Robotik in der Küche und Qualität auf dem Teller
Vielfalt an Betrieben schafft Vielfalt auf dem Speiseteller – das beweist der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in Hessen. Im Kreisverband Main-Kinzig sind insgesamt 334 Betriebe vertreten. Kreisvorsitzende Daniela Kremhöller berichtet über Herausforderungen in der Branche und benennt, welche Kriterien Gäste beim Restaurantbesuch besonders schätzen. Außerdem wagt sie einen Blick in die Zukunft der Gastronomie, bei der Digitalisierung sowie Robotik eine immer größere Rolle spielen können.
Vom Frankfurter Speckgürtel bis in den touristisch geprägten Spessart: Der Kreisverband hat früh die Weichen gestellt, um sich langfristig für die Zukunft aufzustellen. Im Jahr 2023 sind die früheren Kreisverbande Kinzigtal-Bergwinkel, Hanau, Altkreis Hanau sowie die bereits im DEHOGA Hessen organisierten Betriebe aus Bad Orb zusammengewachsen. „Unsere Mitglieder profitieren nun vollständig von den Angeboten und der Schlagkraft des DEHOGA Hessen“, erläutert Daniela Kremhöller. Sie betont hierfür die enge Anbindung an die Geschäftsstelle Rhein-Main in Frankfurt sowie die Hauptgeschäftsstelle in Wiesbaden.
René Fichtner und Daniela Kremhöller, Vorstand des DEHOGA Kreisverbands Main-Kinzig.
Einer der zentralen Effekte der Fusion sei die stärkere Vernetzung der DEHOGA- Mitglieder, hebt Daniela Kremhöller hervor: „Der Austausch ist lebendig, das Engagement hoch, das Gemeinschaftsgefühl spürbar.“ Die merklich gewachsene Schlagkraft in politischen Gremien, Interessensverbanden und touristischen Netzwerken sorge dafür, dass der wirtschaftliche und gesellschaftliche Beitrag in der Region deutlich starker wahrgenommen werde.
Die 334 Mitgliedsbetriebe der DEHOGA Main-Kinzig seien durch ihre Standorttreue ein tragender Pfeiler von regionalen Wirtschaftskreislaufen, stellt Daniela Kremhöller fest: „Sie sichern Wertschöpfungsketten mit Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Herstellern, Lieferanten, Einrichtern und Dienstleistern. Schließt ein Restaurant, betrifft das am Ende weit mehr als nur den Betrieb selbst.“ Allerdings stehe das Gastgewerbe seit dem Jahr 2020 unter Druck. Neben real sinkenden Umsätzen und gestiegenen Kosten berichtet die Kreisvorsitzende von einer „deutlichen Konsumzurückhaltung“: „weniger Vorspeisen, kein Dessert, ein Glas Wein statt einer Flasche, kein Kaffee zum Ausklang, weniger Firmen- und Privatfeiern.“ In vielen Betrieben seien Einsparpotenziale sowie Investitionen kaum möglich, führt sie aus. Des Weiteren gebe es finanzielle Belastungen, etwa durch aufgenommene Kredite, Rückzahlungen von Coronahilfen und mögliche Rückforderungen von Soforthilfen.
Ein weiterer Faktor sei die Bürokratie, beschreibt Daniela Kremhöller. Dazu gehören etwa umfangreiche Dokumentationspflichten oder Brandschutzauflagen: „Viele Unternehmerinnen und Unternehmer sind mit Leidenschaft Gastgeber – und fühlen sich zunehmend an den Schreibtisch verbannt.“ Die DEHOGA unterstütze ihre Mitglieder diesbezüglich mit einer Rechtsberatung.
Als positive Entwicklungen der vergangenen Jahre nennt die Kreisvorsitzende das im Koalitionsvertrag 2024 verankerte Förderprogramm im ländlichen Raum. Nicht zu vernachlässigen sei zudem die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen zum Jahresbeginn, welche für die Branche ein Signal der Stabilisierung sende. Die Ersparnis werde in den Gaststatten beispielsweise dafür genutzt, um in Mitarbeiter zu investieren, Betriebe zu modernisieren oder Kredite und Darlehen zu bezahlen. Gastronomie wird von den aktuellen Erwartungen der Gäste geprägt. Dies hatten viele Betriebe in der Region erkannt, gibt Daniela Kremhöller an: „Vegetarische Angebote sind heute Standard, vegane Gerichte gewinnen weiter an Bedeutung.“ Themen wie Bio, Regionalität oder Nachhaltigkeit seien feste Qualitätsmerkmale, die von den Menschen geschätzt werden. Diese Aspekte sind zudem zentral für die Zertifizierung „Hessen a la carte“. In der Region erfüllen aktuell sieben Betriebe die Kriterien, teilt die Kreisvorsitzende mit und ergänzt: „Gäste haben Lust auf authentische hessische Küche, die regionale Produkte, Tradition und Innovation verbindet. Entscheidend sind dabei Produktqualität, Ursprünglichkeit und Nachhaltigkeit – Werte, die Vertrauen schaffen und langfristig binden.“
Gewachsen ist in den vergangenen Jahren ebenfalls das Interesse an Erlebnisgastronomie, so Daniela Kremhöller. „Wir freuen uns auf viele weitere kreative Konzepte, die unsere Region bereichern“, teilt sie mit. Der Kreisverband setze sich, in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium, für eine nachhaltige Verbesserung und Stärkung der Tourismus- und Angebotsqualität in der Region ein.
Die fortschreitende Digitalisierung präge Restaurants und Cafés ebenso wie andere Branchen. Häufig stehe neben alternativen Bezahlmöglichkeiten die Arbeitserleichterung im Fokus, sagt Daniela Kremhöller: „Digitale Tischreservierungen, bessere Planungssicherheit, optimierte Abläufe. Plattformen wie OpenTable ermöglichen Gästen eine einfache Buchung, das Hinterlegen von Wünschen oder Allergien und sorgen gleichzeitig für effizientere Betriebsorganisation.“ Spannend sei das Projekt der Spessart Tourismus Marketing GmbH, bei dem vier Wochen lang Serviceroboter kostenfrei genutzt werden können, so die Kreisvorsitzende: „Bereits zehn abgeschlossene Testphasen zeigen: Die Betriebe sind offen für Innovation und bereit, neue Wege zu gehen.“ Sie räumt ein, dass nicht alle Dienstleistungen, insbesondere im Service, vollständig ersetzbar sind: „Am Ende des Tages ist das Gastgewerbe ein ‚People Business‘ – Gaste wünschen die persönliche Betreuung.“
Gastronomie in 20 Jahren
Ein Bild der Gastronomien in 20 Jahren lasse sich in Zeiten des schnellen Wandels nicht so leicht zeichnen, führt Daniela Kremhöller aus. Sie rechnet jedoch mit einer fortschreitenden Digitalisierung in der Branche sowie dem Einsatz von Robotik, um Prozesse zu unterstützen und zu vereinfachen. „Gleichzeitig werden Qualität, Regionalität, Bio-Qualität und echte Dienstleistung auch in 20 Jahren gefragt sein – allerdings mit steigenden Kosten“, erläutert sie weiter. Möglich seien außerdem Konzepte, die bewusst auf Service verzichten, um Gastronomie für viele Gaste erschwinglich zu halten. Eines ist für die Kreisvorsitzende aber sicher: „Hotellerie und Gastronomie sind und bleiben die schönste Branche der Welt, weil sie vom Menschen lebt. Die Leidenschaft für Gastfreundschaft und Dienstleistung ist das Herzstück – heute und in Zukunft.“
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