Presse und Kommunikation
Nr. 7148388
DIHK-Ausbildungsumfrage 2026

Betriebe bleiben trotz widriger Umstände am Ball

Dillenburg, 13.08.2026 – Die Unternehmen schätzen die Qualität und Attraktivität der dualen Ausbildung, das zeigt einmal mehr die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026. Dass derzeit dennoch mehr IHK-Betriebe ihr Lehrstellenangebot verringern müssen als ausbauen können, hat konjunkturelle, aber auch strukturelle Gründe.
Die Online-Erhebung, an der sich rund 14.000 Unternehmen beteiligt haben, zeichnet ein differenziertes Bild: Einerseits behindern wirtschaftliche Unsicherheit und Faktoren wie Kompetenzmängel bei Schulabgängern oder das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum das Ausbildungsgeschehen, während auf dem Arbeitsmarkt dringend qualifizierte Fachkräfte benötigt werden. Andererseits belegt die Umfrage, dass die Betriebe zur dualen Ausbildung stehen und mit großer Mehrheit ihre Absolventen in Beschäftigung übernehmen.
Dr. Gerd Hackenberg, Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Lahn-Dill meint: „Die duale Berufsausbildung ist und bleibt der beste Start ins Berufsleben. Sie schafft gerade in unsicheren Zeiten eine solide Grundlage für sichere Beschäftigung und gute Entwicklungsperspektiven. Auch wenn die Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz mehr Einsatz erfordern kann und die Anforderungen an ausbildende Betriebe hoch sind, lohnt sich das Engagement für beide Seiten: für junge Menschen ebenso wie für die Unternehmen.“

Angebot an Ausbildungsstellen unter Druck

Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 zeigt erneut, dass IHK-Ausbildungsbetriebe angesichts heftigen Gegenwinds ihr Angebot an Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr häufiger reduzieren als es zu erhöhen. Sechs Jahre ohne faktisches Wirtschaftswachstum sowie der Mangel an passenden Bewerberinnen und Bewerbern schlagen durch: 29 Prozent der Betriebe bieten weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr an, während nur 13 Prozent ihr Angebot erweitern.
Die erwartete wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe hat dabei einen starken Einfluss auf ihr Angebot an Ausbildungsstellen: Rund vier von zehn Betrieben mit negativen Geschäftserwartungen geben an, Ausbildungsstellen zu reduzieren – im Vergleich zu 26 Prozent der Betriebe mit positiven Geschäftserwartungen.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen strukturelle Ausbildungshindernisse, vor allem einen Mangel an Grundkompetenzen von Schulabsolventinnen und -absolventen. Jeder vierte Betrieb, der weniger Ausbildungsstellen anbietet, nennt den Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern als Grund. Jeder fünfte begründet dies mit schlechten Erfahrungen mit Auszubildenden.
Der Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern (37 Prozent) und schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden (27 Prozent) sind die häufigsten Gründe, warum einige Betriebe gar nicht mehr ausbilden.

Besetzungsprobleme bleiben auf Rekordniveau

Obwohl Betriebe tendenziell ihr Angebot an Ausbildungsstellen reduzieren, zeigen sich konstant hohe Besetzungsprobleme auf Rekordniveau. Rund jeder zweite Betrieb konnte im Jahr 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Seit 2015 ist der Anteil der Betriebe mit Besetzungsproblemen von 31 Prozent auf 49 Prozent gestiegen – also um deutlich mehr als die Hälfte.
Betriebe hätten noch größere Besetzungsprobleme, wenn sie nicht angesichts der zahlreichen Ausbildungshindernisse ihr Angebot an Ausbildungsplätzen zurückfahren müssten. Das zentrale Besetzungsproblem bleibt dabei die Passung ("Matching") zwischen Nachfrage und Angebot – also qualifikatorische, regionale und berufliche Passungsprobleme.
Die Ergebnisse bestätigen ein Muster: Während sich der Mangel an Bewerbungen in den vergangenen vier Jahren etwas abgeschwächt hat, bleibt der Mangel an geeigneten Bewerbungen das mit Abstand größte Besetzungshindernis. Rund zwei Drittel der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten geben dies als Hürde an. Dies ist ein klarer Indikator für qualifikatorische Passungsprobleme – neben den immer häufiger genannten Vertragslösungen kurz nach Ausbildungsstart.

Große Mehrheit der Betriebe übernimmt alle Auszubildenden

Trotz der Wirtschaftskrise, der hohen Standortkosten und der geopolitischen Krisen übernehmen weiterhin vier von fünf Betrieben mindestens 75 Prozent ihrer Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen und rund zwei Drittel der Betriebe alle. 84 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen bei zukünftigen weiteren Qualifizierungen unterstützen. Das zeigt, dass junge Menschen mit einer dualen Ausbildung weiterhin sehr gute Berufs- und Karriereaussichten haben.
Weitere Informationen sowie die vollständigen Ergebnisse der DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 sind hier online abrufbar.
Dr.Gerd Hackenberg

Leitung | Aus- und Weiterbildung