Konjunkturbericht Nordostniedersachsen 3. Quartal 2021

Gesamtwirtschaft Nordostniedersachsen

2021-03-NON-Konjunkturlage
Aus den Rückmeldungen der regionalen Wirtschaft zu ihrer gegenwärtigen geschäftlichen Lage und zu ihren Geschäftserwartungen ergibt sich ein gegenläufiger Trend. Die Geschäftslage wird mittlerweile drei Quartale in Folge immer positiver eingeschätzt, sodass nun 87 Prozent von einer günstigen oder zumindest befriedigenden Lage berichten und nur 13 Prozent die aktuelle Lage als „schlecht‘ einstufen. Die Geschäfte in den kommenden Monaten werden allerdings wieder pessimistischer beurteilt, sodass immerhin ein Viertel der Betriebe mit schlechteren Geschäften rechnet.
Das Konjunkturgeschehen wird nicht mehr allein durch die Corona-Thematik bestimmt - auch wenn die Sorge vor erneuten bzw. länger anhaltenden gesundheitspolitisch motivierten Eingriffen in die Geschäftsabläufe gerade in den besonders betroffenen Branchen weiterhin präsent ist. In den Vordergrund treten inzwischen jedoch wieder vermehrt anderweitige Probleme. An vorderster Stelle stehen dabei die mangelnde Verfügbarkeit und die Preisentwicklung von Rohstoffen und Vorprodukten (indirekt natürlich auch eine Folge der Pandemie). Mittlerweile sind die erheblich gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise zum Top-Risiko für die regionale Wirtschaft avanciert. Zwei Drittel der befragten Betriebe sehen hierin eine Gefahr für ihre künftige Unternehmensentwicklung. Teilweise sind die Lieferengpässe so gravierend, dass erhebliche Geschäftsvolumina nicht realisiert werden können. Die zunehmende Skepsis der regionalen Wirtschaft drückt sich auch in der Entwicklung ihrer Investitionsplanungen aus. Zwar gehen immer noch 29 Prozent der Unternehmen von einer Ausweitung ihrer Investitionsbudgets aus – 21 Prozent planen jedoch, ihre Investitionsprogramme zusammenzustreichen. Im Vorquartal waren diese Relationen günstiger ausgefallen.
2021-03-NON-Hauptbranchen

Industrie

2021-03-NON-Industrie
Die Industrie ist Hauptbetroffene der aktuellen Lieferengpässe und Preisanstiege bei Rohstoffen, Vorprodukten und Einsatzmaterialien. 79 Prozent der produzierenden Betriebe bezeichnen die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise als ein erhebliches Geschäftsrisiko. In allen Industriezweigen sind Stahl, Aluminium, Kupfer, Holz und Verpackungen ebenso Mangelware wie Elektronikkomponenten. Besonders in der Fahrzeugindustrie herrscht ein massives Defizit an Halbleitern. Für zusätzliche Belastungen sorgen zudem Logistikprobleme und hohe Frachtkosten. Die generell lebhafte Nachfrage nach Industrieprodukten kann so mitunter nicht bedient werden. All dies schlägt sich in der Stimmung der Branche nieder. So beurteilt die regionale Industrie ihre Geschäftslage – als einziger hier betrachteter Wirtschaftszweig – aktuell wieder etwas schlechter als noch im Sommer. Gleichwohl bezeichnen immer noch 18 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 64 Prozent sehen sie zumindest als befriedigend an. 18 Prozent der Produktionsunternehmen sind mit ihrer geschäftlichen Situation derzeit unzufrieden. Auch wenn die Kundenorders zuletzt etwas nachgelassen haben, verfügt die regionale Industrie weiterhin über ein ansehnliches Auftragspolster. Daher setzt die Branche auf eine gedeihliche Entwicklung, sobald die aktuellen Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten überwunden sind.
2021-03-NON-Industrie-2

Einzelhandel

2021-03-NON-Einzelhandel
Der Konjunkturklimaindikator im Einzelhandel, der im Anschluss an seinen Lockdown-bedingten Niedergang im Sommer steil angestiegen war, vollzog im Herbst nur noch eine Seitwärtsbewegung. Er erreichte wie im Vorquartal einen Stand von 102. Sein statisches Verharren resultiert aus gegenläufigen Entwicklungen der beiden Eingangsvariablen: Geschäftslage und Geschäftserwartungen. Die geschäftliche Lage der regionalen Einzelhandelsbetriebe hat sich im Vergleich zum Vorquartal erkennbar verbessert. 17 Prozent der Einzelhändler bezeichnen ihre geschäftliche Situation als gut, 80 Prozent empfinden sie zumindest als befriedigend. Lediglich 3 Prozent berichten von schlecht laufenden Geschäften. Mit dem weitgehenden Entfall der Beschränkungen zur Pandemiebekämpfung hat sich die Konsumneigung der Verbraucher stabilisiert. Der Einzelhandel nähert sich somit langsam wieder dem Normalzustand an – wenn auch die Kundenfrequenzen in den Innenstädten immer noch nicht an das Vorkrisenniveau heranreichen. Der stationäre Handel hat daher weiterhin stärker zu kämpfen als der Online-Handel. Die geschäftlichen Erwartungen der Händler für die kommenden Monate sind eher zurückhaltend, zumal auch der Einzelhandel von Lieferschwierigkeiten betroffen ist. Zudem besteht die Befürchtung, dass hohe Inflationsraten und der winterliche Pandemieverlauf die Konsumstimmung drücken könnten.
2021-03-NON-Einzelhandel-2

Großhandel

2021-03-NON-Grosshandel
Mit einem um nur zwei Punkte angestiegenen Indikatorstand von 109 herrscht auch im Großhandel ein eher stagnierendes Konjunkturklima, das durch konträr verlaufende Trends bei Geschäftslage und Geschäftserwartungen gekennzeichnet ist. Die geschäftlichen Lagebeurteilungen der Grossisten haben zum Herbst hin einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Fast die Hälfte der Großhändler vermeldet eine gute Geschäftslage und 38 Prozent sprechen von einem zumindest befriedigenden Geschäftsverlauf. Nur 16 Prozent klagen über schlechte Geschäfte. Einem guten Teil der Großhändler ist es gelungen, seine Umsätze gegenüber dem Vorquartal zu steigern. Dabei profitierte der konsumnahe Großhandel vom Anstieg des privaten Verbrauchs nach erfolgter Rückführung pandemiebedingter Restriktionen und der produktionsbezogene Großhandel von der Bestellfreudigkeit seiner Industriekunden. Merklich eingetrübt hat sich allerdings – nach den sehr zuversichtlichen Prognosen des Sommers – der vorausschauende Blick auf die künftige Geschäftsentwicklung. Inzwischen sind die Pessimisten 27 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte) gegenüber den Optimisten (19 Prozent rechnen mit besseren Geschäften) nun in der Mehrheit. Liefer- und Logistikprobleme fordern somit auch im Großhandel ihren Tribut.
2021-03-NON-Grosshandel-2

Dienstleistungen

2021-03-NON-Dienstleistungen
In der Dienstleistungswirtschaft ist der sektorale Konjunkturklimaindikator um 29 Punkte angestiegen. Mit einem aktuellen Indikatorstand von 121 rangieren die Dienstleister aber damit nun vor allen anderen hier betrachteten Wirtschaftszweigen. Vor allem die gegenwärtige Geschäftslage wird deutlich besser eingeschätzt als noch im Sommer. Zahlreiche Dienstleister konnten ihre Umsätze und Erträge ebenso steigern wie ihre Auftragseingänge. Derzeit bewerten 47 Prozent aller Dienstleister ihre Geschäftslage als gut, 42 Prozent sehen sie als befriedigend an. Nur 11 Prozent der Betriebe sind mit ihrer Situation unzufrieden. Viele Zweige der Dienstleistungswirtschaft haben einen guten Teil des Rückweges zur Normalität also bereits geschafft. Für besonders stark von der Pandemie betroffene Dienstleister etwa aus dem Gastgewerbe oder der Reise- und Veranstaltungsbranche dürfte dieser Weg aber auch in den kommenden Monaten noch steinig bleiben.
2021-03-NON-Dienstleistungen-2