Konjunkturbericht Braunschweig-Wolfsburg 3. Quartal 2021

Gesamtwirtschaft Region Braunschweig-Wolfsburg

2021-03-BS-WOB-Konjunkturlage
Die Rückmeldungen der regionalen Wirtschaft zu ihrer geschäftlichen Lage und zu ihren Geschäftserwartungen sind grundsätzlich zufriedenstellend. In beiden Fällen überwiegt der Anteil der Positivbeurteilungen gegenüber dem Anteil negativer Bewertungen. Verglichen mit dem Vorquartal zeigen sich allerdings deutliche Bremsspuren. Vor allem beim Blick auf die künftige geschäftliche Entwicklung schwindet der zuvor noch sehr viel stärker ausgeprägte Optimismus. Immerhin wird das Konjunkturgeschehen nicht mehr allein durch die Corona-Thematik bestimmt - auch wenn die Sorge vor erneuten bzw. länger anhaltenden gesundheitspolitisch motivierten Eingriffen in die Geschäftsabläufe gerade in den besonders betroffenen Branchen weiterhin präsent ist. In den Vordergrund treten inzwischen jedoch wieder vermehrt anderweitige Probleme. An vorderster Stelle stehen dabei die mangelnde Verfügbarkeit und die Preisentwicklung von Rohstoffen und Vorprodukten (indirekt natürlich auch eine Folge der Pandemie). Mittlerweile sind die erheblich gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise zum Top-Risiko für die regionale Wirtschaft avanciert. Zwei Drittel der befragten Betriebe sehen hierin eine Gefahr für ihre künftige Unternehmensentwicklung. Teilweise sind die Lieferengpässe so gravierend, dass erhebliche Geschäftsvolumina nicht realisiert werden können.
2021-03-BS-WOB-Indikatoren-Gesamtwirtschaft
Die zunehmende Skepsis der regionalen Wirtschaft drückt sich auch in der Entwicklung ihrer Investitions- und Beschäftigungsplanungen aus. Nachdem sowohl die Investitionsneigung als auch die Beschäftigungsbereitschaft der befragten Betriebe zuletzt fünf Mal in Folge angestiegen war, haben sich diese Positivtrends zum Herbst hin nicht mehr fortgesetzt. Zwar gehen immer noch 30 Prozent der Unternehmen von einer Ausweitung ihrer Investitionsbudgets aus – 22 Prozent planen jedoch, ihre Investitionsprogramme zusammenzustreichen. Im Vorquartal waren diese Relationen noch erkennbar günstiger ausgefallen. Und auch bei ihren Personalplänen lässt die regionale Wirtschaft derzeit Vorsicht walten. Diese konnten sich aber immerhin auf dem Niveau des Vorquartals halten.
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Industrie

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Die Industrie ist Hauptbetroffene der aktuellen Lieferengpässe und Preisanstiege bei Rohstoffen, Vorprodukten und Einsatzmaterialien. 85 Prozent der produzierenden Betriebe bezeichnen die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise als ein erhebliches Geschäftsrisiko. In allen Industriezweigen sind Stahl, Aluminium, Kupfer, Holz und Verpackungen ebenso Mangelware wie Elektronikkomponenten. Besonders in der Fahrzeugindustrie herrscht ein massives Defizit an Halbleitern. Für zusätzliche Belastungen sorgen zudem Logistikprobleme und hohe Frachtkosten. Die generell lebhafte Nachfrage nach Industrieprodukten kann so mitunter nicht bedient werden. All dies schlägt sich in der Stimmung der Branche nieder. So beurteilt die regionale Industrie ihre Geschäftslage – als einziger hier betrachteter Wirtschaftszweig – aktuell wieder etwas schlechter als noch im Sommer. Gleichwohl bezeichnen immer noch 28 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 58 Prozent sehen sie zumindest als befriedigend an. Nur 14 Prozent der Produktionsunternehmen sind mit ihrer geschäftlichen Situation derzeit unzufrieden. Auch wenn die Kundenorders zuletzt etwas nachgelassen haben, verfügt die regionale Industrie weiterhin über ein ansehnliches Auftragspolster. Daher setzt die Branche auf eine gedeihliche Entwicklung, sobald die aktuellen Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten überwunden sind. Diese Hoffnung spiegelt sich auch in den Geschäftserwartungen wider, die sich gegenüber dem Vorquartal verbessert zeigen.

Einzelhandel

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Der Konjunkturklimaindikator im Einzelhandel, der im Anschluss an seinen Lockdown-bedingten Niedergang im Sommer steil angestiegen war, vollzog im Herbst nur noch eine Seitwärtsbewegung. Er konnte lediglich einen einzigen Punkt gutmachen und erreichte einen Stand von 97. Sein statisches Verharren resultiert aus gegenläufigen Entwicklungen der beiden Eingangsvariablen: Geschäftslage und Geschäftserwartungen. Die geschäftliche Lage der regionalen Einzelhandelsbetriebe hat sich im Vergleich zum Vorquartal erkennbar verbessert. 12 Prozent der Einzelhändler bezeichnen ihre geschäftliche Situation als gut, drei Viertel empfinden sie zumindest als befriedigend. 13 Prozent berichten von schlecht laufenden Geschäften. Hatten im Sommer die prekären Rückmeldungen noch deutlich überwogen, so halten sich Positiv- und Negativurteile nun annähernd die Waage. Mit dem weitgehenden Entfall der Beschränkungen zur Pandemiebekämpfung hat sich die Konsumneigung der Verbraucher stabilisiert. Der Einzelhandel nähert sich somit langsam wieder dem Normalzustand an – wenn auch die Kundenfrequenzen in den Innenstädten immer noch nicht an das Vorkrisenniveau heranreichen. Der stationäre Handel hat daher weiterhin stärker zu kämpfen als der Online-Handel. Die geschäftlichen Erwartungen der Händler für die kommenden Monate sind eher zurückhaltend, zumal auch der Einzelhandel von Lieferschwierigkeiten betroffen ist. Zudem besteht die Befürchtung, dass hohe Inflationsraten und der winterliche Pandemieverlauf die Konsumstimmung drücken könnten.

Großhandel

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Mit einem um zwei Punkte rückläufigen Indikatorstand von 106 herrscht auch im Großhandel ein eher stagnierendes Konjunkturklima, das durch konträr verlaufende Trends bei Geschäftslage und Geschäftserwartungen gekennzeichnet ist. Die geschäftlichen Lagebeurteilungen der Grossisten haben zum Herbst hin einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. 22 Prozent der Großhändler vermelden eine ansprechende Geschäftslage und fast zwei Drittel sprechen von einem befriedigenden Geschäftsverlauf. Nur 13 Prozent klagen über schlechte Geschäfte. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt demnach +9 und liegt erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder im Positivbereich. Einem guten Teil der Großhändler ist es gelungen, seine Umsätze gegenüber dem Vorquartal zu steigern. Dabei profitierte der konsumnahe Großhandel vom Anstieg des privaten Verbrauchs nach erfolgter Rückführung pandemiebedingter Restriktionen und der produktionsbezogene Großhandel von der Bestellfreudigkeit seiner Industriekunden. Merklich eingetrübt hat sich allerdings – nach den sehr zuversichtlichen Prognosen des Sommers – der vorausschauende Blick auf die künftige Geschäftsentwicklung. Inzwischen sind die Optimisten (30 Prozent erwarten bessere Geschäfte) gegenüber den Pessimisten (26 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften) nur noch knapp in der Mehrheit. Liefer- und Logistikprobleme fordern somit auch im Großhandel ihren Tribut.

Dienstleistungen

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In der Dienstleistungswirtschaft ist der sektorale Konjunkturklimaindikator um sieben Punkte gefallen. Mit einem aktuellen Indikatorstand von 122 rangieren die Dienstleister aber immer noch vor allen anderen hier betrachteten Wirtschaftszweigen. Ins Minus gerissen wird das Konjunkturklima der Branche allein durch die rückläufigen Geschäftserwartungen, die in den Vorumfragen noch von ausgeprägter Zuversicht gekennzeichnet waren. Trotz der merklich angewachsenen Skepsis überwiegen aber immer noch die positiven Prognosen. So rechnen 28 Prozent der Dienstleister mit einer geschäftlichen Aufhellung und gut die Hälfte geht von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. 19 Prozent erwarten eine Eintrübung. Die geschäftliche Lage der Dienstleistungsbetriebe hat sich dagegen zum Herbst hin noch einmal erkennbar verbessert. Zahlreiche Dienstleister konnten ihre Umsätze und Erträge ebenso steigern wie ihre Auftragseingänge. Derzeit bewerten 43 Prozent aller Dienstleister ihre Geschäftslage als gut, die Hälfte sieht sie als befriedigend an. Nur 7 Prozent der Betriebe sind mit ihrer Situation unzufrieden. Der Saldo aus positiven und negativen Lagebeurteilungen beträgt demnach +36, was den besten Wert seit Beginn der Corona-Krise darstellt. Viele Zweige der Dienstleistungswirtschaft haben einen guten Teil des Rückweges zur Normalität also bereits geschafft. Für besonders stark von der Pandemie betroffene Dienstleister etwa aus dem Gastgewerbe oder der Reise- und Veranstaltungsbranche dürfte dieser Weg aber auch in den kommenden Monaten noch steinig bleiben.