Umwelt

Genehmigungsverfahren im Fokus: Austausch beim EcoDialog

Im Rahmen des EcoDialogs des Forums Nachhaltige Standortstärkung veranstalteten der Lahn-Dill-Kreis, das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU), das Regierungspräsidium Gießen sowie die IHK Lahn-Dill am Donnerstag, 29. Januar 2026, eine gemeinsame Kooperationsveranstaltung. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Ziel der Veranstaltung war es, Vertreter aus Fachplanung, Unternehmen und Verwaltung zusammenzubringen und eine Plattform für den Austausch über aktuelle Entwicklungen, rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Erfahrungen zu schaffen.
Landrat Carsten Braun begrüßte die rund 120 Teilnehmer im Kreistagssitzungssaal des Lahn-Dill-Kreises: „Ich freue mich, dass Sie heute so zahlreich den Weg zu uns gefunden haben, und wir uns dort, wo sonst die politischen Beschlüsse für unseren Landkreis gefasst werden, gemeinsam über Wege austauschen können, wie wir bürokratische Hürden vermindern und Verfahrensprozesse beschleunigen können.“ Dabei unterstrich Braun, dass ein zielgerichteter Bürokratieabbau notwendig sei, um Innovationen und wirtschaftliches Wachstum zu befördern. Gleichzeitig gelte es, Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes, des Lärm- und Artenschutzes rechtssicher in Verfahrens- und Antragsprozessen zu berücksichtigen.
v.l.n.r.: Jan Schneider (Regierungsvizepräsident), Dr. Birgit Straubinger (Abteilungsleiterin, HMLU) Carsten Braun (Landrat), Dietmar Persch (Hauptgeschäftsführer, IHK Lahn-Dill), Lisa Schäfer (Leiterin Geschäftsstelle Forum Nachhaltige Standortstärkung, IHK Lahn-Dill), Torben Klose (Referatsleiter, HMLU), Karl Schneider (Koordinator Forum Nachhaltige Standortstärkung, RP Gießen)
Regierungsvizepräsident Jan Schneider betonte im Rahmen seines Grußwortes „Zusammen mit verschiedenen Institutionen greifen wir ein Thema auf, das für Unternehmen, Kommunen und Behörden gleichermaßen von zentraler Bedeutung ist: leistungsfähige, rechtssichere und zugleich praktikable Genehmigungsverfahren. Es ist daher ein großes Bestreben des Regierungspräsidiums Gießen, im gesetzlichen Rahmen lösungsorientiert, pragmatisch und nachvollziehbar zu handeln und hierbei den hohen Anforderungen an Umwelt- und Gesundheitsschutz gerecht zu werden. Daher verstehen wir Veranstaltungen wie diese nicht als Pflichttermin, sondern als Chance, um mit verschiedenen Zielgruppen ins Gespräch zu kommen.“
„Die Spielräume auf Landesebene sind zugegeben eng“, bestätigt Frau Dr. Straubinger Ableitungsleiterin für Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, „doch Veranstaltungen wie diese können ein gemeinsames Mindset fördern. Unser gemeinsames Ziel ist es, Genehmigungsverfahren rechtssicher, zügig und bürokratiearm umzusetzen.“
Die Perspektive der regionalen Wirtschaft brachte Dietmar Persch, Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill, ein: „Für viele Unternehmen sind effiziente, transparente und zügige Genehmigungsverfahren ein entscheidender Standortfaktor und oft Voraussetzung für Investitionen und Innovationen. Unsere Betriebe sind bereit, den Wandel aktiv mitzugestalten – Bürokratie darf dabei jedoch nicht zur Transformationsbremse werden.“ Aus Sicht der Wirtschaft seien daher insbesondere Genehmigungsfiktionen, das Once-Only-Prinzip, transparente Statusabfragen sowie durchgängig digitale Verfahren wichtige Stellschrauben für schnellere und verlässlichere Genehmigungsprozesse.
Neben den Grußworten der Gastgeber standen fachliche Beiträge aus Verwaltung und Wirtschaft im Mittelpunkt. Die Vorträge beleuchteten Genehmigungsverfahren auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene. Den Auftakt machte Dr. Benedikt Walker vom Bundesumweltministerium (BMU) mit einem Überblick zur nationalen Umsetzung der novellierten Industrieemissionsrichtlinie (IED). Florian Gerls vom Nationalen Normenkontrollrat zeigte Beschleunigungspotenziale aus Sicht der Vollzugsbehörden auf, während Johanna Volp vom Regierungspräsidium Gießen die Perspektive einer Genehmigungsbehörde einbrachte. Nicole Schenke (BMU) stellte das Programm AGuZ+ zur Modernisierung von Genehmigungs- und Verwaltungsprozessen vor. Nach der Mittagspause, die von dem Teilnehmer für Austausch und Netzwerken genutzt wurde, präsentierten Dr. Markus Hammes und Martin Burkert (HMLU) einen Vortrag zum Thema „Neustart für Genehmigung und Überwachung“. Michael Decker (Lahn-Dill-Kreis) erläuterte Neuerungen im Baurecht. Die Perspektive eines Beratungsunternehmens brachte Stefan Hüsemann, Sachverständiger für Genehmigungsverfahren bei der Betreuungsgesellschaft für Umweltfragen Dr. Poppe AG, ein. Einen praxisnahen Einblick aus Sicht der Wirtschaft gab Michael Koch, Geschäftsführer der Hermann Hofmann Gruppe, der über konkrete Erfahrungen aus Unternehmenssicht berichtete. Ansätze zur Beschleunigung von Verfahren stellte anschließend Hauke Dierks (DIHK) vor. Er präsentierte den DIHK-Beschleunigungsmonitor, der konkrete Maßnahmen und Handlungsfelder aufzeigt, um Genehmigungsprozesse effizienter zu gestalten. Dirk Wamser (RP Gießen) fasste die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und betonte den großen Wert des Austauschs zwischen allen staatlichen Ebenen und der Wirtschaft.