Nachhaltigkeit

Was für eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft in Europa wichtig ist

Wiederverwenden statt wegwerfen: Das Modell der Kreislaufwirtschaft hat nicht nur ökologische, sondern auch zahlreiche ökonomische Vorteile. Entsprechend hoch ist der Stellenwert, den die Wirtschaft der Förderung der "Circular Economy" insbesondere auf EU-Ebene beimisst.
Die Kreislaufwirtschaft ist zu einem zentralen Baustein der europäischen Umwelt- und Industriepolitik geworden. Mit dem geplanten "Circular Economy Act" will die EU Ressourceneffizienz, Recycling und die Nutzung von Sekundärrohstoffen deutlich ausbauen. Für Unternehmen in Deutschland und Europa bedeutet das neue Chancen, aber auch erhebliche Anpassungsanforderungen.
Der Circular Economy Act

Die EU will ihre Kreislaufquote – also den Anteil der recycelten oder wiederverwerteten anstatt weggeworfenen Materialien – bis zum Jahr 2030 von 12 auf 24 Prozent verdoppeln und zum weltweit führenden Akteur im Bereich der Kreislaufwirtschaft werden.

Auf dem Weg dorthin zielt der für 2026 geplante "Circular Economy Act" darauf ab, einen Binnenmarkt für Sekundärrohstoffe zu schaffen, das Angebot an hochwertigen Recyclingmaterialien zu erhöhen und die Nachfrage nach diesen Materialien innerhalb der EU anzukurbeln.

Das Gesetz baut auf dem zweiten Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft von 2020 auf. Dieser umfasst zahlreiche Initiativen, die zum Großteil bereits in Kraft sind – vom Ökodesign für nachhaltige Produkte über das Recht auf Instandsetzung bis hin zur Verordnung über Verpackungsabfälle und zur EU-Strategie für nachhaltige und zirkuläre Textilien.

Unternehmen sehen Potenziale

Viele Betriebe investieren bereits heute in recyclingfähige Produkte, effizientere Prozesse und neue Geschäftsmodelle. Laut einer Umfrage der DIHK aus dem Jahr 2024 haben sich über die Hälfte der Unternehmen bereits konkret mit Maßnahmen zur Umstellung auf zirkuläre Geschäftsmodelle befasst, weitere 20 Prozent planen dies. Jedes zweite Unternehmen sieht in der Transformation eine Chance zugleich kann mehr als ein Drittel die Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell bislang nicht sicher einschätzen.
Die DIHK bündelt die Sicht der Wirtschaft in zehn Leitsätzen. Sie zeigen, welche politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen notwendig sind, damit Kreislaufwirtschaft in Europa ökologisch wirksam, wirtschaftlich tragfähig und international wettbewerbsfähig sein kann.

Zehn Leitsätze im Überblick

1. Nachfrage nach Sekundärrohstoffen stärken

Politische Maßnahmen sollen marktfähige Anreize, nicht kleinteilige Detailvorgaben setzen. Öffentliche Informationskampagnen und transparente Produktinformationen können die Nachfrage nach Produkten mit Rezyklatanteil erhöhen.

2. Angebot an wettbewerbsfähigen Rezyklaten sichern

Ausbau moderner Recyclingkapazitäten, technologieoffene Ansätze (einschließlich chemischen Recyclings) und einheitliche Normen sollen Sekundärrohstoffe preislich und qualitativ konkurrenzfähig machen.

3. Kreislaufwirtschafts-Regelungen bürokratiearm umsetzen

Neue Vorgaben müssen praxisnah, digital nutzbar und ressourcenschonend sein. Besonders belastende Regelwerke sollten überprüft, vereinfacht oder verschoben werden, um Zeit für praktikable Anpassungen zu gewinnen.

4. Binnenmarkthindernisse in der Europäischen Union abbauen

Uneinheitliche Kriterien etwa beim Abfallende (also bei der Definition, ab wann ein Stoff nicht mehr den abfallrechtlichen Verwertungs‑ und Beseitigungspflichten unterliegt), unterschiedliche Regelungen zur erweiterten Herstellerverantwortung und divergierende Kennzeichnungspflichten behindern einen funktionierenden Markt für Sekundärrohstoffe.

5. Effektiven und fairen Vollzug sicherstellen

Europäische Unternehmen sehen sich vermehrt einem unfairen Wettbewerb durch Importe aus Drittstaaten ausgesetzt, bei denen oft EU-Regelungen nicht eingehalten werden. Um dem entgegenzuwirken, braucht es einen konsequenten und europaweit harmonisierten Vollzug der bestehenden Regeln.

6. Digitalisierung als Hebel für Kreislaufwirtschaft nutzen

Wird er für die Unternehmen einfach umgesetzt und europaweit einheitlich angewendet, kann der digitale Produktpass dazu beitragen, die Erfüllung bestehender Berichtspflichten für die Betriebe zu vereinfachen und Informationsflüsse zu verbessern.

7. Innovation und Forschung stärken

Förderprogramme und innovationsfreundliche Regulierung sollen neue Recyclingtechnologien, kreislauforientierte Geschäftsmodelle und Materialinnovationen voranbringen.

8. Chemikalienrecht praxistauglich gestalten

Stoffbeschränkungen müssen Gesundheit und Umwelt schützen, gleichzeitig aber den Einsatz sicherer Rezyklate ermöglichen.

9. Sekundärrohstoffe aus Elektroaltgeräten und Bauabfällen besser nutzen

In diesen Abfallströmen liegt ein erhebliches Rohstoffpotenzial, das besser genutzt werden sollte.

10. Mit Unternehmen aktiv zusammenarbeiten

Gesetzgebung und Normung sollten die praktische Erfahrung der Betriebe systematisch einbinden. So lassen sich praxistaugliche Lösungen entwickeln, die Umweltziele und wirtschaftliche Realität zusammenbringen.

Hier finden Sie das Papier in deutscher und englischer Sprache zum Download: