Pressemeldung vom 13. Juli 2022

Konjunkturbarometer - Geschäftslage noch positiv, aber sehr skeptischer Blick in die Zukunft

Hamburgs Wirtschaft zeigt sich im aktuellen Konjunkturbarometer uneinheitlich
Die Situation in Hamburgs Wirtschaft ist im Sommer 2022 sehr zweigeteilt. Die aktuelle Geschäftslage wird insgesamt noch positiv bewertet. Acht von zehn Unternehmen sagen, es laufe derzeit mindestens „saisonüblich“ oder sogar „gut“. Beim Ausblick auf die kommenden Monate sind aber dunkle Wolken sichtbar. Für sieben von zehn befragten Unternehmen gehören die Energie- und Rohstoffpreise derzeit zu den größten Geschäftsrisiken und sind damit genauso herausfordernd wie der Fachkräftemangel.
„Hamburgs Unternehmen befinden sich in einer ernsten Situation, die Energieversorgung ist von erheblichen Unsicherheiten geprägt“, fasst Jan-Oliver Siebrand, Bereichsleiter Nachhaltigkeit und Mobilität der Handelskammer Hamburg, zusammen. „Wir appellieren an die alle zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung, sämtliche notwendigen Maßnahmen unmittelbar umzusetzen, um die Energieversorgung für die Unternehmen zu sichern. Die Abschaltreihenfolge im Falle einer Gasmangellage sollte berücksichtigen, dass wir unseren Wohlstand gefährden, wenn wir unwiederbringlich unsere tragenden Wirtschaftsstrukturen gefährden, zum Beispiel im produzierenden Sektor. Hamburgs Wirtschaft steht bereit, schon jetzt – drei Monate vor Beginn der Heizperiode – ihren vertretbaren Anteil an den notwendigen Strom- und Gaseinsparungen zu leisten. Die Handelskammer bietet Unternehmen hierzu umfangreiche Beratungen an. Die Situation macht auch deutlich, wie wichtig es ist, sowohl den kurzfristigen Bezug von Kohle und Gas sicherzustellen und zugleich die Nutzung regenerativer Energiequellen mit Hochdruck vorantreiben.“
Die Geschäftserwartungen in der Hamburger Wirtschaft haben sich merklich verschlechtert. 42 Prozent der befragten Unternehmen gehen für die kommenden zwölf Monate von einer „eher ungünstigeren“ Lage aus. Besonders groß ist der Pessimismus zum Beispiel im Baugewerbe und in der Gesundheitswirtschaft. Die beiden größten genannten Geschäftsrisiken sind die Energie- und Rohstoffpreise (69 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (68 Prozent).
Bei HOBUM Oleochemicals in Hamburg-Harburg werden Pflanzenöle zu technischen Rohstoffen für die chemische Industrie verarbeitet. So entstehen zum Beispiel Weichmacher für die Verpackung von Nahrungsmitteln oder Haftvermittler für Anwendungen im Kfz-Unterbodenschutz oder in der Luftfahrt. Dafür braucht das Familienunternehmen u.a. Sonnenblumenöl aus der Ukraine und Erdgas zur Herstellung von Hochdruckdampf. „Wenn wir kein Gas mehr bekommen, können wir nicht eine Tonne produzieren“, sagt Geschäftsführer Arnold Mergell. „Wir stellen uns dennoch auf einen Lieferstopp von russischem Gas ein. Als Alternative schaffen wir derzeit einen Zweistoffbrenner an, der auch mit Heizöl läuft. Mittelfristig setzen wir auf Wasserstoff und hoffen auf eine dramatische Beschleunigung der laufenden Initiativen in Hamburg“. Ein weiteres Problem für Arnold Mergell: Die explodierenden Preise für Pflanzenöle, durch den Krieg in der Ukraine.
Insgesamt tragen auch gestörte Lieferketten weiter zur Unsicherheit in der Wirtschaft bei. Das ist ein Aspekt der jüngsten Konjunkturprognose des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Eingeschränkte Handelsbeziehungen und durch die Inflation gesunkene reale Kaufkraft drücken das Wirtschaftswachstum. Das HWWI geht für dieses Jahr noch von 1,75 Prozent aus. Für 2023 – vorausgesetzt die Krisenprobleme entspannen sich – wird mit einem Wachstum von 2,5 Prozent gerechnet.
Zum Hintergrund:
Der Geschäftsklimaindex der Hamburger Wirtschaft liegt zum Ende des zweiten Quartals 2022 bei 89,3 Punkten und damit mehr als sechs Punkte unter dem Ergebnis der Befragung von vor drei Monaten. 600 Unternehmen haben sich im Zeitraum vom 21. Juni bis 7. Juli beteiligt. Bei einzelnen Branchen zeigen sich dabei teils große Unterschiede. Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft kommen auf einen Geschäftsklimaindex von 59 Punkten. Das Gastgewerbe liegt mit knapp 116 Punkten deutlich über dem Durchschnitt. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen bezeichnet die aktuelle Lage als „befriedigend bzw. saisonüblich“. Für 36 Prozent ist die Lage „gut“, für 17 Prozent „schlecht“.
Alle Zahlen gibt es unter: www.hk24.de/konjunktur
Langfassung des Konjunkturberichts:  www.hwwi.org/forschung/konjunktur-und-wachstum/projekte.