Autobranche im Umbruch: Innovation entscheidet
Über die Zukunft der deutschen und europäischen Automobilwirtschaft wird intensiv diskutiert. Steigende Kosten, neue Wettbewerber und der technologische Wandel setzen Hersteller und Zulieferer unter Druck. Welche Chancen die Branche dennoch hat, diskutiert Andreas Kirschenmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), in der neuen Folge des Wirtschaftspodcasts „Moin Wirtschaft“ mit Imelda Labbé, Präsidentin des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), und Professor Dr.-Ing. Thomas Vietor von der Technischen Universität Braunschweig. Die Folge ist in allen gängigen Podcast-Apps und unter www.ihklw.de/moin-wirtschaft abrufbar.
„Eine Industrienation lässt sich nicht dauerhaft mit international nicht wettbewerbsfähigen Energiepreisen betreiben. Wir brauchen weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und mehr Tempo bei Infrastruktur und technischer Erprobung“, sagt Kirschenmann. „Nur so gelingt es, neue Technologien schneller in den Markt zu bringen und Forschung, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland und Europa zu halten.“
Sparprogramme und strategische Neuausrichtungen großer Hersteller wie Volkswagen und Porsche zeigen, wie tiefgreifend sich die Branche verändert. Elektromobilität, Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle verlangen hohe Investitionen und neue Kompetenzen. Zugleich verschärfen internationale Wettbewerber, Zölle sowie hohe Energie- und Arbeitskosten den Druck auf die Standorte in Deutschland und Europa.
VDIK-Präsidentin Imelda Labbé sieht die europäische Automobilwirtschaft deshalb an einem entscheidenden Punkt: Sie müsse neue Kompetenzen in Software und Batteriechemie aufbauen, ohne ihre klassischen Stärken preiszugeben. Damit Elektromobilität schneller vorankomme, brauche es zugleich eine abgestimmte Strategie für Ladeinfrastruktur, Strompreise und den Hochlauf der Fahrzeuge. Politik und Wirtschaft müssten dafür Ressort- und föderale Grenzen überwinden, Innovation gezielter fördern und neue Technologien schneller in die Erprobung bringen.
Wie wichtig dieser Schritt von der Entwicklung in die Anwendung ist, zeigt sich nach Einschätzung von Thomas Vietor besonders beim autonomen Fahren. Zwar verfüge die deutsche Automobilwirtschaft weiterhin über große Stärken bei Fahrwerk, Karosserie, Sicherheit und Produktionsqualität. Bei Software, Digitalisierung und Batterietechnik müsse sie jedoch aufholen. Vietor plädiert deshalb für größere, bundesweit koordinierte Feldversuche und einen schnelleren Transfer aus der Forschung in marktfähige Anwendungen. Sonst drohe Deutschland, dieses Zukunftsfeld internationalen Wettbewerbern zu überlassen.
„Moin Wirtschaft“ ist der Wirtschaftspodcast der IHKLW. Einmal im Monat spricht Kirschenmann mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über Themen, die Unternehmen in der Region bewegen. Die aktuelle Folge beleuchtet, warum die Zukunft der Automobilindustrie nicht allein von Sparprogrammen abhängt: Entscheidend ist, ob es gelingt, technologische Kompetenz schneller in marktfähige Innovationen zu übersetzen und dafür international wettbewerbsfähige Bedingungen zu schaffen.
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Lüneburg, 16. Juli 2026
