Binnenmarktregelung

Sondergebiete: Ausfuhr oder innergemeinschaftliche Lieferung?

Lieferungen in Sondergebiete werfen häufig Fragen auf: Muss eine Ausfuhranmeldung erfolgen? Wie ist die Rechnung korrekt zu erstellen? Ist ein Ausfuhrnachweis oder ein Statusnachweis (T2L/PoUS) erforderlich?

Gebiete, die weder zum Zollgebiet noch zum Mehrwertsteuergebiet der EU zählen

Sendungen auf Gebiete wie die Inseln Färöer, Gibraltar oder Helgoland werden wie Sendungen in ein Drittland behandelt. Für Anmeldung und Rechnung gilt:
  • Ausfuhranmeldung (Code: EX)
  • umsatzsteuerfreie Lieferung mit Ausfuhrnachweis (ATLAS-Ausgangsvermerk oder Alternativ-Nachweis)

Gebiete, die zum Zollgebiet, aber nicht zum Mehrwertsteuergebiet der EU gehören

Für Lieferungen in Sondergebiete wie die Kanarischen Inseln, die überseeischen französischen Departements, Andorra und San Marino gilt:
  • Ausfuhranmeldung (Code: CO)
  • umsatzsteuerfreie Lieferung mit Ausfuhrnachweis (ATLAS-Ausgangsvermerk oder Alternativ-Nachweis)
  • Nachweis des Unionscharakters der Waren. Das frühere T2L-/T2LF-Verfahren wurde ab März 2024 durch das elektronische System Proof of Union Status (PoUS) ersetzt:
    • Sendungen bis 15.000 €: Nachweis über Handelsdokumente oder T2L-Vermerk auf der Rechnung war weiterhin möglich.
    • Sendungen über 15.000 €: Der T2L-Vermerk mit Sichtvermerk der Zollstelle war bis zum 15. August 2025 zulässig; seitdem muss für alle entsprechenden Lieferungen das PoUS-Modul genutzt werden.
    • Zugelassene Aussteller (ACP): Bis zur Umstellung galten Erleichterungen, z. B. Verzicht auf Unterschrift oder Sonderstempel; diese Erleichterungen sind inzwischen abgeschlossen.
Besonderheiten:
- Im Warenverkehr mit Andorra sind Waren der Kapitel 1–24 ausgenommen, mit San Marino EGKS-Waren.
- Weiterführende Informationen zur Umstellung T2L/T2LF auf PoUS finden Sie bei den Zollbehörden.

Tabellarische Übersicht der Sondergebiete

Territorien Umsatzsteuerrechtliche / Verbrauchsteuerrechtliche Behandlung Zollrechtliche Behandlung
Andorra Drittlandsgebiet Zollunion
Akrotiri, Dhekalia (Hoheitsgebiete GB)
werden auch nach Ablauf der Brexit- Übergangsfrist am 1. Januar 2021 als Unionsgebiet behandelt
Unionsgebiet Unionsgebiet
Ålandinseln (FI) Drittlandsgebiet Unionsgebiet
Aruba, Curacao, St. Martin (niederländischer Teil), Bonaire, Saba, St. Eustatius (niederländischer Teil) Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Azoren (PT) Unionsgebiet Unionsgebiet
Balearen (ES) Unionsgebiet Unionsgebiet
Berg Athos (GR) Drittlandsgebiet Unionsgebiet
Ceuta, Melilla (ES) Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Campione d'Italia sowie der zum italienischen Hoheitsgebiet gehörende Teil des Luganer Sees (IT) Drittlandsgebiet
Verbrauchsteuer: seit 1.1.2020 Unionsgebiet
bis 31.12.19 Drittlandsgebiet

seit 1.1.2020 Unionsgebiet
Faröer Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Fürstentum Monaco Unionsgebiet (wie Umsätze mit Herkunft Frankreich zu behandeln) Unionsgebiet
Gibraltar (GB) Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Grönland Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Insel Helgoland,
Gebiet von Büsingen (DE)
Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Insel Man (GB)
Drittlandsgebiet
seit 1. Januar 2021
Drittlandsgebiet
seit 1. Januar 2021
Kanalinseln (GB)
Drittlandsgebiet
Drittlandsgebiet
seit 1. Januar 2021
Kanarische Inseln (ES) Drittlandsgebiet Unionsgebiet
Livigno (IT) Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Madeira (PT) Unionsgebiet Unionsgebiet
San Marino Drittlandsgebiet
Verbrauchsteuer: Unionsgebiet
Zollunion
überseeische französische Departements: Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion, St. Martin (frz. Teil), Mayotte (FR) Drittlandsgebiet Unionsgebiet
überseeische französische Gebietskörperschaften und Gebiete: Neukaledonien, St. Barthélemy, Saint-Pierre, Miquelon, Wallis und Futuna, Französisch-Polynesien Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Vatikan Drittlandsgebiet Drittlandsgebiet
Quelle: IHK Region Stuttgart