Sommerfest in Winsen

Freiheit, Fortschritt, Fachkräfte: Unter diesem Motto hat die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) am 20. August ihr Sommerfest auf dem Gelände von Green Eagle Golf Courses in Winsen (Luhe) gefeiert. Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten darüber, was Unternehmen brauchen, damit wieder mehr wirtschaftliche Dynamik entsteht. Zentrale Impulse gaben Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, und der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen Grant Hendrik Tonne.
Zu Beginn machte IHKLW-Präsident Andreas Kirschenmann deutlich: „Den Kostenwettbewerb mit günstigen Produktionsländern können wir nicht gewinnen – und wir müssen es auch nicht. Unsere Stärke liegt in besseren Produkten, technologischer Kompetenz und Innovation. Die Rahmenbedingungen sind schwierig, aber wir sind stärker, als wir uns manchmal selbst erzählen. Unser Anspruch muss sein, Produkte auf die Weltmärkte zu bringen, die so gut sind, dass die Menschen sie haben wollen und bereit sind, dafür mehr zu bezahlen.“
Gemeinsam mit IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert ordnete Kirschenmann die Lage der regionalen Wirtschaft ein. Die Stimmung sei gedämpft, zugleich dürfe Deutschland seine Stärken nicht kleinreden. Entscheidend sei, Forschung, technologische Kompetenz und unternehmerische Ideen schneller in marktfähige Produkte zu übersetzen. Dafür brauche es einen Staat, der schneller entscheidet und Unternehmen mehr Raum zum Handeln gibt.
Wirtschaftsminister Tonne warb dafür, auch Niedersachsens Stärken offensiver zu vertreten. „Niedersachsen hat mehr zu bieten, als wir manchmal selbst zeigen. Wir sind ein starkes Industrieland und zugleich ein Standort, an dem Energiewende und Transformation konkret stattfinden. Diesen Anspruch müssen wir offensiver vertreten – im Wettbewerb um Investitionen, Unternehmen und kluge Köpfe. Unser Ziel muss sein, dass Niedersachsen als ein Land wahrgenommen wird, in dem Zukunft nicht nur geplant, sondern gemacht wird.“
Hüther stellte die wirtschaftliche Freiheit in den Mittelpunkt seines Impulses. Marktwirtschaft, Demokratie und Zivilgesellschaft müssten gemeinsam gedacht werden. Für neues Wachstum brauche Deutschland verlässliche Bedingungen für private Investitionen, leistungsfähige Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung. Auch Europa müsse seine Stärke besser nutzen: Der Binnenmarkt sei angesichts wachsender Handelskonflikte ein zentraler Wirtschafts- und Chancenraum.
Im zweiten Teil des Bühnenprogramms ging es um Fortschritt und Fachkräfte. Hüther machte deutlich, dass der demografische Wandel das verfügbare Arbeitsvolumen unter Druck setzt. Gemeinsam mit IHKLW-Vizepräsidentin und Unternehmerin Dr. Nina Lorea Kley diskutierte er darüber, wie vorhandene Potenziale besser genutzt werden können. Dazu gehören flexiblere Arbeitszeiten, eine Personalpolitik für unterschiedliche Lebensphasen, Aus- und Weiterbildung sowie die schnellere Integration internationaler Fachkräfte. Kley zeigte anhand ihres Unternehmens, wie Arbeitgeber mit einer starken Unternehmenskultur und konkreten Angeboten Beschäftigte gewinnen und halten können.
Wie stark fehlender Freiraum Unternehmen bremst, zeigen die Ergebnisse der aktuellen IHKLW-Bürokratieumfrage unter rund 220 Unternehmen von Mitte Juli bis Mitte August. Viele Befragte wenden monatlich zwischen zehn und mehr als 60 Stunden für bürokratische Pflichten auf, hinzu kommen jährliche Zusatzkosten von mehreren Tausend bis über 50.000 Euro. Investitionen und Projekte werden deshalb verschoben oder gestrichen. Gefordert werden weniger Berichtspflichten, einfachere Verfahren, digitale One-Stop-Lösungen und mehr Vertrauen statt Generalverdacht.
Kirschenmann zog daraus ein klares Fazit: „Wer Fortschritt will, muss unternehmerische Freiheit ermöglichen. Wer wachsen will, braucht Menschen und Technologien. Und wer beides zusammenbringt, schafft neue Zuversicht. Unsere Region hat alle Voraussetzungen dafür.“