27. Mai 2026

Abwärtstrend trifft auch das Münsterland

IHK-Umfrage: Schwierige Lage in Emscher-Lippe-Region

Münsterland/Emscher-Lippe-Region. – Die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts und die weiterhin schwierigen Standortbedingungen machen sich zunehmend auch in Nord-Westfalen bemerkbar. Gerade im Münsterland mit einer bisher vergleichsweise widerstandsfähigen Wirtschaft hat sich die Stimmung der Unternehmen deutlich verschlechtert. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage, die die IHK Nord Westfalen heute (26. Mai) veröffentlicht hat. Die Situation in der Emscher-Lippe-Region bleibt schwierig.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die gegenwärtige Geschäftslage der Unternehmen und ihre Geschäftserwartungen in einem Wert ausdrückt, sinkt von 100 Punkten zum Jahresbeginn auf 92 Punkte. Weiterhin spürbar sind die regionalen Unterschiede: Im Münsterland fiel der Index von 109 auf nun 100 Punkte, in der Emscher-Lippe-Region ging es von 77 auf 73 Punkte weiter abwärts. Noch Anfang 2026 habe es Anzeichen gegeben, die auf eine schwache Erholung hindeuteten, erklärt IHK-Präsident Lars Baumgürtel. „Jetzt herrscht die Erwartung vor, dass die Stagnation weiter anhält“, resümiert er. Rund 23 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, fast die gleiche Zahl spricht von schlechten Geschäften. Die Aussichten bleiben gedämpft: Nur 14,5 Prozent rechnen mit einer besseren Lage, aber 29,4 Prozent erwarten noch schlechtere Geschäfte.
Steigende Preise, unter anderem für Energie und Rohstoffe, sowie gestörte Lieferketten und wachsende Unsicherheiten als Folge des Kriegs im Nahen Osten belasten die Unternehmen. „Hinzu kommen altbekannte und nach wie vor vielfach ungelöste Probleme“, betont Baumgürtel. 61 Prozent der befragten Unternehmen sind mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen unzufrieden. In der Wirtschaft überwiege derzeit die Enttäuschung über die Bundesregierung. Über Jahrzehnte sei ein Reformstau aufgelaufen. „Mit Kompromissen, wie sie in einer Koalition getroffen werden, lässt sich dieser nicht eben von heute auf morgen auflösen“, hebt er hervor. Die Regierung müsse die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig verbessern und Konjunkturrisiken schnell beseitigen. So beklagen 57 Prozent der Unternehmen hohe Arbeitskosten. Außerdem verzeichnen ebenfalls 57 Prozent eine schwache Inlandsnachfrage, 35 Prozent eine schlechte Auftragslage aus dem Ausland.
Weiterhin schwach läuft die Industriekonjunktur, zumindest hat sich die Lage in Nord-Westfalen aber nicht weiter verschlechtert. „Ob der Abwärtstrend gestoppt werden kann, scheint angesichts der neuen Belastungen eher unwahrscheinlich“, betont auch IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. Über 28 Prozent der Industriebetriebe sind mit ihren Geschäften nicht zufrieden, weniger als 23 Prozent zufrieden. Im Handel schlägt die Konsumzurückhaltung zu Buche. Mit knapp über 16 Prozent ist der Anteil der zufriedenen Stimmen hier besonders gering, kaum zwölf Prozent erwarten eine bessere Geschäftslage. Erneut fällt das Lageurteil im Dienstleistungssektor am günstigsten aus. „Die eher positiven Bewertungen kommen unter anderem von Unternehmen, die Lösungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz entwickeln“, stellt er fest. Mehr als 26 Prozent der Dienstleister machen aktuell gute Geschäfte, rund 19 Prozent bewerten die Lage als schlecht.
Noch immer nicht überwunden ist die Investitionsschwäche. Unter anderem die geopolitischen Risiken erhöhen die Unsicherheit und bremsen Investitionen. Jedes dritte Unternehmen will das Budget in den nächsten Monaten weiter zurückfahren. Der Anteil der Betriebe, die mehr Investitionen planen, ist seit dem Jahresbeginn von 27 Prozent auf nur noch 22 Prozent gesunken. Wenn investiert wird, dann selten in Produktinnovationen: Neben Ersatzbeschaffungen (69 Prozent) stehen auch Rationalisierungen klar im Fokus (38 Prozent), insbesondere in der Industrie (52 Prozent).
Keine guten Nachrichten liefert die Konjunkturumfrage auch vom Arbeitsmarkt. Allein in der Industrie hat Nord-Westfalen zwischen September 2022 und September 2025 rund 8.400 Arbeitsplätze verloren. Der Rückgang ist dabei in der Emscher-Lippe-Region mit fast sechs Prozent deutlicher als im Münsterland mit weniger als vier Prozent. Zwar liegt die Zahl der insgesamt Beschäftigten konstant bei über einer Million. Doch entstehen nur wenige neue Stellen: Ein Viertel der Betriebe muss laut Umfrage den Personalstand in den kommenden Monaten verringern, bei den Großbetrieben ist es sogar mehr als ein Drittel.

Internet-Tipp:

Alle Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IHK Nord Westfalen mit Grafiken: Konjunkturbericht zum Frühjahr 2026