Nr. 74404
Volkswirtschaft und Konjunktur

Konjunktur­bericht Nord­schwarz­wald

Lage weiter­hin ernst - Talsohle scheint durch­schritten - zu hohe Arbeits­kosten belasten

Während das statis­tische Bundes­amt vor einigen Tagen für das Jahr 2025 ein bundes­weites Mini­wachs­tum von 0,2 Prozent des Brutto­inlands­produkts (BIP) fest­stellte und die Bundes­regie­rung für das Jahr 2026 ihre Wachs­tumspro­gnose mit 1,0 Prozent veröffent­lichte, deuten auch die Zahlen der Indus­trie- und Handelsk­ammer (IHK) Nord­schwarz­wald für die Region an, dass die kon­junk­turel­le Tal­sohle durch­schrit­ten sein könn­te.
Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass die aktuelle Geschäftslage im Nordschwarzwald branchenübergreifend leicht positiv bewertet wird. Bei den Auftragseingängen wird seit vier Jahren erstmals wieder ein positiver Saldo erreicht – das heißt, dass mehr Unternehmen die Auftragslage als besser werdend denn schlechter werdend angegeben haben. Und auch die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate bleiben positiv.
„Die Lage ist weiterhin ernst. Nunmehr weisen die meisten Zahlen aber darauf hin, dass wir die Talsohle durchschritten haben könnten“, betont Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald. „Während sich die Umsatzlage – aus dieser Talsohle kommend – weiter positiv entwickelt, zeigen die Zahlen zur Ertragslage, dass es noch ein weiter Weg zurück in eine stabile Wirtschaftslage mit echtem Wachstum ist. Die Unternehmen stehen unter erheblichem Kostendruck mit zu hohen Arbeitskosten.“
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresbeginn im Nordschwarzwald: Sie ist auf 17.019 gestiegen. Das sind 815 beziehungsweise 5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026

Die IHK Nordschwarzwald hat im Januar rund 300 regionale Unternehmen zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt. Fast 26 Prozent der antwortenden Unternehmen berichten derzeit von einer guten Geschäftslage, verglichen mit 24 Prozent im Herbst 2025. Der Anteil der Unternehmen, die von einer befriedigenden Geschäftslage sprechen, ist mit 52 Prozent weiterhin hoch (Herbst 2025: 52 Prozent). 22 Prozent nehmen eine schlechte Geschäftslage wahr, sodass ein positiver Saldo von fast vier festzustellen ist. Im Herbst 2025 lag der Saldo bei minus 0,5.
„Ein spürbarer Aufschwung ist in diesen Zahlen noch nicht abzulesen, zumal wir uns seit mehr als drei Jahren in einer kritischen Lage befinden“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub. „Mut machen jedoch die positiven Veränderungen bei den sogenannten Frühindikatoren.“

Auftragseingänge und Geschäftserwartungen gehen langsam nach oben

„Seit dem Jahresbeginn 2022 berichten die Unternehmen von schlechter werdenden Auftragslagen. Nachdem sich vor drei Jahren viele gute Auftragsbestände reduzierten und die Kapazitäten eine schlechtere Auslastung erfuhren, haben wir nun erstmals wieder einen positiven Saldo bei den Auftragseingängen auf niedrigem Niveau“, so Traub.
Mehr als 23 Prozent der Unternehmen melden derzeit einen steigenden Auftragseingang, 56 Prozent geben einen gleichbleibenden Auftragseingang an (Herbst 2024: 52 Prozent). Gut 20 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Damit liegt der Saldo bei drei. Im Herbst 2025 lag er bei minus 16, im Vorjahreszeitraum bei minus elf.
Leicht positiv stimmen auch die Geschäftserwartungen: Gut 18 Prozent gehen von sich verbessernden Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus, elf von sich verschlechternden – ein Saldo von plus sieben, der einem Wert von minus zwei aus dem Vorjahreszeitraum gegenübersteht. Der gute Trend zeigt sich besonders in der Industrie: Hier liegt der Saldo bei plus 16, vor einem Jahr lag der Wert bei minus 0,1 Prozent.
„Die Industrie ist unsere Leitbranche. Im Bundes- wie Landesvergleich arbeiten in unserer Region überproportional viele Menschen im verarbeitenden Gewerbe. Diese Zahlen sind also für alle Branchen mittelfristig gute Signale“, betont IHK-Präsidentin Gläser.

Investitionsbereitschaft noch verhalten – weiter Vertrauensaufbau nötig

„Dass wir von einer stabilen Trendwende noch nicht ohne Einschränkungen sprechen können, zeigen die Zahlen zur Investitionsbereitschaft – dem dritten der sogenannten Frühindikatoren“, erläutert Tanja Traub. Seit mehr als zwei Jahren überwiegt die Zahl der Unternehmen, die nicht investieren wollen oder können, deutlich gegenüber denen mit Investitionsabsichten. Mit minus 13,3 bleibt der Saldo deutlich im negativen Bereich. „Gründe dafür sehen wir in der instabilen weltpolitischen Lage, noch nicht aufgebautem Vertrauen in die Politik sowie vor allem in einer schlechten Ertragslage“, führt Traub aus.

Umsatz- und Ertragslage werden deutlich unterschiedlich bewertet

Während über 36 Prozent steigende Umsätze angeben, etwas über 34 Prozent gleichbleibende verbuchen und nur noch etwas über 29 Prozent gefallene Umsätze angeben und sich damit ein positiver Saldo von sieben ergibt, liegt der Saldo zur Ertragslage bei minus 17. Nur knapp 16 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten Ertragslage, 52 Prozent geben sie mit befriedigend an und fast 33 Prozent melden eine schlechte Ertragslage.
„Bis zum Jahr 2022 entwickelten sich die Kurven dieser beiden Salden fast parallel. Das zeigt den seither gestiegenen Kostendruck und wie die Unternehmen kämpfen müssen“, so Traub.

Zahlen zu Exporten und Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind eindeutig

Demnach verwundert nicht, dass bei der regionalen Konjunkturbefragung die verhaltene Inlandsnachfrage (83 Prozent) und die gestiegenen Arbeitskosten (67 Prozent) noch deutlicher die Liste der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen anführen als bereits bei den letzten Erhebungen. Auf Platz drei der zehn Risikokategorien folgt mit großem Abstand die Angabe „geopolitische Spannungen“ mit knapp 44 Prozent.
„Unser Blick geht nach vorne. Die Zahlen sind allerdings eindeutig. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist einem starken Reformdruck ausgesetzt“, so IHK-Präsidentin Gläser. „Unsere leidende Wettbewerbsfähigkeit hängt deutlich mit zu hohen Arbeitskosten zusammen. 2026 muss der Bund daher die großen Reformvorhaben zu Rente, Gesundheitsversorgung und Sozialabgaben angehen. Aus Arbeitnehmersicht muss mehr Netto vom Brutto erreicht und die Lohn-Preis-Spirale eingebremst werden. Das ist gerade für uns – als starker Exportstandort – im Nordschwarzwald wichtig.“
Tanja Traub ergänzt: „Unsere Zahlen zu den Exporterwartungen gehen nun wieder spürbar nach oben. Vor diesem Hintergrund ist – neben den innenpolitischen Reformen – die weitere Vertiefung des europäischen Binnenmarkts und die Erschließung neuer Märkte durch das endlich abzuschließende Mercosur-Abkommen und das jüngst von der EU mit Indien abgeschlossene Freihandelsabkommen wichtig.“
32 Prozent der befragten Unternehmen erwarten steigende Exporte. Im Herbst 2025 waren es nur knapp über 17 Prozent. Der Saldo steigende zu fallende Exporterwartungen liegt nun bei 24,5 Prozent. Im Vorjahreszeitraum war der Wert bei nur 1,7 Prozent, davor sogar negativ.

Mittelstandsfreundliche Politik gefragt

„Das gute außenpolitische Engagement der Bundesregierung und die Verhandlungen der Europäischen Union mit neuen Partnern in der Welt müssen nun endlich Früchte tragen können, dann wird nach dem Durchschreiten der Talsohle auch echtes Wachstum möglich werden“, so Gläser und Traub abschließend. „Für die Landtagswahlen Anfang März hoffen wir auf eine stabile und wirtschaftsfreundliche Landesregierung mit klaren Mehrheiten, die sich an den Belangen des Mittelstands orientiert. Denn ohne Wirtschaft ist alles nichts.“

Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen

Verarbeitendes Gewerbe

Etwas mehr als 18 Prozent der Industrieunternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 15 Prozent), 53 von einer befriedigenden, etwas unter 30 Prozent von einer schlechten. Die Werte des Vorjahres waren hier 53 beziehungsweise 32 Prozent. Knapp 31 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, 38 Prozent von gleichbleibenden, 31 Prozent von gefallenen. Die Werte im Vorjahreszeitraum (Jahresbeginn 2025) waren: 14, 23 und 63 Prozent.
Die Ertragslage bewerten 15 Prozent als gut, 47 Prozent als befriedigend und 38 Prozent als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren: 9, 47 und 44.

Gastgewerbe

60 Prozent bewerten die Geschäftslage als positiv (Vorjahreszeitraum: 59 Prozent), 27 Prozent sehen sie als befriedigend (Jahresbeginn 2025: 35 Prozent), nunmehr 13 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 6 Prozent). 57 Prozent stellen wachsende Umsatzzahlen fest (Jahresbeginn 2025: 29 Prozent), knapp 29 Prozent geben gefallene Umsätze an (Jahresbeginn 2025: etwas mehr als 29 Prozent). 40 Prozent bewerten die Ertragslage als gut, 47 als befriedigend, 13 als schlecht (Vorjahreszeitraum: etwas mehr als 29, gut 47 und 23,5 Prozent).

Handel & Dienstleistungen

34,5 Prozent der Unternehmen aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche sehen eine gute Geschäftslage, 50 Prozent bewerten sie als befriedigend, 15,5 als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren 32, 62 und etwas über fünf Prozent. Gestiegene Umsätze verbuchen immerhin 44 Prozent, bei knapp 28 Prozent bleiben sie gleich, etwas mehr als 28 Prozent sehen fallende Umsätze. Zum Jahresbeginn 2025 lagen die Werte bei 31, 51 und 18 Prozent.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: 17 Prozent sehen eine gute, 55 Prozent eine befriedigende und 28 Prozent eine schlechte Ertragslage. Vor einem Jahr lagen die Werte bei 27, 49 und 24 Prozent.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: nur 14 Prozent sehen eine gute, 63 Prozent eine befriedigende und 23 Prozent eine schlechte Ertragslage. Im Herbst 2024 lagen die Werte bei 16, 49 und 35 Prozent.
2025

Konjunktur­bericht Nord­schwarz­wald (Archiv, Herbst 2025)

ZUM AKTUELLEN KONJUNKTURBERICHT JARHESBEGINN 2026

Geduld und Zuversicht sind gefragt

Pforzheim, 10.11.2025. Im Frühsommer hieß es noch: „Weiter warten auf den Aufschwung – am Tunnelende schimmert Licht.“ Vier Monate später bleibt die Lage angespannt – doch das Licht am Ende des Tunnels wird heller. Zwar zeigen die jüngsten innenpolitischen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf Bundesebene noch keine unmittelbare Wirkung, die Hoffnung auf Besserung der Wirtschaftsakteure ist aber weiterhin da. Während die aktuelle Geschäftslage im Nordschwarzwald leicht negativ bewertet wird, sind zumindest die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate wieder positiv – das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald im Herbst 2025.
„Die Herausforderungen bleiben groß und von Entspannung kann noch keine Rede sein“ , betont Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald. „Doch viele Unternehmen zeigen bemerkenswerte Zuversicht – und wir stehen an ihrer Seite.“

Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Herbst 2025

Die IHK Nordschwarzwald hat im Herbst rund 300 regionale Unternehmen zur deren wirtschaftlichen Situation befragt. Fast 24 Prozent davon berichten derzeit von einer guten Geschäftslage, verglichen mit 18 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der Unternehmen, die von einer befriedigenden Geschäftslage sprechen, ist mit 52 Prozent weiterhin hoch (Herbst 2024: 53 Prozent). Etwas über 24 Prozent nehmen eine schlechte Geschäftslage wahr, sodass ein Saldo von Minus 0,5 festzustellen ist. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei Minus 10,9.
„Wir befinden uns seit nunmehr drei Jahren in einer strukturell angespannten Lage ohne Wachstum. Insofern sind die Werte relativ zu sehen. Einige Unternehmen gaben bereits bei den letzten Erhebungen an, dass die Geschäftslage schlecht oder nur befriedigend sei“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub.

Weiterhin bleibt die Hoffnung für das Frühjahr 2026

„Neben der Geschäftslage blicken wir für die Frage nach dem Aufschwung auf die Auftragseingänge und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Und da müssen wir feststellen: Es heißt weiter warten und frühestens nach dem Jahreswechsel werden sich spürbare Verbesserungen einstellen“, so Traub.
Nur 17 Prozent der Unternehmen sehen derzeit steigende Auftragseingänge, wobei der Wert im Vorjahreszeitraum mit 9 Prozent noch deutlich schlechter war. 50 Prozent erwarten eine gleichbleibende Auftragslage (Herbst 2024: 52 Prozent). 33 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Damit liegt der Saldo bei Minus 16, vor einem Jahr war er bei Minus 30. Hinsichtlich der Investitionen in den nächsten zwölf Monaten erwarten nur zwölf Prozent zunehmende Investitionen, 47 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Investitionsvolumen aus und 16 von einem abnehmenden. Das ergibt einen Saldo von Minus 13 und damit zwei Punkte schlechter als vor einem Jahr, aber neun Punkte besser als bei der letzten Erhebung im Frühsommer 2025.
Positiv stimmen die Geschäftserwartungen: Gut 24 Prozent gehen von sich verbessernden Geschäften aus, 18 von sich verschlechternden – ein Saldo von Plus sechs Prozent, der einem Wert von Minus 11,5 Prozent aus dem Vorjahreszeitraum gegenübersteht. Und das gilt für die Branche der Industrie erst recht: Hier liegt der Saldo im Herbst 2025 bei Plus 10,5 Prozent, vor einem Jahr lag der Wert bei Minus 26 Prozent.
„Die Region Nordschwarzwald ist eine produktionsstarke Wirtschaftsregion. Deshalb stimmen diese Zahlen zuversichtlicher“, so IHK-Präsidentin Gläser.

Wettbewerbsfähigkeit erfordert zügige Reformen bei den Arbeitskosten

„Die weltpolitische Lage bleibt instabil, dass sehen wir auch an den Exportzahlen. Umso wichtiger waren die entschlossenen und die gut sichtbaren Schritte der Bundesregierung zurück aufs europäische beziehungsweise internationale Parkett“, sagt Tanja Traub.
17 Prozent der hiesigen Unternehmen erwarten steigende Exporte. Das waren im Vorjahreszeitraum 26 Prozent, wobei im Herbst 2024 rund 36 Prozent gleichbleibende und 37 Prozent fallende Exporte angaben. Im Herbst 2025 geben 69 Prozent gleichbleibende und 13 Prozent fallende Exporterwartungen an. Damit ist der Saldo nach Minus elf Prozent im Vorjahr mit vier Prozent nunmehr wieder im positiven Bereich.
„Diese Zahlen sind weiterhin keine guten – da sie auf niedrigem Niveau sind. Wir sind eine Exportnation und die Geschäftsmodelle und Lieferketten vieler unserer Unternehmen im Nordschwarzwald sind auf internationale Absatzmärkte ausgerichtet. Hemmnis neben der weltpolitisch unberechenbaren Lage ist auch der Reformstau, der die Arbeitskosten hochtreibt. Dieser muss nun angegangen und aufgelöst werden. Die Bundesregierung muss jetzt den angekündigten Kurswechsel kraftvoll umsetzen“, betont IHK-Präsidentin Claudia Gläser.

Zahlen zu den Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind eindeutig

Dementsprechend führen in der regionalen Konjunkturbefragung die verhaltene Inlandsnachfrage (75,5 Prozent) und die gestiegenen Arbeitskosten (63 Prozent) deutlich die Liste der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen an. Auf Platz drei der zehn Risikokategorien liegt die Angabe „geopolitische Spannungen“ mit 50 Prozent.
„Unser Blick geht nach vorne. Gleichwohl ist doch positiv, dass wir auch entlang dieser Zahlen sehen, dass es eindeutige innenpolitische Hausaufgaben für die Politik gibt, die angegangenen werden können, aber eben auch müssen. Sofern sich diese Erkenntnis nun auch im politisch linkeren Spektrum durchsetzen sollte, kann es mit unserem Wirtschaftsstandort auch wieder schneller nach oben gehen“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub abschließend.

Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen

Verarbeitendes Gewerbe

18 Prozent der Industrieunternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 9 Prozent), 51 von einer befriedigenden, 31 Prozent von einer schlechten. Die Werte des Vorjahres waren hier 46 beziehungsweise 44 Prozent. 21 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, 21 Prozent von gleichbleibenden, 57 Prozent von gefallenen. Die Werte im Vorjahreszeitraum (Herbst 2024) waren: 16, 15 und 69 Prozent.
Die Ertragslage bewerten 16 Prozent als gut, 45 als befriedigend und 39 Prozent als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren: 7, 44 und 48.

Gastgewerbe

Im Tourismusgewerbe der Region trübte sich die Lage – nach guten Werten bei den vorherigen Erhebungen – in den letzten Monaten etwas ein: 23 Prozent bewerten die Geschäftslage als positiv (Vorjahreszeitraum: 50 Prozent), 54 Prozent sehen sie als befriedigend (Herbst 2024: 42 Prozent), nunmehr knapp 23 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 8 Prozent). 25 Prozent stellen wachsende Umsatzzahlen fest (Herbst 2024: 17 Prozent), 33 Prozent geben gefallene Umsätze an (Herbst 2024: 42 Prozent). 23 Prozent bewerten die Ertragslage als gut, 39 als befriedigend, 38 als schlecht (Vorjahreszeitraum: 30, 31 und 39 Prozent).

Handel & Dienstleistungen

30 Prozent sehen im Bereich Handel und Dienstleistungen eine gute Geschäftslage, 53 Prozent bewerten sie als befriedigend, 17 als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren 27, 61 und zwölf Prozent. Gestiegene Umsätze verbuchen immerhin 39 Prozent, bei 31 Prozent bleiben sie gleich, 30 Prozent sehen fallenden Umsätze. Im Herbst 2024 waren auch diese Werte mit 29, 41 und 30 Prozent etwas schlechter.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: nur 14 Prozent sehen eine gute, 63 Prozent eine befriedigende und 23 Prozent eine schlechte Ertragslage. Im Herbst 2024 lagen die Werte bei 16, 49 und 35 Prozent.
Allgemeine Wirtschaftspolitik

IHK im Austausch mit der Landespolitik: Gemeinsam für einen starken Wirtschafts­standort

Die Wirtschaft im Nordschwarzwald steht unter Druck und braucht dringend andere Rahmenbedingungen. Diese zentrale Erkenntnis prägte das „Wirtschaftspolitische Jahresgespräch" der IHK Nordschwarzwald, das im IHK-Haus in Pforzheim stattfand. IHK-Präsidentin Claudia Gläser machte es deutlich: „Der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg leidet – das spüren wir auch hier im Nordschwarzwald.“ Als Gastredner konnte die IHK den Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Manuel Hagel MdL, gewinnen.

Wirtschaftslage ernst – IHK fordert klare Perspektiven

Pforzheim, 10.02.2025. Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald, Tanja Traub, führte mit den aktuellen Ergebnissen der regionalen Konjunkturbefragung in die Diskussion ein: „Seit zwei Jahren geht es abwärts. Die Stagnation ist einer Rezession gewichen.“ Nur 24 Prozent der Unternehmen im Nordschwarzwald bewerteten ihre Geschäftslage im Januar 2025 als gut, während 19 Prozent sie als schlecht und 57 Prozent als befriedigend einstuften – und das vor dem Hintergrund einer anhaltenden Abwärtsbewegung. Besonders problematisch seien die hohen Arbeitskosten und die schwache Inlandsnachfrage.
Manuel Hagel nahm diese Herausforderungen direkt auf: „Eine gute Zukunft für unser Land gibt es nur, wenn es der Wirtschaft gut geht.“ Er betonte, dass es klare Investitionsschwerpunkte in Bildung, Forschung und Infrastruktur brauche, um Baden-Württemberg als Innovationsstandort zu stärken. Zudem sprach er sich für Technologieoffenheit im Energiesektor aus und forderte die Rückkehr zu mehr Eigenverantwortung des Einzelnen und die Entfesselung des Unternehmertums, um die Chancen auch jüngerer Unternehmen im internationalen Vergleich zu erhöhen und Unternehmensnachfolgen wieder attraktiver zu machen.

Bürokratieabbau als zentrales Anliegen

Das Top-Thema des Abends waren die Vermeidung und der Abbau von Bürokratie. IHK-Präsidentin Gläser brachte es deutlich auf den Punkt: „Man könnte sich täglich über neue Auflagen und Berichtspflichten ärgern.“ IHK-Vizepräsident Patrick Stöber kritisierte: „Im Vergleich mit den Vereinigten Staaten sind wir einfach zu langsam. In Deutschland werden oft noch zusätzliche bürokratische Hürden geschaffen. Wir legen auf die europäischen Vorgaben immer noch was drauf“. Sein Vizepräsidenten-Kollege Jan Weber forderte beispielsweise eine Reform der Landesbauordnung zur Schaffung von mehr Wohnraum sowie grundsätzlich eine Überprüfung der Verwaltungseffizienz. „Aus meiner Sicht ist das föderale Verwaltungssystem kaum noch reformierbar. Es fehlt der Politik der Mut, einfach mal eine Regelungslücke zuzulassen. Um die Verwaltungspraxis wirtschaftsfreundlicher zu gestalten, brauchen wir eine Jahrhundertreform“, so Weber.
Erstaunlich deutlich zeigte sich hier auch Manuel Hagel: „Ich kann mir sogar die Abschaffung von Verwaltungsebenen vorstellen, um die Verwaltung übersichtlicher und effizienter aufzustellen.“ Und er gab konkrete Beispiele für die Erzielung von mehr Verwaltungseffizienz. In Zusammenarbeit mit zwei baden-württembergischen IT-Unternehmen, die grundsätzlich gerne für ein großes Pilotprojekt bereitstünden, könne eine zentrale Anlaufstelle für den sicheren Austausch von Daten geschaffen werden, eine „One-Stop-Agency“. „Wir verlangen von Unternehmen wie Bürgern zum Teil drei oder fünf Mal die gleichen Daten von unterschiedlicher Stelle; und dann dürfen und können staatliche Stellen die Daten einander nicht direkt zur Verfügung stellen, das versteht doch kein Mensch. Das muss einfacher gehen“, so Hagel. Hier passiere zu wenig, obwohl die Zustimmung und Dokumentation bei erfolgtem Datenaustausch einfach sicherzustellen wären – „auf baden-württembergischen Servern mit baden-württembergischer Software“ – ging er bei diesem Vorschlag weiter ins Detail. „Da braucht keiner Angst haben. Wir könnten als Land Vorreiter werden und auch für die höheren politischen Ebenen Beispiel geben“, so Hagel. Mit diesem und weiteren Lösungsansätzen erntete der Landespolitiker großen Zuspruch.

Fazit: Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam anpacken

„Das Wirtschaftspolitische Jahresgespräch zeigte eindrucksvoll, dass der Dialog zwischen Wirtschaft und Politik wichtiger denn je ist. Dabei soll es nicht nur um Kritik gehen, sondern auch um konstruktive Lösungswege aus der Krise. Die IHK Nordschwarzwald bleibt weiter am Ball, um die Interessen der regionalen Unternehmen zu vertreten und konkrete Verbesserungen zu erwirken“, fasste es Claudia Gläser zusammen. „Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr Innovationsförderung und eine vorausschauende Standortpolitik – nur so bleibt Baden-Württemberg wettbewerbsfähig“, schloss die IHK-Präsidentin.
Das Wirtschaftspolitische Jahresgespräch wurde von Dr. Julia Hagel moderiert.

WELCOME CENTER
NORD­SCHWARZ­WALD

Das Welcome Center steht für gelebte Willkommenskultur in der Region Nordschwarzwald. Als Lotse und Erstberater unterstützen wir Unternehmen bei der Gewinnung und Bindung internationaler Fachkräfte sowie Fachkräfte aus dem Ausland und deren Familien, damit sie beruflich einen guten Einstieg finden und sich hier wohlfühlen.

Unsere Erfolgsgeschichten
Bildaussage: Integration © Coloures-pic - Fotolia

06.06.2025. Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen eine Herausforderung – doch er kann auch eine Chance sein. Die Elysia Raytest GmbH aus Straubenhardt fand keine Bewerber in Deutschland und wagte den Schritt, internationale Fachkräfte einzustellen. Das Welcome Centers Nordschwarzwald gab Unterstützung, vor allem bei den Aufenthaltsrechtlichen Fragestellungen.

Unsere Erfolgsgeschichten
Stella Hahn © Stella Hahn

08.05.2025. Ein beruflicher Neustart in einem neuen Land erfordert Mut, Ausdauer und die Bereitschaft, sich auf neue Gegebenheiten einzulassen. Stella Hahn, gebürtig aus Nagold und aufgewachsen in Tansania, hat genau diesen Weg erfolgreich gemeistert - mit Hilfe des Welcome Centers Nordschwarzwald.

Unsere Erfolgsgeschichten
Erfolgreiche Bustour mit internationalen Studierenden zum Campus Schwarzwald in Freudenstadt © IHK Nordschwarzwald

April 2025. Internationale Studierende aus der Region besuchten Betriebe in Freudenstadt, um sich über Karrierechancen, Integration in den Arbeitsmarkt und Unterstützungsangebote zu informieren. Der Austausch förderte neue Perspektiven – für beide Seiten.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz
Fachräfte © Tima Miroshnichenko, Pexels.com

07.07.2023. Ein Baustein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs ist die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland. Neue Möglichkeiten der Zuwanderung aus Drittstaaten (Nicht-EU-Staaten), aber auch mehr Komplexität bieten die neuen gesetzlichen Regelungen.

Fachkräfte­ein­wanderungs­gesetz
Video: Fachkräfteeinwanderungsgesetz © IHK

Für die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland gelten je nach Herkunftsland und Qualifikation unterschiedliche Regelungen. Informationen zu den neuen Regelungen.

Für Unternehmen und Kommunen
Internationale Fachkräfte © Kampus Production, pexels.com

Das Welcome Center Nordschwarzwald informiert Unternehmen in einer Veranstaltungsreihe über Wege, internationale Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Mit Vorträgen, Diskussionen und praktischen Methoden erhalten Teilnehmende wertvolle Impulse zur erfolgreichen Fachkräftesicherung.

Für internationale Studierende und Fachkräfte
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Entdecken Sie 'International Corner' – Ihre kostenfreie Online-Plattform des welcome Centers Nordschwarzwald, speziell für internationale Fachkräfte, Studierende und Auszubildende. Unsere Expertinnen und Experten teilen wertvolle Insights zum Leben und Arbeiten in Deutschland – inklusive praxisnaher Tipps zur Verbesserung der Deutschkenntnisse im Alltag und Beruf. Jetzt anmelden!

Welcome Center Nordschwarzwald
Fachkräftesicherung

Fachkräfte-Allianz Pforzheim Nordschwarzwald gibt Kurs vor

Wichtiger Schritt zur Fachkräftesicherung im Nordschwarzwald

„Die regionale Erweiterung der Fachkräfte-Allianz ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Fachkräftesicherung in der Region Nordschwarzwald. Mit Unterstützung aller Allianzpartner gilt es, gemeinsam dem Fachkräftemangel in den Unternehmen entgegenzuwirken und das Angebot in der Region durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen. Für den Erfolg der Fachkräftesicherung sind auch die neu geschaffenen Koordinierungsstellen beim städtischen Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim, WSP, und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald, WFG, bedeutende Meilensteine“, stellte Oberbürgermeister Gert Hager fest.

Gemeinsame Koordinierungsstelle für den Nordschwarzwald

Die WFG und der WSP präsentierten die von ihnen entwickelten Maßnahmen zur Fachkräftesicherung, die von der gemeinsam betriebenen Koordinierungsstelle der Fachkräfte-Allianz umgesetzt werden. Diese wird vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg mit Landesmitteln und aus dem europäischen Sozialfonds gefördert. „Mit regionalen Fachkräfteallianzen können die Ziele der landesweiten Allianz für Fachkräfte in der Fläche erfolgreich umgesetzt werden", betonte Prof. Dr. Müller, der Leiter der Abteilung Fachkräftesicherung und Quartierspolitik des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg.

Junge Erwachsene in der Region behalten

Die regionale Fachkräftekoordinierungsstelle Pforzheim Nordschwarzwald will dazu beitragen, junge Erwachsene in der Region zu halten. Außerdem hat sie das Ziel, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken und die Bindung von Hochschulabsolventen an die Region zu verbessern. Ebenso möchte sie dazu beitragen, Auspendler für die Region zurückzugewinnen. Schlussendlich hat die Koordinierungsstelle die Aufgabe, bestehende Angebote der Allianzpartner im Fachkräftebereich aufeinander zu bündeln und aufeinander abzustimmen, um so Unternehmen, Arbeitnehmer, Arbeitsuchende, Schüler, Studenten und Auszubildende gezielter zu erreichen.
Junge Erwachsene in der Region behalten

Absolventen an Unternehmen binden

Weitere wichtige Aufgabe der Koordinierungsstelle ist die Betreuung von auf die mittelständische Wirtschaft zugeschnittenen Arbeitskreisen. In diesen werden etwal Fragen zur Aus- und Fortbildung und zur Bindung von Absolventen an die Unternehmen der Region thematisiert. Ein weiteres wichtiges Feld berührt die Frage, wie sich die Beschäftigung von Frauen ausbauen lässt.
Jens Mohrmann, Geschäftsführer der WFG, resümierte: „Mit der Fachkräfte-Allianz für die Region Nordschwarzwald stärken die Allianzpartner den regionalen Gedanken und bündeln die Angebote für die Unternehmen der Region.“

Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald koordiniert übergreifende Aufgaben

Die WFG ist sowohl für die Koordination als auch das projektübergreifende Management der regionalen Koordinierungsstelle verantwortlich. Außerdem betreut sie die Projekte, die die Landkreise Calw und Freudenstadt betreffen. Der WSP befasst sich mit den Projekten für Pforzheim und den Enzkreis. Die Fachkräfte-Allianz Pforzheim Nordschwarzwald ist aus der Fachkräfte-Allianz Pforzheim hervorgegangen und versammelt folgende Partner aus der Region als Erstunterzeichner: Die Landkreise Calw und Freudenstadt, den Enzkreis, die Stadt Pforzheim, die Hochschule Pforzheim, die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die Jobcenter der Region, die Handwerkskammer Karlsruhe, die Industrie- unds Handelskammer Nordschwarzwald (IHK), den Arbeitgeberverband Südwestmetall, die Gewerkschaften IG Metall und DGB, den Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim, die WFG Nordschwarzwald sowie die Witzenmann GmbH. Insbesondere im Bereich der Unternehmen soll die Fachkräfteallianz weiteren Zuwachs erhalten.
Quelle: Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH, Nadine Kaiser.