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Brexit- Informationen für Unternehmen

Was ist neu in 2022?

Seit dem 1. Januar 2022 ist die  zweite Phase des Border Operating Model (BOM) in Kraft und damit gelten strengere Regeln für alle Waren, die zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien (GB) befördert werden. Zollerklärungen sind dann sowohl für Ein- und Ausfuhren notwendig und mit Zollkontrollen ist zu rechnen.
- Seit dem Jahreswechsel müssen bestimmte Waren vor ihrer Einfuhr nach Großbritannien vorab angemeldet werden – siehe  Internetseite der britischen Regierung. Dazu zählen:
  • Erzeugnisse tierischen Ursprungs (Products of Animal Origin, POAO)
  • bestimmte tierische Nebenprodukte (animal byproducts, ABP)
  • Hochrisiko-Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs (High Risk Food Not Of Animal Origin, HRFNAO)
  • Bestimmte Pflanzen und Pflanzenprodukte mit geringem Risiko
- Außerdem haben  Transportunternehmen und Spediteure neue Pflichten. Je nachdem, welcher britische Hafen angesteuert wird, da die Waren entweder nach den sogenannten  Pre-lodgement oder  Temporary storage-Verfahren eingeführt  werden. Für viele Transporteure wird die Registrierung in der britischen IT-Plattform GVMS – Goods Vehicle Movement Service notwendig. An welchen Häfen das GVMS zum Einsatz kommt, können Sie über die  Internetseite der britischen Regierung prüfen. Die neuen Prozesse sind unbedingt einzuhalten, da ansonsten Ladungen gestoppt werden.
Auf der  IHK-Internetseite des Bereichs Güterverkehr erfahren Sie mehr zu den neuen Regeln.

Unterstützung im Geschäft mit Großbritannien

Das Großbritanniengeschäft post-Brexit

Mit dem Austritt aus der EU ist Großbritannien zu einem sogenannten Drittland wie China oder die USA geworden.
Zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich werden seit 1. Januar 2021 die Regeln des  Handels- und Kooperationsabkommen (TCA Trade and Cooperation Agreement) angewendet. Informieren Sie sich über die Regeln für den Warenverkehr in unserer Übersicht zur  Nutzung des Abkommens.
  • Mit der neuen Grenze zwischen der EU und Großbritannien ist es notwendig, bei der Ein- und Ausfuhr, Zollformalitäten zu erledigen und die Ware abzufertigen. Das Abkommen stellt sicher, dass der Warenverkehr in den meisten Fällen nicht zusätzlich durch Zölle belastet wird. Der Zollsatz für Waren mit präferenziellem Ursprung EU beziehungsweise UK liegt bei null. 
    Wichtig zu wissen: Falls der Ursprung nicht nachgewiesen werden kann oder es sich um Ursprungswaren anderer Länder handelt, fällt trotz Abkommen Zoll an.

Fragen zum Warenverkehr beantworten wir in der  Übersicht „Brexit und Zoll“  sowie in den    Häufig gestellten Fragen”.
  • Wie ist die Umsatzsteuer vom Brexit betroffen?
    Das Vereinigte Königreich ist für umsatzsteuerliche Zwecke seit dem 1. Januar 2021 Drittlandsgebiet. Eine Ausnahme gilt für Nordirland, für das im Austrittsabkommen ein besonderer Status hinsichtlich des Warenverkehrs vereinbart wurde. Bei der Erbringung von Dienstleistungen sind wiederum für das gesamte Vereinigte Königreich die Regeln für Drittländer anzuwenden.
    Detaillierte Informationen zur Umsatzsteuer nach dem Brexit finden Sie  in unserem Internetbeitrag “Brexit: Umsatzsteuerliche Konsequenzen”.
  • Beihilferecht
    Seit dem 1. Januar 2021 gilt ein allgemeiner Rechtsschutz im Beihilferecht. Unternehmen im jeweiligen Land, die sich von Konkurrenz auf der anderen Seite mit Subventionen und Beihilfen konkret übervorteilt sehen, können nun hiergegen klagen. Die EU hat sich insofern durchgesetzt, als das Vereinigte Königreich eine eigene Aufsichtsbehörde zur Regulierung von Subventionen gründet.
  • Das TCA und rechtliche Standards
    Damit britische Firmen gegenüber EU-Unternehmen keinen unfairen Vorteil auf dem EU-Markt haben, müssen sie ähnliche Vorgaben unter anderem bei Umweltschutz und Arbeitsrechten einhalten.
    Was das Abkommen zu rechtlichen Standards beinhaltet, finden Sie im IHK-Internetbeitrag zum Brexit-Handelsabkommen.
  • Warenstandards/Produktzulassung
    Das Austrittsabkommen enthält keine gegenseitige Zertifizierung der Warenstandards. Eine britische Prüfanstalt kann daher ein Produkt für Großbritannien zulassen, nicht aber für den Verkauf im EU-Gebiet. Der Hersteller muss von EU-Institutionen eine zweite Zulassung einholen. Auch werden die gegenseitigen Standards für Tierprodukte nicht automatisch anerkannt, was vor allem beim Import in die EU den Kontrollaufwand erhöht.
Neue Produktkennzeichnung in Großbritannien
Produkte, die in Großbritannien in Verkehr gebracht werden, müssen mit dem  UKCA-Label gekennzeichnet werden  .  Das neue Produktkennzeichen ersetzt das europäische  CE-Kennzeichen.
Rechtmäßig mit einer CE-Kennzeichnung versehene Produkte können in Großbritannien  bis 31. Dezember 2022 auf den Markt gebracht werden - sofern EU- und GB-Anforderungen übereinstimmen.
Ab 1. Januar 2023 wird in Großbritannien nur noch das UKCA-Label akzeptiert.
Die britische Regierung informiert über die UKCA-Produktkennzeichnung sowie die davon betroffenen Waren auf  www.gov.uk.
  • Wie werden Dienstleistungen nach dem Brexit grenzüberschreitend erbracht? Wie ist die Einreise in Großbritannien geregelt? 
    EU-Bürger und Briten können sich nicht mehr auf die durch EU-Recht garantierte Dienstleistungsfreiheit berufen. Das neue Handelsabkommen schafft kaum Erleichterungen.
    DIe Regeln zur Einreise in Großbritannien haben sich geändert. Ausführliche Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite der IHK Region Stuttgart.
Seit Oktober 2021 ist die Einreise im Vereinigten Königreich für die meisten EU-Staatsangehörige nur noch mit einem gültigen Reisepass möglich. Welche Dokumente bei einer Geschäftsreise mitgeführt werden müssen, erläutert auf einen Blick der   Dienstreisecheck der GTAI.
Visa-Check:
Prüfen Sie vor Aufenthalten in Großbritannien  auf der Website der britischen Regierung, ob Sie für sich oder Ihre Mitarbeiter ein Visum benötigen.

Quelle: IHK Stuttgart 2022


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