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Digitalisierung zwischen Chance und Nachteil

Optimierung und Rationalisierung

Wer bei romeis IE GmbH in Gelnhausen den telefonischen Weg zur Kontaktaufnahme wählt, bekommt mehr als einen Vorgeschmack darauf, was das Unternehmen bietet. Verbunden wird der Anrufer direkt mit einer Künstlichen Intelligenz (KI), die Gründer und Geschäftsführer Christian Romeis mit seinem 20-köpfigen Team entwickelt hat: Die KI-Telefonassistenz Guude.ai wickelt nicht nur die erste Kontaktaufnahme sowie Weiterleitung wie an einem Empfang ab, sondern kann bei Recruitingprozessen vorqualifizieren. Keine Frage, die Entwicklung im digitalen Bereich schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran. Die saloppen Fragen, was in Zukunft noch kommt und wo die Chancen liegen, hat Christian Romeis beantwortet.
Christian Romeis sitzt vor seinem geöffneten Laptop.
Christian Romeis von romeis IE GmbH in Gelnhausen spricht über Chancen und Nachteile der Digitalisierung. © IHK
Um die Fragen der Zukunft zu beantworten, blickt der 45-Jährige erstmal zurück: „Der Schritt in Richtung KI war etwas Neues, weil ich nun erschwinglich Prozesse automatisieren kann. Das war schon ein krasser Schritt, der noch dazu für Jedermann verfügbar ist.“ Als Softwareschmiede und KI-Beratung ist die romeis IE GmbH genau in diesem Bereich tätig und automatisiert und integriert Arbeitsprozesse. Christian Romeis hat das Unternehmen vor zwölf Jahren transformiert, davor war er in der Unternehmensberatung aktiv. „Wir sind Prozessoptimierer. Wir schauen uns immer den gesamten Prozess an und picken uns nicht nur einen Teil heraus. Es gilt aber auch die Devise, nur weil es eine KI gibt, muss ich diese nicht zwingend benutzen. Die Technologie soll Prozesse vereinfachen.“ Daher führt das Unternehmen nach Beauftragung einen Workshop mit den Mitarbeitern durch, deren Prozesse digitalisiert werden sollen. So bekommt das Team ein umfassendes Bild davon, was die KI leisten soll. Beispiele, die sich Stand jetzt für eine Prozessoptimierung eignen, seien Verwaltungsabläufe.
Dabei hat Christian Romeis auch Verständnis für Skeptiker: „Der ganze Prozess kann auch Angst machen. Viele Fragen sich, was bei Einzug der KI mit dem Menschen passiert und ob Stellen deswegen wegfallen.“ Diese Gedankengänge kennt der Geschäftsführer nicht nur von Kunden, sondern auch aus seinem Unternehmen. Dort wird nämlich genau mit diesem Thema offen umgegangen. „Es wird Branchen geben, die früher davon betroffen sind – meine Branche zum Beispiel. Wir kreieren KI, die irgendwann unseren Job machen soll. Und dies wird in den nächsten Jahren der Fall sein“, redet Christian Romeis Klartext: „Softwareentwickler rationalisieren sich selbst weg.“
Obwohl die Situation nicht schönzureden ist, will Christian Romeis nicht den Kopf in den Sand stecken: „Die KI braucht einen Dompteur. Dieser Job stellt dann allerdings andere Anforderungen wie der des Softwareentwicklers.“ Durch interne Workshops nimmt das Team die Situation selbst in die Hand und brainstormt über die Zukunft. Gleichzeitig nimmt der Geschäftsführer auch die Gesellschaft beim Thema Digitalisierung und Ersetzen von Arbeitsprozessen oder gar kompletten Berufen in die Pflicht: „Hier muss sich die Gesellschaft Gedanken machen, wie wir damit umgehen wollen.“
Wie die Zukunft im Fall von KI wirklich aussehen wird, gleicht laut Christian Romeis ein Stück weit dem Blick in die Glaskugel. „KI-Applikationen werden besser und besser und es werden neue dazu kommen“, ist er sich in diesem Punkt sicher und gibt noch einen Tipp: „Es wird wichtig sein, den Überblick zu behalten und nicht einfach ein Modell integrieren, nur um eine KI zu haben.“ Außerdem geht der Fachmann davon aus, dass menschliche Interaktionen wie Gestik, Mimik, Stimmung mehr werden wird. Gemeint ist das Erkennen und Zeigen von Emotionen. Hier wird der Gelnhäuser konkret und spricht von einem Avatar, der in einen Raum projiziert wird „und dann redet da der verstorbene Ehemann mit seiner Frau“. Sicher ist sich Christian Romeis auch, dass irgendwann der Quantencomputer kommen wird. Denn bereits jetzt sind die Ressourcen nicht mehr begrenzt, verfügbare Rechenleistung ist kaum noch ein Thema. Ein spannendes Feld sei außerdem die Robotik. „Da bin ich gespannt. Irgendwann wird die Verbindung mit KI zu einem enormen Potenzial.“
Grenzen sieht Christian Romeis kaum welche und rechnet damit, dass es in ein bis zwei Jahren die Super-KI gibt, die schlauer ist als der Mensch.
Autorin: Julia Meiss
Veröffentlichung: Dezember 2025