Pressemitteilung vom 06.02.2026

Konjunkturbericht IHK-Bezirk Koblenz zum Jahresbeginn 2026

Trendwende bleibt aus – wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen erneut Geschäftsrisiko Nr. 1
Zum Jahresbeginn 2026 hat sich die wirtschaftliche Stimmung im nördlichen Rheinland-Pfalz leicht verbessert, das Gesamtbild bleibt jedoch verhalten. Nach zwei schwachen Umfragejahren steigt der IHK-Konjunkturklimaindex im Vergleich zum Herbst 2025 zwar um 8 Punkte auf 93 Punkte, von einer Trendwende kann aber noch nicht gesprochen werden. Zudem sehen die Unternehmen einmal mehr die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Geschäftsrisiko Nr. 1 an – „ein alarmierendes Signal“, sagt Fabian Göttlich, Geschäftsführer Interessenvertretung der IHK Koblenz.

Einschätzung der Geschäftslage auf dem Niveau von vor zwei Jahren

Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage fällt zum Jahresbeginn etwas weniger schwach aus als zuletzt. Der Anteil der Unternehmen mit einer guten Geschäftslage ist gestiegen, während negative Bewertungen zurückgegangen sind. Knapp die Hälfte der Befragten stuft ihre aktuelle Lage als befriedigend ein. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen verbessert sich von -13 Prozentpunkten im Herbst 2025 auf aktuell -5 Prozentpunkte und liegt derzeit weiterhin im negativen Bereich.
„Die Phase kontinuierlicher Verschlechterungen, wie wir sie in den letzten zwei Jahren erlebt haben, scheint zunächst überwunden – von Entwarnung kann aber keine Rede sein“, erklärt Göttlich.

Erwartungen verbessert, aber Unternehmen bleiben vorsichtig

Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate fallen weniger pessimistisch aus als in den Vorumfragen. Während 20 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung rechnen, erwarten 29 Prozent eine Verschlechterung. Die Mehrheit der Unternehmen (51 Prozent) geht von gleichbleibenden Geschäften aus. Der Erwartungssaldo verbessert sich damit spürbar, bleibt jedoch nach wie vor im negativen Bereich.
„Die extrem pessimistischen Erwartungen des vergangenen Jahres haben sich abgeschwächt“, so Göttlich. „Doch die Unternehmen sind weiterhin vorsichtig und warten auf verlässliche wirtschaftspolitische Signale.“
Geschäftslage

Wirtschaftspolitische Unsicherheit besteht weiterhin

Die größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten bleiben weitgehend unverändert. Am häufigsten genannt werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 63 Prozent der Stimmen. Als weitere belastende Faktoren folgen der Inlandsabsatz (59 Prozent) sowie die hohen Arbeitskosten (58 Prozent). Der Fachkräftemangel hat im Vergleich zu den Vorjahren etwas an Bedeutung verloren.
Zu den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zählen auch die Belastungen durch Bürokratie, die die IHK Koblenz derzeit im Rahmen ihrer Kampagne „Bürokratie bremst“ thematisiert und adressiert.
Geschäftsrisiken

Investitionen und Beschäftigung bis auf Weiteres zurückhaltend

Die Investitionsneigung der Unternehmen ist insgesamt wieder leicht angestiegen. Dennoch bleibt der Saldo aus höheren und niedrigeren Investitionserwartungen mit -7 Prozentpunkten im negativen Bereich. Während 27 Prozent der Betriebe ihre Investitionen erhöhen möchten, plant rund ein Drittel mit einer Reduzierung. Die Beschäftigungspläne bleiben überwiegend zurückhaltend. 73 Prozent der Unternehmen haben eine gleichbleibende oder steigende Beschäftigungsabsicht, wohingegen 27 Prozent sinkende Beschäftigungserwartungen haben.
Deutlich positiver als in der Vorumfrage fallen die Exporterwartungen der Industrie aus. Erstmals seit Herbst 2023 übersteigt der Anteil der Unternehmen mit steigenden Exporterwartungen den Anteil derjenigen mit rückläufigen Ausfuhren. Genau die Hälfte der Befragten rechnet mit gleichbleibenden Exporten.
Unternehmensantworten

Branchenvergleich: Industrie legt deutlich zu, Handel bleibt unter Druck

Bei den Industriebetrieben haben sich sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen klar verbessert. Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt deutlich von 86 Punkten im Herbst auf aktuell 101 Punkte. Für 70 Prozent der Industrieunternehmen stellen jedoch weiterhin die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein zentrales Risiko dar.
„Der Konjunkturaufschwung in der Industrie macht Mut und könnte positive Effekte auf andere Bereiche auslösen. Hier sehen wir einen Silberstreif am Horizont“, kommentiert Fabian Göttlich.
Der Dienstleistungsbereich präsentiert sich vergleichsweise stabil und zeigt kaum Veränderung gegenüber der Herbstumfrage 2025. Auch hier dominieren die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die Risikolandschaft.
Der Handel bleibt trotz leichter Verbesserung mit einem IHK-Konjunkturklimaindex von 79 Punkten deutlich unter dem Durchschnitt. Sowohl Lage als auch Erwartungen bleiben klar negativ. Zentrales Risiko ist hier nach wie vor die schwache Inlandsnachfrage.
„Die Unternehmen im nördlichen Rheinland-Pfalz haben sich auf schwierige Rahmenbedingungen eingestellt. Für eine echte konjunkturelle Erholung braucht es nun verlässliche wirtschaftspolitische Entscheidungen, weniger Bürokratie und neue Impulse für Nachfrage und Investitionen“, fasst Göttlich zusammen.

Die Konjunkturumfrage wurde im Zeitraum vom 2. bis 23. Januar 2026 durchgeführt. An der Umfrage der IHK Koblenz haben 345 Unternehmen mit rund 51.400 Beschäftigten teilgenommen.