Jahresrückblick 2025

Wirtschaft im Kreis Ahrweiler im Fokus

Das Jahr 2025 war für die Wirtschaft im Landkreis Ahrweiler von großen Herausforderungen geprägt, aber auch von wichtigen Fortschritten. Die konjunkturelle Lage blieb angespannt – ein Aufschwung war weiterhin nicht in Sicht. Gleichzeitig haben wir als IHK-Regionalgeschäftsstelle intensiv daran gearbeitet, Lösungen für zentrale Themen voranzubringen. Ob beim Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe, der Fachkräftesicherung oder der Verbesserung der Infrastruktur: Gemeinsam mit Unternehmen, Politik und Verwaltung konnten wir in diesem Jahr entscheidende Impulse setzen. Im Folgenden blicken wir auf die wichtigsten Entwicklungen zurück – und darauf, was sie für die Zukunft bedeuten.

Wirtschaftliche Lage und Konjunktur

Die wirtschaftliche Stimmung blieb 2025 verhalten. Rheinland-Pfalz verharrte im zweiten Rezessionsjahr, ohne klare Aufschwungsignale. Im Herbst lag der IHK-Konjunkturklimaindex landesweit bei nur 88 Punkten und damit deutlich unter der 100er-Marke, die für eine neutrale Stimmung steht. Lediglich jedes fünfte Unternehmen meldete eine gute Geschäftslage, während 80 % ihre Situation nur als befriedigend oder schlecht bewerteten. Auch im Landkreis Ahrweiler spüren viele Betriebe diese Zurückhaltung. Steigende Kosten und schwache Binnennachfrage gehören zu den größten Risiken, die von über 60 % der Firmen als Problem genannt werden.
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen zeigen unsere Unternehmen eine bemerkenswerte Resilienz und passen sich an – durch Digitalisierung, neue Vertriebswege und Kooperationen. Die IHK hat 2025 immer wieder betont, wie wichtig verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und Entlastungen für ein besseres Investitionsklima sind. In Zeiten multipler Krisen braucht es ein starkes unternehmerisches Fundament – und dafür klare Signale aus Politik und Verwaltung.

Wiederaufbau im Ahrtal

Über vier Jahre nach der Flutkatastrophe ist der Wiederaufbau im Ahrtal noch nicht abgeschlossen. Doch 2024 gab es bereits wichtige Fortschritte: Die EU verlängerte die Antragsfrist für Wiederaufbauhilfen bis 30. Juni 2026 – ein Erfolg, für den die IHK lange gekämpft hat. Diese Verlängerung verschafft den Betrieben wertvolle zusätzliche Zeit und sendet das Signal, dass das Ahrtal nicht vergessen ist.
Ein zentrales Anliegen in diesem Jahr war für uns die Einführung eines Abschlussberichts nach der Verwendungsnachweisprüfung – ein Thema, das wir in intensiven Gesprächen mit der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) mit Nachdruck vorangebracht haben. Hintergrund ist, dass viele Unternehmen mit Investitionen zögern, solange sie nicht wissen, ob Fördermittel zurückgefordert werden. Besonders kritisch ist das auch mit Blick auf das Thema Unternehmensnachfolge: Wenn keine Planungssicherheit besteht, scheuen sich potenzielle Nachfolger – oder erhalten keine Finanzierung. Wir freuen uns, dass wir eine Zusage zur Einführung eines solchen Abschlussberichts erhalten haben. Das verschafft den flutbetroffenen Unternehmen endlich mehr Klarheit, um in die Zukunft investieren oder Übergaben aktiv angehen zu können.

Unterstützung für betroffene Betriebe

Gemeinsam mit der ISB hat die IHK auch 2025 die Unternehmen im Ahrtal aktiv unterstützt. So fand im Dezember der letzte Beratungstag Wiederaufbauhilfe des Jahres statt – ein Angebot, das bis zum Fristende 2026 fortgeführt werden soll. Zudem erinnern wir Unternehmen an die fristgerechte Einreichung ihrer Verwendungsnachweise und stehen beratend zur Seite. Unsere Forderung nach weiteren Erleichterungen – mehr Förderung für Hochwasserschutz und Ersatzflächen für überschwemmte Gewerbe – bleibt auf der politischen Agenda. Auch die Verbesserung von Abstimmungsprozessen zwischen Unternehmen und Behörden bleibt für uns ein zentrales Thema.

Standort- und Flächenentwicklung

2025 zeigte sich alarmierend, dass Gewerbeflächen im Kreis Ahrweiler knapp sind. Laut einer IHK-Umfrage vom Sommer 2024 planen 31 % der befragten Unternehmen eine Erweiterung und haben akuten Bedarf an neuen Flächen. Doch das Angebot hält nicht Schritt: Die verfügbaren Gewerbe- und Industrieflächen reichen deutlich nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Viele Betriebe suchen verzweifelt in der Region nach Platz – 77 % von ihnen im Umkreis von nur 10 Kilometern, also möglichst heimatnah. Die Gefahr ist klar: Ohne neue Flächen drohen Abwanderungen von Unternehmen aus unserem Kreis.
Um dem Flächenengpass zu begegnen, haben IHK und Kreisverwaltung alle Register gezogen. Im Rahmen des Forschungsprojekts NEILA (Nachhaltiges interkommunales Landmanagement) wurden bis 2024 bereits 30–40 potenzielle Gewerbeflächen im Kreis identifiziert. Diese Vorschläge liegen nun auf dem Tisch und bilden die Grundlage für eine verträgliche Entwicklung. 2025 haben wir einen Runden Tisch initiiert, um alle relevanten Akteure zusammenzubringen – von Kommunen über Kammern bis zu Verbänden. Durch interkommunale Zusammenarbeit sollen neue Wirtschaftsflächen erschlossen werden, ohne wichtige Schutzfunktionen (Hochwasserschutz, Naturschutz, Wohnen) zu beeinträchtigen. Beispiel: In Workshops mit den Verbandsgemeinden wurde über regionale Gewerbegebiete beraten, um Synergien zu heben. Die Botschaft ist eindeutig: Nur gemeinsam können wir genügend Flächen bereitstellen und somit unseren Unternehmen Zukunftsperspektiven im Kreis Ahrweiler sichern.

Austausch mit Politik, Verwaltung und Netzwerkpartnern

Der kontinuierliche Dialog mit der Kommunal- und Landespolitik war ein zentraler Bestandteil unseres Jahres. Unser IHK-Regionalbeirat Ahrweiler tagte regelmäßig und hat sich als wichtige Plattform etabliert, um wirtschaftliche Anliegen direkt mit Entscheidern vor Ort zu diskutieren. Themen wie Infrastruktur (etwa der A1-Lückenschluss), Fachkräfte oder Wiederaufbau wurden offen adressiert, und der Beirat trägt diese Anliegen aktiv in die politischen Netzwerke und Gespräche hinein.
Darüber hinaus haben wir den Austausch mit der Landrätin, den Bürgermeistern, dem Verein und weiteren Akteuren intensiviert. Die Wirtschaft braucht einen kurzen Draht zur Verwaltung – und diesen pflegen wir konsequent. Für 2026 freuen wir uns, dass die Landrätin dem IHK-Regionalbeirat erneut ihre Teilnahme zugesagt hat. Auch die Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises war 2025 zu Gast bei uns. Solche Formate ermöglichen es, Anliegen direkt anzusprechen und politische Entscheidungen auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen.

Infrastruktur: A1 und B266

Ein positives Signal war 2025 die Bewegung beim Infrastrukturprojekt Autobahn A1. Die IHK Koblenz hat – gemeinsam mit den IHKs Trier und Aachen – den Druck auf die Politik erhöht, den A1-Lückenschluss in der Eifel endlich voranzutreiben. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zugunsten des Abschnitts Kelberg–Adenau war ein Meilenstein: Endlich ist Baurecht erteilt. Jetzt kommt es darauf an, dass der Bund die Finanzierung zusagt und die Planfeststellung für die übrigen Abschnitte zügig abgeschlossen wird.
Auch bei der Bundesstraße B266 war die IHK 2025 aktiv: Wir haben einen Runden Tisch begleitet und werden uns auch 2026 weiter für eine leistungsfähige Verkehrsanbindung im Kreis stark machen – für Unternehmen, Logistik, Beschäftigte und die Lebensqualität in der Region.

Fachkräfte und Arbeitsmarkt

Die Personalsuche bleibt auch 2025 die größte Herausforderung für unsere Unternehmen. Deutschlandweit schaltet die Ampel aufgrund von Demografie und Digitalisierung auf rot, und im IHK-Bezirk Koblenz/Mittelrhein ist das nicht anders. Laut dem IHK-Fachkräftereport 2025 sehen die Betriebe den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern als zentrales Geschäftsrisiko. Gleichzeitig zeigen unsere Befragungen, dass digitale Strategien und KI in der Personalgewinnung an Bedeutung gewinnen – neue Wege, um im Wettbewerb um Talente zu bestehen.
Im Landkreis Ahrweiler wurden 2025 vielfältige Maßnahmen gestartet, um zusätzliche Arbeitskräfte zu mobilisieren. Ein Höhepunkt war die Jobmesse für Zugewanderte im Oktober in Remagen, die wir als IHK mit zahlreichen Partnern ausrichteten. Über 500 Besucher – Migrantinnen und Migranten sowie Unternehmen aus der Region – nutzten die Gelegenheit zum Kennenlernen und Matching. Zudem unterstützen wir Projekte wie ein neues Fachkräftezentrum Kreis Ahrweiler, das Unternehmen bei Rekrutierung und Qualifizierung berät, und setzen auf ungenutzte Potenziale: etwa die Integration von Senioren und langzeiterfahrenen Kräften in den Arbeitsmarkt durch spezielle Info-Veranstaltungen.
Ein zentraler Baustein bleibt die frühe Berufsorientierung. Die IHK-Regionalgeschäftsstelle war 2025 mit mehreren Mitarbeitenden in Schulen aktiv – u. a. beim Berufsinformarkt an der BBS in Bad Neuenahr-Ahrweiler, bei Elternabenden, Berufsinfotagen und Projektwochen. Unser Ziel: jungen Menschen Perspektiven aufzeigen und Unternehmen mit potenziellen Auszubildenden vernetzen. Denn: Die duale Ausbildung bleibt eine der besten Antworten auf den Fachkräftemangel.

Aktivitäten der IHK-Regionalgeschäftsstelle

Die Regionalgeschäftsstelle Ahrweiler hat 2025 eigene Initiativen gestartet, um unseren Mitgliedsunternehmen noch gezielter zu unterstützen. Ein Highlight war die Einführung des IHK-Stammtischs Unternehmensnachfolge. Dieses neue Vernetzungsformat bringt Unternehmerinnen und Unternehmer, die einen Generationswechsel planen, mit potenziellen Nachfolger*innen zusammen. In ungezwungener Atmosphäre entstehen Kontakte, die helfen sollen, betriebliche Nachfolgen frühzeitig einzufädeln. Für viele Betriebe in Handel, Industrie und Gastronomie ist die Nachfolgesuche nämlich eine akute Herausforderung. Der Stammtisch bietet hier einen niederschwelligen Einstieg, um Lösungen zu finden – für den Erhalt von Unternehmen, Arbeitsplätzen, Know-how und Wertschöpfung in unserer Region.
Zugleich liefen bewährte Formate erfolgreich weiter: etwa unsere Beratungen vor Ort, die enge Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsjunioren oder Unternehmertreffen zu aktuellen Themen. Insgesamt war 2025 ein Jahr, in dem wir als Regionalgeschäftsstelle weiter unsere Präsenz vor Ort intensiviert haben – mit regelmäßigen Betriebsbesuchen, Pressemitteilungen zu regionalen Anliegen und der Moderation unterschiedlicher Runden mit Verwaltung und Wirtschaft. Die Resonanz unserer Mitglieder zeigt uns, dass dieser Kurs stimmt.

Fazit und Ausblick

2025 zeigt: gemeinsam haben wir vieles bewegt. Die wirtschaftliche Lage mag schwierig geblieben sein, doch gerade deswegen waren unsere wirtschaftspolitischen Initiativen umso wichtiger. Eine zentrale Lehre aus diesem Jahr ist, dass enger Schulterschluss wirkt – ob beim A1-Lückenschluss, bei der Flächenentwicklung oder im Wiederaufbau: Wenn Unternehmen, IHK, Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, lassen sich selbst festgefahrene Probleme lösen.
Diesen Kurs wollen wir 2026 fortsetzen. Konkret bedeutet das: Wir werden weiter dafür kämpfen, dass die zugesagten Maßnahmen im Ahrtal schnell umgesetzt und bürokratische Hürden abgebaut werden. Der versprochene Abschlussbericht zur Verwendung der Fluthilfemittel muss zeitnah kommen, damit unsere Betriebe endlich Planungssicherheit haben. Beim Thema Infrastruktur gilt es, den jetzt erreichten Fortschritt zu nutzen – unser Ziel bleibt, dass die Autobahn A1 so schnell wie möglich komplettiert wird, um den Standort anzubinden und zu entlasten. Ebenso werden wir unsere Arbeit an der B266 konsequent fortsetzen. Im Bereich Fachkräfte werden wir unsere Aktivitäten in der Berufsorientierung und Weiterbildung ausbauen, denn die Sicherung von Talenten entscheidet über die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft. Die identifizierten Gewerbeflächen müssen nun mit Leben gefüllt werden, damit wachsende Unternehmen bei uns bleiben können.
Nicht zuletzt nehmen wir die Politik beim Wort: Die Unternehmen brauchen bessere Rahmenbedingungen – sei es bei Energiepreisen, Steuern oder Genehmigungen – und die IHK wird als kritischer Partner weiterhin darauf hinwirken, dass Worten Taten folgen. Mit Blick auf die Landtagswahl wird der IHK-Regionalbeirat bereits zu Jahresbeginn das Gespräch mit den Kandidatinnen und Kandidaten suchen, um wirtschaftliche Positionen und regionale Forderungen frühzeitig zu platzieren. Der Beirat ist das Sprachrohr der Wirtschaft in der Region – und wird diese Rolle 2026 weiter ausbauen.
Trotz aller offenen Aufgaben blicken wir mit vorsichtigem Optimismus nach vorn. Die Widerstandskraft unserer regionalen Wirtschaft ist beeindruckend, und 2025 hat gezeigt, dass Veränderung möglich ist. Im kommenden Jahr stehen wichtige politische Weichenstellungen an, die wir aktiv begleiten werden. Wir werden unsere Vernetzungsarbeit fortführen und den Austausch mit Ihnen, unseren Mitgliedsunternehmen, weiter intensiv suchen. Gemeinsam wollen wir dafür sorgen, dass der Landkreis Ahrweiler ein wirtschaftlich attraktiver und zukunftssicherer Standort bleibt. Lassen Sie uns die Zukunft gemeinsam gestalten – auf ein erfolgreiches neues Jahr!