Nr. 74404
Volkswirtschaft und Konjunktur

Konjunktur­bericht Nord­schwarz­wald

Stabile Lage, aber kein Aufschwung: Wirtschaft im Nord­schwarz­wald bleibt vorsichtig

Die regionale Wirtschaft im Nordschwarzwald hat sich gegenüber dem Vorjahr spürbar stabilisiert. Ein tragfähiger Aufschwung bleibt jedoch aus. Zentrale Frühindikatoren wie Auftragseingänge und Geschäftserwartungen haben sich zuletzt wieder eingetrübt. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Frühsommer-Konjunkturumfrage 2026 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald.
„Die Talsohle des Vorjahres haben wir hinter uns gelassen. Aber aus Stabilisierung ist noch kein Aufschwung geworden“, betont IHK-Präsidentin Claudia Gläser. „Auftragseingänge und Erwartungen zeigen, dass die Unternehmen weiterhin sehr vorsichtig bleiben. Jetzt kommt es darauf an, aus dieser Stabilisierung wieder echte Wachstumsperspektiven zu machen.“
Rund 260 Unternehmen wurden zwischen dem 13. April und dem 30. April 2026 befragt. Die aktuelle Konjunkturumfrage ist die zweite dieses Jahres. Die erste wurde Anfang des Jahres erhoben, die dritte findet in der Regel nach den Sommerferien als Herbstumfrage statt. Mit einer Rücklaufquote von knapp 40 Prozent können die Ergebnisse der Befragung als valide und belastbar bewertet werden.
Die IHK-Konjunkturumfragen sind Teil einer bundesweiten Erhebung: Zeitgleich führen alle 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland vergleichbare Befragungen durch. Damit stützt sich das Verfahren auf zehntausende direkte Rückmeldungen aus den Unternehmen – eine einzigartige Datengrundlage, die sich klar von modellbasierten Berechnungen wirtschaftswissenschaftlicher Institute unterscheidet.

Geschäftslage stabilisiert sich im Nordschwarzwald – Erwartungen kippen wieder ins Minus

Die Wirtschaft im Nordschwarzwald hat sich vom schwachen Vorjahr gelöst, findet aber noch keinen tragfähigen Aufschwung. In der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Nordschwarzwald bleibt die Geschäftslage im Saldo leicht positiv, während Auftragseingänge und Geschäftserwartungen wieder ins Minus drehen. Besonders im produzierenden Bereich bleibt die Entwicklung zurückhaltend. Investiert wird zwar wieder etwas häufiger, aber vor allem in Ersatz und Digitalisierung – nicht in Expansion. Daneben rücken in vielen Unternehmen auch Innovationen wieder stärker in den Fokus.
Die überregionalen Konjunkturdaten senden derzeit ein gemischtes Signal. Das Statistische Bundesamt meldet für das erste Quartal 2026 ein BIP-Plus von 0,3 Prozent und für März steigende Industrieaufträge. Gleichzeitig lag die Inflationsrate im April voraussichtlich bei 2,9 Prozent, die Energiepreise sogar 10,1 Prozent über Vorjahr. Parallel dazu fiel im April der Geschäftsklimaindex des ifo Institut auf 84,4 Punkte auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Diese widersprüchliche Gemengelage spiegelt sich auch in der regionalen Wirtschaft des Nordschwarzwalds wider.

Geschäftslage

Der Saldo der aktuellen Geschäftslage liegt im Frühjahr 2026 bei +3,0 und damit nahezu auf dem Niveau des Jahresbeginns mit +3,6. Gegenüber dem Frühjahr 2025 mit -5,3 zeigt sich eine spürbare Verbesserung. Von einer breiten Erholung kann dennoch noch nicht gesprochen werden. Dafür bleibt die wirtschaftliche Dynamik insgesamt zu verhalten, insbesondere in der Industrie.
Dort liegt der Saldo der Geschäftslage aktuell bei -7,7. Damit bleibt die Lage zwar herausfordernd, zugleich zeigen sich aber erste Stabilisierungstendenzen: Der Wert hat sich gegenüber dem Jahresbeginn (-10,5) verbessert, und auch der Anteil der Unternehmen mit guter Geschäftslage ist leicht gestiegen.

Auftragseingang

Dass die Aufschwungskräfte fehlen, zeigen die Frühindikatoren. Der Auftragseingang fällt auf -8,2 zurück, nachdem er zum Jahresbeginn kurz positiv war.
In der Industrie bleibt die Auftragsentwicklung verhalten. Der Saldo liegt aktuell bei -10,7 Punkten und damit unter dem Wert vom Jahresbeginn, als noch ein ausgeglichener Saldo von 0,0 Punkten erreicht wurde. Auch gegenüber dem Frühjahr 2025 mit -4,9 Punkten hat sich die Bewertung eingetrübt. Zwar berichtet gut ein Viertel der Unternehmen von steigenden Auftragseingängen, zugleich melden jedoch mehr Betriebe rückläufige Bestellungen. Die Nachfrageentwicklung bleibt damit ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die weitere Erholung der Industrie.
„Der Blick auf die Frühindikatoren zeigt deutlich, warum wir noch nicht von einem belastbaren Aufschwung sprechen können“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub. „Der Auftragseingang fällt wieder ins Minus, und auch die Geschäftserwartungen haben sich eingetrübt. Die Unternehmen blicken trotz stabilerer Lage mit Vorsicht auf die kommenden Monate.“

Umsatz- und Ertragslage

Der Umsatzsaldo liegt im Frühjahr 2026 mit +5,9 Punkten weiterhin im positiven Bereich. Damit bleibt die Umsatzentwicklung nahezu auf dem Niveau des Jahresbeginns 2026, als der Saldo bei +6,8 Punkten lag. Gegenüber dem Frühjahr 2025 mit -20,7 Punkten zeigt sich jedoch eine deutliche Verbesserung. Auch im Vergleich zum Herbst 2025 mit -5,2 Punkten hat sich die Umsatzlage spürbar aufgehellt.
Die Ertragslage bleibt dagegen weiterhin angespannt. Der Ertragssaldo liegt aktuell bei -9,9 Punkten. Damit hat er sich zwar gegenüber dem Jahresbeginn 2026 mit -16,9 Punkten verbessert und liegt auch deutlich über dem Frühjahr 2025 mit -29,8 Punkten. Dennoch bleibt der Wert im negativen Bereich. Die Unternehmen erzielen also wieder häufiger steigende Umsätze, können diese aber noch nicht vollständig in bessere Erträge übersetzen.
„Die Umsatzentwicklung hat sich stabilisiert, doch die Erträge halten damit noch nicht Schritt“, so Traub. „Mehr Geschäft bedeutet für viele Unternehmen derzeit nicht automatisch mehr Ergebnis. Kosten, Preise und Margen bleiben zentrale Herausforderungen.“

Beschäftigungsabsichten

Auch der Beschäftigungssaldo bleibt mit -21,5 klar negativ. Das passt zur regionalen Arbeitsmarktstatistik: Im April 2026 lag die Arbeitslosigkeit im Nordschwarzwald mit 16.750 so hoch wie zuletzt im Vergleichsmonat April 2010; zugleich ging die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften zurück.

Größte Risiken

Die Risikoeinschätzung der Unternehmen im Nordschwarzwald bleibt angespannt, hat sich im Frühjahr 2026 jedoch sichtbar verschoben. Die Inlandsnachfrage zählt mit rund 68 weiterhin zu den größten Risiken, liegt aber deutlich unter dem Wert zum Jahresbeginn (83,2).
Besonders auffällig ist der starke Anstieg der wahrgenommenen Risiken durch steigende Energiepreise: Mit ebenfalls rund 68 hat sich ihre Bedeutung gegenüber dem Jahresbeginn (38,8) deutlich erhöht. Auch geopolitische Spannungen bleiben mit rund 59 ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Für die industriell geprägte Region Nordschwarzwald ist das ein wichtiges Signal, da Energie-, Rohstoff- und Beschaffungskosten unmittelbar auf Wettbewerbsfähigkeit, Margen und Investitionsentscheidungen wirken. Die Arbeitskosten bleiben mit rund 55 ebenfalls ein relevanter Belastungsfaktor.
Insgesamt zeigt sich: Die größten Risiken ergeben sich derzeit aus der Kombination von verhaltener Nachfrage, hohem Kostendruck und außenwirtschaftlicher Unsicherheit.

Investitionsabsichten

Die Investitionsabsichten der Unternehmen hellen sich im Frühjahr 2026 leicht auf, bleiben aber insgesamt verhalten. Der Saldo verbessert sich von -13,3 zum Jahresbeginn auf aktuell -6,7. Gegenüber dem Frühjahr 2025 (-22,1) ist das eine spürbare Verbesserung, dennoch liegt der Wert weiterhin im negativen Bereich.
Die Investitionsmotive zeigen, dass viele Unternehmen vor allem absichernd investieren: Der Ersatzbedarf steht mit 65,8 klar im Vordergrund, gefolgt von Digitalisierung mit 45,2. Dagegen bleiben Kapazitätserweiterung, Innovation und Expansion mit 16,4 deutlich zurück. Das spricht für eine vorsichtige Investitionshaltung.
„Die Unternehmen investieren vor allem, um leistungsfähig zu bleiben – noch nicht, um kräftig zu wachsen“, sagt Traub. „Das zeigt, wie zurückhaltend die Erwartungen derzeit noch sind.“

Geschäftserwartungen

Die Geschäftserwartungen der Unternehmen im Nordschwarzwald haben sich im Frühjahr 2026 wieder eingetrübt. Der Gesamtsaldo fällt von +7,0 zum Jahresbeginn auf -6,6.
Damit ist die vorsichtige Zuversicht vom Jahresbeginn einer zurückhaltenderen Einschätzung gewichen. Besonders die Entwicklung in der Industrie belastet den Gesamtwert: Dort sinkt der Erwartungssaldo deutlich von +16,0 auf -14,2. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen zwar eine stabilere Ausgangslage sehen als im Vorjahr, für die kommenden Monate aber noch keine durchgreifende Belebung erwarten. Die Unsicherheit über Nachfrage, Kostenentwicklung und (außen-)wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleibt hoch.

Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen

Das Branchenbild bleibt uneinheitlich.

Dienstleistungen

Die Dienstleistungen sind mit einem Geschäftslagesaldo von +22,1 weiterhin der wichtigste Stabilisator der regionalen Wirtschaft. Allerdings verliert auch dieser Bereich gegenüber dem Jahresbeginn an Dynamik; die Erwartungen liegen mit -1,1 bereits leicht im negativen Bereich.

Handel

Der Handel sendet derzeit das konstruktivste Branchensignal. Die aktuelle Lage verbessert sich aus einer schwachen Ausgangsbasis heraus auf 0,0, nach -11,8 zum Jahresbeginn und -22,2 im Frühjahr 2025. Zugleich drehen die Erwartungen mit +6,3 ins Plus. Das deutet darauf hin, dass sich im Handel vorsichtig wieder mehr Zuversicht bildet.

Produzierendes Gewerbe

Der produzierende Bereich bleibt dagegen der neuralgische Punkt. Die aktuelle Lage liegt mit -7,7 weiterhin im negativen Bereich. Für eine produktionsstarke Region wie den Nordschwarzwald ist das besonders relevant, weil von der Industrie normalerweise wichtige Impulse für Zulieferer, Dienstleister und Investitionen ausgehen. Bleibt dieser Impuls aus, fehlt der Region ein zentraler Treiber für einen breiteren Aufschwung.

Hotel- und Gastgewerbe

Das Hotel- und Gastgewerbe weist mit +9,1 zwar weiterhin positive Geschäftslagewerte auf, liegt aber deutlich unter dem sehr starken Jahresbeginn mit +46,7. Bei den Erwartungen bleibt der Saldo mit -8,3 zwar negativ, hat sich gegenüber dem Jahresbeginn mit -26,7 jedoch spürbar verbessert. Das bedeutet: Die Branche bewertet ihre aktuelle Lage weiterhin vergleichsweise positiv, blickt aber noch vorsichtig auf die kommenden Monate. Zugleich fällt der Ausblick weniger pessimistisch aus als zu Jahresbeginn. Von einer echten Aufbruchsstimmung kann daher noch nicht gesprochen werden, wohl aber von einer gewissen Stabilisierung der Erwartungen.

Wirtschaftspolitische Einordnung

Angesichts der anhaltenden Unsicherheit erwartet die regionale Wirtschaft von der neuen Landesregierung in Baden-Württemberg nun konkrete wirtschaftspolitische Impulse. Beschleunigte Genehmigungen, weniger Bürokratie, verlässliche Energiepolitik und bessere Investitionsbedingungen sind aus Sicht der Unternehmen dringlicher denn je.
Gleichzeitig entstehen neue Chancen: Das seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewandte Interimsabkommen der Europäische Union mit dem Mercosur eröffnet gerade für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und industrielle Güter zusätzliche Marktchancen. Dazu muss der Standort jedoch wettbewerbsfähig bleiben, um die Chancen nutzen zu können. Hier ist die Politik gefordert: „Die Ergebnisse sind ein klarer Auftrag an die Politik“, betont IHK-Präsidentin Gläser. „Die Unternehmen brauchen schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen. Nur dann kann der Nordschwarzwald seine Chancen nutzen und aus Stabilisierung wieder Wachstum machen.“
2025

Konjunktur­bericht Nord­schwarz­wald (Archiv, Herbst 2025)

ZUM AKTUELLEN KONJUNKTURBERICHT JARHESBEGINN 2026

Geduld und Zuversicht sind gefragt

Pforzheim, 10.11.2025. Im Frühsommer hieß es noch: „Weiter warten auf den Aufschwung – am Tunnelende schimmert Licht.“ Vier Monate später bleibt die Lage angespannt – doch das Licht am Ende des Tunnels wird heller. Zwar zeigen die jüngsten innenpolitischen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf Bundesebene noch keine unmittelbare Wirkung, die Hoffnung auf Besserung der Wirtschaftsakteure ist aber weiterhin da. Während die aktuelle Geschäftslage im Nordschwarzwald leicht negativ bewertet wird, sind zumindest die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate wieder positiv – das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald im Herbst 2025.
„Die Herausforderungen bleiben groß und von Entspannung kann noch keine Rede sein“ , betont Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald. „Doch viele Unternehmen zeigen bemerkenswerte Zuversicht – und wir stehen an ihrer Seite.“

Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Herbst 2025

Die IHK Nordschwarzwald hat im Herbst rund 300 regionale Unternehmen zur deren wirtschaftlichen Situation befragt. Fast 24 Prozent davon berichten derzeit von einer guten Geschäftslage, verglichen mit 18 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der Unternehmen, die von einer befriedigenden Geschäftslage sprechen, ist mit 52 Prozent weiterhin hoch (Herbst 2024: 53 Prozent). Etwas über 24 Prozent nehmen eine schlechte Geschäftslage wahr, sodass ein Saldo von Minus 0,5 festzustellen ist. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei Minus 10,9.
„Wir befinden uns seit nunmehr drei Jahren in einer strukturell angespannten Lage ohne Wachstum. Insofern sind die Werte relativ zu sehen. Einige Unternehmen gaben bereits bei den letzten Erhebungen an, dass die Geschäftslage schlecht oder nur befriedigend sei“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub.

Weiterhin bleibt die Hoffnung für das Frühjahr 2026

„Neben der Geschäftslage blicken wir für die Frage nach dem Aufschwung auf die Auftragseingänge und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Und da müssen wir feststellen: Es heißt weiter warten und frühestens nach dem Jahreswechsel werden sich spürbare Verbesserungen einstellen“, so Traub.
Nur 17 Prozent der Unternehmen sehen derzeit steigende Auftragseingänge, wobei der Wert im Vorjahreszeitraum mit 9 Prozent noch deutlich schlechter war. 50 Prozent erwarten eine gleichbleibende Auftragslage (Herbst 2024: 52 Prozent). 33 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Damit liegt der Saldo bei Minus 16, vor einem Jahr war er bei Minus 30. Hinsichtlich der Investitionen in den nächsten zwölf Monaten erwarten nur zwölf Prozent zunehmende Investitionen, 47 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Investitionsvolumen aus und 16 von einem abnehmenden. Das ergibt einen Saldo von Minus 13 und damit zwei Punkte schlechter als vor einem Jahr, aber neun Punkte besser als bei der letzten Erhebung im Frühsommer 2025.
Positiv stimmen die Geschäftserwartungen: Gut 24 Prozent gehen von sich verbessernden Geschäften aus, 18 von sich verschlechternden – ein Saldo von Plus sechs Prozent, der einem Wert von Minus 11,5 Prozent aus dem Vorjahreszeitraum gegenübersteht. Und das gilt für die Branche der Industrie erst recht: Hier liegt der Saldo im Herbst 2025 bei Plus 10,5 Prozent, vor einem Jahr lag der Wert bei Minus 26 Prozent.
„Die Region Nordschwarzwald ist eine produktionsstarke Wirtschaftsregion. Deshalb stimmen diese Zahlen zuversichtlicher“, so IHK-Präsidentin Gläser.

Wettbewerbsfähigkeit erfordert zügige Reformen bei den Arbeitskosten

„Die weltpolitische Lage bleibt instabil, dass sehen wir auch an den Exportzahlen. Umso wichtiger waren die entschlossenen und die gut sichtbaren Schritte der Bundesregierung zurück aufs europäische beziehungsweise internationale Parkett“, sagt Tanja Traub.
17 Prozent der hiesigen Unternehmen erwarten steigende Exporte. Das waren im Vorjahreszeitraum 26 Prozent, wobei im Herbst 2024 rund 36 Prozent gleichbleibende und 37 Prozent fallende Exporte angaben. Im Herbst 2025 geben 69 Prozent gleichbleibende und 13 Prozent fallende Exporterwartungen an. Damit ist der Saldo nach Minus elf Prozent im Vorjahr mit vier Prozent nunmehr wieder im positiven Bereich.
„Diese Zahlen sind weiterhin keine guten – da sie auf niedrigem Niveau sind. Wir sind eine Exportnation und die Geschäftsmodelle und Lieferketten vieler unserer Unternehmen im Nordschwarzwald sind auf internationale Absatzmärkte ausgerichtet. Hemmnis neben der weltpolitisch unberechenbaren Lage ist auch der Reformstau, der die Arbeitskosten hochtreibt. Dieser muss nun angegangen und aufgelöst werden. Die Bundesregierung muss jetzt den angekündigten Kurswechsel kraftvoll umsetzen“, betont IHK-Präsidentin Claudia Gläser.

Zahlen zu den Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind eindeutig

Dementsprechend führen in der regionalen Konjunkturbefragung die verhaltene Inlandsnachfrage (75,5 Prozent) und die gestiegenen Arbeitskosten (63 Prozent) deutlich die Liste der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen an. Auf Platz drei der zehn Risikokategorien liegt die Angabe „geopolitische Spannungen“ mit 50 Prozent.
„Unser Blick geht nach vorne. Gleichwohl ist doch positiv, dass wir auch entlang dieser Zahlen sehen, dass es eindeutige innenpolitische Hausaufgaben für die Politik gibt, die angegangenen werden können, aber eben auch müssen. Sofern sich diese Erkenntnis nun auch im politisch linkeren Spektrum durchsetzen sollte, kann es mit unserem Wirtschaftsstandort auch wieder schneller nach oben gehen“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub abschließend.

Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen

Verarbeitendes Gewerbe

18 Prozent der Industrieunternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 9 Prozent), 51 von einer befriedigenden, 31 Prozent von einer schlechten. Die Werte des Vorjahres waren hier 46 beziehungsweise 44 Prozent. 21 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, 21 Prozent von gleichbleibenden, 57 Prozent von gefallenen. Die Werte im Vorjahreszeitraum (Herbst 2024) waren: 16, 15 und 69 Prozent.
Die Ertragslage bewerten 16 Prozent als gut, 45 als befriedigend und 39 Prozent als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren: 7, 44 und 48.

Gastgewerbe

Im Tourismusgewerbe der Region trübte sich die Lage – nach guten Werten bei den vorherigen Erhebungen – in den letzten Monaten etwas ein: 23 Prozent bewerten die Geschäftslage als positiv (Vorjahreszeitraum: 50 Prozent), 54 Prozent sehen sie als befriedigend (Herbst 2024: 42 Prozent), nunmehr knapp 23 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 8 Prozent). 25 Prozent stellen wachsende Umsatzzahlen fest (Herbst 2024: 17 Prozent), 33 Prozent geben gefallene Umsätze an (Herbst 2024: 42 Prozent). 23 Prozent bewerten die Ertragslage als gut, 39 als befriedigend, 38 als schlecht (Vorjahreszeitraum: 30, 31 und 39 Prozent).

Handel & Dienstleistungen

30 Prozent sehen im Bereich Handel und Dienstleistungen eine gute Geschäftslage, 53 Prozent bewerten sie als befriedigend, 17 als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren 27, 61 und zwölf Prozent. Gestiegene Umsätze verbuchen immerhin 39 Prozent, bei 31 Prozent bleiben sie gleich, 30 Prozent sehen fallenden Umsätze. Im Herbst 2024 waren auch diese Werte mit 29, 41 und 30 Prozent etwas schlechter.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: nur 14 Prozent sehen eine gute, 63 Prozent eine befriedigende und 23 Prozent eine schlechte Ertragslage. Im Herbst 2024 lagen die Werte bei 16, 49 und 35 Prozent.
Allgemeine Wirtschaftspolitik

IHK im Austausch mit der Landespolitik: Gemeinsam für einen starken Wirtschafts­standort

Die Wirtschaft im Nordschwarzwald steht unter Druck und braucht dringend andere Rahmenbedingungen. Diese zentrale Erkenntnis prägte das „Wirtschaftspolitische Jahresgespräch" der IHK Nordschwarzwald, das im IHK-Haus in Pforzheim stattfand. IHK-Präsidentin Claudia Gläser machte es deutlich: „Der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg leidet – das spüren wir auch hier im Nordschwarzwald.“ Als Gastredner konnte die IHK den Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Manuel Hagel MdL, gewinnen.

Wirtschaftslage ernst – IHK fordert klare Perspektiven

Pforzheim, 10.02.2025. Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald, Tanja Traub, führte mit den aktuellen Ergebnissen der regionalen Konjunkturbefragung in die Diskussion ein: „Seit zwei Jahren geht es abwärts. Die Stagnation ist einer Rezession gewichen.“ Nur 24 Prozent der Unternehmen im Nordschwarzwald bewerteten ihre Geschäftslage im Januar 2025 als gut, während 19 Prozent sie als schlecht und 57 Prozent als befriedigend einstuften – und das vor dem Hintergrund einer anhaltenden Abwärtsbewegung. Besonders problematisch seien die hohen Arbeitskosten und die schwache Inlandsnachfrage.
Manuel Hagel nahm diese Herausforderungen direkt auf: „Eine gute Zukunft für unser Land gibt es nur, wenn es der Wirtschaft gut geht.“ Er betonte, dass es klare Investitionsschwerpunkte in Bildung, Forschung und Infrastruktur brauche, um Baden-Württemberg als Innovationsstandort zu stärken. Zudem sprach er sich für Technologieoffenheit im Energiesektor aus und forderte die Rückkehr zu mehr Eigenverantwortung des Einzelnen und die Entfesselung des Unternehmertums, um die Chancen auch jüngerer Unternehmen im internationalen Vergleich zu erhöhen und Unternehmensnachfolgen wieder attraktiver zu machen.

Bürokratieabbau als zentrales Anliegen

Das Top-Thema des Abends waren die Vermeidung und der Abbau von Bürokratie. IHK-Präsidentin Gläser brachte es deutlich auf den Punkt: „Man könnte sich täglich über neue Auflagen und Berichtspflichten ärgern.“ IHK-Vizepräsident Patrick Stöber kritisierte: „Im Vergleich mit den Vereinigten Staaten sind wir einfach zu langsam. In Deutschland werden oft noch zusätzliche bürokratische Hürden geschaffen. Wir legen auf die europäischen Vorgaben immer noch was drauf“. Sein Vizepräsidenten-Kollege Jan Weber forderte beispielsweise eine Reform der Landesbauordnung zur Schaffung von mehr Wohnraum sowie grundsätzlich eine Überprüfung der Verwaltungseffizienz. „Aus meiner Sicht ist das föderale Verwaltungssystem kaum noch reformierbar. Es fehlt der Politik der Mut, einfach mal eine Regelungslücke zuzulassen. Um die Verwaltungspraxis wirtschaftsfreundlicher zu gestalten, brauchen wir eine Jahrhundertreform“, so Weber.
Erstaunlich deutlich zeigte sich hier auch Manuel Hagel: „Ich kann mir sogar die Abschaffung von Verwaltungsebenen vorstellen, um die Verwaltung übersichtlicher und effizienter aufzustellen.“ Und er gab konkrete Beispiele für die Erzielung von mehr Verwaltungseffizienz. In Zusammenarbeit mit zwei baden-württembergischen IT-Unternehmen, die grundsätzlich gerne für ein großes Pilotprojekt bereitstünden, könne eine zentrale Anlaufstelle für den sicheren Austausch von Daten geschaffen werden, eine „One-Stop-Agency“. „Wir verlangen von Unternehmen wie Bürgern zum Teil drei oder fünf Mal die gleichen Daten von unterschiedlicher Stelle; und dann dürfen und können staatliche Stellen die Daten einander nicht direkt zur Verfügung stellen, das versteht doch kein Mensch. Das muss einfacher gehen“, so Hagel. Hier passiere zu wenig, obwohl die Zustimmung und Dokumentation bei erfolgtem Datenaustausch einfach sicherzustellen wären – „auf baden-württembergischen Servern mit baden-württembergischer Software“ – ging er bei diesem Vorschlag weiter ins Detail. „Da braucht keiner Angst haben. Wir könnten als Land Vorreiter werden und auch für die höheren politischen Ebenen Beispiel geben“, so Hagel. Mit diesem und weiteren Lösungsansätzen erntete der Landespolitiker großen Zuspruch.

Fazit: Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam anpacken

„Das Wirtschaftspolitische Jahresgespräch zeigte eindrucksvoll, dass der Dialog zwischen Wirtschaft und Politik wichtiger denn je ist. Dabei soll es nicht nur um Kritik gehen, sondern auch um konstruktive Lösungswege aus der Krise. Die IHK Nordschwarzwald bleibt weiter am Ball, um die Interessen der regionalen Unternehmen zu vertreten und konkrete Verbesserungen zu erwirken“, fasste es Claudia Gläser zusammen. „Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr Innovationsförderung und eine vorausschauende Standortpolitik – nur so bleibt Baden-Württemberg wettbewerbsfähig“, schloss die IHK-Präsidentin.
Das Wirtschaftspolitische Jahresgespräch wurde von Dr. Julia Hagel moderiert.

Herzlich Willkommen im Nordschwarzwald!

Das Welcome Center steht für gelebte Willkommenskultur in der Region Nordschwarzwald. Als Lotse und Erstberater unterstützen wir Unternehmen bei der Gewinnung und Bindung internationaler Fachkräfte sowie Fachkräfte aus dem Ausland und deren Familien, damit sie beruflich einen guten Einstieg finden und sich hier wohlfühlen.

Unsere Erfolgsgeschichten
Willkommen im Team

06.06.2025. Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen eine Herausforderung – doch er kann auch eine Chance sein. Die Elysia Raytest GmbH aus Straubenhardt fand keine Bewerber in Deutschland und wagte den Schritt, internationale Fachkräfte einzustellen. Das Welcome Centers Nordschwarzwald gab Unterstützung, vor allem bei den Aufenthaltsrechtlichen Fragestellungen.

Unsere Erfolgsgeschichten
Stella Hahn © Stella Hahn

08.05.2025. Ein beruflicher Neustart in einem neuen Land erfordert Mut, Ausdauer und die Bereitschaft, sich auf neue Gegebenheiten einzulassen. Stella Hahn, gebürtig aus Nagold und aufgewachsen in Tansania, hat genau diesen Weg erfolgreich gemeistert - mit Hilfe des Welcome Centers Nordschwarzwald.

Unsere Erfolgsgeschichten
Erfolgreiche Bustour mit internationalen Studierenden zum Campus Schwarzwald in Freudenstadt © IHK Nordschwarzwald

April 2025. Internationale Studierende lernen Unternehmen im Landkreis Freudenstadt kennen und erhalten Einblicke in Karriere- und Einstiegsmöglichkeiten. Der Betriebsbesuch fördert den Austausch zwischen regionalen Arbeitgebern und internationalen Fachkräften von morgen.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz
Fachräfte © Tima Miroshnichenko, Pexels.com

07.07.2023. Ein Baustein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs ist die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland. Neue Möglichkeiten der Zuwanderung aus Drittstaaten (Nicht-EU-Staaten), aber auch mehr Komplexität bieten die neuen gesetzlichen Regelungen.

Fachkräfte­ein­wanderungs­gesetz
Video: Fachkräfteeinwanderungsgesetz © IHK

Für die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland gelten je nach Herkunftsland und Qualifikation unterschiedliche Regelungen. Informationen zu den neuen Regelungen.

Für Unternehmen und Kommunen
Internationale Fachkräfte © Kampus Production, pexels.com

Die Veranstaltungsreihe des Welcome Centers Nordschwarzwald unterstützt Unternehmen und Kommunen dabei, internationale Fachkräfte erfolgreich zu gewinnen und langfristig zu binden. Praxisnahe Vorträge, Diskussionen und Best-Practice-Beispiele vermitteln Wissen zu Rekrutierung, Integration, Onboarding und Fachkräfteeinwanderung.

Für internationale Studierende und Fachkräfte
Bilder-02 © Zambrano

Entdecken Sie 'International Corner' – Ihre kostenfreie Online-Plattform des welcome Centers Nordschwarzwald, speziell für internationale Fachkräfte, Studierende und Auszubildende. Unsere Expertinnen und Experten teilen wertvolle Insights zum Leben und Arbeiten in Deutschland – inklusive praxisnaher Tipps zur Verbesserung der Deutschkenntnisse im Alltag und Beruf. Jetzt anmelden!

Welcome Center Nordschwarzwald
Fachkräftesicherung

Fachkräfte-Allianz Pforzheim Nordschwarzwald gibt Kurs vor

Wichtiger Schritt zur Fachkräftesicherung im Nordschwarzwald

„Die regionale Erweiterung der Fachkräfte-Allianz ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Fachkräftesicherung in der Region Nordschwarzwald. Mit Unterstützung aller Allianzpartner gilt es, gemeinsam dem Fachkräftemangel in den Unternehmen entgegenzuwirken und das Angebot in der Region durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen. Für den Erfolg der Fachkräftesicherung sind auch die neu geschaffenen Koordinierungsstellen beim städtischen Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim, WSP, und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald, WFG, bedeutende Meilensteine“, stellte Oberbürgermeister Gert Hager fest.

Gemeinsame Koordinierungsstelle für den Nordschwarzwald

Die WFG und der WSP präsentierten die von ihnen entwickelten Maßnahmen zur Fachkräftesicherung, die von der gemeinsam betriebenen Koordinierungsstelle der Fachkräfte-Allianz umgesetzt werden. Diese wird vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg mit Landesmitteln und aus dem europäischen Sozialfonds gefördert. „Mit regionalen Fachkräfteallianzen können die Ziele der landesweiten Allianz für Fachkräfte in der Fläche erfolgreich umgesetzt werden", betonte Prof. Dr. Müller, der Leiter der Abteilung Fachkräftesicherung und Quartierspolitik des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg.

Junge Erwachsene in der Region behalten

Die regionale Fachkräftekoordinierungsstelle Pforzheim Nordschwarzwald will dazu beitragen, junge Erwachsene in der Region zu halten. Außerdem hat sie das Ziel, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken und die Bindung von Hochschulabsolventen an die Region zu verbessern. Ebenso möchte sie dazu beitragen, Auspendler für die Region zurückzugewinnen. Schlussendlich hat die Koordinierungsstelle die Aufgabe, bestehende Angebote der Allianzpartner im Fachkräftebereich aufeinander zu bündeln und aufeinander abzustimmen, um so Unternehmen, Arbeitnehmer, Arbeitsuchende, Schüler, Studenten und Auszubildende gezielter zu erreichen.
Junge Erwachsene in der Region behalten

Absolventen an Unternehmen binden

Weitere wichtige Aufgabe der Koordinierungsstelle ist die Betreuung von auf die mittelständische Wirtschaft zugeschnittenen Arbeitskreisen. In diesen werden etwal Fragen zur Aus- und Fortbildung und zur Bindung von Absolventen an die Unternehmen der Region thematisiert. Ein weiteres wichtiges Feld berührt die Frage, wie sich die Beschäftigung von Frauen ausbauen lässt.
Jens Mohrmann, Geschäftsführer der WFG, resümierte: „Mit der Fachkräfte-Allianz für die Region Nordschwarzwald stärken die Allianzpartner den regionalen Gedanken und bündeln die Angebote für die Unternehmen der Region.“

Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald koordiniert übergreifende Aufgaben

Die WFG ist sowohl für die Koordination als auch das projektübergreifende Management der regionalen Koordinierungsstelle verantwortlich. Außerdem betreut sie die Projekte, die die Landkreise Calw und Freudenstadt betreffen. Der WSP befasst sich mit den Projekten für Pforzheim und den Enzkreis. Die Fachkräfte-Allianz Pforzheim Nordschwarzwald ist aus der Fachkräfte-Allianz Pforzheim hervorgegangen und versammelt folgende Partner aus der Region als Erstunterzeichner: Die Landkreise Calw und Freudenstadt, den Enzkreis, die Stadt Pforzheim, die Hochschule Pforzheim, die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die Jobcenter der Region, die Handwerkskammer Karlsruhe, die Industrie- unds Handelskammer Nordschwarzwald (IHK), den Arbeitgeberverband Südwestmetall, die Gewerkschaften IG Metall und DGB, den Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim, die WFG Nordschwarzwald sowie die Witzenmann GmbH. Insbesondere im Bereich der Unternehmen soll die Fachkräfteallianz weiteren Zuwachs erhalten.
Quelle: Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH, Nadine Kaiser.