Lernunterstützung auf Augenhöhe
Anstatt seine Konzernkarriere weiterzuverfolgen, setzt der 25-jährige Fabian Vogel nach seinem Masterabschluss in Mathematik alles auf eine Karte: Mit AvisQnect schafft er eine digitale und gleichsam persönliche Plattform für transparente, faire und empathische Lernunterstützung.
Fabian Vogel spricht mit einer Begeisterung über das Thema Bildung, die weit über das hinausgeht, was von einem klassischen Unternehmensgründer zu erwarten wäre. Der 25-Jährige hat einen akademischen und beruflichen Lebenslauf vorzuweisen, der ihm in der freien Wirtschaft vermutlich alle Türen geöffnet hätte: Ein herausragendes Abitur in sehr jungen Jahren, gefolgt von einem Studium der Mathematik und Informatik, das er mit einem Bachelor in Informatik und einem Master in Mathematik inklusive Bestnoten abschloss. Zuletzt arbeitete er im Bereich Data Science in der freien Wirtschaft, stieg rasch in eine Führungsposition auf und trug Verantwortung für komplexe Projekte.
Doch Vogel entschied sich bewusst gegen den vorgezeichneten Weg. Er kündigte seinen sicheren Job und setzte alles auf eine Karte, um im März dieses Jahres sein eigenes Unternehmen zu gründen: AvisQnect. „Ich habe schon während meiner Schulzeit und im Studium immer Nachhilfe gegeben und als Tutor gearbeitet“, erzählt Vogel. „Es hat mir immer unglaubliche Freude bereitet, wenn aus Frust plötzlich Neugier oder sogar Begeisterung für ein Fach wird, das vorher Probleme bereitet hat.“
Genau diese Erfolgserlebnisse bilden das Fundament seiner Idee. Das Wort „Nachhilfe“ nutzt er nur zögerlich – nicht, weil es falsch wäre, sondern weil es oft mit einem negativen Stigma behaftet ist. Er selbst spricht daher lieber von „Lernunterstützung“ und hat seine Plattform AvisQnect aufgrund seines Informatikhintergrundes komplett selbst aufgesetzt. Entstanden ist dabei ein moderner, digitaler Lernraum.
Das Konzept unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von den etablierten Anbietern am Markt. Anstelle von starren Verträgen und Abo-Modellen, bei denen ungenutzte Stunden verfallen, setzt Vogel auf maximale Transparenz und Flexibilität. Schülerinnen und Schüler können die Plattform unverbindlich testen und genau das Paket wählen, das zu ihrer jeweiligen Situation passt. Ob eine einzelne Stunde vor einer wichtigen Klassenarbeit oder eine längerfristige Begleitung: Bezahlt wird nur, was auch wirklich genutzt wird. Die Unterrichtseinheiten finden vollständig digital statt, inklusive integrierten Chats und gemeinsamen Dokumententools.
Besonders wichtig ist dem Gründer dabei der Nachhaltigkeitsgedanke: „Mein Ziel ist es nicht, jemanden über mehrere Jahre an die Plattform zu binden. Im Idealfall unterstützen unsere Tutoren so effektiv, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, sich selbst zu helfen und die Unterstützung irgendwann gar nicht mehr brauchen.“
Dass Bildung der entscheidende Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die Philosophie von AvisQnect. Gleichzeitig weiß Vogel, dass nicht jedes Elternhaus die gleichen finanziellen Mittel hat. Um zu verhindern, dass qualifizierte Lernunterstützung am Budget der Familie scheitert, ist AvisQnect als offizieller Anbieter für das Bundesprogramm „Bildung und Teilhabe“ anerkannt. Damit können auch sozial benachteiligte Familien die Angebote kostenfrei oder stark vergünstigt in Anspruch nehmen.
Sollte es im Haushalt an der nötigen Hardware fehlen, geht der Gründer sogar noch einen Schritt weiter: Bei Bedarf stellt das Unternehmen Leih-Tablets zur Verfügung, um den digitalen Unterricht überhaupt erst zu ermöglichen. „Bildung darf kein Luxusgut sein“, betont Vogel. „Jeder Mensch kann mit der richtigen Unterstützung nahezu jedes Thema verstehen.“
Auch bei der Wahl seiner Tutoren geht der studierte Mathematiker eigene Wege. Fachliche Kompetenz ist selbstverständlich Grundvoraussetzung, doch reine Einser-Zeugnisse reichen nicht aus. Vogel führt mit allen Bewerberinnen und Bewerbern intensive Einzelgespräche, um Didaktik, Empathie und Vermittlungsfähigkeit zu prüfen. Manchmal sind es jedoch gerade die Lebensläufe mit Ecken und Kanten, die hervorragende Lehrkräfte hervorbringen. „Wer in der Schule selbst einmal in einem Fach gekämpft hat und sich die Note erarbeiten musste, kann Denkblockaden von Schülern oft viel besser nachvollziehen als jemand, dem alles zugeflogen ist“, erklärt Vogel.
Häufig wird der Gründer gefragt, warum er ausgerechnet in Zeiten von Künstlicher Intelligenz eine Lernplattform ins Leben gerufen hat. Seine Antwort ist eindeutig: KI kann ein mächtiges Werkzeug sein, aber die menschliche Komponente niemals ersetzen. „Wenn man ein Thema grundsätzlich nicht verstanden hat, weiß man oft gar nicht, was oder wie man fragen soll“, gibt er zu bedenken. „Eine KI wartet passiv auf Input. Sie stellt keine unaufgeforderten Nachfragen und baut keine zwischenmenschliche Beziehung auf.“ Lernen sei ein zutiefst menschlicher Prozess, der Vertrauen, Motivation und Empathie benötige.
Aktuell steht Vogel vor einer typischen Gründer-Herausforderung: der Sichtbarkeit. „Man muss sich am Markt erst einmal gegen die etablierten Großanbieter durchsetzen“, fasst der 25-Jährige zusammen. Da die Entscheidung für Lernunterstützung meist bei den Eltern liege, gilt es nun, Vertrauen aufzubauen, Bekanntheit zu erlangen und Mundpropaganda zu generieren. Vogel blickt optimistisch in die Zukunft. Sein Mut, den sicheren Weg zu verlassen und sein Wissen für sein echtes Herzensthema einzusetzen, zeigt, was die neue Gründergeneration ausmacht: Es geht eben nicht nur um den nächsten wirtschaftlichen Erfolg, sondern um echten gesellschaftlichen Mehrwert.
Autorin: Janina Schulz
Veröffentlichung: Oktober 2026
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