, räumte Markus Schultewolter ein. Der Betriebsleiter und Prokurist begrüßte 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ausbildungsbetrieben, die beim „Impuls am Morgen“ der IHK Nord Westfalen ihre Erfahrungen mit der Integration von Azubis aus dem Ausland austauschten. Das noltewerk hat die sprachlichen Hürden überwunden: „Die Jungs erhalten bei einem Bildungsträger in Greven zusätzlichen Unterricht und sie haben sich im Schachclub und im Fußballverein integriert“, berichtete Schultewolter. Sein Tipp an die anderen Unternehmen: „Die besten Erfahrungen haben wir gemacht, wenn unsere ausländischen Nachwuchskräfte in einer deutschen Gastfamilie wohnen.“
Carsten Taudt, IHK-Geschäftsbereichsleiter für Bildung und Fachkräftesicherung, stellte fest, dass Unternehmen verstärkt ins Ausland schauen, um Nachwuchskräfte zu gewinnen. „Sie bekommen nicht genug Bewerbungen aus dem Inland, um freie Ausbildungsplätze zu besetzen“, erklärte er. Mit der Unterschrift unter dem Ausbildungsvertrag sei es aber nicht getan. „Es geht auch darum, junge Menschen aus anderen Ländern beim Ankommen im Betrieb, in der Berufsschule und im Alltag zu unterstützen.“ Dabei stehen die Unternehmen fast immer vor ähnlichen Fragen: „Es geht um Visaprozesse, Wohnraumsuche, Sprachförderung und Heimweh“, erläuterte IHK-Willkommenslotse Dr. André Böing. Der Erfahrungsaustausch im noltewerk sollte dabei helfen, realistische Erwartungen zu entwickeln und typische Fehler zu vermeiden.
Nadine Timmermeyer zum Beispiel empfahl, genug Betreuungszeit, unter anderem für Behördengänge, mit den Azubis einzuplanen. Die Personalentwicklerin kümmert sich beim Familienunternehmen Nientiedt, das unter anderem einen Marktkauf in Greven betreibt, auch darum, Auszubildende aus Marokko zu integrieren. „Einer der Azubis baute seine Sprachkenntnisse schnell aus, indem er sein Handy auf Deutsch umstellte, Filme in deutscher Sprache schaut und regelmäßig ins Fitnessstudio geht“, wo er mit Deutschen ins Gespräch kommt. Sie rät jungen Menschen aus dem Ausland, die sich für den Einzelhandel interessieren: „Erst mit der zweijährigen Ausbildung zur Verkäuferin oder zum Verkäufer starten.“ Hier seien die Erfolgschancen höher als bei der schwierigeren, dreijährigen Ausbildung für Einzelhandelskaufleute, die sich dann immer noch anschließen könne.
Bereits 40 junge Menschen aus Indonesien hat Andreas Beckhaus im Landhotel HermannsHöhe in Legden eingestellt, elf von ihnen hat er nach der Ausbildung übernommen. Ihm ist wichtig, dass sie alle einen Deutschkurs besuchen und im Betrieb nur Deutsch sprechen. „Wenn ich Indonesisch höre, gehe ich auch mal dazwischen“, erklärte er. Beckhaus gibt sein Wissen, wie er internationale Auszubildende gewinnt und integriert, regelmäßig an andere Betriebe weiter. Dafür ist er vom Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge (NUiF)“ zum Regionalbotschafter für Nordrhein-Westfalen ernannt worden.
Nicht nur die Arbeit, auch die Alltagswelt müssen Betriebe im Blick behalten, lautete eine Erkenntnis der anschließenden Diskussion. „Es gibt keine Patentlösung, aber viele gute Praxisbeispiele“, resümierte Taudt. Die IHK-Willkommenslotsen helfen Mitgliedsbetrieben bei der Integration. „Damit leisten wir einen Beitrag zur Fachkräftesicherung“, betonte Böing. Gefördert werden die IHK-Willkommenslotsen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Weitere Informationen: www.ihk.de/nw/fluechtlinge