6. Mai 2026

Generationswechsel wird anspruchsvoller

10. Forum Unternehmensnachfolge mit 250 Teilnehmern

Münster/Münsterland/Emscher-Lippe-Region. - 41.000 Betriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region stehen in den nächsten zehn Jahren vor der Herausforderung, den Generationenübergang an der Unternehmensspitze zu regeln. „Nach unseren Berechnungen sind in fast 50 Prozent der inhabergeführten Familienunternehmen in unserem IHK-Bezirk die Inhaberinnen und Inhaber älter als 55 Jahre“, nannte Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, gestern (5. Mai) beim 10. IHK-Forum Unternehmensnachfolge eine weitere Zahl. Sie macht deutlich: Das Thema Nachfolge ist akut, aber auch in den Betrieben sowie bei möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolgern angekommen. Dies zeigten erneut mehr als 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im IHK-Bildungszentrum.
„Der anstehende Generationenwechsel ist ein struktureller Umbruch in unserer Unternehmerschaft“, erklärte Jaeckel. Nachfolge sei damit eines der Schlüsselthemen für den Erhalt von Arbeitsplätzen, für regionale Wertschöpfung und für die Stabilität der mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur. Gleichzeitig sei der Nachfolgeprozess deutlich anspruchsvoller geworden. „Für viele, insbesondere kleine und mittelständische Betriebe wird es immer schwieriger, geeignete Nachfolgerinnen oder Nachfolger zu finden“, stellte der IHK-Hauptgeschäftsführer fest. Demografische Entwicklungen, geopolitische Herausforderungen, Fachkräftemangel, zunehmende Bürokratie sowie der hohe Transformationsdruck erschwerten häufig die Übergabe. Deshalb appellierte Jaeckel: „Bereiten Sie sich rechtzeitig und professionell auf den Generationswechsel vor.“
Wie sowohl die Vorbereitung als auch die Übergabe funktionieren, zeigten Unternehmerinnen und Unternehmer anhand ihrer Erfahrungen. Dabei wurden sowohl familieninterne wie -externe Nachfolgemodelle vorgestellt. „Die Unternehmensnachfolge war für unsere Eltern stets eine bewusst offen gehaltene Option, aber nie eine Pflicht oder Erwartung an die Kinder“, berichtete Daniela Schultze von POINT OF FOOD in Recklinghausen. Zusammen mit ihrem Vater Peter Schultze bildet sie das aktuelle Führungsduo und plant mit ihm gemeinsam den Übergang. Er setzt vor allem darauf, dass seine Tochter dank ihrer internationalen beruflichen Erfahrungen Impulse für künftiges Wachstum setzt. Gleich mehrere Unternehmensnachfolgen hat Christopher Höning, Geschäftsführer der ISO Dämmstoff-Vertrieb GmbH sowie der IAP Handels GmbH in Emsdetten, erfolgreich bewältigt. Zunächst übernahm er das Familienunternehmen, dann zwei externe Betriebe. Dabei unterstützte ihn der IHK Nachfolge Club. „Wo Unternehmen keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger finden, liegen Chancen für versierte Fach- und Führungskräfte“, betonte Höning. Für ihn eröffneten die Übernahmen gleichzeitig Wachstumschancen.
„Die Unternehmensnachfolge zu gestalten ist auch ein Stück Teamwork“, berichtete Thomas Vossenberg, scharkon Lichtkonzepte GmbH aus Ahlen. Er startete als Mitarbeiter, wirkte in verschiedenen Funktionen mit und nutzte das Wissen der nun abgebenden Unternehmer. „Die Nachfolge hat für mich viele Fragen aufgeworfen: Wie bekomme ich den Wandel vom Mitarbeiter zum Chef hin oder wie finanziere ich die Kaufpreisforderung?“ Der Rollentausch wurde erleichtert durch die Angebote von IHK, Hausbank und NRW.BANK als Förderbank, zum Beispiel in Form des IHK-Finanzierungssprechtages. Warum es wichtig ist, steuerliche und rechtliche Aspekte frühzeitig zu beachten, erläuterte darüber hinaus Paul-Heinrich Fallenberg, Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner der HLB Schumacher GmbH in Münster.

IHK-Serviceangebot Unternehmensnachfolge

Die IHK Nord Westfalen unterstützt Unternehmen vielfältig. Im Angebot sind Informationsveranstaltungen, Einzelberatungen sowie Expertensprechtage zu Steuern & Recht, Finanzierung & Förderung oder Unternehmensbewertung. Außerdem vermittelt sie durch die nexxt-change Unternehmensbörse und den IHK Nachfolge Club potenzielle Nachfolgerinnen oder Nachfolger. Die digitale Plattform Unternehmenswerkstatt NRW (UWD) stellt außerdem Tools für die strukturierte Nachfolgeplanung bereit. Zudem können die Beteiligten die Angebote der IHK-Weiterbildung zur Vorbereitung auf eine Nachfolge nutzen.