„Erfolge bewusst machen und Wachstum erzeugen ist unser Job“
Was braucht es im Umgang mit jungen Erwachsenen, damit die Ausbildung gut gelingen kann? Neben fachlicher Anleitung geht es heute vor allem um Vertrauen, ehrlichen Austausch und ein Umfeld, in dem Fragen gestellt und Fehler gemacht werden dürfen. Entscheidend ist, wie Ausbilderinnen und Ausbilder junge Menschen begleiten, Orientierung geben und eine Beziehung aufbauen, die sowohl fördert als auch Sicherheit vermittelt.
Bei Heraeus wird Ausbildung deshalb längst nicht nur als fachliche Qualifizierung verstanden. Im Gespräch mit Claudia Piechnik und Steffen Winterberg wird deutlich, warum es sich gerade in der heutigen Zeit lohnt, in Ausbildung zu investieren – und worauf es im Umgang mit jungen Erwachsenen wirklich ankommt.
Setzen sich gemeinsam für gute Ausbildung ein: Claudia Piechnik, Ausbildungsleiterin bei Heraeus, und Steffen Winterberg, Ausbildungskoordinator bei Heraeus medevio.
Junge Menschen kommen heute mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in die Berufswelt. Der eine wächst in einem lauten Haushalt mit fünf Geschwistern auf und musste früh lernen, um Aufmerksamkeit zu kämpfen. Die andere setzt sich selbst unter enormen Druck, immer perfekt funktionieren zu müssen. Manche bringen Selbstvertrauen mit, andere vor allem Unsicherheit. Mit dem Start ins Berufsleben kommen weitere Erwartungen hinzu: pünktlich sein, Verantwortung übernehmen, Leistung zeigen, sich ins Team einfügen. Mit der Unterschrift unter dem Ausbildungsvertrag beginnt für die jungen Erwachsenen nicht nur ein neuer Lebensabschnitt, sondern oft auch die erste echte Begegnung mit Verantwortung, Leistungsdruck und beruflicher Identität.
Austausch und Verantwortung in der Ausbildung
Claudia Piechnik ist Ausbildungsleiterin bei Heraeus und erzählt im Gespräch: „Seitdem ich im Bereich der Ausbildung arbeite, wurde mir bewusst, was gesellschaftlich im Umgang mit jungen Menschen falsch läuft.“ Für die 44-Jährige ist die Ausbildung junger Menschen ein „wertvolles Gut“. Viele Auszubildende sind zum Start ihrer Ausbildung gerade einmal 16 Jahre alt, kommen aus unterschiedlichen Familienverhältnissen und bringen ihre ganz eigene Prägung mit. „Wir sind für diese Menschen verantwortlich – man muss sich seiner Verantwortung als Ausbilder bewusst sein“, so Piechnik.
Es brauche Menschen, die junge Erwachsene wirklich sehen – nicht nur ihre Leistungen bewerten, sondern ihnen zuhören, sie ernst nehmen und sie auf ihrem Weg begleiten. „Wenn jemand ein Menschenfreund ist, dann ist vieles möglich“, beschreibt Piechnik. Steffen Winterberg, Ausbildungskoordinator bei Heraeus Medevio, kann sich dem nur anschließen: „Ausbildung ist mehr als nur Fachwissen vermitteln.“ Vielmehr gehe es um Resonanz und darum, miteinander in Kontakt zu kommen und wirklich zu verstehen, wie junge Menschen denken und ticken – weg von reinen Bewertungen, hin zu echtem Austausch. Dafür nimmt sich Winterberg regelmäßig bewusst Zeit für Gespräche. Er stellt Fragen, hört zu und bleibt im offenen Austausch mit seinen Auszubildenden. Dabei scheut er sich auch nicht davor, sie spielerisch herauszufordern und sie zum Nachdenken anzuregen – immer mit dem Ziel, gemeinsam zu lernen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Piechnik ergänzt: „Erfolge bewusst machen und Wachstum erzeugen ist unser Job.“
Offene Fehlerkultur im Lernprozess – ohne Schuldzuweisung
Ein zentraler Punkt, den sowohl Piechnik als auch Winterberg betonen, ist eine offene Fehlerkultur. Fehler gehören für sie ganz selbstverständlich zum Lernen dazu – gerade in der Ausbildung. Deshalb sei es wichtig, dass Auszubildende keine Angst haben müssen, Fehler zuzugeben oder offen darüber zu sprechen. Statt die Suche nach dem Schuldigen in den Vordergrund zu stellen, gehe es laut Piechnik und Winterberg vielmehr darum, gemeinsam zu reflektieren: Was kann beim nächsten Mal anders gemacht werden? Welche Alternative gibt es? Diese Haltung nehme Druck aus der Situation und schaffe Raum für Wachstum, statt Unsicherheit zu verstärken. So entstehe eine Lernkultur, in der Fehler nicht blockieren, sondern weiterbringen.
Schutz und frühes Wahrnehmen von Veränderungen
Durch den regelmäßigen, ehrlichen Kontakt zu den Auszubildenden entsteht ein Gefühl des Gesehenwerdens – auf beiden Seiten. Genau das sorgt dafür, dass auch kleinere Veränderungen im Verhalten schneller auffallen. Wenn jemand plötzlich häufiger zu spät kommt, weniger vorbereitet wirkt als sonst oder insgesamt ungewohnt zurückgezogen oder unsicher erscheint, geht es darum, genau hinzuschauen und das Gespräch zu suchen. Für Piechnik und Winterberg ist dabei wichtig, ohne Druck ins Gespräch zu gehen und den jungen Menschen zu zeigen: Du hast hier jemanden, an den du dich wenden kannst.
Dieses Verständnis von Aufmerksamkeit und Fürsorge sollte dabei nicht auf große Unternehmen beschränkt sein. Auch in kleinen Betrieben oder im Mittelstand mit wenigen Mitarbeitenden lässt sich dieser enge Kontakt leben – oft sogar besonders direkt und unkompliziert.
Für die beiden Ausbildungsexperten ist klar: Die Investition in Auszubildende lohnt sich in jeder Hinsicht. Die Chance, jungen Menschen etwas beizubringen, ihnen Werte mitzugeben und damit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft zu leisten, ist für beide von großer Bedeutung. Ziel sei es, junge Menschen gut ausgebildet in die Welt zu entlassen – Menschen, die etwas bewegen können. „Ausbilden ist nichts für den Moment. Strategisch gesehen gibt es einem sehr viel zurück“, so Winterberg. Was für Piechnik und Winterberg bei Heraeus gilt, sollte in jedem Ausbildungsunternehmen selbstverständlich sein. Ob großes oder kleines Unternehmen: Entscheidend sei nicht die Größe, sondern die Qualität der Ausbildung und der menschliche Umgang mit den Auszubildenden.
Autorin: Selina Lukas
Veröffentlichung: Juli 2026
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