gARTENreich: wilde Möhre? Kornblume? Oder doch lieber die Moschus-Malve?
Die 40-jährige Unternehmerin Katharina Wüst hat sich mit der Planung und Konzeptionierung von Naturgärten vor rund einem Jahr selbstständig gemacht. Mit ihrer Arbeit trägt sie dazu bei, dem Artensterben entgegenzuwirken und die Vielfalt heimischer Insekten zu fördern. Angetrieben wird die Hanauerin von ihrer tiefen Faszination für die Tierwelt und dem großen Wunsch, die Natur ein Stück lebenswerter zu machen.
Wie viele andere Existenzgründer fand auch die Biologin während der Corona-Pandemie zu ihrer Geschäftsidee. Zu dieser Zeit war sie mit einem anderen Unternehmen in Mühlheim selbstständig: Gemeinsam mit ihrem Team züchtete sie Gottesanbeterinnen – ein eher außergewöhnliches Geschäft, das Kunden aus aller Welt anzog. Erfolglos war sie damit nicht, im Gegenteil, wie Wüst rückblickend sagt.
Doch mit der Pandemie änderte sich vieles. Die Zusammenarbeit im Team war plötzlich nicht mehr möglich, der Alltag wurde ruhiger. „Ich hatte damals viel Zeit zum Nachdenken – und auch für die eigene Gartenarbeit“, erinnert sich Wüst. Diese Zeit nutze sie, um ihren Garten im Sinne der Insektenwelt naturnah zu gestalten und zu bepflanzen. Rund 30 verschiedene Pflanzen stellte sie dafür zusammen. Als sie diese im stationären Handel suchte, blieb sie erfolglos. „Ich war total verwirrt, warum es diese Pflanzen nicht zu kaufen gibt. Stattdessen findet man dort die klassischen Stauden und Blumen“, erzählt Wüst. „Dort fehlt die Diversität.“
Schon früh begeisterte sie sich für die Tierwelt und entschied sich deshalb für ein Biologiestudium. Dabei wurde ihr schnell bewusst, wie eng das Überleben heimischer Tierarten mit ihrer Umgebung verknüpft ist. Gerade die geringe Vielfalt im Pflanzenangebot führt laut der Biologin dazu, dass heimische Insekten oft nicht ausreichend Nahrung finden und ihre Lebensgrundlage zunehmend schwindet. Ein alarmierender Gedanke für die Tier- und Pflanzenliebhaberin, der sie 2023 dazu bewegte, eine zweijährige berufsbegleitende Fortbildung zum Naturgartenprofi an der Naturgarten Akademie zu absolvieren.
„Auslöser für meine Geschäftsidee war die Liebe zu den Tieren“, Katharina Wüst
Als Wüst ihre Räumlichkeiten in Mühlheim aus verschiedenen Gründen aufgeben musste, hieß es für die Unternehmerin: Umdenken. „Ich habe keine Angst vor Neuem, ich mach’s einfach“, sagt Wüst entschlossen. Mit diesem Gedanken traf sie eine klare Entscheidung, verabschiedete sich von ihrem bisherigen Geschäft, ihren Mitarbeitenden sowie von der Zucht der Gottesanbeterinnen und gründete ihr Unternehmen „Naturgarten Wüst“ mit Sitz in Hanau-Steinheim. Innerhalb einer schlaflosen Nacht programmierte sie sich ihre eigene Internetseite und verfolgt seitdem ihr Herzensprojekt, mit dem sie ihre Leidenschaft für naturnahe Gärten und den Schutz der Insektenwelt verwirklicht hat.
Ihr fehlt es dabei nicht an Vorstellungskraft, wenn es darum geht, Gärten naturnah zu gestalten und so Lebensräume zu schaffen sowie die Biodiversität zu fördern. „Ich hatte schon immer ein Auge fürs Detail“, sagt die 40-Jährige selbst.
Ob die Umgestaltung eines Schulhofs, von Spielplätzen und Wiesen im Kindergarten oder des privaten Gartens: Seit gut einem Jahr berät Wüst ihre Kunden rund um das Thema naturnaher Garten. Sie zeigt auf, wie eine Umsetzung gelingen kann und welche kleinen Schritte bereits einen großen Unterschied machen – Sei es auch nur, einen kleinen Teil des Rasens bewusst beim Mähen auszulassen.
Die Vorstellungen der Kundschaft verbindet sie mit ihrer eigenen Expertise und entwickelt daraus individuelle Konzepte. Kleinere Arbeiten übernimmt sie selbst, bei größeren Umgestaltungen arbeitet sie eng mit Garten- und Landschaftsbauunternehmen zusammen, die den Gedanken der naturnahen Gartengestaltung teilen.
„Bei einem naturnahen Garten arbeitet man mit der Natur, nicht gegen sie“, so Wüst. Die ersten zwei Jahre seien zwar verbunden mit dem Aufbau und der Entwicklung der Pflanzen, doch danach werde der Pflegeaufwand oft sogar geringer als in einem klassischen, künstlich angelegten Garten. „Unkraut rauszupfen wird kein Thema mehr sein und man kann nach und nach beobachten, wie Leben entsteht“, so die Biologin abschließend.
Autorin: Selina Lukas
Veröffentlichung: Oktober 2026
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