HIL GmbH: Mittelstand als Partner der Bundeswehr-Instandhaltung
Die bundeseigene Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL) hält die landbasierten Fahrzeuge und Systeme der Bundeswehr einsatzbereit. Im Gespräch mit Thomas Trams, Mitglied der IHK-Kommission für Gesamtverteidigung, erklärt Sascha Franz, Sprecher der Geschäftsführung der HIL, woran das Unternehmen seinen Erfolg misst und welche Chancen sich daraus für den Mittelstand ergeben.
Herr Franz, beginnen wir mit dem Kern Ihrer Arbeit. Woran lässt sich Ihr Beitrag zur Einsatzbereitschaft Deutschlands konkret messen?
Unser Kernauftrag ist die Instandsetzung und -haltung aller landbasierten Geräte und Systeme der Bundeswehr. Rund zwei Drittel des gesamten Instandhaltungsvolumens werden durch zivile Auftragnehmer abgedeckt; diese Leistungsvergaben steuern wir. Das letzte Drittel übernimmt die HIL GmbH mit eigenen Kräften. Mit unseren drei Werken in Darmstadt, Sankt Wendel und Doberlug-Kirchhain leisten wir so einen substanziellen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.
Sie haben damit bereits das Zusammenspiel von externen Auftragnehmern und eigenen Kräften beschrieben. Damit die benötigten Fahrzeuge zur richtigen Zeit bereitstehen, muss dieses Zusammenspiel geplant werden. Was bedeutet Planung in der Praxis?
Planung ist die Grundlage für unsere Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Soldatinnen und Soldaten werden zur Erfüllung ihres Dienstes in Übungen auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet. Hierbei benötigen sie auch die Fahrzeuge, mit denen sie ihren Auftrag erfüllen. Ein wesentlicher Faktor der Planung ist also die Abstimmung von Übungs- und Einsatzplänen der unterschiedlichen Kommandos, um zu gewährleisten, dass Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Abseits dieser Planung geht es natürlich auch um unsere interne Planung. Systemarbeitsplätze müssen möglichst genau koordiniert werden, damit wir beispielsweise die infrastrukturellen Kapazitäten, bestmöglich nutzen können.
Damit sind wir beim Maßstab, an dem sich Planung und Instandhaltung bewähren müssen. Welches Ziel gilt HIL-intern als das entscheidende?
„Verfügbarkeit“. Wir müssen dafür sorgen, dass die Fahrzeuge der Bundeswehr für Ausbildung und Inübunghaltung maximal verfügbar sind. Die Soldatinnen und Soldaten müssen sich jederzeit auf ihre Fahrzeuge – und somit auch auf unsere Arbeit – verlassen können.
Rund zwei Drittel des Instandhaltungsvolumens werden durch zivile Auftragnehmer abgedeckt. Für Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, wo ihre Kompetenzen konkret gefragt sind. In welchen Leistungsfeldern benötigen Sie Industriepartner besonders?
Gefragt sind spezialisierte Fertigungskompetenzen, technische Dienstleistungen, Ersatzteile, Baugruppen und Instandsetzungsleistungen. Dabei handelt es sich in einer nicht unerheblichen Menge auch um Unterstützungsfahrzeuge, wie sie jede LKW-Werkstatt in Deutschland kennt.
Das klingt zunächst nach einem breiten Feld, das auch für mittelständische Unternehmen interessant sein kann. Welche Voraussetzungen müssen sie neben einem passenden Leistungsangebot erfüllen?
Für mittelständische Unternehmen eröffnet sich damit eine Chance. Voraussetzungen sind allerdings nicht allein wettbewerbsfähige Produkte. Entscheidend sind ebenso nachweisbare technische Leistungsfähigkeit, Qualität, Liefertreue, Qualifizierungen und die Fähigkeit, die spezifischen Anforderungen des Verteidigungs- und Sicherheitssektors zuverlässig zu erfüllen.
Bevor ein Unternehmen diese Anforderungen im Einzelnen prüft, muss es seinen möglichen Beitrag einordnen. Welche Frage sollte dabei am Anfang stehen?
Die Frage, die sich interessierte Unternehmen stellen sollten lautet also, „In welchen Teil des Anbieter- Lieferantenportfolios der HIL passe ich?“. Grundsätzlich gibt es bei uns zwei Stoßrichtungen: Der Kauf von Ersatzteilen und die Instandsetzungsleistungen von Fahrzeugen.
Ist diese Einordnung gelungen, geht es um den ersten Kontakt. Drei Mindestanforderungen für einen seriösen Erstkontakt?
Eine Betriebsstätte in Deutschland ist die erste. Hinzu kommt im Falle der Instandsetzung ein Nachweis der Qualifikation für das jeweilige Fahrzeug bzw. die Baugruppe. Gerne gibt es auch schon erste Berührungspunkte mit der Bundeswehr oder Logsteuerstellen.
Gleichzeitig ist die HIL eine öffentliche Vergabestelle. Was bedeutet das für Unternehmen, die unmittelbar mit Ihnen ins Gespräch kommen möchten?
Die HIL ist eine öffentliche Vergabestelle. Gespräche finden als Teil oder im Nachgang zu einer Vergabe als transparenter, wettbewerblicher Prozess statt. Aufgrund der Wahrung der Grundsätze des Vergaberechts sind daher auch Kaltakquisen meist nicht zielführend.
Wenn die klassische Kaltakquise meist nicht der richtige Weg ist, brauchen interessierte Unternehmen einen klaren Zugang zu den erforderlichen Informationen. Wo finden sie diesen?
Wir sind bemüht, alle notwendigen Informationen insbesondere für den Mittelstand und potenzielle neue Leistungserbringer sukzessiv auf unserer Internetplattform zu platzieren.
Ein konkreter Zugang sind die Markterkundungen. Eine davon betrifft sogenanntes Nicht-KWKG-Gerät, also Geräte und Fahrzeuge, die nicht dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für interessierte Betriebe?
In diesem Jahr haben wir bereits zwei umfängliche Markterkundungen auf unserer Vergabeplattform hochgeladen. Die eine Markterkundung zu Nicht-KWKG Gerät, d.h. zu der regionalen Instandsetzung von militarisierten Fahrzeugen (LKW, etc.) ist vor Kurzem geendet. Diese werden wir perspektivisch wiederholen. Werkstätten, die zivile LKWs oder Landmaschinen instand setzen sind herzlich eingeladen teilzunehmen. Eine Handreichung, was benötigt wird, sowie weiterführende Informationen gibt es auf unserer Website unter https://www.hilgmbh.de/einkauf/lieferant-werden. Wichtig sind für uns eine ausgefüllte Lieferantenselbstauskunft, dazugehörige sinnvolle Dokumente wie Zertifikationsnachweise oder eine Firmenpräsentation.
Damit ist der Einstieg beschrieben. Zum Abschluss richtet sich der Blick auf die längerfristige Zusammenarbeit. Was können Unternehmen erwarten, wenn sie in Qualifizierung investieren?
Unternehmen, die bereit sind, Zeit, Engagement und in notwendige Qualifikationen zu investieren, finden in uns einen starken und verlässlichen Partner. Sie sollten aber auch über Ausdauer und Geduld verfügen. Prozesse, Umfeld und Vergaberecht sind nicht zu unterschätzen. Denn strategische Instandhaltung entsteht nicht allein in den Werkhallen. Sie basiert auch auf einem leistungsfähigen Netzwerk spezialisierter industrieller Partner.