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Nr. 7048484
Pressemitteilung vom 07.05.2026
Konjunkturbericht der IHK Koblenz zum Frühsommer 2026
Konjunktur erneut unter starkem Druck – Energiepreisschock, geopolitische Krisen und Reformstau belasten Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz
Die wirtschaftliche Stimmung im nördlichen Rheinland-Pfalz kühlt im Vergleich zum Jahresbeginn 2026 deutlich ab, so dass der IHK-Konjunkturklimaindex um 13 Punkte sinkt und nun mit nur noch 80 Punkten tief im rezessiven Bereich liegt. Damit verharrt der IHK-Konjunkturklimaindex seit nunmehr vier Jahren durchgehend unterhalb der Wachstumsschwelle von 100 Punkten und signalisiert eine überwiegend pessimistische Gesamteinschätzung.
Die aktuelle Verschlechterung des IHK-Konjunkturklimaindikators folgt vor allem aus den sehr pessimistischen Geschäftserwartungen: 38 Prozent der Betriebe erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine schlechtere Geschäftsentwicklung (Vorumfrage: 29 Prozent) und 51 Prozent (Vorumfrage: 51 Prozent) haben eine gleichbleibende Geschäftserwartung. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage verändert sich weniger dramatisch, wobei auch diese Werte unter Druck geraten. Dennoch schätzen 69 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut oder befriedigend ein.
„Die Anzeichen für eine leichte konjunkturelle Erholung vom Jahresanfang haben sich zerschlagen. Der Trend hat sich deutlich ins Gegenteil verkehrt. Der Iran-Konflikt, steigende Energie- und Rohstoffpreise, schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und schwacher Inlandsabsatz drücken auf die Konjunktur“, so Fabian Göttlich, Geschäftsführer Interessenvertretung der IHK Koblenz. „Die Wirtschaft stemmt sich mit eigenen Maßnahmen und aller Kraft gegen die Krise. Das Vertrauen in die Rahmenbedingungen und Märkte ist aber gering, man fährt auf Sicht“.
Energie- und Rohstoffpreise rücken in den Fokus
Bei den Geschäftsrisiken zeigt sich eine deutliche Verschiebung: Mit 78 Prozent nennen die Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise erstmals seit drei Jahren wieder als größtes Risiko – ein Anstiegum 23 Prozentpunkte gegenüber der Vorumfrage. Hintergrund sind unter anderem die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten, die zu steigenden Ölpreisen und höheren Kraftstoffkosten geführt haben und damit zuerst das Verkehrsgewerbe und absehbar die Gesamtwirtschaft unter Druck setzen.
Als weiteres zentrales Risiko nennen 64 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Auch die Inlandsnachfrage und die Arbeitskosten werden von mehr als der Hälfte der Betriebe im IHK-Bezirk Koblenz als wesentliche Geschäftsrisiken bewertet.
Investitions- und Beschäftigungserwartungen
Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen nimmt erneut ab. Nur 23 Prozent planen höhere Investitionen, während 38 Prozent von sinkenden Investitionsausgaben ausgehen. Die Beschäftigungsabsichten bleiben hingegen weitgehend stabil. Der Großteil der Unternehmen versucht, ihre Belegschaften trotz angespannter Lage zu halten. Allerdings beabsichtigt nur jedes zehnte Unternehmen einen Personalaufbau.
Blick in die Branchen
In der Industrie zeigt sich der deutlichste Stimmungsrückgang von minus 21 Indexpunkten auf nun 80 Indexpunkte. Nachdem die Branche zu Jahresbeginn noch optimistisch war, haben sich die Erwartungen auch hier sehr deutlich eingetrübt. Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung. Die zeigt sich auch in deutlich gedämpften Exporterwartungen, die zwar 51 Prozent der Unternehmen als gleichbleibend einstufen, zugleich werden aber die wenigen positiven Erwartungen nach unten korrigiert.
„Von der Industrie sind aktuell und in den kommenden Monaten eher keine gesamtwirtschaftlichen Wachstumsimpulse zu erwarten, sondern allenfalls eine konjunkturstützende Wirkung“, so Göttlich.
Im Handel und Gastgewerbe bleibt die Stimmung verhalten und verharrt auf niedrigem Niveau.
Der Dienstleistungssektor, der in den vergangenen Jahren vergleichsweise stabil war, verzeichnet nun eine Eintrübung. Der Lagesaldo rutscht mit -7 Prozentpunkten in den negativen Bereich.
Zuversicht als Erfolgsfaktor für Erholung
„Die aktuelle Konjunkturumfrage verdeutlicht: Die Wirtschaft befindet sich in einer schwierigen Lage und sieht aktuell wenige Chancen. Externe Faktoren wie der Nahostkonflikt und die daraus resultierenden Preissteigerungen treffen auf bereits bestehende strukturelle Herausforderungen. Umso stärker rücken Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – etwa durch sinkende Energiepreise, weniger Bürokratie oder mehr Planungssicherheit – in den Fokus und sind wichtige Voraussetzungen für mehr Zuversicht“, so Göttlich abschließend.
Die Konjunkturumfrage wurde im Zeitraum vom 10. bis 30. April 2026 durchgeführt. An der Umfrage der IHK Koblenz haben 403 Unternehmen mit rund 51.800 Beschäftigten teilgenommen.