IHK-Umfrage: NRW-Unternehmen erwarten europäische Geschlossenheit im Wettbewerb mit China

China bleibt für die lippische Wirtschaft ein wichtiger Handelspartner. Rund 120 Unternehmen in Lippe unterhalten Geschäftsbeziehungen in die Volksrepublik, etwa 100 davon sind im Import- und Exportgeschäft aktiv. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen. Das zeigt die NRW-Auswertung einer aktuellen bundesweiten IHK-Umfrage, an der sich auch Unternehmen aus Lippe beteiligt haben.
Demnach nehmen 76 Prozent der befragten Unternehmen aus NRW eine wachsende Konkurrenz aus China wahr. Unter den Unternehmen mit China-Geschäft liegt dieser Anteil sogar bei rund 90 Prozent.
„Viele Unternehmen sind auf chinesische Vorprodukte, Produkte oder Rohstoffe angewiesen und stehen gleichzeitig in einem immer stärkeren Wettbewerb mit chinesischen Anbietern“, sagt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW. China ist 2025 der zweitwichtigste Importpartner Nordrhein-Westfalens.
Gleichzeitig sehen die Unternehmen Herausforderungen am heimischen Standort. Neben dem internationalen Wettbewerb werden insbesondere Bürokratie, langwierige Genehmigungsverfahren sowie hohe Energie- und Arbeitskosten als Belastung genannt.

Mehrheit fordert gemeinsames Handeln der EU

Vor diesem Hintergrund sprechen sich viele Unternehmen für ein geschlossenes europäisches Vorgehen aus. 73 Prozent der Befragten halten eine gemeinsame und koordinierte Außenwirtschaftspolitik der Europäischen Union für wichtig. 64 Prozent befürworten zudem Maßnahmen, um strategische Abhängigkeiten von China zu reduzieren.
„Die EU sollte geschlossen auftreten, einseitige Abhängigkeiten verringern und gegen nachweisbare Wettbewerbsverzerrungen wirksam vorgehen“, betont Mittelstädt.
Für zahlreiche Unternehmen bleibt China jedoch ein wichtiger Absatz-, Beschaffungs- und Innovationsmarkt. „Kooperation, wo sie möglich ist, und Durchsetzungsfähigkeit, wo sie notwendig wird“, beschreibt Ralf Schlindwein, fachpolitischer Sprecher für Außenwirtschaft bei IHK NRW, den gewünschten Kurs.

Bereitschaft für entschlosseneres Vorgehen

Die Umfrage zeigt zudem, dass 59 Prozent der Unternehmen handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen unterstützen würden, selbst wenn ihr eigenes Unternehmen dadurch Nachteile hätte.
Bei den konkreten Instrumenten fällt das Meinungsbild differenziert aus: Rund ein Drittel der Befragten spricht sich für stärkere Handelsschutzmaßnahmen aus, während knapp ein Viertel den Abbau von Handels- und Investitionshürden als geeigneten Weg ansieht.
Nach Einschätzung von IHK NRW schließen sich diese Ansätze nicht aus. Ziel müsse es sein, europäische Interessen zu schützen und gleichzeitig den Zugang zu internationalen Märkten zu verbessern.

Hintergrund

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der Industrie- und Handelskammern. An der Umfrage, die vom 20. Juli bis zum 10. August 2026 durchgeführt wurde, beteiligten sich bundesweit 1.325 Unternehmen, darunter 248 aus Nordrhein-Westfalen.