5 min
Lesezeit
Ankommen mit Ausbildung
Der 17-jährige Vladyslav Koshyl ist aus der Ukraine geflüchtet und legt den Grundstein für seine berufliche Zukunft in Wolfsburg: mit einer Ausbildung bei Schnellecke Logistics. Über seinen Weg berichtet er beim Fachberatertag auf der IdeenExpo.
Tobias Streich erinnert sich noch gut an den Tag, an dem Vladyslav Koshyl zum Bewerbungsgespräch bei Schnellecke Logistics erschien. Der damals 17-Jährige hatte um einen späteren Termin gebeten, um von Cuxhaven aus rechtzeitig mit der Bahn nach Wolfsburg zu kommen. Weil Koshyl erst zwei Jahre zuvor aus der Ukraine geflüchtet war, rechnete Streich mit einer Sprachbarriere. Doch die Sorge war schnell verflogen. „Wir haben schnell gemerkt, dass die Sprache absolut kein Problem ist“, sagt der Head of Group Competence Center Data Integration.
Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil sich Koshyl seine Deutschkenntnisse ebenso wie sein technisches Wissen selbst angeeignet hat. Auch den Ausbildungsplatz hatte er eigenständig gefunden. „Bei Vlad stimmte alles, was im Lebenslauf stand, und er hat mit leuchtenden Augen über IT und Programmierung geredet“, sagt Streich, der Koshyl fachlich ausbildet.
Frühzeitige Berufsorientierung
Heute lernt der 19-Jährige bei Schnellecke Logistics den Beruf des Fachinformatikers für Anwendungsentwicklung. Es ist genau der Bereich, für den er sich schon früh begeistert hat. Seit September ist Koshyl außerdem IHK-Ausbildungsbotschafter. In dieser Rolle besucht er Schulen und spricht mit Jugendlichen über seinen Ausbildungsberuf, seinen Weg in den Betrieb und die Chancen, die eine duale Ausbildung eröffnet.
Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) setzt seit mehr als zehn Jahren auf dieses Prinzip: Berufsorientierung auf Augenhöhe. Junge Auszubildende berichten aus erster Hand, wie der Alltag im Betrieb aussieht, welche Anforderungen der Beruf stellt und warum sich eine Ausbildung lohnt.
Koshyl war bisher an drei Schulen im Einsatz und hat auch auf Ausbildungsmessen mitgewirkt. „Ich habe dabei meine eigenen rhetorischen Fähigkeiten verbessern können“, sagt er. Auf einer Messe traf er junge Ukrainer, denen er später bei ihren Bewerbungsunterlagen half. So wird aus Berufsorientierung konkrete Unterstützung.
Präsentationsfähigkeiten stärken
Auch für Schnellecke Logistics ist der Einsatz als Ausbildungsbotschafter ein Gewinn. Carla Osteroth, Teamleiterin Ausbildung im Regionalbereich Personal Deutschland, sieht darin eine Möglichkeit, junge Menschen zu stärken. „Vlad hatte schon in der Vergangenheit bewiesen, dass er toll präsentieren kann. Mir war es trotzdem wichtig, dass er lernt, sich noch weiter aus der eigenen Komfortzone hinauszubewegen.“
Dass diese Erfahrung prägt, erlebt Osteroth im Unternehmen regelmäßig. Im zweiten Lehrjahr präsentieren die Auszubildenden vor dem Vorstand. Wer vorher schon vor Schulklassen gesprochen hat, geht anders in solche Situationen. „Nach ihren Einsätzen an der Schule stehen die jungen Menschen dann total selbstbewusst vorn. Das ist das Schönste für mich – ganz unabhängig von Geschlecht, Ausbildungsberuf oder Migrationshintergrund.“ Koshyl selbst hat vor seinem ersten Schuleinsatz genau überlegt, was Jugendliche wirklich wissen wollen. „Für mich selbst wäre es wichtig gewesen zu sehen, welche Anwendungsfälle und Projekte ich als Programmierer im Betrieb bearbeiten kann“, sagt er. Diesen Praxisbezug will er weitergeben.
Arbeitsergebnisse beflügeln
Bei Schnellecke Logistics bekam er ihn früh. Seine erste Station war die Regionale IT. „Ich konnte meine Ideen ausdrücken und die Kollegen haben mir zugehört“, sagt Koshyl. Vor Kurzem entwickelte er eine Anwendung, die erfolgreich in einem Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen getestet wurde. „Ich kann die Ergebnisse meiner Arbeit sehen und das macht mir am meisten Spaß.“
Auch Tobias Streich betont, wie wichtig dieser Bezug zur betrieblichen Realität ist. „Die Jugendlichen müssen verstehen, dass die ITler ganz konkrete Anwendungen für den Logistik-Bereich entwickeln. Ohne IT geht nichts mehr.“
Schnellecke Logistics beschäftigt weltweit rund 17.000 Mitarbeitende. Am Standort Wolfsburg stellt das Unternehmen pro Jahr etwa 15 Auszubildende ein, bis zu drei davon im IT-Bereich. Rund die Hälfte der Bewerbungen habe einen Migrationshintergrund, sagt Streich. Für Carla Osteroth gehört es zur Verantwortung des Unternehmens, jungen Menschen Chancen zu eröffnen. „Als zweitgrößter Arbeitgeber in Wolfsburg tragen wir auch eine soziale Verantwortung, deshalb ist es unsere Motivation, jungen Leuten eine Chance zu geben.“
Zuhause in Deutschland und in der Ukraine
Koshyl kann hoffen, nach seiner Ausbildung bei Schnellecke zu bleiben. Wie stark er im Unternehmen angekommen ist, zeigt sich auch daran, wie Osteroth über seine Zukunft spricht: „Wenn du nach drei Jahren Ausbildungszeit sagst: Ich bin euch unglaublich dankbar, aber ich möchte jetzt nach Hause, dann stehen wir hinter dir. Du hast ein Zuhause in Deutschland, aber du hast natürlich auch ein Zuhause in der Ukraine.“
Wie sich die Lage in seiner Heimat entwickelt, weiß Koshyl nicht. Seine Zukunft in Deutschland gestaltet er trotzdem aktiv. Dazu gehört für ihn auch, weiter als Ausbildungsbotschafter unterwegs zu sein. „Wenn meine Erfahrung anderen helfen kann, dann freue ich mich darüber.“
Nachwuchs direkt erreichen
Wer Auszubildende sucht, sollte dort sichtbar sein, wo Jugendliche ihre Berufswahl vorbereiten: in der Schule. Als Ausbildungsbotschafter*innen stellen Azubis im zweiten oder dritten Lehrjahr ihren Beruf und Betrieb vor – authentisch, nahbar, auf Augenhöhe. Ausbildungsbetriebe benennen geeignete Azubis, ermöglichen ihnen die Teilnahme am IHKLW-Angebot und stellen sie für Schuleinsätze frei. Unsere IHKLW bereitet die Azubis auf ihre Einsätze in den Klassenzimmern vor, schult sie in Kommunikations- und Präsentationstechniken. So kommen Unternehmen früh mit potenziellen Bewerber*innen in Kontakt, machen ihre Berufe greifbar und stärken ihre Präsenz als Arbeitgeber.
Wer Auszubildende sucht, sollte dort sichtbar sein, wo Jugendliche ihre Berufswahl vorbereiten: in der Schule. Als Ausbildungsbotschafter*innen stellen Azubis im zweiten oder dritten Lehrjahr ihren Beruf und Betrieb vor – authentisch, nahbar, auf Augenhöhe. Ausbildungsbetriebe benennen geeignete Azubis, ermöglichen ihnen die Teilnahme am IHKLW-Angebot und stellen sie für Schuleinsätze frei. Unsere IHKLW bereitet die Azubis auf ihre Einsätze in den Klassenzimmern vor, schult sie in Kommunikations- und Präsentationstechniken. So kommen Unternehmen früh mit potenziellen Bewerber*innen in Kontakt, machen ihre Berufe greifbar und stärken ihre Präsenz als Arbeitgeber.
Kontakt
