Regionale Kompetenzen für sicherheitsrelevante Lieferketten nutzen
Burbach/Siegen/Dillenburg. Welche Leistungen können Unternehmen aus der Region für sicherheitsrelevante Lieferketten erbringen und welche Voraussetzungen müssen sie dafür erfüllen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der vierte Sicherheitsdialog auf dem Siegerland-Flughafen. Knapp 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung der IHK Lahn-Dill, der IHK Siegen und der Siegerland-Flughafen GmbH.
Im Mittelpunkt standen konkrete Bedarfe bei der Instandhaltung militärischer Fahrzeuge sowie mögliche Anknüpfungspunkte für mittelständische Unternehmen. Auch Betriebe, die sich bislang nicht der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zurechnen, können über geeignete Fertigungs- und Reparaturkompetenzen verfügen. Dazu zählen beispielsweise die Herstellung von Ersatzteilen, die Reparatur von Baugruppen, technische Dienstleistungen und die Instandsetzung von Fahrzeugen.
Zivile Unternehmen sichern Instandhaltung
Sascha Franz, Geschäftsführer der HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH, machte deutlich, dass es nicht allein auf die Zahl der vorhandenen Fahrzeuge ankommt. Entscheidend ist, wie viele davon tatsächlich verfügbar sind. Dafür braucht es Ersatzteile, Reparaturkapazitäten und verlässliche Abläufe. Rund zwei Drittel des von der HIL gesteuerten Instandhaltungsvolumens werden bereits von zivilen Auftragnehmern übernommen. Gesucht werden unter anderem spezialisierte Fertigungskompetenzen, technische Dienstleistungen, Ersatzteile, Baugruppen und Instandsetzungsleistungen. Ein Markteintritt setzt jedoch voraus, dass das eigene Leistungsangebot zu einem konkreten Bedarf passt und die geforderten Standards nachweisbar erfüllt werden.
„Diese Befunde beschreiben ein Potenzial. Sie bedeuten nicht, dass die betreffenden Unternehmen bereits in diesem Markt tätig sind. Aus einem Potenzial wird erst dann eine belastbare Leistung, wenn ein Unternehmen seine Kompetenz so konkret beschreibt, dass ein möglicher Auftraggeber sie prüfen kann“, sagte Dietmar Persch, Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill.
Anforderungen realistisch prüfen
Dr. Klemens Gaida von der 1stMOVER Management Consulting GmbH zeigte, wie Unternehmen ihre Ausgangslage bewerten und mögliche Zugänge zum Sicherheits- und Verteidigungsmarkt einordnen können. Michael Gahler, Mitglied des Europäischen Parlaments, ergänzte die europäische Perspektive. Im anschließenden Gespräch ging es auch um die Frage, welche politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Bedingungen erfüllt sein müssen, damit industrielle Fähigkeiten wirksam genutzt werden können.
Der Sicherheitsdialog machte deutlich: Technisches Können ist eine wesentliche Voraussetzung, reicht allein aber nicht aus. Hinzukommen müssen dokumentierte Qualität, verlässliche Lieferfähigkeit, geeignete betriebliche Prozesse und die Bereitschaft, sich mit vergaberechtlichen Anforderungen auseinanderzusetzen.
IHK schafft Orientierung und bringt Akteure zusammen
Die Rückmeldungen aus dem Teilnehmerkreis fielen durchweg positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die Themenwahl, der Praxisbezug der Vorträge und der Siegerland-Flughafen als Veranstaltungsort. Für die drei Kooperationspartner bestätigt die Resonanz den Bedarf an verlässlicher Orientierung und direktem Austausch zwischen Unternehmen, möglichen Auftraggebern und politischen Entscheidungsträgern. Organisiert und moderiert wurde der Sicherheitsdialog von Thomas Trams von der IHK Lahn-Dill, Mitglied der IHK-Kommission für Gesamtverteidigung.
Die IHK Lahn-Dill versteht ihre Rolle deshalb vor allem darin, Orientierung zu schaffen, Anforderungen transparent zu machen und Unternehmen mit relevanten Ansprechpartnern zusammenzubringen. Der Sicherheitsdialog knüpft an die bisherigen Veranstaltungen der Reihe an, in denen die IHK Fragen der regionalen Resilienz, der Gesamtverteidigung sowie des Zugangs mittelständischer Unternehmen zu sicherheitsrelevanten Wertschöpfungsketten aufgegriffen hat.
Personen von links: Andre Feuerstein (Siegerland-Flughafen), Thomas Trams (IHK Lahn-Dill), Jens Wildfeuer (Siegerland-Flughafen), Dietmar Persch (IHK Lahn-Dill), Manfred Wagner (OB Wetzlar), Michael Gahler (MdEP), Dr. Klemens Gaida (1stMOVER), Sascha Franz (HIL), Alexander Cunz (IHK Lahn-Dill), Jens Brill (IHK Siegen).
Kontakt
Dr. Anna Weimer
Leitung Kommunikation und IHK-Pressesprecherin