Sachsen-Anhalts Freizeitbranche: Zuversicht trotz Rückgang

Halle (Saale), 27. September 2022. Sachsen-Anhalter gehen auch nach der Pandemie seltener ins Schwimmbad, dafür wieder mehr in die Natur und ins Museum – nutzen Freizeiteinrichtungen insgesamt aber seltener als vor Corona. So lassen sich die Ergebnisse des Freizeitbarometers zusammenfassen, einer Umfrage der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern (IHKn) Halle-Dessau und Magdeburg unter den touristischen Einrichtungen zwischen Arendsee und Zeitz.
Demnach haben 2021 rund 5,8 Millionen Gäste die Freizeiteinrichtungen im Land besucht. Dies sind 1,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wobei die Zahlen schon 2020 fast 50 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau lagen. Besonders hohen Besucherschwund mussten im vergangenen Jahr wassertouristische Freizeitanbieter (minus 22 Prozent) sowie Bäder und Thermen (minus 14 Prozent) hinnehmen. Nach rückläufigen Zahlen 2020 konnten im vergangenen Jahr Landschaftsattraktionen (plus 40 Prozent) sowie Museen und Ausstellungen (plus acht Prozent) wieder einen Gästezuwachs verzeichnen. Die LAG hatte für das Freizeitbarometer zwischen Mai und Juli dieses Jahres insgesamt 650 touristische Einrichtungen im Land befragt, 242 von ihnen haben geantwortet.
„Nach wie vor muss – neben Gastronomie und Hotellerie – im heimischen Tourismus auch unsere Freizeitbranche Einschnitte hinnehmen“, stellt Antje Bauer, Geschäftsführerin bei der IHK Halle-Dessau, zusammenfassend fest. „Die Hälfte der befragten Einrichtungen haben Nachfragerückgänge, zudem belasten fehlende oder ausfallende Mitarbeiter und hohe Stornierungsraten der Gäste die Geschäftstätigkeit.“ Als Hauptgründe für den Rückgang werden laut IHK-Umfrage weiterhin vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie genannt, also das deswegen veränderte Gästeverhalten. Pandemiebedingte Besucherrückgänge würden von etwa der Hälfte aller Freizeiteinrichtungen immer noch mit über 25 bis über 75 Prozent benannt, berichtet Bauer.
Trotzdem blicke die Freizeitbranche zuversichtlich auf das laufende Jahr, berichtet die IHK-Geschäftsführerin. Der Saldo der Erwartungen liege bei plus 53 Punkten. 59 Prozent der Befragten erwarteten eine gute Besucherentwicklung, 35 Prozent gingen von stabilen Besucherströmen aus. „Viel Hoffnung liegt auf dem Herbstgeschäft, denn mit Blick auf die Energiepreise dürfte sich die Stimmung zum Jahresende wieder eintrüben“, vermutet Bauer.

Finanzielle Engpässe drohen – Coronahilfen selten eine Hilfe

Bauer betont: „Ein Aufschwung ist auch nötig, um die finanziellen Folgen des Rückgangs abzufangen.“ Denn die Freizeitbranche klage über Liquiditätsengpässe und Eigenkapitalrückgänge. Zwar gäben 48 Prozent der Einrichtungen an, die bisherigen Verluste aus eigener Kraft kompensieren zu können. Dennoch können geplante Investitionsvorhaben nicht in vollem Maße umgesetzt werden. Knapp ein Drittel der Einrichtungen wolle im laufenden Jahr gar nicht investieren. „Die Coronahilfen waren für diese Branche leider selten eine Hilfe“, bedauert die IHK-Geschäftsführerin. Viele Hilfsprogramme, die Verluste aus dem Lockdown kompensieren sollten, hätten nicht oder nur teilweise für die Freizeitbranche gegolten: „Nur drei Prozent kamen in den Genuss von Sonderprogrammen, die Härtefallhilfen wurden gar nicht genutzt.“ Gerade 45 Prozent der Einrichtungen hätten, so Bauer, überhaupt staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch nehmen können, etwa Kurzarbeitergeldregelungen oder Soforthilfe, Überbrückungs- und Neustarthilfe.
„Auch generell sieht die Branche das Coronamanagement als verbesserungsbedürftig an“, sagt Bauer. Mehr als die Hälfte der Freizeiteinrichtungen bezeichnen laut Freizeitbarometer die staatlichen Corona-Regelungen als überreguliert. 44 Prozent kritisieren demnach die unübersichtlichen bis unverständlichen Pandemie-Regelungen des Bundes für die Freizeitwirtschaft, mit den Landesregularien in Sachsen-Anhalt waren 48 Prozent unzufrieden und mit den kommunalen Vorgaben 19 Prozent.
Über Rationalisierung und sonstige Einsparpotentiale versuche knapp ein Viertel der Freizeiteinrichtungen ihre Verluste zu minimieren, berichtet Bauer. Um Negativauswirkungen zu verringern, haben laut Freizeitbarometer mehr als ein Viertel der Einrichtungen die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse vorangetrieben, 45 Prozent die Online-Präsenz zur Kundengewinnung verstärkt. Virtuelle Angebote, die Möglichkeit der Online-Buchung, digitale Besucherlenkung oder Gäste-Apps sind innerhalb kürzester Zeit bei vielen Einrichtungen auf den Weg gebracht worden. „Ein Fünftel der Einrichtungen plant Preissteigerungen im laufenden Jahr.“
Hintergrund: Für das IHK-Freizeitbarometer befragt die Landesarbeitsgemeinschaft der beiden Industrie- und Handelskammern in Sachsen-Anhalt (LAG) seit 2017 einmal jährlich tourismusrelevante Anziehungspunkte Sachsen-Anhalts: zu deren aktueller Lage, Erwartungen an das kommende Jahr sowie Aussagen zu ausgewählten aktuellen Branchenthemen. Diese Daten sollen Fakten zur Entwicklung der Freizeitwirtschaft Sachsen-Anhalts dokumentieren und helfen, Infrastruktur-Entscheidungen ebenso wie zielgerichtetes Marketing zu ermöglichen. Das „ IHK-Freizeitbarometer Sachsen-Anhalt 2022 (PDF-Datei · 4648 KB)“ ist im Internet unter www. ihk.de/halle und www.ihk.de/magdeburg abrufbar.
Die LAG besteht seit 1997 und vertritt die Interessen von rund 110.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Die Landesarbeitsgemeinschaft führt Umfragen unter ihren Mitgliedsunternehmen durch, erarbeitet fachliche Stellungnahmen und vertritt das Gesamtinteresse der Unternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.